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Kawasaki EL 250 EL 250 B Test

27.06.2017 18:39    |   Bericht erstellt von Chrom666

Testfahrzeug Kawasaki EL 250 EL 250 B
Leistung 34 PS / 25 Kw
Hubraum 249
Aufbauart Andere
Kilometerstand 65000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 3/1988
Nutzungssituation Privates Motorrad
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von Chrom666 4.0 von 5
Gesamtwertung Kawasaki EL 250 3.5 von 5
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Einleitung

Ich wollte mal ein kleines und handliches Motorrad für die Stadt. Hatte zu diesem Zweck vor vielen Jahren mal eine Z200, die gefiel mir aber so gar nicht. Der Motor war träge und wirkte in so ziemlich jeder Fahrsituation überfordert. Ein wenig spritziger durfte es also schon sein, ein Rennsportgerät das über 300Km/h fährt, braucht man in der Stadt aber nicht wirklich.

Da lief mir so eine El250 übern weg, war billig und war eine Kawasaki, davon hab ich mehrere und von dieser Marke sollte mein neuer Stadtflitzer auch sein - passte also alles.

Nun fahre ich das Dingsi ein paar Jahre und muss sagen: Das Teil damals zu kaufen war eine meiner besseren Ideen, es macht einfach Spass.

Natürlich hab ich an meiner EL etwas rumgebastelt, sieht nicht mehr ganz so aus wie eine originale.

Galerie

Karosserie

4.0 von 5

Was für eine Art Motorrad ist das überhaupt? Einfache Frage, schwierige Antwort. Also eine Enduro ist es definitiv nicht, ein Supersportler auch nicht. Für einen Tourer ist es nicht besonders tourentauglich (dazu später etwas mehr), für einen Chopper hat es eine zu kurze Gabel und für ein Musclebike einen etwas zu kleinen Motor. Also irgendwie nicht ihm und nicht ihr.

Überall kann man lesen, das es ein Mädchenmoped ist. Naja, nur weil kleingewachsenen Damen draufpassen, heißt das ja noch lange nicht, das das nicht auch für Jungs was sein kann. Und in rosa gabs die auch nie.

Am ehesten trifft wohl der schwammige Begriff "Cruiser" zu. Wobei, dagegen spricht jetzt wieder der Motor, den haben die Kawamannen nämlich im Sportlerregal gefunden.

 

Eine weitere Besonderheit ist das Heck. Anders als bei Cruisern üblich, ist das nicht möglichst tief gehalten, sondern reckt sich keck nach oben. Das kann man mögen oder auch nicht, hat aber den Vorteil, das es überhaupt kein Problem ist, die Federbeine gegen kürzere zu tauschen, falls einem die EL doch noch zu hoch sein sollte. Polstert man dann noch den recht dicken Sitz ab, sitzt man auf Dackelhöhe.

Apropos Sitzhöhe: Klar, die sollte bei klein gewachsenen Menschen nicht zu hoch sein. Aber wozu nirgends Zahlen stehen, auch nicht zu breit!

Ein Konkurenzmodell hat unter dem Hocker den eigentlichen Tank versteckt. Und weil da ja doch etwas Sprit rein passen soll ist die etwas pummelig um die Hüften rum, Die EL hat da die deutlich schlankere Tallie.

Abgesehen davon, ich selbst bin 181cm und fühle mich durchaus wohl. Das geht also auch.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Speziell
  • - etwas verbaut

Antrieb

4.5 von 5

Ja der Motor - eigentlich nichts wirklich spektakuläres, außer der Tatsache, das es so ziemlich das Gegenteil von dem ist, was man in einem Cruiser erwarten würde.

Ein klassischer Cruisermotor ist ja ein V2. Und das mit möglichst viel Hubraum, ein wahnsinns Drehmoment schon im Drehzahlkeller, hohe Drehzahlen können die nicht, will man auch nicht, braucht man auch nicht. Man dümpelt damit in niedrigen Drehzahlen rum, zieht am Kabel, die Fuhre stempelt wehement mit dumpfen grollen nach vorne. Soweit, so gut.

