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Mercedes V-Klasse 447 V 250 BlueTEC Test

12.07.2015 14:42    |   Bericht erstellt von D.Obry

Testfahrzeug Mercedes V-Klasse 447 250 BlueTEC
Leistung 190 PS / 140 Kw
Hubraum 2143
Aufbauart Van
Getriebeart Automatikschaltung
Nutzungssituation Probefahrt
Testdauer ein Wochenende
Gesamtnote von D.Obry 5.0 von 5
weitere Tests zu Mercedes V-Klasse 447 anzeigen Gesamtwertung Mercedes V-Klasse 447 4.0 von 5
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Einleitung

Bekommt Volkswagen kalte Füße oder wie ist es zu erklären, dass die Wolfsburger kurz nach der Veröffentlichung der neuen V-Klasse eine Werbekampagne für Ihren mittlerweile über 10 Jahre gebauten Multivan machen ? Der Multivan – Das Original seit 60 Jahren, so wirbt VW aktuell in der Fernsehwerbung. Dabei wird an Emotionen appeliert, der Multivan sei nicht nur ein Nutzfahrzeug, sondern ein Erlebnisfahrzeug, Bilder von Familien und dem klassischen Hippie-T1 sollen das unterstreichen. Der Multivan war bislang die Referenz in diesem Segment, hohe Wertigkeit, eine solide Verarbeitung und die Erfahrung aus 60 Jahren Transporterbau waren Argumente für den Volkswagen. Nicht wirklich fürs Volk sind die Preise des T5. Zwar ist auch der Viano preislich kein Volksfahrzeug, jedoch war dieser je nach Ausstattung bis zu 10000 € günstiger als das Fahrzeug aus Wolfsburg, welches dafür allerdings auch qualitativ besser verarbeitet gewesen ist – bislang… Das soll sich mit der neuen V-Klasse ändern, welche nun endlich den Anspruch an sich erhebt, ein richtiger Mercedes mit dem Ambiente einer S-Klasse zu sein.

Galerie

Karosserie

5.0 von 5

 

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Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Sehr hochwertige Verarbeitung

Antrieb

5.0 von 5

Beim ersten Einstieg fällt auf, die V-Klasse hat mit ihrem Vorgänger nicht mehr viel gemeinsam. Die Sitzposition vermittelt PKW-Feeling. Die Sitze sind deutlich besser gepolstert und bieten im Gegensatz zum Viano endlich Seitenführung. Die verwendeten Materialien erinnern eher an eine C- oder E-Klasse als an ein Nutzfahrzeug. Das Armaturenbrett besteht nicht mehr aus in Softlack getauchtem Hartkunststoff sondern ist aufgeschäumt und mit mattem Kunstleder überzogen. Die Lüftungsdüsen, Knöpfe und Bedienungselemente sind mit reichlich Alu-Applikationen versehen, wodurch das Fahrzeug einen wertigen Eindruck vermittelt. Einzig die Türverkleidungen enttäuschen gegenüber dem Vorgänger. Der Testwagen ist ein V250 CDI BlueTEC in der Ausstattungsvariante Avantgarde Edition und kostet ab Werk 63000 €. Da hätte ich an den Türen Lederapplikationen, wie beim Viano Ambiente erwartet und keinen bis zur Türmitte hochgezogenen Hartkunststoff. Schade, das trübt das Bild des sonst ordentlich verarbeiteten Interieuers. Zudem ist das Material anfällig. Der gerade mal 1000 Kilometer auf dem Tacho anzeigende Vorführwagen war an der Fahrertür bereits mit einigen Kratzspuren versehen. Der als Sonderausstattung erhältliche dunkele Dachhimmel (297,50 €) lässt den Innenraum sehr wohnlich wirken und die schwarzen Ledersitze unterstreichen den edlen Eindruck des neuen Schwaben-Vans, welcher wie sein Vorgänger in Spanien produziert wird. Leider trüben auf unebener Fahrbahn Klapper-, Knarz- und Rasselgeräusche am Armaturenbrett und im Fond den Fahrgenuß. Noch konnte ich den Ursprung der Geräusche nicht lokalisieren, vielleicht ist es ja nur ein nicht korrekt eingerasteter Sitz, vermutlich aber der im Heck befindliche Zwischenboden. Man sagt zwar, Klappern gehöre zum Handwerk, in einem Mercedes verbietet sich das allerdings ! Ich hoffe sehr, dass dies nur Probleme der ersten Serie sind. So fährt der Neue Die erste Ausfahrt in der neuen V-Klasse hatte ich mit einem V220 CDI. Verwöhnt vom Drehmoment meines Viano 3.0 CDI kam der 220er eher etwas müde daher. Zugegeben, wer wie ich überwiegend mit Tempomat und 100 bis 130 km/h unterwegs ist, den bringt der V220 CDI auch ans Ziel. Der 250er Motor, welchen ich bereits in einer E-Klasse gefahren bin, hatte mich dort nicht überzeugt. Der Motor war für meinen Geschmack zu laut und zu durstig, im E250 CDI T-Modell kam ich kaum unter 7 Liter und das bei moderater Fahrweise.

