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Tesla Model S Model S 85 - Das Auto, das mich geprägt hat

07.12.2015 23:38    |   Bericht erstellt von nick_rs

Testfahrzeug Tesla Model S Model S 85
Leistung 367 PS / 270 Kw
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 2430 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 2/2014
Nutzungssituation Probefahrt
Testdauer ein Wochenende
Gesamtnote von nick_rs 4.0 von 5
weitere Tests zu Tesla Model S anzeigen Gesamtwertung Tesla Model S 4.5 von 5
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Einleitung

Dieser Fahrbericht kommt spät. Sehr spät. Bereits 1,5 Jahre ist es her, dass ich das Auto gefahren bin. Trotzdem ist das Thema nach wie vor aktuell. Im März 2014 hatten Markus_95 und ich ein Termin im Tesla Autohaus Stuttgart. Eine Probefahrt stand an. Der nette Verkäufer und das Auto begleiteten uns knapp eine Stunde. Wir hatten viele Fragen, die wir alle geduldig beantwortet bekamen. Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle noch mal an den Service von Tesla, der uns beiden trotz des Wissens, dass wir kein Kaufinteresse haben, eine Probefahrt ermöglicht hat, die es inzwischen nur noch für über 25-jährige gibt. Außerdem bemerkenswert war, dass man uns trotzdem sehr höflich, geduldig und zuvorkommend behandelt hat.

 

Den dazugehörigen Blogartikel findet ihr hier

Galerie

Karosserie

3.5 von 5

Durch die wenige Technik bleibt viel Platz für Stauraum. Es gibt gleich zwei Kofferräume und beide fallen recht groß aus. Allerdings ist das Umklappen der Sitze recht aufwendig und ergibt eine unschöne Kante. Auch die Ladekante hinten gehört nicht zu den niedrigsten. Dafür verbirgt sich unter dem Ladeboden noch mal ein sehr großes Fach, wenn man nicht die 3. Sitzreihe bestellt hat, auf der allerhöchstens Kinder sitzen können. Etwas besser sitzt es sich auf der Rückbank, die 3 ausgeformte Sitzplätze bereit hält, die dank fehlendem Mitteltunnel auch gut besessen werden können. Die Kopffreiheit ist trotz der abfallenden Dachlinie ausreichend und auch an den Knien hat man genug Platz. Vorne ist es ähnlich. Die Platzverhältnisse sind recht üppig und das Raumgefühl durch die fehlende Mittelkonsole sehr gut. Allerdings fehlt nicht nur die Mittelkonsole, sondern auch Ablagefächer. Auf der großen Fläche am Boden fliegen die Gegenstände hin und her. Eine nachrüstbare Mittelkonsole soll dagegen aber Abhilfe schaffen, meint der Verkäufer. Trotzdem fehlen Ablagen in den Türen, die hinten Sitzenden haben keine einzeige Ablagemöglichkeit, nichts.

Der Qualitätseindruck stimmt. Leder und Aluminium wohin man sieht, nur wenig Plastik und die Verarbeitung muss sich auch nicht verstecken. Allerdings kann man das bei einem 100.000€ Auto auch erwarten.

Durch die hohe Fensterlinie und das abfallende Heck ist die Übersichtlichkeit sehr eingeschränkt. Zum Glück gibt es eine Rückfahrkamera, die das Bild gleich auf den 17” Touchscreen überträgt.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Durch 2 Kofferräume und wenig Platzbedarf des Antriebs sehr viel Kofferraumvolumen

