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Toyota Avensis 2 (T25) 1.8 VVT-i Test

25.05.2020 21:58    |   Bericht erstellt von 1Autofahrer

Testfahrzeug Toyota Avensis 2 (T25) 1.8 VVT-i
Leistung 129 PS / 95 Kw
Hubraum 1794
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 234000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 9/2006
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 5 Jahre
Gesamtnote von 1Autofahrer 4.0 von 5
weitere Tests zu Toyota Avensis 2 (T25) anzeigen Gesamtwertung Toyota Avensis 2 (T25) 4.0 von 5
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Einleitung

Ich besitze das getestete Fahrzeug, einen schwarzen Toyota Avensis Kombi 1.8 VVT-i aus der Baureihe T25, als Neuwagen im September 2006 erworben, seit fast 14 Jahren. Mein Avensis verfügt über die Ausstattungslinie "Edition", das entspricht im Umfang der damaligen mittleren Ausstattung "Sol", brachte jedoch zur Einführung des sogen. Facelifts einige Extras mit wie das recht einfache, aber gut funktionierende Navigationssystem TNS 310, welches ich noch mit dem optionalen TMC-Modul (zusätzl. Empfang von Verkehrsnachrichten direkt im Navi und auf Wunsch automatische Berücksichtigung der Verkehrsmeldungen bei der Routenplanung) nachrüsten ließ, eine dunkle Verglasung ab der B-Säule und 205/55-Reifen auf 16"-Leichtmetallfelgen.

 

Der Wagen fährt sich hervorragend auf langen Strecken und ich liebe ihn auch nach etwa 234.000 km noch wie am ersten Tag. Nur ein einziges Mal hat mich mein Avensis mit einem richtig teuren Defekt per Abschleppwagen in die Werkstatt geschickt, nämlich nach 10,5 Jahren und knapp 196.000 km mit einer defekten Kupplung (ca. 300 €) und gleichzeitig einer durch Korrosionsschaden abgerissenen Antriebswelle links (ca. 700 €). Ansonsten sah der Avensis die Werkstatt entweder nur im Rahmen der normalen Inspektionen oder aus eigener Kraft, z. B. insgesamt zweimal zum Tausch defekter Leuchtmittel in den Scheinwerfern.

Karosserie

4.0 von 5

Die durchgängig gute Verarbeitungsqualität und der geräumige Innen- und Gepäckraum stehen hier eindeutig auf der Habenseite des T25 Kombi. Auch der Qualitätseindruck ist eigentlich sehr gut, denn nichts fasst sich billig an und es gibt keine Hartplastik-Wüsten, die Tristesse verbreiten. Auch nach beinahe 14 Jahren rappelt und klappert im Innenraum nichts.

 

Der Materialmix hinterlässt an einigen Stellen allerdings ein leichtes Stirnrunzeln, so wie z. B. die Zierleisten aus Carbon-Imitat, die im Design ebenso wenig zum sonstigen Interieur passen wie die im Anschein von gebürstetem Aluminium daher kommenden Kunststoffblenden des Radio-Navigationsgeräts und der Klimaautomatik. Leider wirkt dies im Gesamteindruck unstimmig und daher billiger, als es sein müsste, was prompt zu einem eigentlich vermeidbaren Punktabzug führt.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Sehr gute Verarbeitung, auch nach fast 14 Jahren kein Klappern oder Rappeln
  • + Reichlich Platz für eine 4köpfige Familie mit Gepäck
  • - Übersichtlichkeit nur mäßig
  • - Materialmix im Innenraum z. T. unstimmig

Antrieb

4.0 von 5

Der Motor ist leise und sparsam, wenn man ihn bei niedriger und mittlerer Drehzahl bewegt, wird aber recht laut und durstig, wenn man ihn hochtourig (> 4.500 U/Min.) fährt. Durchzug aus dem Drehzahlkeller und Elastizität gehören nicht gerade zu den Stärken des 1,8-Liter-16-Ventil-Motors. Die Stärken der Maschine sind neben der Sparsamkeit der vibrationsarme Lauf, die unbedingte Zuverlässigkeit und Robustheit des Motors, welcher lt. Aussage meiner Werkstatt für wenigstens 350.000 bis 400.000 km gut ist. Als nicht sportlich ambitionierter Fahrer habe ich bei der Motorleistung von 95 kW (= 129 PS) nicht das Gefühl, die Maschine sei nicht in der Lage, das Fahrzeug angemessen zu bewegen. Ob der Wagen die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h tatsächlich erreicht, habe ich nie ausprobiert. Ich habe den Wagen nur einmal richtig schnell gefahren, da lagen lt. Tacho ca. 190 km/h an, was wohl in der Realität höchstens 180 km/h gewesen sein dürften. Mir persönlich war das mehr als schnell genug, zumal die Anzeige des Momentanverbrauchs signalisierte, dass bei dem Tempo etwas mehr als 20 l Super/100 km in die Brennräume flossen.