 

Ein Dreh am Zündschlüssel offenbart umgehend, hier arbeitet ein 4-Zylinder (Video zum Motorsoundvergleich folgt). Die Tatsache, das Mercedes den sensationellen V6 CDI aus dem Programm genommen hat, will so recht niemandem einleuchten, nicht einmal den Verkäufern bei Mercedes. Doch was bringt der V250 ? Holt er aus dem gleichen Hubraum in der Tat mehr Drehmoment als der kleinere 220er. Mit 440 NM hat er laut den technischen Daten 60 NM mehr Drehmoment als der "kleinere" V220 und liegt somit auf Niveau des Viano 3.0 CDI der ebenfalls über 440 NM verfügt. Dank Overtorque-Technologie verspricht der V250 CDI sogar nochmal 40 NM oben drauf also insgesamt 480 NM. Eine Fahrt auf der Autobahn offenbart, dass Mercedes nicht zu viel versprochen hat. Im Agility-Control-Sport-Modus zieht der V250 gut weg, da ist kaum ein Unterschied zum V6, nur der etwas brummige Motor verrät, dass hier 2 Zylinder fehlen. Auf der kurzen Teststrecke schaffe ich es, den V 250 CDI auf 210 km/h zu beschleunigen, laut Werksangabe soll er sogar 5 km/h an Endgeschwindigkeit mehr bringen als der V6 im Viano. Auch im Stadtverkehr zieht der 4-Zylinder spurtfreudig davon. Zwar kommt es mir so vor, als hätte der V6 etwas mehr Druck, ein Blick in die Technischen Daten zeigt aber, dass zumindest auf der Teststrecke beide Motoren den Spurt auf 100 km/h in 9,1 Sekunden schaffen.

 

Insgesamt läuft der V250 CDI etwas ruhiger als der kleinere V220 CDI auch die Schubkraft ist deutlich besser. Man kann via Agility-Control zwischen 3 Modi wählen. Im Eco-Modus schaltet die V-Klasse zügig hoch, der Comfortmodus entspricht den "normalen" Schaltpunkten und im Sportmodus werden die Gänge weiter ausgefahren. Wem das noch nicht reicht, der kann die Schaltvorgänge mit den Lenkradpaddels selbst beeinflussen. Diese vermitteln ein wenig Formel-1-Feeling - nette Idee aber eher eine Spielerei. Wählt man den ECO-Modus wird auch sämtlicher Fahrspaß abgeschaltet. Das Fahrzeug schaltet die Gänge früh hoch und erweckt den Eindruck mit angezogener Handbremse unterwegs zu sein. Dabei scheint der Verbrauch nicht signifikant in den Keller zu gehen.

 

Die Lenkung ist leichtgängig, vermittelt aber dennoch ein gutes Gefühl zur Fahrbahn, für solch ein großes Fahrzeug lässt sich die V-Klasse agil bewegen. Das Fahrwerk ist für meinen Geschmack komfortabel abgestimmt. Eine tolle Sache ist das neue LED Intelligent Light System. Das Licht wirkt gegenüber dem Xenonlicht des Viano noch eine Spur heller und die Ausleuchtung nachts noch besser. Dabei erkennt das Fahrzeug automatisch Gegenverkehr und blendet dann ab, ein Extra auf welches man trotz 1844,50 € nicht verzichten sollte.

