• Online: 1.983

Mercedes 190er W201 E 2.0 Test

26.01.2012 18:59    |   Bericht erstellt von admiral26

Testfahrzeug Mercedes W201 190er 2.0 E
Leistung 118 PS / 87 Kw
Hubraum 1996
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 196000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 6/1987
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 5 Jahre
Gesamtnote von admiral26 3.5 von 5
weitere Tests zu Mercedes W201 190er anzeigen Gesamtwertung Mercedes W201 190er 4.0 von 5
Hat Dir dieser Testbericht geholfen?
11 fanden das hilfreich
Hilfreich Nicht hilfreich

Einleitung

Die Eckdaten bei Mobile.de waren vielversprechend:

 

- 150.000 Kilometer gelaufen

- 9 Monate TÜV

- Günstige Steuern dank Euro2

- Neue Bremsen vorne, neue Motorlager, neuer Auspuff, neuer Keilriemen, neuwertige Winterreifen

- Scheckheftgepflegt, 1 ½ Jahre vorher noch in 1. Hand bei einer alten Dame

- diverse Roststellen und eine Beule in der rechten Fondtür

- VHB 850,- €

 

Die Probefahrt war eine Offenbarung: Der Wagen lag knackig auf der Straße, die Lenkung war präzise, der 118-Ps starke Motor ließ in Verbindung mit dem geringen Gewicht eine sehr lebendige Fahrweise zu, die Automatik schaltete sanft und vorschriftsmäßig.

 

Sehr positiv: bei Kilometerstand 100.000 wurden Nockenwelle und Kipphebel erneuert, ein echter Schwachpunkt speziell der 87er Baujahre. Aufgrund von Materialschwächen neigen diese zum vorzeitigen Verschleiß, ein Austausch ist früher oder später unumgänglich.

 

Für sozialverträgliche 750,- € schlug ich ein.

 

Das Fahrzeug bewies, das die Youngtimer-Zauberformeln "Scheckheftgepflegt“ und „Oma/Opa-Auto“ relativ bedeutungslos sind.

Mein 190er hatte viele der bekannten, typischen Mängel:

Die Traggelenke waren ausgeschlagen und erforderten sofortiges Handeln – diese sind der einzige Verbindungspunkt der Dämpferbeine mit dem Querlenker.

Brechen sie, wird das Fahrzeug unlenkbar und der Reifen bewegt sich führungslos im Radhaus - höchste Gefahr für Fahrer und alle anderen Verkehrsteilnehmer!

 

Weiterhin waren die vorderen Stabilager ausgeschlagen, die vordere Hardyscheibe stand kurz vor ihrem Ableben und die hinteren Türfangbänder erlaubten ein Öffnen der Fondtüren nur mit viel Kraftaufwand.

 

Ein halbes Jahr nach dem Kauf, hatte das Lenkspiel dramatisch zugenommen, was eine gründliche Überholung der Vorderachse notwendig machte:

Spurstangen, Stabilisator, Lenkungsdämpfer und die Lagerung des Umlenkhebels wurden erneuert, können aber unter Mercedes-typische Verschleißteile verbucht werden.

Typische Kandidaten für erhöhtes Lenkspiel sind in der Regel auch die bereits erwähnten Traggelenke, welche ich jedoch schon direkt nach dem Kauf erneuern ließ.

Es zeigte sich, das auch das Lenkgetriebe defekt war, weshalb dieses einem guten Gebrauchten von Ebay weichen musste.

Nicht der Regelfall, meistens halten sie ein 190er-Leben lang.

 

Die weiteren unplanmäßigen Defekte der nächsten Jahre beschränkten sich auf einen undichten Getriebeölschlauch und ein ausgeschlagenes Scheibenwischergestänge.

 

Alle weiteren im Lauf der Jahre erneuerten Teile wie Bremsen, Auspuff, Verteilerkappe und Zündkabel, Hinterachslager, Stoßdämpfer, Motorlager, etc., fallen unter normalen Verschleiß und ergeben sich früher oder später an jedem Fahrzeug.