 

Über eine Laufleistung von bislang ca. 234.000 km liegt der Durchschnittsverbrauch im gemischten Betrieb und bei gemäßigter Fahrweise bei ca. 6,8 l/100 km. Für ein etwa 1,4 t schweres Fahrzeug mit Benzinmotor (ohne Mild-Hybrid, Rekuperator oder Start-Stopp-System) ist das m. E. ein guter Wert. Mit dem Tankinhalt von etwa 60 l Super E10 kommt man über 800 km weit, auch wenn die Reserveanzeige meistens schon aufleuchtet, wenn noch acht, neun Liter Kraftstoff im Tank sind. Kraftstoffe wie Super E5 oder gar Super Plus mit 98 Oktan bringen keinen Gewinn an Leistung oder Laufruhe und auch keine Minderung des Kraftstoffverbrauchs.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Sparsamer, sehr leiser und äußerst zuverlässiger Motor
  • - Motor im unteren Bereich zäh, im oberen Bereich laut

Fahrdynamik

3.0 von 5

"Fahrdynamik" ist sicherlich kein Wort, das einem spontan in den Sinn kommt, wenn man mit dem T25 unterwegs ist. Der Wagen ist weich gefedert und fährt sich komfortabel. In schnell eingefahren Kurven neigt sich die Karosserie spürbar. Bei der Handlichkeit und Wendigkeit des Fahrzeugs gibt es noch genügend Luft nach oben. Es kommt dabei nie das Gefühl auf, der Wagen sei unsicher zu fahren. Die vom Fahrer gefühlten Grenzen von Fahrwerk und Lenkung sind erreicht, längst bevor Traktions- und Stabilitätskontrolle, von Toyota als TRC (traction control) und VSC (vehicle stability control) bezeichnet, eingreifen müssen. Während sich TRC zum Anfahren auf unterschiedlich griffigen Untergründen vorübergehend abschalten lässt, ist VSC permanent eingeschaltet und beugt so jedem Wunsch des Fahrers nach einer vermeintlich "sportlich ambitionierten Fahrweise" wirksam vor. Ich persönlich halte das im Interesse der Verkehrssicherheit für gut und sinnvoll.

 

Wirklich störend sind nur die schwachen Bremsen, die schnell zum Fading neigen, also zu nachlassender Verzögerungswirkung bei häufiger Betätigung. Da wünscht man sich, nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch in dem potentieller "Einschlagsziele", dass die Bremsen kräftiger zupacken und den Wagen spür- und messbar früher zum Stillstand bringen könnten.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Ruhiges, ausgeglichenes Fahrverhalten
  • - Schwache Bremsen

Komfort

4.0 von 5

Am Fahrkomfort gibt es nichts grundsätzliches zu meckern. Die Federung ist weich, die Straßenlage gut, der Fahrbahnzustand teilt sich nur gut gefiltert den Passagieren mit. Die Vordersitze sind bequem, nicht zu weich und könnten etwas mehr Seitenhalt vertragen. Dafür lassen sie sich in fast jede Position einstellen, auch in der Höhe. Auf den Rücksitzen ist das Reisen für zwei Personen auf längern Strecken bequem. Das Thema Seitenhalt ist auf der Rücksitzbank allerdings gar keines mehr ist, weil es nämlich so gut wie keinen Seitenhalt gibt.