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Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Sparsamer Motor
  • - Kein V6 verfügbar

Fahrdynamik

4.5 von 5

 

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Sehr agiles Fahrverhalten für soclh ein großes Fahrzeug
  • - Bremsen könnten etwas stärker sein

Komfort

5.0 von 5

 

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Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + komfortabele Sitze mit guter Seitenführung
  • + mit Easy Pack Heckklappe (Option) gut zu beladen
  • + intuitive Bedienung
  • - Kopstützen der hinteren Sitze lassen sich nicht entfernen, was den Ausbau der Sitze erschwert
  • - Doppelter Boden im Heck unhandlich beim Ausbau

Emotion

5.0 von 5

Über Geschmack lässt sich ja bekanntermaßen nicht streiten, was der eine toll findet, muss dem Anderen nicht gefallen. Mich persönlich spricht die neue V-Klasse an. Die schwungvolle Linienführung lässt das Fahrzeug moderner und eleganter wirken. Vor Allem kleine Details, wie die Chromleisten an den Fenstern verleihen einen Hauch von Luxus. Leider verhindern diese Chromleisten, dass die hinteren Fenster ausgeklappt werden können, die Ausstellfenster sind in der Ausstattungsvariante Ambiente also nicht verfügbar. Ein witziges Detail ist die V-Klasse im Zentraldisplay des Cockpits, welche den Fahrer nach dem Einstieg mit einer Lichthupe willkommen heißt. Nach Aktivierung der Zündung schlagen beide Zeiger des Kombiinstrumentes einmal aus, das soll wohl den sportlichen Charakter unterstreichen. Viel Chrom im Innenraum führt die sportlich elegante Designnote fort und das Ambientelicht im Innenraum wirkt wirklich gemütlich und nobel. Allerdings ist für mich nicht nachvollziehbar, weshalb sich zwar die Farbe für die Ambientebeleuchtung des Armaturenbrettes und des Fonds einstellen lässt, die Beleuchtung der Türgriffe aber immer bersteinfarben bleibt. Wenn schon die Option der individuellen Farbanpassung ermöglicht wird, sollte diese die vollständige Ambientebeleuchtung betreffen.

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Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Elegantes und doch funktionales Design

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Ist die neue V-Klasse wirklich der große Wurf ? Größtenteils ja und tatsächlich wirkt die V-Klasse so, als könne sie dem Multivan in Bezug auf Verarbeitung und Design die Stirn bieten. Deutlich wertigere Materialien im Innenraum vermitteln endlich Mercedes-Feeling ohne großartige Transporterallüren. Mit cleveren Ideen wie dem geteilten Laderaum mit 2 Ebenen und der geteilten Heckklappe zeigt Mercedes Innovation. Das Fahrzeug kann mit bis zu 11 Assistenz- und Sicherheitssystemen ausgestattet werden und hinkt damit entwicklungstechnisch den PKW's nicht mehr 10 Jahre hinterher. In der neuen V-Klasse zeigt Mercedes, was sie seit über 125 Jahren so erfolgreich macht - Das Auto eben noch eine Spur sicherer und komfortabeler zu machen. SeiteSchade, dass Mercedes den V6 CDI aus dem Programm genommen hat, zwar wirkt der V250 CDI alles andere als untermotorisiert, der seidenweiche Lauf eines V6 würde aber besser zum Fahrzeug passen. Die Verbrauchswerte der Werksangaben des 4-Zylinders werden nicht eingehalten und um beim Verbrauch vor dem Komma die 6 stehen zu haben, muss man sich schon anstrengen. Der V250 CDI benötigt zwar etwas weniger Kraftstoff als der V6 CDI der Verbrauchsvorteil ist dabei aber nicht so eklatant wie angegeben. Mercedes sollte noch daran arbeiten, dass die im Katalog angegebenen Werte auch tatsächlich erreicht werden. Ein kleiner Elektromotor könnte da helfen, vielleicht als Plug-In Hybrid ? Platz für ein paar Akkus dürfte sich finden lassen. Wenn jetzt auch noch letzte Hartplastikverkleidungen weichen und der V-Klasse ein sparsamer 6-Zylinder-Motor oder ein Hybrid spendiert wird, ist sie der perfekte Van aber man muss sich offensichtlich noch Optionen für die erste Modellpflege lassen. Tja...und wer die neue V-Klasse bereits erfahren hat und einmal in die Preisliste geblickt hat, der weiß, weshalb VW das alte Original so offensiv bewirbt, denn nüchtern betrachtet ist der Mercedes die bessere und günstigere Wahl.

 

Vollständiger Testbericht unter http://www.obryweb.de

Gesamtwertung: 5.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 5.0 von 5 möglichen Sternen
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