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Mercedes SL R107 280 SL Test

04.10.2017 19:00    |   Bericht erstellt von TimGerdes

Testfahrzeug Mercedes SL R107 280 SL
Leistung 185 PS / 136 Kw
Hubraum 2717
Aufbauart Cabrio/Roadster
Kilometerstand 400000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 3/1983
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 5 Jahre
Gesamtnote von TimGerdes 4.0 von 5
weitere Tests zu Mercedes SL R107 anzeigen Gesamtwertung Mercedes SL R107 4.0 von 5
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Einleitung

Ich habe das Fahrzeug von meinen Eltern geerbt, es befindet sich seit 2002 in meinem Besitzt.

Karosserie

4.0 von 5

Der alte Satz: "Wenn eine Mercedestür ins Schloss fällt, dann hat das etwas endgültiges" gilt hier noch. Hier wirkt alles aus dem Vollen gefräst, ein Auto wie eine Burg - von der Soliditätsanmutung her.

Wer aus einem neueren Auto in dieses umsteigt wird zuerst wahrscheinlich bemerken, wie leicht der Ellenbogen auf die Türkante fällt. Von neueren Cabrios, bei denen man von den FaherInnen nur noch den Kopf sieht unterscheidet sich der R107 wohltuend. Schön auch die steile Frontscheibe, bei der der obere Rahmen beim Fahren vor dem Fahrer ist, nicht über. Das Ergebnis ist ein luftiges Fahrgefühl, die Karosserie ist übersichtlich, man kann vorne und hinten alles nötige sehen.

Nicht so schön ist der R107 bezüglich Rost, der sich in vielen Winkeln und Ecken bildet und von dort aus blüht.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Sehr verwindungssteife Karossierie
  • + niedrige Seitenlinie, die ein luftiges Fahrgefühl ermöglicht
  • - Korrossion ein Thema

Antrieb

3.5 von 5

Der Antrieb des 280SL ist klar auf Komfort getrimmt. Obwohl er relativ kurz übersetzt ist (bei 3.000 U/Min. liegen etwas über 80 Km/h an) und auch nicht schlecht geht, ist er kein Rennwagen - zumal heute Leistungsgewichtsmäßig sehr viele Autos in einer ganz anderen Liga spielen. Allerdings muss man bedenken, dass ein 911er aus der Zeit auch schon Mühe hat, mit einem modernen großvolumigen Diesel mitzuhalten.

 

Wer aber ein Auto sucht, dass unaufgeregten Fahrgenuss bietet, das genug Leistung hat, um sich niemals langsam zu fühlen, der ist hier richtig.

 

Besonders hervorzuheben ist die Viergangautomatik mit hydraulischem Wandler, die an Komfort und Schaltbarkeit ihresgleichen sucht. Hier gibt es, wenn überhaupt, nur zu bemängeln, dass der Kickdown immer mit einer Gedenksekunde verbunden ist - worauf man sich aber timingtechnisch gut einstellen kann. Wer sich auf das Getriebe einlässt, der schaltet irgendwann mit dem Gasfuß wie er will und braucht den Wählhebel in der Mitte beim Fahren nur noch, wenn es mal sportlicher auf Kurven zugeht und man die Motorbremse nutzen will.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Schöner Reihensechszylinder mit relativ guter Laufruhe und Durchzugskraft
  • + Überragendes Automatikgetriebe
  • - Kein Rennwagen
  • - Reihensechszylinder kernig, nicht so seidig wie ein BMW R6 oder Ford V6

Fahrdynamik

4.0 von 5

Die Kugelumlauflenkung liebt man oder man hasst sie. Ich liebe sie, weil sie enormen Komfort bietet und keine Einflüsse auf die Lenkung in den Innenraum durchleitet. Da klappert nix, da bockt nix. Wer aber eine Kartlenkung haben will, dem ist das in der Regel etwas zu weich und indirekt. Außerdem wurden die Mercedes dieser Zeit fast schon mit großem Lenkspiel ausgeliefert. Mich stört das nicht und ich glaube für mich in Anspruch nehmen zu dürfen, auch mit dieser Lenkung einen sehr sauberen Strich zu fahren.

 

Das Fahrverhalten ist sehr sicher, tendenziell leicht untersteuernd, lässt sich der R107 mit dem relativ leichten 6-Zylinder schön mit dem Gaspedal neutral halten oder auch zum Übersteuern überreden. Dabei bleibt er stets frei von Tücken.

 

Das relativ weiche Fahrwerk (weich gefedert, straff gedämpft) erzeugt wirklich kein Sportwagenfeeling, ermöglicht aber sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten, auch bei schlechten Straßen, wo man mit härteren Fahrwerksabstimmungen eher Probleme bekommen kann.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Keine Fahreinflüsse in der Lenkung
  • + Sehr hoher Fahrkomfort
  • + Fahrverhalten
  • - Kein Sportfahrwerk
  • - Indirekte Lenkung
  • - Häufig großes Lenkspiel

Komfort

4.5 von 5

Den Komfort dieses Autos habe ich ja bereits mehrfach hervorgehoben und gelobt. Die Federung ist, wie bereits hinlänglich beschrieben, eher auf Komfort ausgelegt.