Karosserie

3.5 von 5

Mercedes hat sich erfolgreich um eine umfassende Rostversorge bemüht, der 190er ist auch gute 20 Jahre nach Produktionsende ein alltäglicher Anblick geblieben.

Komplett vom Rost verschonte Exemplare zu finden bedarf jedoch inzwischen einiger Mühe, ist aber machbar.

 

Größte Schwäche sind die Wagenheberaufnahmen, welche vor allem bei den modellgepflegten Fahrzeugen ab ´88 oftmals stark angegriffen sind. Nicht aus Qualitätsgründen, sondern weil sie durch die Sakkobretter verdeckt werden.

Bei den Erstserienmodellen sieht man beginnenden Rost sofort, weswegen hier in der Regel schnell gehandelt wird.

 

Das Platzangebot vorne ist ausreichend, nicht mehr und nicht weniger.

Mit dem großzügigen Raumgefühl seiner großen Brüder E- und S-Klasse kann er nicht konkurrieren.

Allerdings passen die Platzverhältnisse zu seinem kompakten Design und seinem sehr handlichen Fahrverhalten: Der 190er ist ein "Fahrerauto", das perfekt sitzt.

 

Das mäßige Platzangebot auf der Rückbank wurde schon bei seinem Erscheinen 1982 kritisiert. Im Rahmen der Modellpflege 1988 wurde die Rückwand etwas nach hinten versetzt, was den Fondpassagieren 2cm mehr Kniefreiheit einbrachte.

 

Der Kofferraum bietet für die meisten Vorhaben ausreichend Platz, mich stören jedoch die ausladenden Bügel der Heckklappe; sie verhindern ein effektives Ausnutzen des kompletten Kofferraumvolumens.

 

Die Übersichtlichkeit ist vorbildlich, man hat immer alle 4 Ecken der Karosse im Blick - bereits in den 80ern keine Selbstverständlichkeit mehr.

Typisch Mercedes: Vom Fahrersitz aus, mag man die kompakten Abmessungen von 4,42m bis 4,44m (2.6) nicht so recht glauben - vor allem durch die Haubenlandschaft wirkt er bedeutend größer, als er ist.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Vorbildliche Rostvorsorge
  • + Übersichtlichkeit
  • - Das eingeschränkte Platzangebot auf der Rückbank macht Langstrecken mit 4 Erwachsenen eher unangenehm
  • - Im Alter anfällig und unbedingt zu prüfen: Die Schiebedächer

Antrieb

3.5 von 5

Mit dem Leergewicht von 1160 Kilogramm ist der 118 PS starke Motor selbst vollbesetzt zu keiner Zeit überfordert. Moderne Kompaktwagen bringen oftmals mehr auf die Waage. Selbst in der Automatik-Version lässt sich der 190E wesentlich spritziger bewegen, als es ihm der Rest der Verkehrsteilnehmer zutraut.

 

Erfreulich konstant ist dabei der Verbrauch der 4-Zylindrigen Benziner, welcher sich bei mir im Drittelmix bei etwa 10 Litern einpendelt.

Wer Spritsparrekorde aufstellen will, wird jedoch enttäuscht sein, beim 2.0 Automatik konnte ich auf Autobahn und Landstraße 8 Liter nie unterbieten.

Allerdings bleibt der Verbrauch auch bei forscher Fahrweise im Rahmen des Erträglichen: Um über 12 Liter zu kommen, muss man es schon sehr heftig treiben.

 

Das Automatikgetriebe war bei Mercedes schon immer die bessere Wahl und passt gut zum Charakter des Wagens. Die traditionell hakeligen Schaltgetriebe sind Geschmacks- und Gewöhnungssache.

 

Die KE-Einspritzanlagen neigen im Alter zu unangenehmen Zickereien, im Wesentlichen aufgrund überalterter Sensoren und Fühler. Fachkundige Werkstätten finden sich nicht an jeder Ecke, die Überholung kann schnell den Gegenwert des Fahrzeuges oder mehr verschlingen.

