• Online: 5.820

Renault Clio III RS 2.0 Test

14.10.2014 00:45    |   Bericht erstellt von BaluXGT

Testfahrzeug Renault Clio 3 RS 2.0
Leistung 201 PS / 148 Kw
Hubraum 1998
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 102000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 10/2010
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 3 Jahre
Gesamtnote von BaluXGT 4.0 von 5
weitere Tests zu Renault Clio 3 anzeigen Gesamtwertung Renault Clio 3 4.0 von 5
Hat Dir dieser Testbericht geholfen?
5 fanden das hilfreich
Hilfreich Nicht hilfreich

Einleitung

Das Fahrzeug ist seit September 2014 in meinem Besitz. In der Zeit habe ich bereits 52.000 km hinter mir. Zwischen Autobahn, Landstraße und Stadtverkehr und bereits in extremen Fahrsituationen mit abgeschaltetem ESP und ASR: Stichwort "Lift-Off-Oversteer".

Karosserie

3.0 von 5

Im Innenraum sehr sauber verarbeitet. Das Amaturenbrett sieht sehr hochwertig aus und hat sauber verarbeitete Nähte. Vollledersitze vorne und hinten sehr gut verarbeitet.

Galerie
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Vorne sehr geräumig
  • + Kofferraum für seine Klasse sehr geräumig
  • + Gute Qualität
  • - Hinten eng, aber für einen 3-Türer Hatchback noch sehr gut
  • - Unübersichtlich im Blick nach hinten

Antrieb

3.5 von 5

Der 2,0l-R4-Saugmotor steht den Turbomotor um nichts nach. Ab 3.000 U/min brummt er satt vor sich hin. Ein bisschen schleppend geht es bis 5.400 U/min voran, bis dann der volle Punch einsetzt und das volle Drehmoment den Motor bis in den Drehzahlbegrenzer (7.500 U/min) pusht. Erst dann piepst der Clio RS willig und bittet um den nächsten Gang. Und hier ist leider schon ein kleines Minus. Die Schaltung ist sehr knackig und sportlich und bietet kurze Schaltwege. Im Grenzbereich drückt der Motor jedoch so stark auf das Getriebe, dass die Schaltung recht hakelig wird. Abhilfe schafft jedoch ein spezielles Lagerkit (Drehmomentstütze, Motorlager + Getriebelager). Sparsam sieht anders aus, denn selbst mit Tempomat braucht der Kleine bei 120/130 auf der Autobahn ca. 8,5 Liter. So lassen sich im Durchschnitt im Drittelmix ca. 10-11 Liter erreichen. Fährt man jedoch sportlich oder gar im Grenzbereich liegen wir bei gut 12-15 Litern. Die Reichweite variiert zwischen 350 und 600 Kilometern. Bei Vollgas auf der Autobahn habe ich als Maximum 16 Liter erreicht, dann muss man aber wirklich dauerhaft auf dem Gas bleiben. Bei 250 lt. Tacho is leider Ende (getestet auf der A99 => im 6. Gang im Begrenzer), reicht aber um den ein oder anderen Mercedes, BMW oder Audi deutlich zu ärgern.

Galerie
Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Bärenstarker 2,0l-R4-Sauger
  • + Ab 5.400 U/min volles Drehmoment, dann geht die Post richtig ab
  • - Bei sportlicher Fahrweise sehr durstig
  • - im Extrembereich hakelige Schaltung

