Volvo C30 I (M-2D) 1.6 D Test #141325
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Volvo C30 I (M-2D) 1.6 D Test

02.10.2014 21:58    |   Bericht erstellt von CentaXx

Testfahrzeug Volvo C30 M-2D 1.6 D
Leistung 109 PS / 80 Kw
Hubraum 1560
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 92000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 9/2008
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von CentaXx 4.0 von 5
weitere Tests zu Volvo C30 M-2D anzeigen Gesamtwertung Volvo C30 M-2D 4.0 von 5
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Einleitung

Ich fahre meinen C30 jetzt seit 2,5 Jahren und bald 50.000 km, es ist mein erstes eigenes Auto. Inzwischen habe ich viel Erfahrungen mit dem Auto sammeln können, war auf vielen Autotreffen und habe "den Dicken" zu meinem Lieblingshobby gemacht. Bei der Bewertung sollte man beachten, dass ich ihn als Stadtauto in Berlin fahre und die Bewertung nicht vergleichend mit einem Sportwagen mache, sondern dem Motor entsprechend. Dieser ist nunmal der kleine Einstiegsdiesel.

Galerie

Karosserie

4.0 von 5

Man sitzt im C30 wie in einer Klasse darüber; die vordere Hälfte des Innenraums ist mit dem des S40 / V50 ja auch identisch. Ich fühlte mich von anfang an wohl in dem Auto, von der Ruhe und Geborgenheit die der Innenraum so kühl und gelassen unsstrahlt, bin ich bis heute begeistert. Er ist wertig, anders als so manche Plastikwüste.

 

Leider sind die Materialien nicht nur hübsch, sondern auch sehr anfällig: Die Alueinlagen sahen nach 3 Jahren alle schlimm aus (unzähligen Dellen, Ersatz sehr teuer), die Kunstledersitze reißen IMMER an den Wagen (das Material nennt sich T-Tech), die Türpappen verfärben sich immer sehr unschön, sobald sie leicht nass werden. Auch, wenn man nur bei Regen aussteigt, hat man diese Verfärbungen, das nervt auf Dauer leider.

 

Der Kofferraum ist weder groß noch gut zugänglich, das sollte bei der Fahrzeugklasse auch nicht anders erwartet werden. Negativ überrascht jedoch im Alltagsbetrieb die kleine Öffnung: Mit Mühe und Not passte die Verpackung eines 42" Fernsehers hinein. Man rechnet nicht damit, dass sperrige Dinge an der Luke scheitern, aber man kriegt manche Dinge deshalb nicht in das Auto hinein.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Platzangebot vorne: Wie in einer Klasse darüber
  • + Durch großes Fenster als Kofferraumklappe super (!) Übersichtlichkeit
  • + Materialien sind für die Fahrzeugklasse wunderschön
  • - Materialien empfindlich / anfällig
  • - Hohe Kofferraumkante, kleine Öffnung

Antrieb

4.0 von 5

Ich fahre natürlich den kleinsten Diesel, der zu dem C30 aber toll passt. Der 1.6D ist noch nicht überfordert und passt herrlich zu dem Auto. Mit sehr sparsamen Fahren kriegt man auch in der Stadt ca. 5 Liter hin, doch was mich mehr beeindruckt: Selbst bei "harter" Fahrweise gehen die Verbräuche nie über 6,5 Liter, eher 6 Liter.

 

Das maximale Drehmoment liegt bei 1750 Umdrehungen pro Minute an, das merkt man auch. Es ist in der Stadt auch möglich, schon bei 1600 zu schalten, was einen deutlich niedrigeren Verbrauch mit sich bringt. Mitschwimmen geht dann immer noch, macht aber nicht so viel Spaß.

 

Ab 1800-1900 hängt der Diesel sehr am Gas. Das macht trotz nur 109PS bis in den dritten Gang sehr viel Spaß. Man kommt bis in den dritten Gang nämlich sehr schnell aus dem Drehzahlkeller von 1300-1500 Umdrehungen, bei denen der Wagen bei mir in der Regel rollt, und hoch in den Bereich wo Drehmoment anliegt. Das verleiht dem Wagen viel Elastizität, zum schnelleren Beschleunigen herunterschalten ist nur unter 1100 Umdrehungen wirklich notwendig.