Zwiespältig sind die Sitze: Relativ wenig Seitenhalt bietend, umfassen sie nicht den Fahrer, wie das heute ein Twingo tut. Allerdings ist dies der Tatsache geschuldet, dass die Sitze noch klassisch mit Sprungfedern und Füllung aufgebaut sind. Das ergibt ein, nach heutigen Maßstäben eigentümliches Sitzgefühl, bietet aber auf längeren Fahrten den großen Vorteil, dass man bedeutend weniger Schwitzt.

Für Sitzriesen und Langbeine ist der Sitzbereich nur eingeschränkt einstellbar, ich gehöre mit 1,79 und generell eher sportlich orientierter Sitzeinstellung (relativ stark gebeugte Arme, so nah, dass man alle Pedale sicher, schnell und kraftvoll durchtreten kann) zu denen, die den Sitz tendenziell etwas weiter nach vorne stellen - und bin schon ziemlich am hinteren Ende des Einstellbereichs.

Was die hinteren Sitze angeht, so habe ich einen Zweisitzer, die optionale Rückbank habe ich nicht. Die bietet allerdings auch nur Notsitze, Menschen über 1,50 sind Reisen darin kaum zuzumuten, auch unter dieser Körpergröße sind längere Reisen eher kein großes Vergnügen.

Die Geräuschkulisse ist für ein Cabriolet recht leise. Das Verdeck wird mit sehr hohem Zug gespannt, was Windgeräusche natürlich nicht vermeidet, aber doch gegenüber anderen Cabriolets niedrig hält. Wenn man das serienmäßige Hardtop aufsetzt, hat man fast schon Coupee-Geräuschkulisse. Ich bin jedes Mal verblüfft, wie leise und ruhig das Auto dann ist.

Bedienung: Ist wie die Automatik - Man liebt es oder man hasst es. Ich gehöre zu den ersteren. Für mich ist alles ganz genau da, wo es hingehört und das Einzige, was in zeitgenössischen Autotests an dem Auto ausgesetzt wurde, der "überladene" Blinkhebel mit Scheibenwischersteuerung, gehört für mich zu den ergonomischen größeren Würfen des Automobilbaus. Aber das ist ja eben Geschmackssache.

Die Heizung ist kräftig und ist auch bei sehr niedrigen Außentemperaturen und offenem Verdeck wirkungsvoll. Was ich als negativ empfinge ist die elektronische Temperatursteuerung, die die Innenraumtemperatur Gradgenau steuert. Das ist eine tolle Idee bei geschlossenen Autos, taugt aber im Cabrio gar nicht. Da habe ich es häufig, dass eine eingestellte Temperatur zu niedrig ist und ich nur bei MAX ausreichende Heizleistung habe - dann aber zu viel.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Komfort
  • + Relativ leise - selbst mir Stoffverdeck
  • + Hardtop serienmäßig
  • + Wirkungsvolle Heizung
  • + Mercedes Ergonomie
  • + Sehr gutes Softtop
  • - Einstellbereich Vordersitze
  • - Mercedes Ergonomie
  • - Elekronische Heizungsregelung
  • - Kunststoffenster Softtop

Emotion

5.0 von 5

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Ich finde das Design des R107 großartig und dass ich damit nicht alleine bin, erfahre ich fast jedes Mal, wenn ich mit dem Auto fahre. Wenn man mit einem Neuen Luxusklasseauto unterwegs ist, dann wird man auch mal mit Neid und Missgunst konfrontiert. Mit diesem Auto gibt's eigentlich ausschließlich freundliche Reaktionen, Lächeln, Anerkennende Blicke und Kommentare. Das brauche ich zwar nicht unbedingt, es macht aber trotzdem Spaß und es entspannt.

 

Für mich ist der R107 ein Auto, auf das ich gerne zugehe, in das ich gerne einsteige und das ich nur ungerne wieder verlasse.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Sehr schöne klassische Linie
  • + Tolle, wertschätzende Reaktionen anderer Menschen

Unterhaltskosten

Verbrauch auf 100 km über 10 Liter
Versicherungsregion (PLZ) 5
Haftpflicht bis 200 Euro (30%)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Wenn man ein gutes Exemplar findet, und davongibt es noch eine ganze Menge, dann bekommt man ein erzsolides Auto, das praktisch keine Schwächen hat - vorausgesetzt man sucht keinen Sportwagen. Jede Fahrt ist ein kleiner Urlaub und die Unaufgeregtheit, mit der man auch schnell oder sehr schnell unterwegs sein kann, hat eine Qualität, die ich bei heutigen Fahrzeugen nicht mehr finde.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wenn man ein schlechtes Exemplar erwischt hat, dann kann der R107 schnell ziemlich ins Geld gehen - wie jedes Auto. Der R107 hat allerdings so einige Schwachpunkte (z.B. Rost) die man abchecken muss wenn man ihn kauft. Aber unterscheidet ihn das von anderen Autos?

Wirklich etwas sagen, was gegen ihn spricht kann ich nicht.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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