Jedoch lässt sie sich mit entsprechenden Testgeräten und Fachliteratur auch von Selbermachern beherrschen.

 

Wichtig: Die Benzinmotoren bis Ende 1988 hatten noch die Einfach-Steuerkette, welche schonmal reißen und katastrophalen Motorsalat verursachen kann. Gelegentliche Wartung und Kontrolle sind lebenswichtig für die 190er bis zu diesem Baujahr.

Ein Blick durch die Öffnung zum Öl-Einfüllen verrät im Zweifelsfall sofort, mit welcher Variante man es zu tun hat.

Die später verwendeten Duplexketten gelten als problemlos.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Mit keinem der Benzinmotoren ist das Fahrzeug untermotorisiert
  • + Langlebige Automatikgetriebe
  • + Der Verbrauch ist auch nach heutigen Maßstäben akzeptabel. Moderne Fahrzeuge gleicher Klasse sind aufgrund des Mehrgewichts nur unwesentlich wirtschaftlicher
  • - Die Einspritzanlage kann im Defektfall zum Geldvernichter werden
  • - Die Simplex-Steuerketten bedürfen regelmäßiger Kontrolle und gelegentlicher Erneuerung. Nachlässigkeit in diesem Bereich hat schon viele gepflegte 190er vorzeitig auf den Schrott befördert
  • - Nockenwellen und Kipphebel der ´87er und teilweise auch ´88er Baujahre gelten als anfällig und sollten kritisch beäugt werden. Bereits von MB erneuerte Nockenwellen ziert ein S

Fahrdynamik

3.5 von 5

Im Grunde ist das Konzept brillant: Der 190er bietet annähernd den Komfort seiner großen und behäbigeren Brüder, erfreut dabei jedoch mit der Agilität und Wendigkeit eines Kompakten - er verbindet das Beste aus beiden Welten.

 

Die Lenkung jedoch braucht nicht selten etwas Zuwendung.

Stellt sich im Alter immer mehr Spiel ein, mündet dies schnell in einer Runderneuerung der Vorderachse. Diese ist allerdings auch von unerfahrenen Selbermachern gut zu realisieren.

 

Eine seiner größten Stärken ist gleichzeitig auch eine seiner größten Schwächen:

Die aufwendige Raumlenkerhinterachse, welche aus 10 Streben besteht. In gutem Zustand sorgt sie für exzellente Spurtreue und höchsten Fahrkomfort. Häufig jedoch ist diese aufgrund der inzwischen mindestens 20 Jahre alten Gummibuchsen überholungsbedürftig, was dramatische Auswirkungen auf die Fahreigenschaften haben kann.

Fällt ein 190er bei zunehmender Geschwindigkeit durch immer schwammigeres Fahrverhalten auf und ist an der Vorderachse kein Defekt/Verschleiß zu finden, liegt die Ursache meistens hier.

Früher oder später empfiehlt sich eine Komplettüberholung.

 

Ebenfalls sollte man die Hinterachslager im Auge behalten, Verschleiß ist verbreitet und kann ebenso das Fahrverhalten negativ beeinflussen.

 

Generell ist das Fahrwerk des 190ers, aufgrund des inzwischen hohen Fahrzeugalters, bei vielen Fahrzeugen ein Kandidat für eine Generalüberholung. Ich würde die Ursache eher im Alter der Gummikomponenten sehen, als in der Laufleistung.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Wendig wie ein Kleiner und gleichzeitig komfortabel wie ein Großer
  • - Insgesamt ist das Fahrwerk aus Altersgründen bei vielen Fahrzeugen überholungsbedürftig

Komfort

4.0 von 5

Hat man hinter dem Lenkrad im Busformat Platz genommen, fällt zunächst die in jedem Detail hochwertige und solide Verarbeitung auf. Wie alles an diesem Fahrzeug, ist auch die Materialwahl und Gestaltung des Innenraums auf maximale Haltbarkeit ausgelegt.

Die Bedienung der erfrischend wenigen Schalter erschliesst sich einem sofort.