 

Das Getriebe macht beim Schalten Spaß und ist durchdacht: Das oft gehörte Surren beim Rückwärtsfahren durch einen geradeverzahnten Rückwärtsgang existiert nicht, außerdem kann man ohne Probleme bei noch leichtem Rollen den Rückwärtsgang einlegen. Jedoch hat es seine Eigenheiten. Mal will an der Ampel der erste Gang nicht rein (kurz in den zweiten runter ziehen, dann gehts - seitdem ich den Trick kenne, geht das intuitiv!), mal denkt man, dass der Gang richtig drin wäre, und er springt wieder raus oder putzt beim einkuppeln sogar die Zähne! Das ist leider eine Sache an dem Auto, die ich überhaupt nicht leiden kann.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Drehmoment liegt früh an
  • + Geringer Verbrauch, zwar über NEFZ, aber unter 6 Liter sind selbst bei härtester Fahrweise machbar
  • + Leiser als der größere 2.0D, für Diesel angenehmer Klang
  • - Leichte Anfahrschwäche
  • - Getriebe zickt beim Gang einlegen gelegentlich

Fahrdynamik

3.5 von 5

Der C30 leidet hier leider an seinen leicht größeren Brüdern, dem S40 und V50. Der Wendekreis ist für ein Auto mit den Ausmaßen einfach zu groß, weshalb ich in Berlin schon öfter zurücksetzen musste.

 

Seit dem Wechsel auf 18" Sommerreifen ist das Fahrverhalten sehr direkt geworden, man spürt jedes bisschen Straße.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Kurvenverhalten sehr sicher, neutral bis untersteuernd ausgelegt, Ausbrechen praktisch unmöglich
  • + Sehr direkte Lenkung, wenn große Felgen (hier: 18
  • + Bremsen sind toll zu dosieren
  • - Zu großer Wendekreis, da gleicher Radstand wie u.a. auch der Kombi V50
  • - Zusätzlich benötigt man deutlich mehr Lenkeinschlag als in anderen Autos, was das Auto träge erscheinen lässt (aber nicht ist)

Komfort

4.5 von 5

Die Sitze hinten dürften in der Fahrzeugklasse die komfortabelsten sein. Zwar hat man nur zwei Einzelsitze und damit 4 Sitzplätze insgesamt, jedoch sind diese ähnlich ausgeformt wie die vorderen Sitze und damit extrem bequem. Ich habe in keinem anderen 2-Türer gemütlicher hinten gesessen!

 

Leider ist das auch der Knackpunkt: Der Einstieg nach hinten ist kompliziert. Sitz nach vorne klappen, nach vorne ziehen, dann darf der Mitfahrer nach vorne geduckt hinein kriechen. Falls er noch auf die gegenüberliegende Seite will, muss er sich außerdem erst zwingend setzen, weil die Verlängerung der Mittelkonsole sonst im Weg ist.

 

Ansonsten spricht aber nichts gegen den C30 als Langstreckenfahrzeug! Auf der Autobahn fühlt er sich auch dank seines langen Radstands sehr wohl, er wird im Innenraum nicht zu laut. Ein stärkerer Motor ist nicht zwingend notwendig, erst ab 120 wird der 1.6D zäh. Als wirklich angenehmes Reisetempo empfinde ich 170km/h.

 

Die Sitzheizung ist außerdem empfehlenswert: regelt sehr schnell und wird auch warm genug. Beim Händler kann man sich die Sitzheizung auch wärmer programmieren lassen, was ich getan habe, da ich auf Stufe 1 nichts merkte. Jetzt ist die höhere Stufe 2 wirklich ordentlich warm, während die Stufe 1 noch leicht wärmt.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Sitze sehr komfortabel, auch nach Langstrecken angenehm
  • + Hinten dank nur 2 Einzelsitzen vermutlich der beste Sitzkomfort in der Fahrzeugklasse
  • + Innenraum gut geräuschgedämmt
  • - Mittelkonsole leider etwas unübersichtlich, Blindbedienung von gelegentlich genutzten Funktionen aber möglich
  • - Schwerer Einstieg hinten

