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Opel Astra F (T92) 1.6 Caravan Test

26.11.2013 14:18    |   Bericht erstellt von RomanL

Testfahrzeug Opel Astra F 1.6i Caravan
Leistung 71 PS / 52 Kw
Hubraum 1598
Aufbauart Kombi
Kilometerstand 200000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 4/1993
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 3 Jahre
Gesamtnote von RomanL 3.5 von 5
weitere Tests zu Opel Astra F anzeigen Gesamtwertung Opel Astra F 3.5 von 5
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Einleitung

Den Wagen erwarb ich vor gut 5 Jahren von einem Schrauberkumpan, der ihn zuvor statt eines Bullis gefahren hatte. Beim Kauf (für 800,-€) waren die Schweller hinten beidseitig schon geschweißt - aber fachmännisch und gut versiegelt. Wartungszustand war irgendwo zwischen gut und sehr gut, Motor nahezu trocken, Achsen klapperfrei und hinten natürlich nur ein Hundegitter drin - aber kein Rollo ;-)

 

Der Innenraum war spartanisch aber in komplettem Schwarz gehalten. Praktisch!

 

Der Astra war 1,5 jahre lang mein Hauptwagen, den ich täglich bis zu 200km gefahren habe - sommers wie winters und das ohne ABS und ESP...

 

Er wurde nie geschont, mußte Bauzeug schleppen, Hänger ziehen und jede Menge Feldwege usw. erleiden.

 

Gekostet hat er ein paar Lämpchen, etwas Öl, einen Keilriemen und 1x neue Kerzen auf 60.000km ohne Mucken. Prophylaktisch wurde das Zündmodul nebst Geschirr "erneuert" (wurde von einem Abwracker "gespendet") und die Bremsen saniert (allerdings auch nur reinigen und Flüssigkeit tauschen). Er bekam in meinem Besitz 2x neuen TÜV - beide Male ohne einen einzigen Mangel.

Ach ja, eine "Katastrophe" gabe es: der Schlauch vom hinteren Wischwasser war abgerutscht und suppte in die Hecktür...aber gerostet hat da trotzdem nix ;-)

 

Nach der eigenen Nutzung stand der Wagen 1 Jahr draußen und wurde dann von Sohnemann noch ca. 1/2 Jahr gefahren. Danach ging's für 500,- ab an einen Pizzahütteninhaber - der ihn leider gegen ein reh gesetzt hat ;-( Er weint noch heute dem zuverlässigen und geräumigen Auto nach ;-)

 

Vorteile:

- immer zuverlässig

- heizt gut

- übersichtlich und handlich

- sparsam (selten mal an den 7 L/100km gekratzt - trotz schwerem Fuß!)

- keine relevanten Reparaturen

- sehr flexibel und riesig innen drin

- wertstabil ;-)

 

Schwachpunkte:

- Lampen der Heizungsbeleuchtung,

- linke Fensterkurbel (war etwas sehr schwergängig aufgrund der ausgeleierten Nieten und einer dadurch erzeugten Verwindung),

- Rost am Tankstutzen

- Rost an der Heckklappe

- schwachbrüstige Sitze

- ohne ABS etwas störrisch auf Eis und Schnee

Karosserie

4.0 von 5

Die Karosseriefrom ist zeitlos. Geräumiger und zugänglicher als im Astra kann man einen Kombi kaum gestalten. Die Stufe im Dach (hatte ja zuletzt der Toyota Tercel) ist optimal, um auch hinten mit Hochsteckfrisur oder Helm zu sitzen ;-) Aber mal im Ernst, da geht richtig was rein!

Vorn sitzt man eigentlich ganz gemütlich, wie es halt in deutschen Autos üblich ist. Lenkrad und Armaturen sind da, wo sie am leichtesten zu erreichen sind (und nein, DAS ist NICHT bei allen Fabrikaten selbstverständlich!).

Hinten sitzt man mit langen Beinen etwas beengt, aber für Kinder reicht's allemal.

Durch die asymmetrisch geteilte Rückbank und die versenkbaren Lehnen ist der Kofferraum eine gigantische Höhle. So groß ist kaum ein Fahrzeug aus diesen Jahren, zumindest icht in der selben Klasse!

