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Mercedes SL R107 350 SL Test

25.12.2011 17:38    |   Bericht erstellt von Uwe.Rammert

Testfahrzeug Mercedes SL R107 350 SL
Leistung 200 PS / 147 Kw
Hubraum 3459
Aufbauart Kleinwagen
Kilometerstand 160000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 2/1975
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 3 Jahre
Gesamtnote von Uwe.Rammert 4.5 von 5
weitere Tests zu Mercedes SL R107 anzeigen Gesamtwertung Mercedes SL R107 4.0 von 5
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Einleitung

Nach einigen Jahren Ponton-Mercedes (180b, Baujahr 1960) und mehreren Oldtimer-freien Jahren, langer Suche und vielen Überlegungen habe ich im Mai 2011 diesen 350SL erstanden. Das Auto wird bei gutem Wetter an Wochenenden und nach Feierabend bewegt, meist für Fahrten im Umkreis von ca. 100 km. Inzwischen sind aber auch längere Fahrten dabei, großteils auf der Landstraße, einiges auch auf der Autobahn. Einen kleinen Teil habe ich mit Hardtop, den Rest (insgesamt ca. 5.000 km) zur Hälfte offen und mit geschlossenem Cabriodach gefahren.

Galerie

Karosserie

4.0 von 5

Stabiles Blech statt dünner Membranen, Passgenauigkeit statt Klapper-Plastik, so hält das Fahrzeug lange. Allerdings wird es dadurch auch schwerer und braucht mehr Energie beim Beschleunigen. Und die Zulassung als 4-Sitzer ist eher theoretisch zu sehen, denn die vorderen beiden Sitze sind sehr angenehm, es ist ausreichend Platz vorhanden. Die Rückbank allerdings ist extem schmal und eng, und auch mit Sitzen und Sicherheitsgurten kaum nutzbar. Ok, unsere Kinder bestehen oft darauf, mitzufahren, aber nur auf kurzen Strecken.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + sehr gut verarbeitet, sehr gute Spaltmaße, guter Kofferraum trotz Cabrio-Fach
  • - als 2+2-Sitzer sind die hinteren Sitze sehr knapp, selbst für Kinder

Antrieb

4.5 von 5

Selbst mit 38 Jahren und 150.000 km auf dem Buckel ist der Antrieb einfach begeisternd. Der Motor springt mit dem ersten Dreh des Zündschlüssels an, ist in allen Lebenslagen sehr kultiviert, dreht sauber und gut hoch und sorgt bei Bedarf für reichlich Vortrieb. Allerdings lässt sich auch sehr schön cruisen, also mit geringer Drehzahl und wenig Gas gleichmäßig fahren. Die oberste (dritte) Fahrstufe reicht dabei problemlos von 45 km/h bis zur Höchstgeschwindigkeit (irgendwo jenseits der 200 km/h). Der Motor ist allerdings nicht wirklich ein Sparwunder: 13 bis 15 l/100 km sind der mittlere Verbrauch, da macht der 80 l - Tank schon Sinn.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + sehr kultivierter und drehfreudiger Motor
  • - relativ hoher Verbrauch

Fahrdynamik

4.5 von 5

Insgesamt lässt sich dieses Auto schnell sehr sicher beherrschen - wenn man einige Kleinigkeiten beachtet. Die Kugelumlauf-Lenkung hat altersgemäß relativ viel Spiel in der Mittelstellung. Dadurch ist es oft erforderlich, leicht zu korrigieren. Außerdem ist das Auto mit 1,5 t Lebendgewicht relativ schwer, so dass es, wenn es mal ausbricht, durchaus einiges an Eigenleben entfaltet. Aber das sehr gute Fahrwerk und die sehr guten Bremsen helfen schnell, der Sache Herr zu werden. Außerdem ist Cruisen mit offenem Dach ohnehin die schönste Fortbewegungsart, und da ist alles bestens.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + schnelles und sicheres, leicht zu fahrendes Fahrzeug
  • - Lenkungsspiel in Mittelstellung ist gewöhnungsbedürftig