Emotion

5.0 von 5

Die Emotionen bei dem Auto haben auch mich gefesselt: Ein sportlicher Kompakter von Volvo? Bildhübsche und mutige Scheinwerfer, die breiten Schultern und das mutige Heck? Da hat sich ein Autohersteller mal was getraut! Leider, wirklich leider, wird das immer seltener. Der C30 ist ein Hingucker. Mit den paar optischen Aufrüstungen macht er so viel her und ist einmalig auf der Straße. Leute interessieren sich für ihn, man wird gelegentlich angesprochen.

 

Man hat einfach das Gefühl, etwas besonderes zu fahren - und nicht ein 0815 Auto, das nur nach Vernunftskriterien ausgesucht wurde. Dabei ist der C30 gar nicht so unvernünftig, er möchte nur spielen. ;)

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Mutiges, polarisierendes und zeitloses Design
  • + Wird öfter interessiert angeguckt als ein Golf / Focus, fällt jedoch trotzdem nicht auf
  • + Tolles Image - ein sportlicher Kompakter von Volvo?

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 200-300 Euro
Verbrauch auf 100 km 5,5-6,0 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 300-500 Euro
Gebrauchtwagengarantie über 24 Monate
Werkstattkosten pro Jahr bis 200 Euro
Außerplanmäßige Reparaturkosten Innenraum/Lüftung/Klimatisierung - Kondensator (860 €)

Gesamtfazit zum Test

  • + Hingucker
  • + Understatement
  • + Sehr komfortabel
  • - wie beschrieben, jedoch fast nur typische Nachteile eines Coupes
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Der C30 ist toll für Leute, die sich etwas wagen wollen: Er ist nicht allzu praktisch, aber für 99% der Einsatzzeit reicht es ohne Abstriche. Trotzdem ist er vernünftig und bleibt bodenständig. In dieser Fahrzeugklasse ist es Understatement in der feinsten schwedischen Art, todschick und einzigartig.

 

In der Stadt macht er Spaß, sieht in jeder Parklücke schick aus, rollt komfortabel im Stau und verbeißt sich gerne in jeder Kurve. Auch mit dem 1.6D komme ich mir in der Stadt niemals unterlegen vor, weil es mit dem früh anliegenden Drehmoment so viel Spaß macht, ihn zu fahren. Fährt man häufig alleine oder zu zweit mit nicht allzu viel Gepäck, passt an dem Auto einfach alles.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Würde ich öfter auf der Landstraße fahren, wäre mir die Motorleistung nicht ausreichend. Zum dahinrollen und beschleunigen ist sie toll, aber bei Überholvorgängen wird man doch daran erinnert, das man nur 109ps unter der Haube hat.

 

Wenn öfter Sachen transportiert oder größere Dinge eingekauft werden müssen, ist der C30 nicht geeignet dafür. Das liegt weniger an dem Stauraum, der vorhanden wäre, sondern an der kleinen und hohen Kofferraumöffnung. Schon beim Reifentransport fällt das auf: aufrecht passen sie nicht in die Öffnung, mit umgeklappten Sitzen kann man sie dann weit nach vorne schieben, wobei dann die breite Heckstoßstange auffällt. Mir fehlt leider etwas der Zugang zu diesem "dritten Viertel" des Autos, also alles was sich hinter den Fahrersitzen und vor dem Kofferraum abspielt. An dieser Stelle wirkt das Auto sehr zugeschnürt und unzugänglich.

 

Eigentlich müsste man dem C30 für den großen Wendekreis und dem hohen Lenkradius einen Punkt abziehen, was den Betrieb im Stadtverkehr betrifft. Dadurch, das die Lenkung doch sehr direkt ist, wird das aber ausgeglichen. Man muss teilweise nur viel am Lenkrad drehen, um am Ende doch nochmal zurücksetzen zu müssen. Ein weniger Stadtflitzer ist der C30 nicht, auch wenn ich ihn dazu verdonnert habe.. Ich glaube jedoch, ihm gefällt es auch. ;)

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 2

07.10.2014 20:45    |    Turboschlumpf28147

Hallo! Soeben glaubte ich, ein Déjà-vu zu haben. Ich habe deinen Bericht nämlich gestern schon gelesen, und fest geglaubt, schon geantwortet zu haben. Gehirnerweichung ? :)

 

Wirklich schöner Bericht, aus dem hervorgeht, dass du dein Auto magst, was allemal das Wichtigste ist.

