Honda Wave 110i Test #180766
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Honda Wave 110i Test

04.09.2016 23:41    |   Bericht erstellt von 5StarPoldi

Testfahrzeug Honda Motorrad Honda Wave 110i
Leistung 9 PS / 7 Kw
Hubraum 124
Aufbauart Andere
Kilometerstand 13500 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 4/2015
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von 5StarPoldi 3.5 von 5
Gesamtwertung Honda Leichtkrafträder Innova 3.5 von 5
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Einleitung

Das Fahrzeug wurde am 10.04.2015 durch den örtlichen Honda Händler ausgeliefert und steht seitdem ununterbrochen, zu meiner vollsten Zufriedenheit, im Dienst. Der Kilometerstand beträgt nun schon 13500 km.

Bis dato gab es einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt: eine Schraube im Reifen zerstörte den Schlauch. Das 1000km und 4000km Service wurde in der Honda Werkstatt erledigt, seitdem warte ich selber.

Galerie

Karosserie

3.5 von 5

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, aber den Concours d'Elegance wird man mit einer Wave sicher nicht gewinnen. Das Design ist zweckmäßig und unauffällig, die Verarbeitung Hondatypisch aber auf einem soliden Niveau und überraschend durchdacht. So schien es mir seltsam, dass die Spaltmaße zwischen den hinteren Blinkleuchten und der Verkleidung nicht "Plan" sind, sondern so groß, dass man da den Finger dazwischenstecken kann. Der Sinn dahinter erschloss sich mir erst, als es einen Kollegen mit demselben Fahrzeug "hingelegt" hat. Die Plastikverkleidung war abgekratzt, das Blinkerglas allerdings jungfräulich. Im 3. Welt-Design steckt also überraschend viel "Hirn".

 

Das Helmfach ist vorhanden, im Vergleich zu Kleinradrollern allerdings bescheiden. Helm bekomme ich da keinen rein, weder Vollvisier noch Jet. Trotzdem habe ich dort viele nützliche Dinge untergebracht wie: 0,5l Reservebenzin, 0,75l Motoröl, Kettenfett, 0,5l Wasser, Flüssigseife, Bordwerkzeug, 12V Anschluss, eine Regenhaut und eine Sturmhaube für die kälteren Tage. Und obwohl das Helmfach recht klein ist lässt sich auch ohne Topcase erstaunlich viel mit der Wave transportieren, selbst im "Durchstieg" der gegenüber einem Roller nicht eben ist.

Galerie
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + unauffällig
  • + durchdachtes Design
  • + bequeme Sitzposition
  • - unauffällig
  • - Helmfach relativ klein

Antrieb

3.5 von 5

Als Antrieb dient ein kleiner Einzylindermotor mit 109cm³ und einer PGM-Fi Benzineinspritzung, der atemberaubende 8,6 Ps an die Kupplung schickt und mittels E-Starter oder, wenn notwendig, Kickstarter zum Leben erweckt wird. SOHC Ventilsteuerung und Fahrtwindkühlung verbinden heute viele mit antiquiert, was auch stimmen mag, da es mir jedoch vor allem auf Zuverlässigkeit und Haltbarkeit ankommt ist gerade diese Antiquiertheit für mich von großem Vorteil.

 

Das halbautomatische Getriebe mit seinen vier Gängen lässt sich weich und sicher schalten, braucht aber etwas Eingewöhnung. Alle Gänge werden nach unten geschalten (N-1-2-3-4). Das Anfahren übernimmt eine Fliehkraftkupplung (Motor kann daher nicht abgewürgt werden)

 

Ein Schaltvorgang während der Fahrt funktioniert so:

 

Beim hinunterdrücken der Schaltwippe wird die Kupplung geöffnet und der nächsthöhere Gang eingelegt. Beim Loslassen der Schaltwippe wird der Kraftschluss wiederhergestellt und eingekuppelt. Das runterschalten funktioniert genauso, allerdings wird man am Anfang oft von der plötzlich einsetzenden Motorbremswirkung "überrascht" was besonders auf nassem oder losem Untergrund zu brenzligen Situationen führen kann, Zwischengas schafft hier Abhilfe.

 

Der gerade eingelegte Gang wird im Tacho angezeigt. Praktisch: Im Stand kann vom vierten Gang direkt über den Leerlauf wieder in den ersten Gang geschalten werden, während der Fahrt ist dies durch eine Sperre unterbunden.

 

Der Verbrauch liegt bei überaus erfreulichen 2 Litern / 100km, je nach Fahrweise auch darunter, selten darüber. Negativ ist hier nur der äußerst gering bemessene Tankinhalt von etwa 4 Litern zu sehen.

