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Volvo C70 II (M) D3 (MY2013) Test

16.11.2014 17:30    |   Bericht erstellt von cesiebzig

Testfahrzeug Volvo C70 2 (M) 2.0 D3
Leistung 150 PS / 110 Kw
Hubraum 1984
Aufbauart Cabrio/Roadster
Kilometerstand 35000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 11/2012
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von cesiebzig 3.5 von 5
weitere Tests zu Volvo C70 2 (M) anzeigen Gesamtwertung Volvo C70 2 (M) 4.0 von 5
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Einleitung

Das Auto ist seit knapp 2 Jahren im Eigenbesitz. Ich konnte Erfahrung in allen Jahreszeiten über 30.000km hinweg sammeln.

(Foto unten nur beispielhaft)

Galerie

Karosserie

3.5 von 5

Da ich ein allwettertaugliches und leises Cabrio suchte, kam der C70 aufgrund seiner hübschen Form schnell in die engere Auswahl. Das Konzept des faltbaren Stahldaches hat sich auch beim Vorgängerfahrzeug (einem französischen Coupe-Cabrio) bewährt. Beim Volvo jedoch gibt es eine rühmliche Ausnahme vom Zwang, den Kofferraum überproportional aussehen zu lassen. Ich finde, der Wagen könnte auch als Coupé durchgehen. Schöner Nebeneffekt: im geschlossenen Zustand ist er mangels großer Windangriffsfläche ruhig. Reisen bei +/- 150km/h auf der Autobahn funktioniert sehr entspannt.

Der Kofferraum ist für ein CC üppig, wenn man mit dem geschlossenen Dach und dem Reisegepäck unterwegs ist.

Offen kann man auch hinten mal Freunde für eine 2 stündige Ausfahrt mitnehmen - länger möchte man das aus Platzgründen niemandem zumuten.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Die Coupé Form steht im Vordergrund, obwohl das Faltdach in den Kofferraum muss.
  • + etwas altmodische Linienführung läßt das Auto aus dem Einheitsbrei hervorstechen
  • - Stummelantenne hinten rechtes war schon 2006 nicht mehr state-of-the-art

Antrieb

3.0 von 5

Der Antrieb ist die Kombination des 2 Liter 5 Zylinder Diesels "D3" und 150 PS mit dem 6-stufigen Geartronic Wandlerautomatikgetriebe. Fahrleistungen? Drücken wir es so aus: man fährt überall gut mit, ein Sportwagen wird es niemals werden - der Charakter des Fahrwerks passt auch gar nicht dazu. Außerdem ist es ein verdammt schwerer Klotz: 1800kg Leergewicht!

Was sich jetzt so negativ anhört macht wiederum etwas sehr Positives aus: das Auto bügelt auch ohne aufwändige Dämpferkonstruktionen im Alltag alles schön bequem weg. Das Auto wirkt massig, weil es ebendas auch ist.

Der 5-Zylinder lässt - sobald er warm ist und man ihm einen Spurt abfordert - das charakteristische stakkatoartige Knurren hören. Der Verbrauch bewegt sich bei gemischtem Fahrprofil und im Alltag bei 6,5 - 7,5 Litern Diesel. Bei reiner Stadtfahrt oder beim bewussten Räubern sind auch 8-9 Liter drin. Die Automatik machte bei einem Urlaub in den Alpen alles richtig: kein unnötiges Hochschalten vor der nächsten Kurve beim Bergauffahren und beim Bergabfahren wird die Motorbremswirkung genutzt, indem sie in einer niedrigen Stufe blieb.

Die ersten Minuten nach dem Kaltstart und bei Fahrten im Stadtverkehr klötert der Motor etwas ungehobelt laut herum. Danach gehört er wieder zur ruhigen Sorte.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + toller 5-Zylinder Sound
  • + sinnvoll und ruckfrei schaltende 6-Gang Automatik
  • - etwas ungehobelte Laufkultur direkt nach Kaltstart
  • - Dieselverbrauch nicht mehr ganz Stand der Technik aber noch im Rahmen

Fahrdynamik

3.0 von 5

Die größte Schwäche gleich vorweg: es gibt Situationen, da muss man zwischen 60 und 120 Vollgas geben. Hier sollte man beim ersten Mal nicht erschrecken. Das Drehmoment ist deutlich an der Vorderachse zu spüren; dabei muss man der Versuchung widerstehen, allzu stark gegenzusteuern. Trotzdem ein unangenehmes Gefühl, wenn man das nicht gewohnt ist. Ein Sportler will das Auto nicht sein - eher ein Gleiter. Die Lenkpräzision ist gut - ich könnte aber verstehen, wenn das Lenkgefühl als "zu leichtgängig" beschrieben wird.

Ich fahre 17 Zoll Felgen mit 235/40 im Sommer, bzw. 215/45 im Winter. Etwas Sorgen bereitet eine deutliche Sägezahnbildung der Sommerreifen auf der Innenseite, die nun nach der 2. Sommersaison zu lästigen Walzgeräuschen führt.