Komfort

4.0 von 5

Als Sportwagen hergestellt, eignet sich dieses Fahrzeug heute eher als Tourer (wenn es auch immer noch sehr gut möglich ist, im Verkehr vorne mitzuschwimmen). Das Platzangebot auf den Vordersitzen sowie die Art der Fortbewegung sind einfach großartig. Da nicht viele Bedienelemente vorhanden sind, kann man sich auch nicht leicht zwischen all den Knöpfen, Schaltern und Anzeigen verirren. Es ist das da, was gebraucht wird. Und das funktioniert bestens. Punkt. Mit geschlossenem Cabrio-Dach gibt es einiges an Windgeräuschen ab Geschwindigkeiten über 120 km/h, aber wen stört das schon?

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + sehr angenehmer Tourer
  • - geschlossenes Cabriodach wird ab 120 km/h laut

Emotion

5.0 von 5

Diese Serie (Baureihe R107) war die am längsten hergestellte Baureihe von Mercedes: von 1971 bis 1989, mit nur kleineren, kosmetischen Korrekturen am Erscheinungsbild (aber einigen erheblichen Erneuerungen bei den Motoren). Auch heute noch ist das klare Design ansprechend. Nicht umsonst sind Fahrzeuge dieser Serie nach wie vor gesuchte Oldtimer, und sie schneiden in verschiedenen Umfragen und Wettbewerben sehr positiv ab.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Stilikone mit hohem Wiedererkennungswert

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 100-200 Euro
Verbrauch auf 100 km über 10 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 300-500 Euro
Werkstattkosten pro Jahr 1.500-3.000 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 24220
Haftpflicht bis 200 Euro ()

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Wer einen zuverlässigen und attraktiven Oldtimer sucht, liegt mit einem R107 genau richtig. Das Fahren ist ein Erlebnis, selbst die fast 40 Jahre alte Technik begeistert heute wie am ersten Tag. Es gibt viele Stellen (Clubs und Vereine, Werkstätten etc.), an denen man Rat und Tat bekommen kann bei Problemen, (fast) alle Ersatzteile sind noch problemlos zu erhalten, und auch der Hersteller selber legt großen Wert auf die Unterstützung der Besitzer und den Erhalt der alten Schätzchen.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wer ein Schnäppchen für den Alltagsbetrieb sucht, ist hier an der falschen Adresse. Alltagsbetrieb wäre kein Problem, aber der Unterhaltungsaufwand wäre dann kaum zu leisten. Es gibt eben sehr viel mehr Stellen zu pflegen und zu warten als bei einem Neuwagen, und einige Ersatzteile werden inzwischen scheinbar mit Gold aufgewogen.

Gesamtwertung: 4.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.5 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 3

26.12.2011 09:02    |    driver191

Schönes Fahrzeug, das Lenkspiel hat mit dem Alter nix zu tun, sondern nur mit Verschleiß, alle Lenkkomponenten erneuern und das Lenkgetriebe überholen und man meint man fährt ein neues Auto.:)


26.12.2011 10:23    |    AKL33

hab ganz lange einen 350 SLC gefahren. Übrigens auch in signalrot, aber Leder pergament. Kann Deine Ausführungen bestätigen.

Was mich aber immer gestört hat, ist das hohe Drehzahlniveau des 350er. Der 450er ist da etwas entspannter.

 

Du schreibst es ist eher kein Sportwagen, eher ein Tourer. Das stimmt....heute. 1975 War das Teil ne echte Waffe.

 

Viel Spass weiterhin damit

 

Gruß

 

Andi


03.01.2012 08:52    |    slmanic

wer US-/gerostete Stoßstangen gegen deutsche austauschen möchte, kann kann das endlich zu einem annehmbaren Preis tun

 

http://www.ebay.de/.../330666272190?...

 

Gruß

 

Karl


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