Antrieb

4.5 von 5

Wir fuhren die Mittlere Motorisierung, das Tesla Model S85 mit 367 PS. Die - im Vergleich zu den anderen Motorisierungen - sehr schwachen 440NM sind präsenter als erwartet. Nach den ersten Metern in der Stadt, wo sich das Auto wie ein großvolumiger Benziner fuhr, durften wir es auf der Landstraße auch mal krachen lassen. "Heilige Scheiße". Das Model S beschleunigt in 5,4 sek. auf 100. Das ist nicht allzu schnell, aber wie es das tut, das ist unbeschreiblich. Egal bei welcher Drehzahl bzw. Geschwindigkeit man das Gaspedal durchdrückt, man wird sofort erbarmungslos in den Sitz gepresst. Und wer auf eine kleine Drehmoment-Verschnaufpause, z.B. durch einen Gangwechsel hofft, der wartet vergeblich. Der Tesla presst einen so lange erbarmungslos in den Sitz wie man auf dem Gas bleibt. Dabei gibt er kaum ein Geräusch von sich. Ein leises Surren des E-Motor unter Volllast, das war's.

Zwar hat der Tesla mit über 400km mit die höchste Reichweite unter den Elektroautos, allerdings bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass wer wenig Strom verbraucht. Im Vergleich zu anderen Elektrofahrzeugen - zugegeben größtenteils Kleinwagen - liegt der Verbrauch doch deutlich höher.

Galerie
Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Für ein Elektroauto hohe Reichweite
  • + Durchzugstarker Elektromotor
  • - Verglichen mit anderen Elektrofahrzeugen hoher Verbrauch

Fahrdynamik

4.5 von 5

Das Fahrwerk macht seine Sache sehr gut. Das von uns gefahrene Luftfahrwerk lässt sich zwar verstellen, ist aber eher von der sportlichen Sorte. Auch die Bremsen lassen sich gut dosieren und packen ordentlich zu. Die Lenkung lässt sich wie das Fahrwerk verstellen, hier merkt man den Unterscheid zwischen Sport und Komfort sehr sehr deutlich. Von "man kann mit einem Finger lenken" bis "Bizepstraining" ist es der größte Unterschied in der Lenkung den ich bis jetzt bei einem Fahrzeug festgestellt habe. Das Ganze trägt dazu bei, dass dieses 2 Tonnen Auto sehr agil wird und man eine erstaunliche Leichtigkeit ausstrahlt.

Auch der Wendekreis ist für ein fast 5m langes Auto überdurchschnittlich klein.

Galerie
Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Tolle Bremsen
  • + Sportliches Fahrwerk

Komfort

3.5 von 5

Das Model S ist ein Auto der Oberklasse. Es verbindet die in der Klasse üblichen geringen Windgeräusche mit den Vorzügen des fast nicht hörbaren Elektroantriebs. Somit ist es im Fahrzeug ungewohnt ruhig und man bekommt fast nichts von der Außenwelt mit. Leider ist das Fahrwerk für diese Klasse doch etwas zu sportlich geraten.

Im Innenraum enttäuschen vorallem die Sitze. Man erwartet bei einem Amerikaner bequemes Gestühl, allerdings bekommt man nur harte Sitze mit kurzen Sitzflächen und ohne nennenswerten Seitenhalt.

Der 17" Bildschirm ist für ALLES zuständig, was nicht am Lenkrad bedient wird (Warnblinker ausgenommen). Selbst das Schiebedach wird über den Bildschrim gesteuert. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Mit kann via Updates Features nachrüsten, ohne an der Hardware zu arbeiten. Auch die Bedienung ist einfach zu verstehen, allerdings sind die vielen Untermenüs doch recht nervig.

Ebenfalls über den Touchscreen steuert man Heizung und Klimaanlage. Diese sind nicht nur schnell, weil sie nicht auf die richtige Motortemperatur warten müssen, sondern können auch im Stand über Strom betrieben werden. Während des Ladevorgangs kostet das nicht mal Reichweite.

Galerie
Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Sehr leises Fahrzeug
  • - Unbequeme Sitze
  • - Für ein Modell der Oberklasse zu sportlich

Emotion

4.5 von 5

Das Tesla Model S ist ein sehr elegantes und schönes Auto. Es wirkt sehr modern, aber auch einen Touch Sportlichkeit bringt es mit.

