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smart Roadster-Coupé 452 0.7 Test

29.02.2012 12:04    |   Bericht erstellt von makaroni1971

Testfahrzeug Smart Roadster-Coupé 452 0.7
Leistung 82 PS / 60 Kw
Hubraum 698
Aufbauart Cabrio/Roadster
Kilometerstand 135000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 7/2003
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 5 Jahre
Gesamtnote von makaroni1971 4.0 von 5
weitere Tests zu Smart Roadster-Coupé 452 anzeigen Gesamtwertung Smart Roadster-Coupé 452 4.0 von 5
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Einleitung

Fahrzeug ist seit 2005 in meinem Besitz. Gekauft als Jahreswagen-Rückläufer. Wurde täglich als Pendler-Fahrzeug gefahren, am Wochenende als Zweitwagen genutzt.

Karosserie

2.5 von 5

Ich habe mich bewußt für einen roadster entschieden, da ich dessen Design für ausgewogener halte als beim Coupe, aber das ist natürlich eine subjektive Bewertung. Das Coupe wurde von smart als höherwertiges Modell mit anderen Innenraumfarben vermarktet, was zu nochmals höheren Preisen führte. Unbestritten ist der Nutzwert des hinteren "Koffer"raums beim Coupe wesentlich höher als beim roadster, in dessen flaches Fach maximal Sporttaschen oder das maßgeschneiderte Gepäckset passt. Das vordere Gepäckfach ist allerdings gut nutzbar, sogar eine handelübliche Sprudelkiste paßt hinein. Lediglich der aus Diebstahlschutzgründen im Handschuhfach versteckte und schlecht zugängliche Entriegelungshebel nervt bei häufiger Benutzung.

 

Die eigentliche Sensation und Alleinstellungsmerkmal des smart roadsters ist neben der eigenständigen Optik sein niedriges Kampfgewicht von rund 800kg bei kompaktesten Abmessungen. Das ist auf jedem Meter spürbar und resultiert in unglaublichen Kurvengeschwindigkeiten bei minimaler Seitenneigung und akzeptablen Restkomfort. Diese Kombination macht ihn absolut einzigartig und stellt selbst erwiesen kompetente Alternativen wie den Mazda MX-5 in den Schatten.

Der Innenraum ist selbst für mich (1,94m) überraschend geräumig, wenn man denn erst mal rein kommt. Es ist eine Handbreit Luft über'm Scheitel und man kommt mit den Beinen keineswegs mit dem nicht verstellbaren Lenkrad in die Quere. Die Sitze sind eine Übernahme aus dem fortwo und äußert bequem auch auf längeren Etappen bei gleichzeitigem exzellenten Seitenhalt.

Die Übersicht ist bis auf den Schulterblick ausgezeichnet, das vordere und hintere Ende ist immer im Blick. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Aussicht aus dem Tiefparterre: man blickt anderen Verkehrsteilnehmern direkt in den Auspuff oder Rückleuchten. Das erschwert etwas das Kolonnenfahren auf der Autobahn, außerdem leuchten die Scheinwerfer des Hinterherfahrenden direkt ins kleine Heckfenster (Innenspiegel dimmen).

Die Karosserie an sich zeigt sich nach 135T ganzjährigen Alltags-km noch nahezu rostfrei, die Fahrwerkteile sind optisch angegriffen, aber technisch unbedenklich. Die kleinen Risse in der PVC-Naht links und rechts vom Überrollbügel sind unbedenklich.

Das elektrische Dach ist ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal, da es bei jeder Geschwindigkeit zu öffnen oder schließen ist. Die seitlichen Dachholme lassen sich wie gehabt bei geöffnetem Verdeck demontieren und im vorderen Gepäckfach quer in vorgegebenen Halterungen einrasten, was natürlich wiederum dessen Höhe reduziert. In Summe kann man aber das gewünschte Cabriofeeling zusammen mit den Seitenscheiben sehr gut regulieren und jeden Sonnenstrahl ausnutzen. Prinzipbedingt bleibt ja immer eine beheizbare Heckscheibe stehen, die gleichzeitig als Windschott dient.

 

Fazit: Überraschende Raumökonomie trifft auf kompakte Abmessungen und niedriges Gewicht bei überragender Steifigkeit und außergewöhnlichem Design. Wem's gefällt, bekommt ein konkurrenzloses Spaßmobil.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Exzellentes Raumangebot vorne
  • + gut nutzbarer Kofferraum vorne (Sprudelkiste)
  • + Übersichtliches Cockpit
  • + sehr gute Sitze mit viel Seitenhalt
  • - teure Zusatzausstattungen
  • - mäßige Qualitätsanmutung

Antrieb

4.0 von 5

smart hat das Potential des aktuellen "downsizing"-Trends bei den Verbrennungsmotoren schon früh erkannt. Der Motor verteilt 0,7l Hubraum auf drei Zylinder und wird mittels Turbolader auf Drehmoment und Leistung gebracht. Ergebnis: geringe innere Reibung, wenig thermische Verluste, gerade im Saugbetrieb überragende Verbrauchswerte.