 

Fazit: Außen zeitlos, innen konkurrenzlos ;-)

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + zeitloses, praktisches Design
  • + einfach zu reparieren/warten
  • + sehr übersichtlich
  • - rostanfällig in diffizilen Bereichen

Antrieb

4.0 von 5

Für einen als "lahm" bekannten 1,6er zieht der Monojet-Motor sehr gut. Er hat zwar nur magere 71 PS, um den fast 1,5t schweren Astra wegzuschleppen, aber das reicht allemal für Stadt und Mittelstrecke. Selbst auf Langstrecken macht der Astra erst bei 170 zu, was eine gemütliche Fahrt bei 130-140 erlaubt. Mit Anhänger und Last spürt man natürlich die fehlenden Kubikzentimeter sehr, aber für den Alltag absolut ausreichend.

 

Vorteil der Maschine: kein großer Durst. Selbst mit schwerem Bein fährt man nur ganz selten mal an die 8 L/100km heran, laut Tankbuch waren es eher 6,5-7,2 L/100km, die ich erreicht habe.

 

Zum Vergleich: Mein aktueller Hauptwagen (Peugeot Partner mit 1,6er mit 109 PS), schnabuliert mindestens 8,2 Liter weg, meist sogar an die 10 ran - und das bei gleicher Fahrweise und nicht gerade schneller!

 

Das Getriebe paßt einwandfrei zum Motor und zeigt keine relevanten Schwächen.

 

Durchzug ist sicher Definitionssache, aber für diese kleine Maschinenleistung ist der Astra ungewohnt agil (immer verglichen mit gleich schweren und gleich alten Artgenossen!!!!).

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + sparsam
  • + robust
  • + leicht zu warten
  • + ausgewogene Getriebeabstimmung
  • + variable Motoren- und Getriebepalette mit einfacher Umrüstmöglichkeit
  • - etwas schwachbrüstig
  • - ZR-Wechselintervall 60 Tkm ;-(
  • - WaPu und Spannrolle echt grenzwertig
  • - etwas rauh bei hoher Drehzahl

Fahrdynamik

3.0 von 5

Was die viel beschworene "Fahrdynamik"-Eigenschaft angeht (was auch immer das überhaupt sein soll;-), hat der Astra Caravan eindeutige Schwächen.

Mit voll geladenem Heck und Insassen drin, will er in Kurven mit starker Hand geführt werden. Wegrutschen und Ausbrechen erlebt man eigentlich nie, aber das Gefühl ist immer da, gleich wäre es soweit ;-(

 

Vom "Fahren wie auf Schienen" (Omega-Werbung aus diesen Baujahren) ist er wirklich weit weg.

 

Grundsätzlich aber läßt sich der Astra gutmütig bewegen und hat weder ausgeprägte Macken noch Vorzüge. Ein durchschnittliches Arbeitstier halt - und so fährt er sich auch.

 

Mit den preiswerten Zubehörfahrwerken läßt sich jede Rentnergondel in einen straffen Rückenmaseur verwandeln, aber welcher Caravanist will das schon?

 

Die Bremsen sind ok, wenn auch keien Wucht. Wer von Japanern kommt, wird sich schnell heimisch fühlen, wer Golf & Co gewöhnt ist, wird die Ruckelei beim kräftigeren tritt vermissen. Der Astra baut sanft auf, steht aber bei bedarf auch stramm. Auch hier gilt: Kein Rassepudel oder Bullterrier, sondern eher ein Golden Retriever.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + standfeste Bremse
  • + gute, zum Motor passende Getriebeabstufung
  • + gasfest (gut für LPG-Umrüstung)
  • - durchzugsschwach (vor allem 8-Ventiler und Ecotec-16V)
  • - Hinterradbremse anfällig gegen Festrosten und Festfrieren
  • - starke Neigung zum Schlingern unter voller Beladung
  • - polterige Achsen, wenn leicht ausgeschlagen

Komfort

3.5 von 5

Tja, Komfort, was für ein weites Feld... ;-)

 

Es ist alles dran, was man wirklich zum Autofahren braucht, nicht mehr und nicht weniger. version: GL also nahezu nix dran und nix drin.

 

Einzige Gimmicks: ZV + Servo, sonst alles karo einfach.

 

Intervallschaltung gibt es nur mit fixer Stufe, ABS und FH gar nicht. Das Lenkrad ist nicht verstellbar (allerdings auch im CDX nicht!), die Sitze nach 200Tkm durchgesessen. Allerdings sind sie noch nicht schief oder abgescheuert - Respekt!