Sehr erfreulich im Winter: Die äußerst leistungsstarke Heizung. Schwächelt diese, ist meist der Thermostat defekt, was sich auch darin zeigt, dass das Fahrzeug nicht mehr die Temperatur von 80° erreicht.

Ein Neuteil ist günstig und in Minutenschnelle getauscht.

 

Bis zur Modellpflege 1988 verwandte Mercedes noch Sitzmöbel mit Federkern, welche gerne kritisiert werden. Meiner Meinung nach passen sie zu den Erstserienmodellen hervorragend und unterstreichen das nicht mehr zu verleugnende Oldtimer-Gefühl der frühen Modelle.

Meine sind in Piniengrün gehalten, was beinahe einen Hauch von 50er Jahre aufkommen lässt.

1988 wich das Federkerngestühl zeitgemäßeren Vollschaummöbeln.

 

Einmal in Bewegung kommt sofort das typische Mercedes-Fahrgefühl auf, nichts klappert oder dröhnt, der Wagen fühlt sich an wie aus einem einzigen Stück gehauen. Im direkten Vergleich wirken zeitgenössische Fahrzeuge anderer Hersteller lieblos zusammengeschustert, ja regelrecht zerbrechlich.

 

Das geringe Gewicht ist für den Federungskomfort eher nachteilig, die größeren Mercedes-Modelle können dies besser - aber nicht bedeutend.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Die damals bei MB noch konsequente Politik maximaler Langlebigkeit wird auch im Innenraum bis ins kleinste Detail fortgeführt
  • + Leistungsstarke Heizung, für Fahrer und Beifahrer getrennt regelbar
  • - Die Federkernsessel der Fahrzeuge vor der Modellpflege 1988 sind nicht jedermanns Sache

Emotion

3.5 von 5

Wenn man ehrlich ist, kann das nüchterne Design nur bei Fans Emotionen wecken und Temperament kann man allenfalls den 16-Ventilern nachsagen.

 

Die sachliche Optik wirkt heute erfrischend schlicht und mit dem charakteristischen Heck unverwechselbar, schon von weitem erkennt man einen klassischen Mercedes. Im Vergleich zu so manchem Design-Amoklauf moderner Fahrzeuge eine Erholung fürs Auge.

 

Die Verniedlichung "Baby-Benz" hört man immer seltener:

Seit der Erfindung von A- und B-Klasse nimmt man den 190er nur noch bedingt als kleinen Mercedes wahr, als eines der letzten Autos mit flacher Haube wirkt er im heutigen Straßenbild trotzig wie eine Burg.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Schlichtes, klassisches, aber dennoch charakteristisches Design
  • + Das Image gepflegter Fahrzeuge steigt mit dem Alter
  • - Mit Image und Alter steigen auch die Preise

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 100-200 Euro
Verbrauch auf 100 km 9,5-10,0 Liter
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Versicherungsregion (PLZ) 21614
Haftpflicht 200-300 Euro (40%)

Gesamtfazit zum Test

  • + Die gnadenlose Zuverlässigkeit ist beinahe unheimlich
  • + Die Ersatzteilversorgung lässt keine Wünsche offen
  • + Die Unterhaltskosten sind für ein Fahrzeug dieses Alters und dieser Klasse verblüffend gering
  • + Mercedes betreut und versorgt auch Halter alter Fahrzeuge geradezu rührend
  • + Der Markt kann auch heute alle Bedürfnisse befriedigen: Sportliche Naturen werden mit den 16-Ventilern ihren Spaß finden, Vielfahrer greifen zu den unzerstörbaren Dieseln und sparen sich froh
  • + Auch die Sicherheit kam nicht zu kurz: ABS und Airbags waren bereits 1982 gegen Aufpreis erhältlich. ABS wurde 1991 Serie (außer 190D und 190E 1.8 - ab ´92), Airbags 1992
  • - Fahrzeuge dieses Alters brauchen schonmal mehr Zuwendung als junge Gebrauchte
  • - Manche Ersatzteile und Reparaturen können leicht den Gegenwert des Fahrzeugs verschlingen und lohnen sich nur bei gut erhaltenen Fahrzeugen mit Liebhaberzukunft
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Die simple Technik und gute Zugänglichkeit machen die 190er sehr reparaturfreundlich, auch blutige Anfänger können einen Großteil der Wartung mit Hilfe von Reparaturhandbüchern leicht bewältigen.