Beispiele gefällig: Längere gleichmäßige Autobahnfahrt hinter LKW geht locker mit 3,5l/100km, Mitschwimmen in der Stadt mit 5l, ambitionierte Landstraßenfahrt mit unter 6l (und überholt dabei Motorräder in der Kurve). Lediglich bei übertriebener Autobahnhatz und Bleifuß (190km/h) heißt es: Turbo läuft, Turbo säuft (8-9l). Insgesamt aber überragend effizient, drehfreudig, durchzugsstark (über 2500U/min).

Ein anderes Kapitel ist die schaltung. Zwar stehen 6 Gänge zur Verfügung, diese sind aber im Prinzip 2x3 Gänge, und so waren Kompromisse bei den Übersetzungverhältnissen notwendig. So ist z.B. zwischen 2. und 3. Gang nur wenig Unterschied erkennbar. Da es sich um ein sequentielles, automatisiertes Schaltgetriebe aus dem fortwo handelt, übernimmt er auch dessen Eigenarten: lange gefühlte Schaltpausen (wobei die einem so lang vorkommen, weil man nichts zu tun hat als den Schalthebel zu drücken oder ziehen), unharmonisches Ein- und Auskuppeln (Nickeffekt), umständliches Umschalten beim Rangieren, überflüssig hohes Drehzahlniveau bei Automatikmodus. Positive Nebeneffekte sind dessen Effizienz (kein Wandler), geringe Baugröße (Package) und das nervige Kuppeln entfällt. Bei Angasen auf der Landstraße stört das Getriebe noch am wenigsten. Insgesamt wäre ein manuelles Schaltgetriebe sicherlich die bessere, aber eben nicht verfügbare Variante gewesen. Man kann und wird sich damit arrangieren und lernen, beim Schalten den Fuß kurz vom Gas zu nehmen, das löst schonmal viele Probleme von alleine.

Der Kupplungsaktuator ist etwas schmutzempfindlich, aber insgesamt war der komplette Anstriebsstrang bisher ohne besondere Vorkommnisse.

Ölverbrauch bei meiner Fahrweise übrigens nicht meßbar.

Für alle Gebrauchtwageninteressenten sei noch angemerkt: Turbomotoren sind empfindlich, was die Ölschmierung und Drehzahlen der beweglichen Teile (Wellen, Lager etc.) angeht. Also: immer vernünftig warmfahren und auch wieder kaltfahren (z.B. nach Autobahnvollgasorgie auf die Ratstätte: ein paar Minuten nachlaufen lassen). Kein Chiptuning, das ruiniert den Motor garantiert. Und nein, die 82PS-Variante ist gegenüber der 61PS-Basis nicht nur werksseitig gechipt, sondern hat auch andere Kolben und Kühlsystem etc. Also Finger weg von breiter-tiefer-lauter-schneller Derivaten.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + wenn Ladedruck, dann geht so was von die Post ab
  • + maximal effizienter Antrieb, geringer Verbrauch
  • + breites nutzbares Drehzahlband
  • + Automatikfunktion bei ruhiger Fahrweise in der Stadt ideal
  • - ruckelige Schaltung mit eigentümlicher Schaltstrategie im Automatikmodus
  • - leise ist anders
  • - Turbomotoren wollen warm- und kaltgefahren werden

Fahrdynamik

4.5 von 5

Jetzt kommt die Paradedisziplin und Daseinsberechtigung des smart roadsters. Ich bin in meinem Leben schon viele Autos gefahren, aber keines reicht auch nur ansatzweise an dieses Fahrgefühl heran (nein, auch kein MX-5, Boxster, Cooper S).

Sein Talent, seitenneigunsfrei um Kurven, Radien und Ecken jedweder Sorte zu flitzen, ist einfach phänomenal. Mit 80 durch den Kreisverkehr, mit 50 rechtwinklig abbiegen, in die Kurve reinbremsen, mit Schmackes (rechtzeitig schalten!) wieder raus, innen an Motorradfahrern vorbei, volle Pulle die Gerade aufschnupfen, jede Kurve millimetergenau anpeilen, HEEEEEERRRRLICH!!!!

Und dabei immer auf der sicheren Seite. Heckmotor und -antrieb läßt schon erahnen: wenn's zu viel wird (und das ist eigentlich immer jenseits der StVo), dann dreht er, und das ESP hat alle Hände voll zu tun, vor allem bei Nässe. Der Grenzbereich liegt hoch, aber ist schmal. Und bremsen tut er wie ein Porsche: er bremst nicht, er wirft den Anker.

Subjektiv ist der Spaß noch größer, weil man so tief sitzt und die Straße unter einem vorbeizieht wie sonst nirgendwo. Das Wastegate zwitschert fröhlich beim Gaswechsel, der Motor dreht und saugt und pufft ungeniert, auch wenn der Sound eher laut als schmarotzig ist.