Fahrdynamik

4.5 von 5

Was Renault hier denn für eine geile Sau hingestellt? Fahrwerk und Bremsen sind in der Klasse absolut Top! Fangen wir bei den Aerodynmischen Merkmalen an. Der weiße Spoiler des Gordini (ja den Spoiler gibts bei allen RS, hier allerdings in weiß) soll bei hohen Geschwindigkeiten für Anpressdruck sorgen. Hinten gibts von Renault Sport keinen Heckspoiler, sondern einen Heckdiffusor, der ebenfalls bei hohen Geschwindigkeiten für Anpressdruck sorgen soll. In den Kotflügeln vorne gibt es große Luftauslässe. Die sollen dafür sorgen, dass die heiße Luft aus dem Motorraum abtransportiert wird und die Bremsanlage gekühlt wird. Mit ESP + ASR neigt der Clio weder zum Über- oder Untersteuern, lässt sportliches Fahren zu, greift jedoch im Grenzbereich ein. Drückt man einmal kurz auf den Schalter deaktivieren sich ESP + ASR komplett. Dann wird der Clio RS zum echten Dampfhammer. Die Lenkung ist so aggressiv direkt, dass man in der ersten zackigen Kurvenfahrt erstmal die Lenkung kurz wieder auf machen muss, weil man viel zu scharf eingelenkt hat. Die Bremsen sind auf hohen Niveau. Auf der Autobahn bereits getestet von 230 auf 70 (Runterbremsen Autobahnabfahrt). Die Bremse hat überhaupt kein Fading und packt immer zu. Im Lastwechsel und bei aggressivem Anbremsen auf Kurven merkt man schon stark wie das Heck leicht wird und ein wenig ausbricht. Warum ist das nervöse Heck jedoch ein Pro? Es gibt bei diesem Fahrzeug (mit ausgeschalteter Elektronik) absolut kein Understeering. Nein, im Gegenteil, das Oversteering in den Kurven ist ein deutlicher Vorteil und macht den RS schneller. Das nervöse Heck ist jedoch ein Dickes Minus auf der Autobahn, da wirds ungeübten Fahrer schon mal schwindlig. => Nix für Anfänger. Für Profis allerdings die absolute Spaßgranate schlechthin.

 

Nach 3 Jahren ein Update: Mittlerweile ist ein KW Gewindefahrwerk V1 verbaut, vorne mit 1 cm Restgewinde, hinten ohne. Bei eingeschalteter Software hilft dem ungeübtem Fahrer die "No-Understeer-Control" deutlich weiter und verhindert jegliches untersteuern des Fahrzeuges. Will man erst machen, reicht der kurze Druck auf den Knopf und der Spaß geht los. Vor allem das Lift-of-Oversteer beherrscht der kleine Clio RS sehr gut, Vollgas in die Kurve rein, blitzartig vom Gas runter und schon schiebt der Clio RS quer durch die Kurve und lässt sich leicht wieder einfangen. Fahrdynamik pur.

 

Dazu lässt sich die Bremse mit sehr kleinen Mitteln äußert stark pushen: Härtere Scheiben (Brembo HC), bessere Beläge (Brembo Performance oder Endless A06), Sportbremsflüssigkeit (ATE Typ 200 bzw. Blue) und Stahlflexbremsleitungen und die Bremse entwickelt sich zum Ultimum (mehr geht natürlich immer).

Galerie
Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + kleiner Wendekreis
  • + wahnsinnige Beschleunigung
  • + aggressiv direkte Lenkung
  • + packende Brembo-Anlage
  • + Leicht nervöses Heck
  • + Im Grenzbereich (ohne ASR + ESP) trotzdem beherrschbar
  • + extrem wendig

Komfort

4.0 von 5

Sportlich, hartes Fahrwerk, dennoch für die Verhältnisse sehr komfortabel => Mit KW V1 jetzt natürlich eine Spur härter und satter auf der Straße. Die Sitze vorne sind sehr bequem und werden auch nach 3 Stunden nicht unangenehm. Vor allem der Seitenhalt ist bei sportlicher Fahrweise sehr gut. Die Cup-Version hat natürlich mit den Recaros noch mehr seitenhalt und ist noch deutlich härter als der Gordini.

 

Die Innengeräusche sind relativ laut. Allerdings steht das für mich als Autoverrückten eher auf der Pro-Seite. Ab 3.000 U/min haben wir ein Geräuschband von Knurren bis Orkan. Einfach Geil!

 

Die Bedienung vom Radio ist etwas komplizierter, wenn man es nicht kennt. Hier sollte man sich das erstmal mit der Anleitung in Ruhe ansehen.

 

Die Klima, sowie die Heizung machen was sie sollen. Sehr gut!