Außerplanmäßige Defekte treten aufgrund des zunehmenden Alters der Fahrzeuge durchaus auf. Das diese den 190er ernsthaft am Fahren hindern, ist jedoch die absolute Ausnahme, seine Zuverlässigkeit ist legendär.

Die Ersatzteilversorgung lässt keine Wünsche offen, bei Mercedes erhält man in alter Tradition so gut wie Alles. Wenn nicht am Lager, meistens binnen 24 Stunden.

Auch der Freie Teilemarkt deckt fast die komplette Technik zu moderaten Preisen ab. Erfahrungsgemäß liefert Mercedes allerdings die hochwertigere Qualität, besonders bei entscheidenden Teilen wie z.B. den sicherheitsrelevanten Traggelenken, sollte man keine Kompromisse eingehen. Aber auch der Gebrauchtteilemarkt ist bestens bestückt.

Wer schmutzige Hände nicht scheut und geschickt beim Teilekauf ist, sollte selbst ungepflegte Exemplare mit einem Budget von unter 1000,- € jährlich am Laufen halten können.

 

Einmalig: Mercedes vergisst seine "Alten" nicht - ich erhalte regelmäßig per Post preisgünstige Angebote "speziell für Ihren Mercedes 190", etwa Bremsenüberholung und Winterchecks zu Festpreisen, die auch keine freie Werkstatt unterbieten kann.

Welcher Autohersteller denkt noch über Modelle nach, die er seit 20 Jahren nicht mehr im Programm hat?! Allerdings kommt auch gelegentlich das unmoralische Angebot, doch mal die aktuelle C-Klasse probezufahren - ich denk ja nicht dran. Für den Gegenwert krieg ich ja zwanzig 190er...

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Realismus ist angesagt:

Man erwirbt einen Wagen, dessen jüngste Modelle bereits 19 Jahre auf dem Buckel haben.

Mit der Perspektive normaler Gebrauchtwagenkäufer kann man auf den 190er nicht mehr zugehen - die Formel "wenig Kilometer + Scheckheft=sorgloses Fahren" geht in dem Alter nicht mehr auf.

Wer darüber hinaus auch noch Wert auf eine reichhaltige Ausstattung legt, ist mit einem aktuellen Modell besser beraten.

Er ist ein Oldie und kein Jahreswagen und braucht altersbedingt auch mal unplanmäßige Zuwendung - wenn auch seltener als so manches moderne Fahrzeug.

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
Hat Dir dieser Testbericht geholfen?
11 fanden das hilfreich
Hilfreich Nicht hilfreich

Kommentare: 9

04.02.2012 00:41    |    Hutchison123

Hallo,

 

vielen Dank für diesen super Testbericht!

Echt 1a geschrieben...hab ich nahezu verschlungen.

 

Ich stimme Dir als begeisterter 190er-Fahrer und Liebhaber vollkommen zu.

 

Nur in einer Sache muss ich Dich korrigieren:

Du schreibst, dass die Wagen noch bis 1988 Simplexketten hatten.

Stimmt nicht so ganz...

Mein 88er MOPF-Modell hat eine Duplexkette und meines Wissens nach wurden diese 1986 oder 1987, also noch vor der Modellpflege, eingeführt.

 

 

Viele Grüße

 

PS:

Sehe ich jetzt erst...

Kommst ja aus meiner Nähe und dein 190er ist auch weiss. Wie nett :-)

Ich habe "OD" als Kennzeichen.

05.02.2012 17:29    |    admiral26

Danke sehr!

 

Zitat:

Nur in einer Sache muss ich Dich korrigieren:

 

Du schreibst, dass die Wagen noch bis 1988 Simplexketten hatten.