 

Die Bedienung des Fahrzeugs ist insgesamt gut bis sehr gut, nur die Regler für die Heizung und Klimaautomatik sind etwas zu tief platziert. Zum Glück benötigt man aber nur selten manuelle Eingriffe in die gut funktionierende und sehr wirksame Klimatisierung.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Sehr komfortables Fahren
  • - Heizungsbedienung sitzt zu tief

Emotion

4.5 von 5

Die drei Baureihen des Avensis T22, T25 und T27 (01/1998-04/2018) wurden als Mitbewerber zu VW Passat, Opel Vectra bzw. Insignia und Ford Mondeo sowie anderen europäischen und asiatischen Mittelklasse-Limousinen hauptsächlich für den europäischen Markt entwickelt und gebaut. Toyota war damals der erste Hersteller, der einen Pkw mit serienmäßigem Knie-Airbag für den Fahrer anbot. Beim NCAP-Crashtest schnitt der Avensis in 2003 als Klassenbester wie selbstverständlich mit fünf Sternen ab und bewies, dass passive Sicherheit keineswegs als eine Domäne europäischer Hersteller anzusehen war.

 

Trotz insgesamt sehr positivem Gesamtbild hatte Toyota mit den ersten Modellen (02/2003-06/2006) der Baureihe T25 einige Probleme, von denen sich einige wenige sogar durch die gesamten Baureihe zogen und auch mit dem Facelift (07/2006-11/2008) nicht behoben wurden.

 

Insgesamt jedoch gelang Toyota mit der insgesamt zweiten (von drei) Baureihe des Avensis ein großer Wurf, der mit dem Nachfolger, dem Avensis T27 (02/2009-04/2018), nicht fortgesetzt werden konnte.

 

Mein Avensis aus 09/2006 (= T25 Facelift-Modell) erwies sich von Anfang an als eine sehr gut verarbeitete, robuste, zuverlässige, betont komfortable und mit der Minimalmotorisierung auch leise, sparsame und geräumige Langstrecken- und Reiselimousine für vier Leute und genügend Gepäck, mit insgesamt nur wenigen Schwächen.

 

Als Schwachpunkte waren das auf schlechten Straßen deutlich polternde Fahrwerk, die schwachen Bremsen sowie der im unteren Bereich etwas zu durchzugsschwache und im oberen Bereich recht laute Motor zu notieren.

 

Doch allein der Umstand, dass ich diesen Wagen seit fast 14 Jahren und ca. 234.000 km fahre, zeigt schon, dass es jenseits nüchterner Zahlen und Fakten noch etwas anderes gibt, nämlich eine gänzlich entspannte und tiefgehende Zufriedenheit mit einem Fahrzeug, das sich seines Kaufpreises mehr als wert erwiesen hat. Aus diesem Gefühl heraus hätte ich meinen Avensis am liebsten fast überall mit fünf Sternen bewertet, doch das wäre nicht objektiv, denn tatsächlich hat der Wagen durchaus Schwächen, die zu notieren ich mir alle Mühe gegeben habe, um ein ausgewogenes Bild zu vermitteln.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Hohes Maß an aktiver und passiver Sicherheit (weltweit 1. Pkw mit Knie-Airbag für den Fahrer, 5 Sterne im NCAP-Crashtest)
  • + Sehr hohe Zuverlässigkeit
  • + Gute Verarbeitung und umfangreiche Ausstattung
  • + Guter Fahrkomfort, leichte Bedienung und gutes Handling
  • + Leiser, sparsamer Motor, ordentlich zu schaltendes Getriebe
  • + Insgesamt ein ideales Familienauto für entspanntes Dahingleiten auf langen Strecken.
  • - Biederes Design, nicht hässlich, aber recht beliebig und wenig eigenständig
  • - Träger und an Steigungen/beim Überholen durchzugsschwacher Motor
  • - Motor wird bei hohen Drehzahlen (> 4.500 U/Min) recht laut und durstig
  • - Durch weiche Fahrwerksabstimmung starke Seitenneigung in Kurven, Wendekreis zu groß
  • - Auf schlechten Straßen deutliche Fahrwerkgeräusche

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 100-200 Euro
Verbrauch auf 100 km 6,5-7,0 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 500-700 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr 200-500 Euro
Haftpflicht 200-300 Euro (30%)
Vollkasko bis 200 Euro 30%
Außerplanmäßige Reparaturkosten Sonstiges - Kupplung + Antriebswelle links bei 196.000 km (1000 €)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Sehr guter, komfortabler, leiser und sparsamer Langstreckenwagen mit mehr als ausreichend Platz für vier Personen und Gepäck

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Für Stadtverkehr und schnelle Landstraßenfahrten ist der Wagen nicht so gut geeignet.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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