Tesla genießt das gute Image DES Elektropioniers.

Galerie
Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Attraktives Design

Gesamtfazit zum Test

  • + Innovatives Konzept
  • + Hohe Alltagstauglichkeit
  • + Geringe Unterhaltskosten
  • - Im Vergleich zum Benziner geringe Reichweite und
  • - weniger Komfort als in der Fahrzeugklasse üblich
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Der Tesla macht in Sachen Elektromobilität einen sehr großen Schritt von (fast) Null bis zur Ernst zu nehmenden Alternative zum Verbrenner. Die Raumausnutzung ist genial, das Fahren und Bedienen einfach, der Motor bärenstark und dank regelmäßigen Updates wird der Tesla auch nicht so schnell alt. Außerdem hat er ja für ein Elektrofahrzeug eine wirklich alltagstaugliche Reichweite und wenn man mal ehrlich ist, die 45 min am Supercharger kann man auch noch aufbringen.

Übrigens, die Batterie des Tesla lässt sich in 90 Sekunden ausbauen. Das lässt hoffen auf eine Batteriewechselstation, dann wäre das Problem mit dem Tanken auch gelöst.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Es ist schwierig ein Fazit über ein Fahrzeug zu ziehen, das quasi keine Konkurrenz hat. Verglichen mit anderen Oberklassefahrzeugen wirkt der Tesla ein wenig unfertig. Zwar hat er alles was man braucht und nicht braucht, aber es fehlt doch deutlich an Komfort im Innenraum und beim Fahren, verglichen mit S-Klasse & Co. Ebenso ist fraglich, ob das Model S auf Langstrecke wirklich tauglich ist. Die Supercharger stehen schon an vielen Autobahnraststätten, aber bei einem langen Wochenende auf dem Land kann es mit dem Strom schon mal knapp werden, bedenkt man, dass es an einer üblichen Haussteckdose über 30 Stunden dauert, bis der Tesla voll ist.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 1

28.04.2016 10:27    |    jorge27

Hallo Nick,

 

danke für den super Erfahrungsbericht. Wie ist eigentlich die Selbstentladung der Akkus?

Folgendes Szenario: Die fliegst für 3 oder 4 Wochen in Urlaub und parkst den Tesla ohne Stromanschluss. Wieviel Restladung haben die Akkus nach dieser Zeit?

 

Gruß, Jorge


06.01.2017 23:01    |    RubenKelevra

Hallo Jorge,

 

die Selbstenladung des Fahrzeugs liegt bei 0,5% pro Tag wenn du "dauerhaft verbunden" an hast (Umgebungstemperatur -5°C Nacht, 2°C Tag Durchschnitt über 4 Wochen), damit kannst du per App auf den Wagen zugreifen. Wenn du ihn komplett abschaltest sollte der Wagen etwa 1 % im Monat verlieren, das wäre die Selbstentladung der Batterien an sich.

 

---

 

Zum Erfahrungsbericht, die Sitze waren früher etwas weniger Sportlich ausgeführt aber unglaublich bequem. Die Rezension kann ich in Sachen "unbequemheit" nicht nachvollziehen. Die neuen Sitze sind aber wirklich nochmal ne ganze Ecke besser.

 

Oben wird angegeben, dass das Fahrzeug ein "Automatikgetriebe" hat, eigentlich hat es lediglich einen Gang und keine Kupplung - sprich fürs Rückwärtsfahren dreht der Motor rückwärts. Ist entsprechend falsch ausgezeichnet.

 

Das überaus Sportliche Fahrwerk liegt vermutlich daran, dass dieses Fahrzeug ein Sportsedan ist. Wem das nicht gefällt, der muss eben ein anderes Fahrzeug kaufen.

 

Von Luxusklasse kann hier nicht gesprochen werden, das ist ein typisches alltagstaugliches Fahrzeug für Familien im Sedanstil mit einem Sportlich abgestimmten Fahrwerk/Lenkung/Motorisierung.


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