 

Stimmt nicht so ganz...

Du hast recht, die Duplexkette kam vor der Modellpflege!

Eine klare Ausage findet man nirgendwo im Netz, ich tippe mal auf Ende ´87/Anfang ´88... meiner mit EZ 6/87 muss jedenfalls noch mit der Simplexkette auskommen :(.

05.02.2012 21:09    |    Hutchison123

Das ist schade!

Vllt. wurde der Wagen ja schon 86 hergestellt.

Aber hydraulischen Ventilspielausgleich hatten die zu dem Zeitpunkt schon, oder?

06.02.2012 22:19    |    admiral26

Zitat:

Vllt. wurde der Wagen ja schon 86 hergestellt.

 

Aber hydraulischen Ventilspielausgleich hatten die zu dem Zeitpunkt schon, oder?

Nein, er rollte am 01.06.87 vom Band - wer´s bei seinem nachsehen möchte: Unter der Rückbank findet sich der Zettel der Montagehalle.

Die Hydros gab´s ab Oktober ´84: Baureihe201

Geniale Seite, wenn nicht sogar die Beste im Netz - aber zum Thema Steuerkette erfährt man da auch nicht mehr... ich denke, man kann sich auf Ende ´87 einschießen.

13.02.2012 04:36    |    mailboxclyde

Du schreibst, ABS wurde ab 1986 serienmäßig angeboten - das ist definitiv nicht richtig.

16.02.2012 06:09    |    admiral26

Zitat:

Du schreibst, ABS wurde ab 1986 serienmäßig angeboten - das ist definitiv nicht richtig.

Stimmt, danke! Hab´s korrigiert.

18.02.2012 23:19    |    Marvin16x

Super Testbericht! Objektiv, wahrheitsgemäß und sehr ausführlich geschrieben!

 

Auch als es ums Thema "Emotion" geht bleibst du sachlich! Das klappt bei den meisten hier nicht. Das Design mag wirklich fast nur Fans der Baureihe ansprechen. Auch ich habe ihm daher die volle Punktzahl gegeben :D

 

Und für 750 Euro ... das ist ja fast geschenkt. Obwohl er nur 150.000 km hatte!

Einen guten und schönen Fang hast du damals gemacht.

 

Weiterhin viel Spaß damit.

13.03.2012 11:49    |    pertel

Die Bremsen vom 190er und W124 Vormopf sind einfach nur ne Katastrophe. Alle 20000 km sind die Klötze runter. Wurde inder Folgegeneration erst behoben. Wenn am Motor was nicht läuft ist man angesch... Keine Diagnose führt zu Jugend forscht beim Freundl.

Das wird teuer. Erst dfer Luftmassenmesser, das Kraftstoffpumpenventil, Drosselklappe und am Ende das Erstzrad tauschen wernn der Motor immernoch im Fahren plötzlich ausgeht.

 

Die Zeiten von dieser Kiste sind endgültig besiegelt. Jott sei Dank

14.03.2012 21:45    |    Hutchison123

Man fährt mit solchen Autos aber auch nicht wie ein Psycho.

 

Habe mit meiner Bremsleistung keine Probleme, ist aber auch ein 2.3er...

 

Die Autos werden schon noch lange halten, keine Angst;)

05.10.2012 00:02    |    tekki2

Mit den Bremsbelägen das kann ich bestätigen. Bei mir waren damals auch alle 20000 vorne welche fällig. Aber.....die kosteten zu dieser Zeit um die 80 DM, bei dem Passat den ich später hatte hielten die so um die 50000 km, allerdings zu einem Preis von 156,50 + MWST. Was ich wohl sagen muss, ist dass ich beim 190er auf der BAB fast immer einen digitalen Gasfuß :D hatte und somit oft genug von 200 heftig runterbremsen musste.:rolleyes: Bei etwas ruhiger Fahrweise hätten die wahrscheinlich auch 30000 gehalten.

Aber die Bremsleistung war einsame Spitze und der hielt die Spur, einfach klasse.

Testbericht schreiben!
Fahrzeug Tests