Kawasaki Versys 1000 SE 2020 Test #240950
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Kawasaki Versys 1000 SE 2020 Test

31.01.2022 06:21    |   Bericht erstellt von Golden Void

Testfahrzeug Kawasaki Versys 1000 SE
Leistung 120 PS / 88 Kw
Hubraum 1043
Aufbauart Andere
Kilometerstand 9000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 8/2020
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von Golden Void 4.0 von 5
Gesamtwertung Kawasaki Versys 1000 4.0 von 5
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Einleitung

Die Versys ist ein echt geiles Gerät :D.

 

Leider hat sich die Kreativität der Kawasaki-Designer auf den vorderen Teil des Mopeds beschränkt. Wenn man aber passende Seitenkoffer dranhängt läßt sich dieses Manko ausreichend kaschieren.

 

Sehr gutmütiger und breitbandiger Vierzylinder. Eigentlich benötigt man nur den 1. und den 6. Gang, solange man keine Ampelrennen fahren will... .

 

Das semiaktive Fahrwerk filtert souverän alles weg außer Schlaglöchern. Diese "findet" man mit den 17" Vorderrad aber natürlich wesentlich leichter als mit einem 19"er aus der Klasse der "echten" Reise-Enduros. Solange man aber auf (noch so schlechtem) Asphalt bleibt gibt's überhaupt keine Probleme - ein Traum!

Aber auch Schotterpisten sind kein Problem. Per el. Setup läßt sich das Fahrwerk auf weich einstellen und immerhin die Traktionskontrolle abschalten, (Hinterrad-) ABS leider nicht.

 

Mit entspr. Bereifung (habe derzeit die Metzeler Karoo Street aufgespannt und bin damit glücklich. Abgesehen von der Tatsache daß sie durch ihren Negativprofilanteil eben pfeifen - und das synchron dank gleicher Felgengröße vorne wie hinten. Das Pfeifkonzert-Maximum liegt bei etwa 80 km/h - Autobahntunnel in der Schweiz werden damit also zur Nervenprobe...!).

Aber abgesehen davon lassen sich damit jegliche Schotterpisten inkl. starker Steigung passieren und so nebenbei locker auch Bachdurchfahrten, trotz des erheblichen Gewichts von knapp 260kg + Fahrer.

Also wesentlich mehr als die meisten GS- oder AT-Fahrer jemals in Angriff nehmen würden.

 

Die Schaltung ist leider etwas schwammig, funktioniert aber letztlich ausreichend gut. Der Quickshifter arbeitet hoch + runter einwandfrei solange der Motor auf Drehzahl (> >4000/min) gehalten wird.

 

Das hohe Windschild der SE ist erste Sahne. Damit kann man auch mit 160 noch spazierenfahren ;). Laminare Abschirmung, und daher ruhig und ohne Turbulenzen, sprich Lärm am Helm.

 

Würde ich die Basisversion ohne SE kaufen wären das hohe Windschild der SE sowie der Quickshifter als Zusatzausstattung absolutes Pflichtprogramm.

Galerie

Karosserie

4.5 von 5

Die Kiloversys ist ein reinrassiger Tourer auch für Fahrten mit Sozius, der auch vor schlechten Wegen nicht zurückschrecken muß.

 

Die Wertung für Übersichtlichkeit kann ich nicht abgeben (was soll das sein bei einem Motorrad??), drum habe ich hier gutes Mittelmaß angekreuzt...

 

Als Kofferraum empfinde ich die Bestückbarkeit mit Koffern und zusätzlichem Stauraum - die ist optimal. Sowohl von Kawasaki wie auch von Drittanbietern wird die komplette Bestückung angeboten. Ich persönlich habe mich für Alu-Bekofferung von H&B entschieden - sehr komfortabel und ausreichend für 2 Wochen ohne Komfort-Einschränkungen.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Richtig stabiles, verwindungssteifes Gerät. Problemlos auch für Touren mitSozius verwendbar
  • - Ziemlich schwer (off. Leergewicht 257kg)

Antrieb

4.0 von 5

Die maximale Motorleistung von 120 PS steht erst bei 9000/min an, Drehmoment (102Nm) bei 7000. Soll heißen wenn man der Versys maximale Leistung abfordert will sie gedreht werden.

Das macht auch Spaß, wenngleich es nicht nötig ist um die Kiste gediegen zu bewegen - aber einem Supersportler kommt man bei weitem nicht hinterher.

 

Allerdings kann man auch Ortsdurchfahrten ohne Konstantfahrruckeln im 6. Gang durchführen ohne daß einem das Gesicht einschläft wenn man wieder Rausbeschleunigen will.

 

Die Versys ist nicht auf sportlich abgestimmt, aber umso mehr auf extrem gutmütigen und breitbandigen Betrieb ausgelegt.