 

Da sieht man, so wie wir bei unserem C, gerne mal über das Eine oder Andere hinweg, nicht wahr?

Ein paar Probleme haben wir nicht:

 

Unser C ist sechs Jahre alt, wir haben weder eine Delle, noch einen Kratzer an der Mittelkonsole. Auch irgendwelche Verfärbungen sind uns fremd.

 

Weiter viel Freude wünscht

 

charles164

02.11.2014 23:54    |    CentaXx

Danke dir :) Ich wundere mich gerade etwas, dass ich keine Mitteilung zu deinem Kommentar bekommen habe - deshalb lese ich ihn erst jetzt.

 

Ja, den C30 liebe ich, und als erstes Auto hätte ich mir keinen schöneren vorstellen können. Mit den paar Macken, die er hat, lebe ich echt gerne, denn dafür bekommt man viel zurück. Leider verstehen das viele Leute im Umfeld nicht, die auf Golf etc schwören, der ja alles perfekt mache - tut er auch nicht. Beim C70 sind die Türpappen übrigens aus einem anderen Material gemacht, das auch deutlich weicher ist als beim C30.

 

Alueinlagen waren beim Kauf total versaut, an allen möglichen Stellen. Türgriff links, vmtl durch Armbanduhren, hintere Mittelkonsole durch Gurtschnallen, Mittelkonsole hatte Dellen und Kratzer.. Und das nur nach 3,5 Jahren, das war wirklich nicht ansehnlich. Wurden beim Kauf getauscht. Trotz Schonbehandlung haben sie nach 2,5 Jahren neue Stellen; 2-3 Dellen am linken Türgriff, an der hinteren Mittelkonsole die Einschläge der Gurtschnallen durch "doofe" Mitfahrer, und am meisten stören mich 2 tiefe Dellen in der Mittelkonsole, auf die mein Handy gefallen ist. Zwischenzeitig habe ich daran gedacht, die Teile mit Alcantara zu beziehen - ich find die Idee noch immer klasse -, aktuell wird mir jedoch die komplette Innenausstattung in Echtcarbon angeboten. ich denke, da werde ich zuschlagen und hoffen, dass die Teile nicht nur schick, sondern auch stabil sind. :)

04.11.2014 18:15    |    steinsursel

Danke für den guten Bericht.

Habe mich auch in einen C30 "verguckt" und fahre nun selbst einen. Der normale Spoiler kommt wie du schon geschrieben n deinem Blog hast leider nicht so toll. Hatte das Glück, eine C mit dem optionalen Spoiler zu bekommen, da stimmt die Optik besser.

Habe gerade das Thema rechte Antriebswelle durch, hoffe dass nun Ruhe ist.

Der Wendekreis ist Volvotypisch, da muss man sich einfach darauf einstellen. In der Stadt kann das nervig sein.

Ansonsten hab ich mit meinem Kleinen schon allerhand transportiert, immer im Gedanken "Passt das durch die Klappe?". Wenn man sich darauf einstellt, kommt man damit klar.

Der kleuine Diesel ist um Längen besser als die 1,6-er VAG Rumpeldüse. Man mus den VAG-Diesel mit der Drehzahl (>=2000) bei Laune halten, sonst wird's da leicht ruppig. Mach mal den Test.

Ich fahre zwar den D2, aber der 1.6D dürfte sich ähnlich fahren löassen, bei den 5 PS weniger.

Hoffe für uns alle noch auf viel schöne Jahre, und das Volvo wieder was in der Richtung herausbringt.

Es werden sicherlich keine Millionen abesetzt, aber es ist allemal eine schöne Abwechslung zu dem deutschen Einheitsbrei.


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