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Harley-Davidson FLSTC Softail Heritage Classic Test

09.08.2014 15:22    |   Bericht erstellt von ankavik

Testfahrzeug Harley-Davidson FXS Softail FXSTC
Leistung 56 PS / 41 Kw
Hubraum 1338
Aufbauart Andere
Kilometerstand 90000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 12/1995
Nutzungssituation Bisher bin ich mit meiner Heri nur auf eher kürzeren Ausritten ... mehr
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von ankavik 4.0 von 5
Gesamtwertung Harley-Davidson FXS Softail 4.0 von 5
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Einleitung

Also eigentlich kann das ja garnichts werden mit einem qualifizierten, fundiertem Testbericht. "Nur" rd. 1000km Harleyerfahrung und das letzte "Vergleichsfahrzeug" vor 20 Jahren war eine Honda 900 RR fireblade... - aber sei's drum: vielleicht wird es ja ein Anstoß für andere, die sich mit dem Gedanken tragen, sich einen Traum zu erfüllen.

 

Gekauft habe ich mein bike an der "unteren Preiskante" im Januar '14 bereits mit der Idee, es bis zum Saisonstart im April einmal zu zerlegen und dann "restauriert" meine "Biker-Karriere" wieder zu beleben.

Ich wusste vorher nur, dass ich etwas "altes"(aber nicht zu alt), mit Softail, Trittbrettern und Tacho im Tank haben wollte. Arnie's Fatboy aus "Terminator" (die Älteren werden sich erinnern) war somit für mich der Inbegriff einer richtig fetten Harley (okay, die noch Älteren denken sowieso an "Easy Rider", aber Chopper sind einfach nicht mein Ding).

Ja, und so kam ich - Dank mobile.de - zu meiner Heritage!

Galerie

Karosserie

4.0 von 5

Man fühlt sich wohl im Sattel. Der breite Lenker und die entspannte Sitzposition, mit den Füßen auf den Trittbrettern und das kraftvolle Brabbeln des V2 machen gelassen und jede Fahrt zum Genuss. Der Sozius hat natürlich nicht ganz soviel davon, aber ich habe zumindest noch keine Klagen gehört.

Meine Heri Spezial hat "nur" die kleinen Satteltaschen mit entsprechend geringem Volumen. Aber dafür gefallen sie mir deutlich besser, als die Riesenkoffer der "normalen" Heri's.

Und sonst? Man hat das Gefühl, das eine Harley aus dem Vollen gefräst ist und noch den Enkeln Spaß machen wird. - Wenn das Erdöl noch so lange reicht...

Galerie
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Das Gefühl, mit sich und der Welt im Reinen zu sein.
  • - Dass jede Ausfahrt mal zu Ende geht.

Antrieb

4.0 von 5

Es gibt stärkere Bikes. Und schnellere.

Aber wie heißt es bei "Rolls Royce": die Leistung ist immer ausreichend. Viel wichtiger (und schöner) ist das Ausnutzen des unglaublichen Drehmoments. Und zwar vom Start weg. Dann mit 50 (km/h, nicht mein Alter - obwohl das auch passen würde) im 5ten Gang durch kleine verträumte Orte plöttern, ist einfach fantastisch.

Außerdem begreift man sehr schnell, dass 80km/h auf der Landstraße durchaus genug und schon ziemlich schnell sind. Unsere modernen Autos "entkoppeln" und entmündigen (ohne Anführungszeichen!) uns so sehr, dass sich niemand wundern muss, dass alle Welt nur noch auf der Jagd nach verlorener Zeit ist und dem eigenen Leben hinterher hetzt, ohne Chance, es jemals einzuholen.... Eine Harley hilft, das endlich zu verstehen, auch wenn ich dafür erst etwas älter werden musste....