Baut man so einen Motor aber nun immer kleiner, landet irgendwann in der 250ccm Klasse, ist nichts mehr mit stempeln und dumpfen grollen, man hat ein Motörchen gebastelt, das untenrum kaum Drehmoment hat, obenrum nicht will und dazwischen - naja, es fährt irgendwie.

 

Ganz anders der Motor der EL. Es ist ein ultra kurzhubiger Reihenzweier, der kann im Drehzahlkeller auch nicht, mit mittleren Drehzahlen fährts irgendwie und ab Drehzahlen wo die V2s ihre Segel streichen, da fühlt er sich erst richtig wohl. Und dann geht auch was.

 

Und so kommt in der Stadt richtig Fahrspass auf. Gaukelt einem der willig hochdrehende Motor mindestens 150Km/h vor, sind es tatsächlich erst 60. Gut für den Führerschein. Allgemein würde ich den Motor als extrem spritzig beschreiben, allerdings ist schaltfaules Fahren nicht so seins.

 

Grundsätzlich ist das Motörchen trotz seiner hohen Drehzahlen (wir reden hier von 12.000U/min und mehr, das sind Werte von reinrassigen Sportlern und leistungsstarken Zweitaktern) als robust und langlebig zu bezeichnen.Hierfür sind wohl die, durch den kurzen Hub bedingten, relativ niedrigen Kolbengeschwindigkeiten und der hubraumbedingten recht kleinen bewegten Massen verantwortlich.

 

Das Getriebe harmoniert prima mit der Leistungscharakteristik des Motors und lässt sich präzise bedienen.

Kleine Besonderheit ist die Kawasakitypische Leerlauffindautomatik. Das funktioniert so: Man fährt zB auf eine rote Ampel zu, schaltet im Rollen bis in den ersten Gang runter und hält an. Im stand kann man jetzt nur noch in den Leerlauf schalten, ein Wechsel in den zweiten ist nicht möglich. Das hat Vor- und Nachteile. Macht man das so, landet man, ob man will oder nicht, immer im Leerlauf. Das ist gut. Blöde wird es, wenn man es gewohnt ist, den Leerlauf schon im Rollen einzulegen. Es gibt zwischen Ersten und Zweiten keinen wirklich klar definierten Rastpunkt, man schaltet dauernd vom Ersten in den Zweiten und wieder zurück. Aber soll man ja auch nicht so machen.

Die Kaltlaufeigenschaften sind Kawatypisch schlecht, man hasst es oder kommt damit klar. Anspringen ist kein Problem, aber nur mit gezogenem Choke. Der Choke ist erstmal digital, also entweder voll gezogen oder Motor wieder aus. Doof, wenn nach ein paar Metern Fahrt eine rote Ampel kommt. Voll gezogener Choke heißt nämlich auch Anhebung der Drehzahl und so steht man auch mal mit über 4000 U/min an eben dieser Apeln.

Nach kurzer Fahrt hat der Choke dann auch Zwischenstufen und alles funktioniert, wie es sein soll. Im Hochsommer entfällt dieses Problem ganz.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Agiler und bewährter Motor

Fahrdynamik

4.5 von 5

Ich habe lange nach dem passenden Wort gesucht, "flink" trifft es wohl am Besten. Weder eine 250er noch ein Motorrad mit 33PS ist wirklich schnell. Aber träge wirkt die EL auch nie. Flink halt.

 

Aber das hat seine Grenzen.

Gemütliches Dahingleiten mit 130Km/h auf der Autobahn funktioniert nicht. Das Motorrad schaft laut Papiere 145 Km/h. Dabei dreht es aber wie ein Zahnarztbohrer. Na und 130 sind da schon nahe dran. Im sonst recht ausgewogenem Fahrwerk kommt langsam Unruhe auf, die Bremsen machen zwar noch ihren Job, aber auch hier merkt man das nicht mehr all zu viel Luft nach oben ist, kurz es wird stressig. Gehen tut das, na klar, entspannt geht anders.

