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Phaeton 4.2 V8 LR

22.09.2016 12:04    |   Bericht erstellt von starcourse

Testfahrzeug VW Phaeton 3D 4.2 V8 4Motion
Leistung 334 PS / 246 Kw
Hubraum 4172
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 1670 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 10/2015
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von starcourse 4.0 von 5
weitere Tests zu VW Phaeton 3D anzeigen Gesamtwertung VW Phaeton 3D 4.0 von 5
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Einleitung

Habe seit September 2016 einen Phaeton V8 von 10/2015 übernommen, nach dem er 2015 nur für zwei Wochen auf Volkswagen zugelassen war. Km-Stand bei Übergabe war 1500 km.

Nunmehr ist mehr als ein Jahr vergangen, Zeit also für ein kleines Update.

Galerie

Karosserie

4.5 von 5

Das Auto strahlt aus jeder Pore die Handarbeit aus, Leder und Nähte haben sich enorm verbessert.

Auch nach einem Jahr knistert und klappert nichts, das Leder zeigt keine der üblichen Verfärbungen durch Jeans, alle Helferlein funktionieren einwandfrei.

Selbst das früher auftretende Selbstentriegeln des Fahrzeugs ist bisher nicht aufgetreten.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + groß, geräumig und perfekt verarbeitet
  • - Sitzposition hinten ist für Personen über 1,90 m sehr hoch

Antrieb

3.0 von 5

Der Motor ist wirklich flüsterleise, dreht mit leisem Sirren turbinenartig hoch. Der Durchzug ist allerdings nicht gerade beeindruckend, vor allem im Bereich von 100 - 140 km/h eher verhalten. Frappierender Weise geht er oberhalb von 180 km/h dann sehr stramm zu werke und kann sich gegen die Konkurrenz jedenfalls auf der Autobahn dann behaupten.

Das Auto wirkt aber auch sonst nicht untermotorisiert, fällt jedoch im Vergleich mit den modernen Turbo-V8 von Audi, BMW oder Mercedes deutlich zurück, was die Souveränität angeht.

Der Verbrauch pendelt im Moment zwischen 13,6 l/100 km und 18,9 l /100 km nach MFA-Anzeige. Im Schnitt hat sich ein Verbrauch von 14,9 l/100km eingependelt.

Im Vergleich zu einem Audi A8 eines Bekannten unter gleichen Bedingungen, ist allerdings ein Delta von 4,5 l nicht wegzudiskutieren.

Wichtig: Er liebt Super Plus, mit normalem Super oder E10 steigt der Verbrauch um 1l/100 km.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + flüsterleiser Motor, turbinenartiges Hochdrehen
  • - der Verbrauch ist einfach nicht zeitgemäß

Fahrdynamik

3.5 von 5

Dem Fahrwerk ist deutlich anzumerken, das es auf Komfort getrimmt wurde, die Beschleunigung ist angemessen aber nicht ein wirklicher Kaufgrund. Die Bremsen sind gut und standfest, die Physik können sie aber nicht überlisten, 2,3 Tonnen brauchen ihren Weg.

Auch enge Landstraßen sind nicht sein Revier, selbst in Sportstellung muss das Auto in die Kurven förmlich reingezwungen werden. Dabei ist die Lenkung an und für sich präzise.

Mit langem Radstand werden Parkhäuser älterer Bauart zu einer Herausforderung und so mancher Kreisverkehr zu einem Zirkel, den man erst mal umrunden muss um die eigentlich nächste Ausfahrt zu nehmen.

 

Oberhalb von Tempo 200 km/h zeigt sich noch ein anderer Effekt: Erliegt wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße, laut Tacho läuft er 280 km/h, was man locker und ohne Schweißperlen auf der Stirn fahren kann, nicht mal unanständig laut wird er dabei.