Den Kupplungsdeckel habe ich noch tauschen müssen. Der hatte sich verzogen und war undicht. Das sollte mit dem massiven Billetdeckel nun endgültig vorbei sein.:)

Galerie
Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + 5l/100km für rd. 400kg Gewicht sind doch ein guter Wert, oder?!
  • - Die Vibrationen ab 120km/h sind z.T. schon heftig. Aber ist das nicht ein Beitrag zur Verkehrssicherheit und daher ein

Fahrdynamik

3.0 von 5

Man kann diesen Eisenklotz auch schieben. Was ich mangels Erfahrung bzgl. Reichweite der Reserve schon nach den ersten 300km ausprobieren durfte... Aber Spaß macht es nicht. Unhandlich oder schwer zu rangieren ist er trotzdem nicht. Überraschender Weise. Wenn man sich einmal an die Dimensionen und das Gewicht gewöhnt hat, geht es - auch dank des sehr niedrigen Schwerpunktes - sogar sehr gut. Auch der Wendekreis ist für die Dimensionen durchaus angemessen. Entsprechend fällt das Handling - einmal in Fahrt - spielerisch leicht aus. Natürlich ist eine Heri kein Rennpferd. Aber ihrem Reiz bezieht sie aus der unaufgeregten Art, ihr Drehmoment lässig aus dem V2 zu schütteln (oder sollte ich vibrieren schreiben?) und dann Easy um alle möglichen Landstrassenbiegungen zu schnüren. Alpenpässe sind sicher etwas anspruchsvoller, sollten aber auch kein Problem sein (ich freue mich schon drauf) zumindest, solange es bergauf geht. - Womit wir beim Thema Bremse wären.

Hier leistet sich die Company nicht nur eine Schwäche, sondern bekommt von mir eine glatte "6"!!! Zumindest die vordere 1-Kolbenserienschwimmsattelbremse ist eine Zumutung und war mit Sicherheit auch 1995 alles andere, als zeitgemäß. Hier hilft auch nicht das oft von anderen Harleyfahrern beschworene vorausschauende Fahren, denn schließlich lässt sich die Dummheit anderer nicht wirklich immer und vor allem rechtzeitig vorhersehen. Nachdem ich gleich 2x unbeabsichtigt und unverschuldet in eine solche Situation gekommen bin, war Schluss: die vordere Bremse flog in den Schrott und wurde durch eine 6-Kolbenbremse von PM in Verbindung mit schwimmender Scheibe ersetzt. In dieser Kombi kann man IMHO auch auf eine zweite vordere Scheibe verzichten. (In dem Zuge wurden auch gleich Stahlflexbremsleitungen vorn und hinten verbaut.)

Außerdem habe ich - entgegen vieler anderer Harleyfahrer die hinteren Stoßdämpfer "hart" eingestellt, was eine "dezente" Höherlegung (ca. 2cm) zur Folge hat, die man dank der Seitenkoffer aber nicht sieht, in Kurven (in Verbindung mit progressiven vorderen Gabelfedern, die ebenfalls eine minimale Höherlegung verursachen) aber in besseren Schräglagewinkeln deutlich spürt.

Galerie
Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Fahrdynamik a la Harley eben - einzigartig, würde ich sagen.
  • - Die originale 1-Kolbenbremse vorn ist eine echte Zumutung ohne jede Entschuldigung. Und somit auch mein echter und einziger wirklicher Kritikpunkt. Hier MUSS jeder Evo-Eigner zur eigenen und zur Sicherheit anderer auf jeden Fall aufrüsten. Es gibt dazu eine reiche Auswahl, jedoch leider zu teilweise hohen Preisen.

Komfort

3.5 von 5

Klar ist eine Harley laut. Muss sie ja. Soll sie ja. - Aber angenehm laut:)

Kein aufgeregtes Kreischen, kein unangenehmes Dröhnen, nur ein tiefes, bassiges "Potato, Potato, Potato". In meinem Fall dank der vom Vorbesitzer verbauten KessTech-Anlage mit den schönen Fishtailenden.

Und das hat man dank intuitiver Bedienung und entspannter Sitzhaltung immer unter Kontrolle. - Wenn da nicht: siehe Bemerkung vorher...

