Porsche 944 S 2 Test #190012
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Porsche 944 S 2 Test

20.03.2017 00:23    |   Bericht erstellt von whgreiner

Testfahrzeug Porsche 944 S 2
Leistung 190 PS / 140 Kw
Hubraum 2449
Aufbauart Sportwagen/Coupe
Kilometerstand 155000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 12/1986
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 3 Jahre
Gesamtnote von whgreiner 4.5 von 5
weitere Tests zu Porsche 944 anzeigen Gesamtwertung Porsche 944 4.0 von 5
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Einleitung

Meinen Porsche 944 S (nicht S2 - Eingabemaske erlaubt nicht die korrekte Bezeichnung) habe ich 1993 mit 55.000 km auf dem Tacho erworben und bis zum Wiederverkauf 1996 weitere 100.000 km gefahren.

Karosserie

3.5 von 5

Mit seiner Heckklappe und der umlegbaren Rücksitzbank war der 944 ein äußerst praktisches, variables Auto. Selbst der Transport eines zimmerhohen Weihnachtsbaums war problemlos: Klappe auf, Beifahrersitzlehne nach hinten, Baum nach vorne in den Beifahrer-Fußraum geschoben, Klappe zu :-)

Übersicht nach vorne mit aufgeklappten Scheinwerfern mustergültig, nach hinten sowieso. Heckscheibenwischer war lieferbar, aber unnötig - die Heckscheibe blieb dank guter Aerodynamik sauber. Die Rückbank konnte man allenfalls Kindern über eine längere Strecke zumuten. Mein 944 S hatte das "Targa"-Dach: ein elektrisch aufstellbares Dach, das man auch ganz herausnehmen konnte. Wirklich offen war der Wagen damit auch nicht, aber so zugig, daß man so allenfalls auf gemütlichen Landsträßchen fahren mochte. Geschlossen beeinträchtigte es den ansonsten guten Qualitätseindruck des Wagens durch lästige Windgeräusche.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Variabel mit Heckklappe
  • + übersichtlich

Antrieb

5.0 von 5

Der Motor war bei niedrigen Drehzahlen Vierzylinder-typisch brummig, ab etwa 4000 Touren lief er aber dank Ausgleichswellen wunderbar seidig: selbst der für seine Laufruhe berühmte, große Reihensechszylinder von BMW kam da nicht mehr mit! Er orgelte willig und spritzig bis über 7000 Touren, was aber dank fülligem Drehmoment selten nötig war. Im Verbrauch begnügte er sich bei mir über alles - bei SEHR flotter Fahrweise, aber wenig Stadtanteil - mit 10,5 Liter Superbenzin. Mit 700 km war auch die Reichweite für einen Benziner reichlich.

 

Mit 190 PS für den relativ kleinen, leichten, aerodynamisch ausgefeilten Wagen war man in den 90er Jahren noch der "King" auf der Autobahn - für so etwas gab es damals nur sehr wenig Konkurrenz. Entsprechend eindrucksvoll war das Überholprestige dieses Autos. Manchmal war es schon fast peinlich, wie beflissen die Überholspur selbst dann geräumt wurde, wenn man eigentlich gar nicht schneller fahren wollte :-) Nicht zuletzt auch deshalb konnte man mit diesem Auto lange Strecken unglaublich flott bewältigen.

 

Das an der Hinterachse eingebaute Fünfgang-Schaltgetriebe war mit Abstand das beste, das ich je gehabt habe: leichtgängig wie Butter, mustergültig exakt mit kurzen Wegen - da machte das Schalten wirklich Spaß.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Grandios seidige Laufkultur bei hohen Drehzahlen
  • + Exzellentes Schaltgetriebe
  • - Vierzylinder-Brummen bei niedrigen Drehzahlen

Fahrdynamik

5.0 von 5

Ein Porsche eben... Besondere Erwähnung verdient noch der saubere Geradeauslauf selbst bei höchsten Geschwindigkeiten und Seitenwindböen. Wo ich mich danach mit dem gewiss nicht schlecht liegenden BMW 735i nicht schneller als 190 fahren traute, da gingen mit dem 944 ganz entspannt 220.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + In jeder Hinsicht exzellentes Fahrwerk!

Komfort

4.0 von 5

Obwohl das Fahrwerk sportlich straff abgestimmt war, war es keineswegs unkomfortabel. Vor allem die exzellenten Sitze sorgten dafür, dass ich in dem Auto beschwerdefrei auch mal 6-7 Stunden am Stück sitzen konnte, wenn auf einer Langstrecke viel Stau war. Sogar meine damalige Freundin liebte das Auto, obwohl sie alles andere als eine sportliche Fahrerin war: wegen des guten Komforts!

 

Sonderlich leise war der Porsche allerdings nicht: der Motor war immer deutlich zu hören, und das "Targa"-Dach machte auch geschlossen lästige Windgeräusche.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Guter Federungskomfort trotz straffer Abstimmung
  • + Exzellente Sitze
  • - Nicht sonderlich leise

Emotion

4.5 von 5

Ein Sportwagen gilt vielen Leuten als "unvernünftiges" Auto - dabei ist doch gerade dieses Auto bei aller Sportlichkeit ein Muster an Vernunft: für zwei Personen groß genug mit variablem Kofferraum und praktischer Heckklappe, mustergültig sichere Fahreigenschaften, exzellenter Langstreckenkomfort, für die Fahrleistungen geringer Spritverbrauch und hochwertige, auf Langlebigkeit ausgelegte Technik.

 

Das Karosseriedesign kriegt von mir allerdings nur die zweitbeste Note: durchaus hübsch, aber irgendwie fehlt der Pfiff - "uninspiriert" hat es irgend ein Motorjournalist mal genannt.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + sportliches Image
  • - sportliches Image

Unterhaltskosten

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

In der Summe seiner Gebrauchseigenschaften mit Abstand das beste Auto, das ich je gefahren habe: exzellentes Fahrwerk, praktische, übersichtliche, kompakte Karosserie mit variablem Laderaum, bei hohen Drehzahlen wunderbar seidig laufender, elastischer, drehfreudiger Motor, exzellentes Schaltgetriebe, überragend bequeme Sitze, sehr guter Langstreckenkomfort, angesichts der Fahrleistungen geringer Spritverbrauch, solide, langlebige Technik, enormes Überholprestige auf der Autobahn. Selbst im Winter war er mit guten Winterreifen sehr problemlos zu fahren.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

An negativen Gebrauchseigenschaften fällt mir eigentlich nur das Vierzylinderbrummen bei niedrigen Drehzahlen und das nicht wirklich überzeugende "Targa"-Dach (optionales Extra) ein.

Was mich allerdings letztlich von diesem Auto wieder Abstand nehmen ließ, waren die horrenden Ersatzteilpreise: ich fragte mich ernsthaft, wie viele Millionen Mark (damals noch...) ein komplett aus Ersatzteilen aufgebauter Porsche 944 kosten würde. Wirklich schade, weil das bei der Wirtschaftlichkeit dieses ansonsten mustergültig VERNÜNFTIGEN (!!!) Autos dann doch noch einen Strich durch die Rechnung machte. Allein deshalb war der Porsche unterm Strich dann doch nur mein zweitbestes Auto - das beste war der danach gefahrene BMW 735i.

Gesamtwertung: 4.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.5 von 5 möglichen Sternen
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