 

Über die Fahrleistungen möchte ich nicht viel schreiben, dass ein 110cm³ Motor mit weit unter 10Ps keine Ausgeburt an Leistung ist dürfte hier wohl jedem klar sein. Und ich gebe es ehrlich zu, etwas mehr Leistung wäre wünschenswert, allerdings ist die gegebene Leistung für die Stadt(autobahn) ausreichend und die im Fahrzeugschein angegebenen 91 km/h erreicht meine Wave mühelos. Mit etwas Anlauf stehen (trotz langer Übersetzung 16:37, Original 14:37) im Normalfall 110 km/h am Tacho, also etwa ein "gestrichener hunderter". Für 8,5 Ps, meiner Meinung nach, ein durchaus respektabler Wert.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + für die Motorgröße annehmbare Vmax
  • + Verbrauch
  • + Halbautomatik
  • - kleiner Tank
  • - magere Leistung

Fahrdynamik

4.0 von 5

Wendig ist sie, die kleine Wave und daher für die Stadt besonders gut geeignet. Der Wendekreis ist sensationell. Ein Beispiel zur Verdeutlichung:

 

Dort wo man eine Harley Fat-Boy in fünf Zügen, und eine CB 500 in drei Zügen wendet, fährt man mit der Wave im Schritttempo im Kreis, mit den Füßen auf den Rasten.

 

Trotzdem vermitteln die schmalen 17" Reifen eher Motorradfeeling, ein kippeliges Fahrverhalten wie es etwa Kleinradroller an den Tag legen kennt man von der Honda nicht. Einmal im Schwung kann man sie auch herrlich hinlegen, weitaus mehr als man bei den schmalen 70er, bzw 80er Reifen zu hoffen vermag und oft quittieren dadurch die Fußrastengummis verfrüht ihren Dienst. Das gute Fahrverhalten liegt natürlich zum einen am extrem niedrigen Leergewicht von 99kg, zum anderen aber auch an der exzellenten Originalbereifung von CST (Chen Shing Tires) Man mag es glauben oder nicht, aber ein besseres Fahrverhalten (auch bei Nässe) würde ich mir auch von keinem Markenreifen erwarten.

 

Die Bremsanlage ist für diese Leistung (auch bei Soziusbetrieb) ausreichend kräftig dimensioniert, vorne eine 220 mm Einscheibenbremse mit Einkolbenbremszange, hinten eine 110mm Trommel. Die Bremsen lassen sich gut dosieren. Die Hinterradbremse wird über ein Fußpedal betätigt. Ein kombiniertes Bremssystem (CBS), wie es etwa der gleichteure Vision 110i bietet, ist nicht vorhanden. Mehr braucht man über die Bremsanlage nicht zu sagen!

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + äußerst wendig
  • + gute Originalbereifung
  • + ausreichend kräftige Bremsanlage
  • - zum kontrollieren der Bremsflüssigkeit muss der obere Teil der Lenkerarmatur abgeschraubt werden

Komfort

3.5 von 5

Der Federungskomfort der Wave geht für mich in Ordnung. Lange Bodenwellen werden relativ gut gefiltert, kurze Stößen dagegen weniger. Im Soziusbetrieb stoßen die hinteren Federbeine bisweilen bei voller Zuladung an ihre Grenzen, richtig ungemütlich wird es allerdings nie. Allerdings, das muss man ehrlich sagen, ein SH, PCX oder dergleichen federt bedeutend besser, diese Fahrzeuge kosten aber auch wiederum bedeutend mehr.

 

Der Sitzkomfort ist (für mich mit knappen 190 cm Länge) gut, auch eine 250 km Tour von Wien bis in die "kalte Kuchl" im Voralpengebiet und zurück war mehrmals gut und ohne bleibende Rückenschäden zu bewerkstelligen. Für größere Mitfahrer ist der Komfort generell eher unterdurchschnittlich, besonders der Kniewinkel auf den hinteren Fußrasten ziemlich spitz, vorne dagegen sehr entspannt bei annähernd 90°. Zum angenehmen Fahren trägt auch der leise laufende Motor bei.