Das Fahrwerk ist natürlich ein dazu passendes "Cruiser-Fahrwerk". Eher etwas weich, recht geringe Bodenfreiheit und insgesamt leicht unterdämpft.

Mit den von mir im Absatz zuvor genannten Mod's zwar leicht verbessert, aber noch ausbaufähig. Evtl. rüste ich demnächst noch Dämpferbein-Emulatoren vorn nach, und wenn es gibt: besser dämpfende hintere Federbeine. Ist aber kein Muss, sondern eher meiner Bastelleidenschaft geschuldet.

Zwischenzeitlich habe ich auch das alte Windshield aufpoliert. Hat schon was, wenn der Fahrtwind "draußen" bleibt.:):rolleyes:

Galerie
Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Entschleunigung ist das Stichwort, dass mir dazu einfällt. Das ist wahrer Luxus!
  • - Okay: keine Klima, die ja heute schon jeder Kleinstwagen hat. Aber dafür riecht man die Natur noch richtig ungefiltert. Was gibt's schöneres?

Emotion

4.5 von 5

Ein Klassiker. Egal ob von 1956 oder 2014. Zeitlos, okay hier und da etwas zu viel Schminke, dafür aber mit Charme und Charakter. Sie steht zu ihren (verzeihlichen) Fehlern. - Ist ja bei schönen Frauen auch so. Was wäre Cindy Crawford ohne Leberfleck (Für die Jüngeren: also das war.... Ach was, lassen wir das...).

Und natürlich hat so ein Klassiker auch eine gehörige Portion Image. Für die einen ist's positiv, andere (wollen) sehen den "Bad Guy".

Schade nur, dass einige Besitzer meinen, so "ihr" Image aufpolieren zu können... Aber auch das ist eine andere Geschichte....

Galerie
Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Ein echter Hingucker. Immer und überall. Auch für mich, schon wenn ich die Garage aufmache.
  • - Löst leider auch bei anderen, die

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Wenn Ihr die Reife für eine Harley besitzt, dann gönnt sie Euch - irgendwann einmal im Leben. Und ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr diesen Zustand irgendwann erreicht!:)

Im Übrigen ist es nicht nötig, unendlich viel Geld für eine Harley auszugeben. Ich habe einen Preis bezahlt + diverse technische Umbauten gemacht, wofür man lt. vieler Forenbeiträge bestenfalls einen abgerockten Ami-Umbau ohne Historie und garantiert mit Unfallschaden und getrickstem Tachostand bekommt. Also am Besten mit fachmännischer Beratung auf die Suche gehen. Das Suchen kann dann sogar Teil des Harleyerlebnisses werden.:)

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wer nicht reif ist für eine Harley, der kaufe sich etwas anderes und werde damit glücklich....

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 3

14.08.2014 09:12    |    ankavik

Nachtrag: an weiteren Umbauten / Optimierungen sind jetzt noch hinzu gekommen:

  • single fire Zündanlage von Ultima
  • automatischer Primärkettenspanner original HD
  • verlängertes Bremspedal von Küriyakin

Vor der ersten Ausfahrt wurde meine Heri natürlich auch neu besohlt und frisch "beölt".

Die Metzeler ME880 fahren sich aus meiner Sicht top - wobei ich zugebe, keinen Vergleich zu haben:rolleyes:...

Defekte bisher bzw. schon beim Kauf: Rücklichtbirne war defekt....

 

Viele Grüße und allzeit Gute Fahrt.