 

Der Verbrauch ist so gut wie garnicht unter 5l absenkbar, man kann sich aber immerhin auf eine Maximal-Reichweite von 350..400km einstellen. Schon nicht schlecht.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Sehr gutmütiger, breitbandiger Motor, der sich schlatfaul bewegen läßt
  • - Egal wie man fährt kaum unter 5l/100km zu kriegen

Fahrdynamik

3.5 von 5

Die Versys 1000 SE ist ein dicker Brocken mit ihren 257kg Leergewicht. Sehr wendig ist sie nicht gerade, im Stadtverkehr also nur wenig besser als ein Auto.

 

Sobald man im Rollen ist läßt einen der breitbandige Motor das Gewicht aber gleich vergessen. Beschleunigung ist optimal und auch die Bremsen lassen keine Wünsche offen, wenngleich man gerade vorne im Zweifelsfall kräftig zupacken muß.

 

Die Lenkung ist direkt und läßt einen problemlos auch Schlangenlinien fahren. Somit ist auch die Kurvenperformance ziemlich optimal.

 

Beim Fahrverhalten gebe ich eine deutliche Abwertung mit Blick auf schnellere AB-Fahrten. Ab 150..160 beginnt sie erstmal harmlos zu pendeln, fährt man schneller kann sich das in lebensgefährliche Resonanzschwingungen des Fahrwerks verstärken. Habe das selbst bei 190..200 erlebt und nur mit viel Glück überlebt. Sprich so schnell fahre ich nie wieder mit der Versys. Schade, schade...

Unterhalb dieser Geschwindigkeiten aber völlig problemlos und einwandfrei - daher immerhin 3 von 6 Punkten.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Kaum im Rollen vergißt man das hohe Gewiht schlagartig
  • - Dicker Brummer, nicht sehr wendig, nicht geeignet zum Durchschlängeln im Stadtverkehr
  • - Hochgeschwindigkeitsperformance sehr schlecht, ab 150 beginnt sie zu pendeln und gerät bei höheren Geschwindigkeiten leicht in Resonanzschwingungeg....

Komfort

4.5 von 5

Das el. einstellbare Fahrwerk der SE ist der Hammer und läßt keine Wünsche offen. Kann man locker ohne anzuhalten zwischen bequem und sportlich umschalten, auch ein benutzerdefiniertes Profil ist anwählbar.

 

Der Sitzkomfort ist ebenso der Hammer, auch für Sozius.

 

Als "Innengeräusche" bewerte ich den Job der großen Frontscheibe der SE - super gut. Da kann man bei 110 noch locker Zigarette rauchen ohne daß einem das Dingen wie eine Zündschnur runterbrennt. Auch bei 160 noch äußerst ruhig was die Verwirbelungen betrifft.

 

Diese Eigenschaften führen beim Punkt "Heizung/Klimatisierung" zur Abwertung - an heißen Sommertage würde ich mir deutlich mehr Fahrtwind wünschen. Aber nur dann...

 

Bedienung ist einwandfrei, aber leider sind die Schaltelemente bei Dunkelheit nicht hinterleuchtet. Da muß man die Bedienung verinnerlicht haben um dennoch zielsicher bedienen zu können. Keine Katastrophe, aber für meinen Geschmack ein NoGo für ein Moped dieser Preisklasse...

Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Klasse Fahrwerk, ohne Anzuhalten einstellbar und uschaltbar
  • - Bezüglich Fahrwerk fällt mir beim besten Willen kein Minuspunkt ein...

Emotion

4.5 von 5

Die große Versys ist ein richtig geiles Gerät. Zwar kein Ersatz für einen Supersportler (aber das will sie auch garnicht sein - stattdessen lassen sich mit ihr auch leichtere Geländepassagen absolvieren), aber der breitbandige Motor macht jeden Drehzahlbereich ohne zu meckern mit und dabei Spaß.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Läßt sich bis 10.000/min richtig schön durchdrehen
  • + Bleibt immer komfortabel weil sie auf Durchzug statt Höchstleistung abgestimmt ist
  • - Auch hier fällt mir kein Minuspunkt ein....

Unterhaltskosten

Verbrauch auf 100 km 5,0-5,5 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 500-700 Euro
Werkstattkosten pro Jahr bis 200 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 76

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Perfekt beraten ist mit diesem Moped wer längere Touren, mit oder ohne Sozius, absolvieren und dabei nicht auf sportliche Avancen verzichten will.

Mit geeigneten Reifen sogar Leicht-Gelände tauglich - für alles was sich irgendwie noch "Straße" nennen kann sowieso.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Für Autobahn-Heizer nicht die optimale Wahl weil das Fahrwerk über 160 instabil wird!

Auch wenn der Motor für Höchstleistungen gedreht werden will und kann bleibt er hinter einem sportlich ausgelegten Moped weit zurück. Wer's braucht....

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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