Galerie
Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Sehr komfortabel
  • + Sehr gute Klimaanlage
  • + Sehr straffes, hartes Fahrwerk. Jedoch noch im komfortablen Bereich
  • + Sehr guter Seitenhalt
  • - Innen laut, allerdings für Autoverrückte eher ein Pro
  • - Bedienung nicht voll Intuitiv, Anleitung wäre hier von Vorteil

Emotion

5.0 von 5

Das Design ist was neues, erfrischendes. Aber das kennen wir auch nicht anders von Renault. Vor allem hier die Sonderausstattung Gordini macht richtig was her. Das Fahrzeug komplett in Gordini-Blau getaucht (wenn die Sonne drauf schein schimmert ein leichtes hellblau bis türkis durch). Über die Fahrerseite gehen die Streifen von der Motorhaube, übers Dach bis hinter zur Heckklappe. Komplettiert wird das von außen durch das Lenkrad, was ebenfalls über zwei weiße Streife verfügt. Als tolles Detail sind die Streifen nicht nur weiß, sondern fügen sich aus vielen kleinen Gordini-Logos zusammen.

 

Oh ja! Dieser Clio III RS Gordini elektrisiert. Ein relativ schlechtes Image, wenn man von einem Renault spricht, sobald andere Personen jedoch mit diesem Auto in Berührung kommen, dann schießt das Image durch die Decke. Hierzu könnte ich genügend Beispiele aufzeigen, aber ich beschränke mich mal auf das letzte: A96, kurz nach einem Tunnel mit Tempo 100, ca. 10 km vor Landsberg. Ich fahre dem Vordermann (Audi A5 3.0TDi Quattro) etwas dichter auf (also vielleicht 10-20 Meter unter dem Sicherheitsabstand), um zu signalisieren, dass ich vorbei möchte (rechts war alles frei). Der Audi (Schweizer Kennzeichen) wechselt die Spur. Ich schalte in den 3. Gang... 5.300 U/min stehen auf der Kurbelwelle an und ich drücke voll durch. 140 km/h, 4. Gang... 175 km/h in den 5. Gang... der RS schiebt und schiebt. Der Audi hat Mühe mitzuhalten. 210 km/h kurz vorm Begrenzer des 5. Gangs. Der Clio RS schiebt weiter bis kurz vor die 120-km/h-Zone vor Landsberg auf knapp 240 km/h laut Tacho. Der Audi ist nur noch in der Ferne zu sehen. Am 120er Schild werfe ich bei 245 km/h den Anker und Bremse auf 120 km/h runter und schalte den Limiter ein. Kurze Zeit später fährt der Audi auf meine Höhe. Ich blicke rüber und sehe die zwei Schweizer grinsend, wie sie mir den Daumen nach oben geben. Alles richtig gemacht :)

 

Hinzu kommt das sportliche Temperament ala "Drecksau". Ein Fahrzeug, dass man unter der Woche mit zur Arbeit nimmt, oder einfach in der Innenstadt etwas die Muskel spielen lässt (ihr glaubt gar nicht wie viele diesem Auto hinterher schauen). Aber möchte man mal Ernst machen, dann kann man ihn auch mit auf die Rennstrecke nehmen und richtig Spaß haben.

Galerie
Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Modernes, sportliches Aussehen
  • + sehr sportliches Temperament
  • + Gutes Image

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 100-200 Euro
Verbrauch auf 100 km über 10 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 300-500 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr 500-1500 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 87600

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Es gibt kein Kontra! Dieses Fahrzeug ist absolut unvernünftig und eigentlich eher für die Rennstrecke gebaut. Wer auf ein Auto mit puren Emotionen steht greift einfach zu! Kein Turbo-Quatsch und kein DSG-Gedöns, sondern einfach nur purer Fahrerspaß wenn das ESP aus ist!

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
Hat Dir dieser Testbericht geholfen?
5 fanden das hilfreich
Hilfreich Nicht hilfreich

Kommentare: 1

14.10.2014 14:58    |    DPLounge

Toller Bericht und schöne Bilder von diesem top gepflegten Clio.

 

Danke dafür, weiter immer gute Fahrt und viel, viel Spaß damit :).


05.11.2015 10:47    |    greentea868

Cooler Testbericht :) das mit der Schaltung bei Volllast ist mir auch stark aufgefallen. Auf der Nordschleife muss man schon mit ordentlich Zug schalten, um schnell den nächsten Gang reinzubekommen. Und warum ist bei 230 Schluss? ;) ich hatte meinen 197 schon bei 245 Tacho, natürlich bergab, aber es geht. Nur den Wendekreis finde ich viel zu groß, das merkt man im Vergleich deutlich.

 

Mfg greentea


Testbericht schreiben!
Fahrzeug Tests