 

Ein Spaß ohne Grenzen. Keine weiteren Worte nötig.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Extremes Kurvenfahrwerk - DIE Paradedisziplin des roadsters
  • + standfeste, brachiale Bremsen trutz Trommeln hinten
  • + ABS, ESP immer serienmäßig
  • + Lenkung auch ohne Servo leichtgängig, direkt, zielgenau
  • + absolut ausreichende Fahrleistungen auch mit 82PS
  • + Kickdown-Funktion sorgt für mehr Anfahrdrehzahl
  • - kleine Turbogedenksekunde führt zu etwas spitzer Leistungscharakteristik
  • - Wendekreis könnte kleiner ausfallen

Komfort

3.0 von 5

Das Überraschungskapitel.

Trotz klarer Fahrspaßpriorisierung bleibt der Komfort nicht auf der Strecke. Das geringe Gewicht und tiefer Schwerpunkt braucht keine knallharte Federung zur Reduzierung der Seitenneigung, der Radstand ist so lang wie möglich bei dem Konzept. Ab Werk gab es (und genieße ich) einige Komfortfeatures: Sitzheizung, Tempomat, Klimaanlage, Servolenkung, el. Fensterheber und Verdeck, Funk-ZV, Bordcomputer, Soundsystem... alles funktioniert bis heute tadellos. Das werksseitige Radio ist trotz Soundsystem eher dürftig in Klang und Features.

Die Sitze sind wie schon erwähnt einfacher Natur, aber Referenz in Sachen Seitenhalt, Ergonomie und Belüftung.

Die Bedienung ist selbsterklärend, direktbeknopft und menüfrei. Der effiziente Antrieb läßt wohl trotz überschaubarem Innenraumvolumen keine bessere Heizung zu. Die Spritzwasserdüsen inkl. -behälter sind unbeheizt mit entsprechenden Folgen. Die Lichtausbeute des Abblendlichtes ist wegen der geringen Einbauhöhe bescheiden, aber gute H7-Nachrüstbirnen bringen einiges.

Fazit: man kann den roadster TROTZ und nicht wegen seines Komfortangebotes kaufen und fahren.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Restkomfort akzeptabel
  • + einiges an Komfortzubehör erhältlich (für teures Geld)
  • + tolle Sitze
  • + wer kauft einen smart wegen seines Komforts? - Eben, er hat einfach genug davon!
  • - wenig Gewicht = wenig Dämmung, bekannte Folgen...
  • - Abblendlicht bescheiden

Emotion

5.0 von 5

Das "zweite Standbein" für den roadster:

Zweifarbenkonzept, Größe, Knackigkeit, Sportlichkeit, Wendigkeit: wo gibt es das so komprimiert sonst zu kaufen? Ja, MX-5, Elise, MR2, ... haben auch was davon, aber so komprimiert wie hier gibt's das sonst nirgendwo.

Das ist natürlich auch gleichzeitig sein "Problem", denn wer sich nicht auf das Konzept oder die Optik einlassen will oder kann, für den ist der roadster nichts. Er braucht Verständnis und einen ambitionierten, vernünftigen Gasfuß zum Fahrer, sonst wird er verheizt und verbraucht, und dann geht das Gerede über die Haltbarkeit des Motors wieder los.

Unerwünschte Emotionen kommen eher durch das chronisch undichte Spiegeldreieck, bei manch heruntergekommenen Exemplaren beliebig weitere Gummiübergänge.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Emotionaler geht es nicht
  • + Einzigartiges, emotionsgeladenes Design und Konzept...
  • - ...wenn der Kaufpreis vergessen ist

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr bis 100 Euro
Verbrauch auf 100 km 5,0-5,5 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 100-300 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr bis 200 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 71134
Haftpflicht bis 200 Euro (45%)
Teilkasko 50-100 Euro
Außerplanmäßige Reparaturkosten Fahrwerk/Rost - (300 €)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Emotionale Spaßgranate, einzigartig in Package, Gewicht, Antrieb und Unterhaltskosten (Steuer, Versicherung, Verbrauch, Reifenverschleiß).

Überraschend viel Komfort und Platz.

Regelmäßige Wartung (150-250€ alle 10-12Tkm) und schonendes Warmfahren vorausgesetzt, hatte ich noch nie so ein zuverlässiges und preiswert zu unterhaltendes Fahrzeug.

Tolle Features (Turbodruckanzeige, Wastegatezwitschern, Fahrwerkauslegung, elektrisches Verdeck bei jeder Geschwindigkeit, Automatikfunktion, Zweifarbenkonzept, ...)

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Bedingt alltagstauglich (erschwerter Ein-/Ausstieg, kleiner Kofferraum). Manche Exemplare sind reparaturanfällig, aber das liegt meist am Pflegezustand und Fahr-Verhalten des Besitzers. Gewöhnungsbedürftige Schaltung.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 1

01.03.2012 15:59    |    der_Derk

Schönes Fazit, kann ich so unterschreiben - gibt's auch Bilder? :)


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