 

Die Bedienung ist sehr intuitiv, bei einem Low Budget-Fahrzeug wie der Wave aber wenig überraschend, da es nicht viele Spielereien gibt. Der Tacho zeigt die Geschwindigkeit an und verfügt über einen Gesamtkilometerzähler. Daneben gibt es Kontrolleuchten für Fernlicht sowie Blinker und eine Motorkontrollleuchte für die Einspritzanlage. Eine Benzinuhr und eine Ganganzeige mit Neutrallampe vervollständigen das Ensemble.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + einfache Bedienung
  • + leiser Motor
  • + guter Sitzkomfort
  • + sparsame Instrumentierung
  • - durchschnittlicher Federungskomfort
  • - sparsame Instrumentierung
  • - wenig Komfort für größer(e)n Sozius/Sozia

Emotion

3.5 von 5

Ich denke, niemand wird sich eine Wave kaufen weil sie Emotionen in ihm weckt, außer er ist ein sparsamer Schotte. Zum angeben an der Eisdiele gibt es weiß Gott bessere Fahrzeuge. Trotzdem hat die Wave in mir gewisse Emotionen geweckt: Das Gewissen, sparsam und relativ umweltfreundlich unterwegs zu sein. Sein wir doch mal ehrlich: Warum soll ich jeden Tag mit meiner Blechkiste durch die Stadt pendeln, unnötig viel Platz verbrauchen und im Leerlauf im Stau die Luft verpesten, wenn ich meine Wave ~200 km/Woche um 4,5€ Spritgeld bewegen kann. Zugegeben, um ähnlich viel Benzingeld kann man auch eine Vespa oder einen anderen Roller der 125cm³ Klasse bewegen, nur sind diese in der Anschaffung meist wesentlich teurer. Und gerade die Mischung aus dem günstigen Anschaffungspreis, den niedrigen Unterhaltskosten, der Robustheit sowie einem gewissen "Exotenstatus" haben die Wave für mich interessant gemacht gemacht.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + braves Rollerimage
  • + unauffälliges Design
  • - für manche langweilig

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr bis 100 Euro
Verbrauch auf 100 km bis 3 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 100-300 Euro
Werkstattkosten pro Jahr bis 200 Euro
Haftpflicht bis 200 Euro ()
Außerplanmäßige Reparaturkosten Sonstiges - defekter Schlauch (15 €)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Die Wave ist in gewisser Weise eine, äußerst sparsam motorisierte, eierlegende Wollmilchsau - Sie kann irgendwie alles, aber nichts zu 100 Prozent.

 

Sie bietet einen annähernd so guten Wetterschutz wie ein Roller, aber eben nur annähernd. Sie ist annähernd so schnell wie die meisten Fahrzeuge der 125er Klasse, aber eben nur annähernd. Sie ist unaufgeregt, manche würden es langweilig nennen, designet.

 

Man könnte diese Liste beliebig fortsetzen.

 

Aber eines kann sie wahrscheinlich besser als alle anderen: sparen! Bei der Anschaffung, und beim Unterhalt. Antiquierte Motorentechnik (SOHC, Luftkühlung) mit einem "Schuss" Innovation (Benzineinspritzung) bieten erwiesenermaßen gute Zuverlässigkeit und Haltbarkeit:

 

In Asien fahren etliche Millionen dieser Dinger herum, kaum gewartet und komplett überladen machen sie jeden Tag, jahrelang das, wofür sie einst gebaut wurden - fahren, zuverlässig fahren. Fast wie ein Dacia auf 2-Rädern.

 

Und darum ging es mir: möglichst günstig von A nach B zu kommen.

 

Trotzdem wird die Wave irgendwann vom Markt verschwinden, sie hat bei uns keine Zukunft. In Europa ist Motorradfahren ein Hobby, keine Notlösung oder Vorstufe zum Auto wie in Asien oder anderen Ländern. Wer hier eine 125er fährt möchte sich möglichst nah an der 15 Ps Grenze bewegen, dabei gut aussehen und im Normalfall eine Automatik haben. All das bietet die Wave nicht. Trotzdem hier ein Dank an Honda, als einziger japanischer Hersteller, dieses Fahrzeug in Europa anzubieten.

 

Kann ich die Wave empfehlen?

 

Jein!

 

Für alle, die ein bisschen "anders" ticken, auf den sogenannten Mainstream pfeiffen, nicht gut aussehen brauchen (oder wollen), ein zuverlässiges, robustes, ja geradezu langweiliges und für unsere Breiten "eigenartiges" Fahrzeug suchen und einfach nur konkurrenzlos sparen wollen ist die Wave das Richtige.

 

Und dennoch: Es finden sich im Honda Katalog genug andere Alternativen, etwa der vergleichbare Vision 110i mit Variomatik oder der unbestreitbar gute SH 125.

 

Wie dem auch sei, für mich ist die Wave die Richtige, seit 17 Monaten und fast 14000km.

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
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