 

Laut wird der Wagen erst ab 3500U/min (Motor), darunter geht es. Das getriebe erlaubt aber, bereits ab 50 gemütlich im 5. vorsich hin zu cruisen, also Lärm kein Thema im Normalbetrieb.

Windgeräusche sind erstaunlich selten und kommen meist von der Antenne oder Reling. Hin und wieder poltert die Vorderachse, aber das auch nur auf Kopfsteinpflaster.

Die Schaltkulisse ist Opel-typisch - lange Wege, etwas hakelig aber letztlich trotzdem gut bedienbar.

 

Schalter und bedienelemente sind robust und leicht sauberzuhalten, so wie der Rest der Hartplastikoptik auch.

 

Eine wirklich wichtige Nachrüstung beim Caravan ist das Heckrollo. man braucht dazu nur ein paar teile, und siehe da, still und leise was vorher etwas hohl und grummelig daherkam ;-)

 

Das Soundsystem kann man getrost übersehen. es ist keines. Aber auch das war zu dieser Zeit in dieser Klasse absolut normal und 4x12W schon eine "richtig fette Anlage" ;-) Konkurrenten verbauten da noch 2x8W oder 4x4W in deutlich höherwertigeren Fahrzeugen!

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + funktionale Einrichtung
  • + langlebige Sitze
  • + nahezu alle Details jederzeit nachrüstbar ohne große Umbauten (offenes Systemkonzept)
  • + sehr gute Heizung
  • - nix dran, nix drin ;-(
  • - Sitze beim GL etwas unbequem einfach

Emotion

3.5 von 5

Tja, auch ier steht die Frage: Liebt man ihn, oder hasst man ihn?

 

VW-Puristen oder Honda-Fahrer bekommen das Würgen, wenn sie so eine "Rentnerkarre" sehen. Opelianer aber beschreiben den Wagen als zeitlos und praktisch. Nun, ich bin da eher objektiv und sage: paßt zur Funktion.

 

Der Charakter des ASTRA ausgewogen, und genau das drückt er auch im Äußeren aus. Die Stoßstangen verdienen den Namen noch wirklich. Sie sind schwarz, unlackiert und robust. Gut so!

 

Ansonsten ist der Astra eine ausgewogene Komposition, die nicht aufgesetzt und auch icht verunglückt aussieht. Die starke Keilsilhouette unterstreicht den leicht sportlichen (Eigen)Anspruch der Marke und die Heckpartie das Nützliche. Schaut man sich die Opel der 90er an, so dominiert eine rundliche aber zugleich akzentuierte Form, und der Astra war zwischen dem knuffig-runden Corsa und dem ausladenden, runden Understatement der Omega-Klasse wunderbar als Übergang zum Vectra eingepaßt.

 

Rein emotional wirkt der Astra sogar dem Omega näher als seinem "größeren Bruder" Vectra.

 

Ihr seht, ich mochte den ausgewogenen und unaufgeregten Charme des Astra (aber ich fuhr zuvor auch Nissan primera W10 - was also nur eine kleine Umstellung in der Optik bedeutete.-).

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + unaufgeregt und wenig polarisierend
  • + funktional und passend
  • - Rentner- und Hausfrauenimage

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 100-200 Euro
Verbrauch auf 100 km 6,0-6,5 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 100-300 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr 200-500 Euro

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Arbeitstier, leicht zu warten, unaufgeregt und unauffällig, wenig begehrt bei Autodieben, preisgünstig in der Anschaffung, preisgünstig in der Unterhaltung, nahezu ohne jedes Spezialwerkzeug fahrbereit zu halten, jede Menge preisgünstiger Ersatzteile und Aufrüstmöglichkeiten, verzeiht manchen Fahrfehler,

außen moderat groß aber innen riesig!

 

Das perfeklte Einsteiger- oder Zweitauto

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

rostanfällig, Rentner- und Hausfrauen-Image, magere Ausstattung, bescheuerte Philosophie in Bezug auf Wegfahrsperren und Steuergerätetechnologie, in Grundausstattungen manchmal spärliche Sicherheitsausstattung

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 0

28.11.2013 16:20    |    bronx.1965

Ein guter und aussagefähiger Bericht, die Ironie an manchen Stellen lässt schmunzeln. In vielen Punkten erkenne ich meinen Astra wieder, den ich auch im Test beschrieb!

 

Zitat:

Fazit: Außen zeitlos, innen konkurrenzlos ;-)

Treffend! Das gefällt mir! Ein sehr hilfreicher Test. ;)


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