Oder eine große Tour, Urlaubsreise mit Sozius und Gepäck. Auch das geht, blos nicht besonders gut. Der Soziussitz ist eher als Notsitz zu verstehen. Sozius und Gepäck ist Tetris mit Rucksäcken und Taschen.

 

Aber dafür ist das auch gar nicht gemacht! In der Stadt super, auch mit Sozius. Eine kleine Landpartie? Macht nen heiden Spass. Da liegen die Stärken der EL. Man muss halt wissen, was man will.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Flink
  • - Nichts für die Autobahn

Komfort

4.0 von 5

Für den(die) Fahrer(in) ist alles prima. Man sitzt bequem, Rasten, Hebel und Knöpfchen sind alle da, wo man sie auch vermutet.

Erstaunlich: Das gilt für Leute unter 160cm bis knapp über 180cm.

Geringes Eigengewicht, niedriger Schwerpunkt und wieder der Motor vermitteln ein agiles, leichttfüssiges Gefühl.

Die Federung ist mir, obwohl ich nur knapp 70Kg wiege, irgendwie zu weich. Vorne und auch hinten, obwohl schon auf die größte Vorspannung gestellt.

Ist aber auch Geschmackssache, könnte man jetzt auch als kompfortabel abgestimmt schönreden.

Zum Sozius hab ich ja schon etwas geschrieben, geht, ist zugelassen, gut geht anders.

Zu den Geräuschen:

Alte Kawas klappern im Stand, das ist einfach mal so. Die EL tut das auch. Der Auspuff ist StVzO typisch eher leise, steht man an der Ampel, hört man als Fahrer fast nur Geklapper. Unterlegt von leisem, Zweizylindertypischem "PlopPlopPlop" aus dem Auspuff. Bei höheren Drehzahlen wechselt das aber tatsächlich zu aggressivem Gebrüll, der Auspuff sorgt dafür, das es nicht infernalisch laut wird. Das überrascht einen am Anfang doch etwas, das hätte man weder von einer 250er, noch von einem Cruiser erwartet. Das Klappern ist dann übrigens weg.

Heizung und Klima: Im Sommer ist es schön warm, im Winter eisekalt - ist halt ein Moped.

Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Für den Fahrer prima
  • - Für den Sozius nicht ganz so

Emotion

4.0 von 5

Das Design ist nicht langweilig, es polarisiert. Der überwiegende Teil findet die EL abgrundtief hässlich, manchen mögen gerade das etwas Andere.

Mit dem ganzen Spritzschutzgeraffel finde ich sie auch blöd, aber die Grundlinie - ich mag sie.

Und genauso mag ich, das Optik und Motor so einfach nicht zusammenpassen wollen.

Sie ist einfach etwas anders, mit nichts so wirklich zu vergleichen und will auch nicht wirklich in irgendeine Schublade passen. Dem einen gefällts, dem Anderen nicht.

Und genau das macht die EL für mich aus, deswegen gefällt sie mir recht gut.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Lässt sich nicht einordnen
  • - Lässt sich nicht einordnen

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr bis 100 Euro
Verbrauch auf 100 km 3,5-4,0 Liter
Inspektionskosten pro Jahr bis 100 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr bis 200 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 3
Haftpflicht bis 200 Euro (40%)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Wie immer, erstmal muss man wissen, was sein Moped nu können soll und was nicht unbedingt.

Ich habe versucht, die Stärken und Schwächen aufzuzeigen, sollten die Stärken dem persönlichen Anforderungsprofil entsprechen, ist so eine kleine Elli durchaus eine Überlegung wert.

Wenn nicht, dann nicht.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Selbst die neuste EL ist alt. Da kann das Motorrad nichts dafür, aber man muß halt generell wissen, ob man so etwas altes wirklich haben möchte.

Alt hat auch immer etwas mit Schrauben zu tun, schrauberfreundlich ist die EL nicht wirklich. Alles ziemlich verbaut. Stellt aber eher die Geduld als das Können eines Schraubers auf die Probe.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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