Update 2018: nach nun weiteren 3 Jahren mit anderen Sommerreifen (Goodyear Eagle) ist alles im grünen Bereich. Kein Sägezahn, ruhiges Gleiten. Die Erstausrüster Pirellis passten wohl nicht zum Fahrwerk.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Entspanntes Gleiten ist die Paradedisziplin
  • + Fahrwerk auch ohne aufwändige Technik sehr komfortabel
  • - gewöhnungsbedürftiges Drehmomentzerren an der Vorderachse bei Vollast
  • - Wendekreis (Rangieren in Parkhäusern ist keine Freude)

Komfort

4.0 von 5

Über den Fahrkomfort habe ich bereits berichtet. Die Sitze könnten eine noch längere Sitzfläche haben, ansonsten empfinde ich sie als sehr bequem: Die Neigung der Sitzfläche lässt sich zur Unterstützung der Oberschenkel verstellen. Die Lordosenstütze hat zwar keine Verstellung in der Höhe, die Verstellung in der "Intensität" reicht jedoch aus. Die Bedienung von Heizung etc. stammt noch aus der Philosophie der 2000er Jahre: tendenziell hat jede Funktion ein Knöpfchen. Es gibt keine Multimediakonsole, bzw. eine menügeführte Dreh-Drück Kommandozentrale. Das Navi ist ebenfalls eine deutlich veraltete Technologie, d.h. der Schirm ist für heutige Verhältnisse grobpixelig, und für Verkehrsmeldungen gibt es nur TMC. Zwei subjektive Kritikpunkte betreffen unverständliche Ergonomiemängel: der Handbremshebel zeigt schräg in den Bereich des rechten Oberschenkels und drückt beim Herumlümmeln in den Sesseln, wenn z.B. wegen des Tempomats kein Gas gegeben werden muss. Zum anderen gibt es in der Tür der Fahrerseite eigentlich eine Ablage für den Arm - ausgerechnet dort, wo man den Ellenbogen aufstützen würde, ist jedoch eine Hartplastikgriffmulde eingelassen.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Gute und variable Sitze
  • + Guter Langstreckenkomfort (Federung, Geräusche)
  • - unverständliche Ergonomieschwächen (Handbremshebel, Armablage)

Emotion

4.5 von 5

Das Auto ist ein Vertreter einer vergehenden Epoche: "unvernünftiges" Konzept (Hydraulikorgie im Kofferraum, schwer, nicht mehr ganz auf dem Stand der Technik) aber immer noch hübsch anzusehen.

Weil das Auto so selten ist, erhält man i.d.R. interessierte Rückfragen, bzw. es wird als elegant betrachtet.

Ich mag ihn, wie er ist!

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + angegrauter Schönling mit Ecken und Charakter

Unterhaltskosten

Verbrauch auf 100 km 7,0-7,5 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 300-500 Euro

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Erstaunlich alltagstaugliches Cabrio. Komfortabel und solide. Sonne tanken oder 600 km entspannt auf der Autobahn absolvieren - alles ist drin - "two in one" hübsch verpackt.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Technik- und Multimediafetischisten bleiben außen vor: Das Auto stammt konzeptionell aus dem Jahr 2005 und wurde mit einigen Mühen mit dem Nötigsten modernisiert.

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 3

18.11.2014 21:08    |    nolam

Klar, wer technische Multimediaspielereien in einem Auto sucht, wird beim C70 definitiv nicht fündig. Dafür ist der Wagen konzeptionell zu alt. Aus meiner Sicht "gott-sei-dank" ...

Für mich positiv die sehr einfache und reduzierte Bedienung, eben nur das nötigste und kein Spielkrams. Und für mich mit Kaufentscheidend war das sehr gute Hifi System "Premium". Hatte im Vorgängerfahrzeug ein Dynaudio-System, welches auch schon prima war. Aber die Volvo-Anlage ist definitiv noch deutlich besser.

Die Problematiken mit der Handbremse und der Plastikgriffmulde sind für mich (vermutlich größenbedingt) kein Thema. Passt alles, bis auf die Sitzflächenlänge. Die könnte gerne länger sein. Und ich würde auch gerne noch etwas tiefer sitzen.

Das Navigation ist leider arg veraltet, geringe Auflösung, langsame Neuberechnungen bei Routenabweichung und einschläfernde Stimme. Hingegen ist die Navi-Bedienung schnell erlernbar und wesentlich besser als die VW Touchscreen Variante.

In diesem Sinne .... allzeit gute Fahrt und viel Spaß!


19.11.2014 08:18    |    porschefunki

Spiegelt in vielen Bereichen meine Erfahrungen mit dem Ce70 wieder. Nachdem ich eine Domstrebe (Volvo originaler Zahnstocher) nachgerüstet habe, bin ich mit den Verwindungen incl. Knarzen die hier nicht angesprochen wurden zufrieden. Die Sitze sind angenehm aber im Vergleich zu meinen Sitzen im V70 doch enger geschnitten und mit kürzerer Oberschenkelauflage.

Die fehlenden 50 NM im Vergleich zum V70 merkt man leider sofort im Teillastbereich.

Aber ich mag meinen Ce und für mich auch aufgrund des Kofferraums ein schöner Gebrauchswagen der die Funktion des Coupes/Cabrios sehr gut erfüllt.


06.12.2014 15:23    |    charles164

Hi! Ich schließe mich an, alles was hier geschrieben wurde trifft zu.

Wir lieben ihn, und haben beschlossen, ihn zu behalten. Beim km-Stand von 52000 und einer Jahreslaufleistung <7000 km könnte er mich überleben... :)

 

MfG charles164


21.05.2018 23:03    |    steinsursel

Guter Test. Bin erst kürzlich von einem C30 auf einen C70 umgestiegen. Beide Fahrzeuge haben ihren Charme, der C70 durch das mobile Dach natürlich eine Klasse für sich. Gesamte Familie sehr begeistert. Mal sehen wie lange wir zusammenbleiben....


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