Karsten


08.03.2015 17:53    |    ankavik

UPDATE: so, der Winter ist vorbei und die Zeit zum Basteln habe ich auch wieder genutzt, nachdem ich zum Ende der Saison doch noch ein paar "Optimierungspunkte" gefunden habe.:rolleyes:

Das Wichtigste: die Schaltbarkeit verbessern! - nachdem ich im Herbst noch die "Müller Easy Clutch" verbaut habe und sich die Handkraft wirklich drastisch reduziert hat, hat sich leider im gleichen Maß die - auch vorher schon suboptimale - Schaltbarkeit weiter verschlechtert. Nach viele Fummelei habe ich zwar den vorherigen Zustand wieder hin bekommen, wollte dann aber doch eine Verbesserung.:(

Daher habe ich nun das Reib- und Stahlscheibenpaket gegen eines in Kevlarausführung von Barnett getauscht. Der Erfolg nach den ersten drei Ausfahrten in diesem Jahr war überwältigend: Ich kann wieder alle Gänge bei beliebiger Drehzahl ohne großen Kraftaufwand durchschalten, das "Klonk" beim Einlegen des ersten Ganges ist deutlich leiser, und der Clou: der Leerlauf ist jetzt auch im Stand wieder einfach zu finden.:)

 

Außerdem habe ich die Stoßdämpferfedern hinten gegen progressive von Eibach ausgetauscht. Mit nun 1100....1450lb/in, statt vorher ca. 900lb/in ist das "Gauchen" in welligen Kurven komplett verschwunden. Und klar, habe ich nun auch die Einstellung von vorher "hart" auch nun "weich" - dank anderer Grundhärte - wieder zurück nehmen können.:cool:

 

Gegen den Winterkoller habe ich dann noch die Kabel in den Lenker verlegt, und neue Griffe hat´s gegeben... - Sieht zwar nur gut aus, ohne einen echten praktischen Nutzen zu haben, aber warum nicht? :rolleyes:

 

In diesem Sinne weiterhin gute Fahrt und eine schönen Saisonstart!;)

Karsten



05.06.2015 09:15    |    ankavik

Und noch ein Update: Wie man sieht, haben alle Mod´s gut funktioniert! :cool:

Zuletzt habe ich - dank der Hilfe eines Forenmitglieds - noch die Schaltwellenbuchse durch eine auf Passung gedrehte Version getauscht. Somit funzt jetzt auch die Schaltung (und besonders das Finden des Leerlaufs!) deutlich präziser.

 

Weiterhin Gute Fahrt!

Karsten


21.10.2015 13:16    |    ankavik

Und noch ein UPDATE: Nachdem ich mich zum Thema "Auspuffanlage" durch's net gegoogelt hab, bin ich auf AMC HD4-2 aufmerksam geworden. Dort auch noch bei einem Hn.Schwarz angerufen und ein wirklich nettes und ausführliches Gespräch geführt. Nun wird er mir aber hoffentlich verzeihen, dass ich doch keine Anlage für aktuell 1912€ geordert habe, sondern bei eBay eine Anlage gleicher Spezifikation für 1000€ schießen konnte. Diese ist ebenfalls mechanisch mittels eines überlangen Inbusschlüssels verstellbar und sieht optisch gleich aus zu meiner bisherigen Kesstechanlage.

 

Die Unterschiede, die ich vor dem aktuellen Wintereinbruch noch erfahren konnte:

 

Kesstech: klingt hart und böse, ballert bei voller Beschleunigung richtig los, sehr präsent bei 80km/h im Vierten und 100km/h im Fünften.

 

AMC: weiches dumpfes Bollern, "gefühlt" leiser, als Kesstech, nie ballernd oder dröhnend, ABER: satter Durchzug, besseres Hochdrehen und insgesamt drehfreudigerer Motor. Wenn ich mich zuvor zwingen musste, den Motor im Vierten über 80km/h zu drehen, so dreht der Motor jetzt völlig unspektakulär und locker bis 90 oder auch 100km/h bevor ich merke, dass da noch ein Gang übrig ist. :cool: - Will sagen: an dem in einem Testbericht gelesenen Drehmoment- und Leistungsplus, wobei H.Schwarz vor allem den besseren und angehobenen Drehmomentverlauf betont, ist IMHO auch tatsächlich etwas dran! ;)

 

Bin also - bis auf den doch etwas zurückhaltenden Sound - sehr zufrieden. Naja, und wenigstens die Nachbarn mögen den neuen Sound lieber....

 

Viele Grüße

 

Karsten


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