Die Beschleunigung von 0-100 km/h beträgt nach mehreren Handmessungen 6,7 s, die Elastizität ist aber wie oben beschrieben gerade im Bereich zwischen 100-140 eher mau.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + in jeder Hinsicht ein großes Auto
  • - Parkhäuser sind mit dem langen Radstand nicht seine Welt

Komfort

5.0 von 5

In Sachen Komfort macht dem Phaeton trotz seines konstruktiven Alters kein Fahrzeug etwas vor. Das Gesamtpaket führt zu einem Erleben, das man gemeinhin mit dem fliegenden Teppich verbindet. Selbst die neue S-Klasse hat nicht diesen Flauschfaktor, auch wenn sie natürlich die moderneren Gimmicks hat.

Vermissen tut man davon im Phaeton nichts, er flüstert und schwebt sich in die Entspanntheit.

Die Sitze sind mit das Beste, was ich je unter dem Allerwertesten hatte. Nachdem ich jetzt anlässlich anderer Probefahrten die Multikontursitze von Mercedes, Komfortsitze von BMW und Audi probieren durfte, kann ich ohne Einschränkung sagen, der Phaeton-Sitz schlägt sie alle und zwar um Längen.

Die Sitzbelüftung lässt sich sehr fein dosieren, die Massagefunktion kommt einem zunächst sehr mild vor, wenn man jedoch die brachialen Varianten der Konkurrenz mal länger über sich ergehen lassen musste, weiß man das dezente Pulsieren sehr zu schätzen.

Auch die Bedienung ist sehr intuitiv angelegt und funktioniert auch ohne langwieriges Studium der Bedienungsanleitung.

Einzig die Abstandsregulierung der Geschwindigkeitsregelanlage ist nicht so präzise wie die moderneren Systeme, das Front Assist greift ebenfalls sehr früh und manchmal auch sehr unerwartet ein.:eek:

Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + seine große Stärke

Emotion

5.0 von 5

Der Phaeton ist wie ein klassischer Chronometer von Lange oder IWC. Technisch weit entfernt vom Machbaren aber Perfektion in der Verarbeitung und liebevolle, verspielte Details.

Design und Karosserie gehören für mich seit der GP 4 Version zu den schönsten der Welt, er spielt für mich in der gleichen Liga wie die alten Jaguar der XJ, X300 und X308 Serie.

Er ist der analoge Gegenpol zu den technikaffinen aber auch etwas seelenlosen Hightech-Oberklassenlimousinen der Konkurrenz.

Seine Philosophie erfährt man eigentlich erst nach einer längeren Zeit, es ist seine große Gelassenheit, mit der er einen einfängt.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + der Sympathieträger, wird mal ein Klassiker
  • - noch unterbewertet

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 400-500 Euro
Verbrauch auf 100 km über 10 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 700-1.000 Euro
Gebrauchtwagengarantie über 24 Monate
Werkstattkosten pro Jahr 500-1500 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 42579
Haftpflicht 500-600 Euro (35%)
Vollkasko 1.000-1.500 Euro 35%

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Ich nenne ihn den "Silent Giant", seine kompromisslose Auslegung auf Komfort und Handcraft machen ihn zu einem Unikat und dem wohl ehrlichsten Auto in der Luxusklasse. Er hat unbestreitbare Nachteile, was Verbrauch und Leistungsentfaltung angeht, an den Unterhaltskosten merkt man die Luxusklasse auch in der Brieftasche.

Für die Liebhaber der analogen Welt ist er jedoch der letzte seiner Art, wer das Klassische liebt, wird ihn nicht mehr missen wollen.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Sie haben ihn tatsächlich sterben lassen, er wird sehr fehlen!

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 0

06.08.2017 09:55    |    158PY

ein wunderbarer Testbericht - und vielen Dank für den Vergleich mit der Uhr! So habe ich das noch gar nicht gesehen. Auch ich glaube, dass der Wagen recht bald ein anerkannter Klassiker sein wird. Schön ist er jetzt schon...;)


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