Mercedes E-Klasse W211 280 Test #197293
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Mercedes E-Klasse W211 280 Test

01.09.2017 16:03    |   Bericht erstellt von laufruhev6

Testfahrzeug Mercedes E-Klasse W211 280
Leistung 231 PS / 170 Kw
Hubraum 2997
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 86000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 10/2006
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von laufruhev6 4.0 von 5
weitere Tests zu Mercedes E-Klasse W211 anzeigen Gesamtwertung Mercedes E-Klasse W211 4.5 von 5
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Einleitung

Im Mai 2017 kaufte ich den 280er und bin bis heute ca. 7.000 km gefahren. Ich denke, dass ich das Auto jetzt kennen gelernt habe. Auf Langstrecken, mit großen Kindern in den Urlaub, in der Stadt zum Einkaufen usw.

Galerie

Karosserie

4.0 von 5

Sobald man in das Fahrzeug einsteigt, kommt das typische Mercedes-Gefühl auf. Es wartet nämlich ein großzügiges Raumangebot, gut verarbeitetes Material, schönes Wurzelholz, genügend Platz für die Beine und eine gute Auflagefläche für die Schenkel. Was ich besonders schätze, ist die Möglichkeit, beim Fahren das linke Bein fast ganz auszustrecken. Das schafft bei langen Fahrten immer wieder eine schöne Entspannung.

 

Das gleiche gilt für die Optik: Alles ist bestens aufeinander abgestimmt. Natürlich ist das auch eine Frage des Geschmacks. Gefühlt ist die Avantgarde-Version am meisten verbreitet. Mir persönlich sagt jedoch Elegance weit mehr zu. Jedes mal, wenn ich in meiner E-Klasse Platz nehme, freue ich mich am Wurzelholz und dem Leder in beige.

 

Verbesserungswürdig ist meines Erachtens die Beleuchtung der Instrumente bei Nacht. Gerade im Vergleich zu einer C-Klasse (W 204) wirken die Instrumente im W211 etwas düster.

 

Gepäck für den Urlaub, selbst mit vier Personen schluckt der Kofferraum gut weg. Für besonders sperrige Gegenstände kann die Rücksitzlehne umgeklappt werden. Diese Möglichkeit (2/3) war jedoch nur optional.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Großer Kofferraum, feste und qualitativ hochwertige Materialien

Antrieb

4.0 von 5

Herzstück des Fahrzeugs ist ganz klar der Motor. Wie stark ist er, spürt man guten Durchzug, wie ist der Klang, die Laufruhe usw? Gerade mit diesem V 6 ist den Ingineuren von Mercedes ein Meisterstück gelungen. Im Leerlauf fast unhörbar setzt die Maschine das Auto im unteren Drehzahlbereich mit einem Rauschen in Bewegung. Nur ein dezentes Grummeln dringt zum Ohr. Wer die Drehzahl über 3000 U/min ansteigen lässt vernimmt unter Last ein wohltönendes, aber immer noch zurückhaltendes Trompeten. Überhaupt ist des Wechselspiel des Klangbildes immer wieder ein Quell der Freude. Wenn beispielsweise ein Lastwagen mit 80 vorausfährt und man schaltet mit der wunderbar funktionierenden 7-Getronik in den dritten Gang, stehen 4000 U/min auf dem Drehzahlmesser und warten mit dem Klangbild einer Turbine auf den Stoß in´s Gas... freie Sicht und ruck zuck geht der Schlitten auf 120.

 

Interessanterweise fühlt sich der gleiche Motor im kleineren C-Klasse (W 204) kaum kräftiger an. Er macht im C-Klasse auch eine gute Arbeit, aber er wirkt über den ganzen Drehzahlbereich präsenter. Während man im C-Klasse den bauartbedingten kleinen Nachteil in Bezug auf die mechanische Laufruhe in bestimmten Drehzahlbereichen leicht spürt, dringt davon in der E-Klasse fast nichts durch. Würde man es nicht wissen, könnte man meinen, in einem guten Reihen 6 Zylinder unterwegs zu sein.

 

Wenn wir gerade beim Vergleichen sind: Nach einer Vielzahl von Mercedes mit 6 und 8 Zylinder-Motoren (E 280 (W 124), E 420 (W 124), 300 E, C 280 (W202), E 500 (W 211, 306 PS) und C 280 (W 204) war der Antrieb des C 280 im W 202 derjenige mit dem weichsten und wärmsten Klangbild. Kurz dahinter würde ich den jetztigen E 280 (w 211) positionieren. Wobei das natürlich subjektive Erinnerungen sind.

 

Auch zum Vergleich gefahrene V 6 mit Direkteinspritzer (M 276 mit 306 PS) konnten nicht entscheidend überzeugen: Im unteren Drehzahlbereich (bis 3000 U/min) erzeugen sie einen permanenten Brummton, der schon bei leichtem Druck auf´s Gaspedal in ein Pochen wechselt. Am lautesten in der C-Klasse (W 204), immer noch wahrnehmbar in der E-Klasse (W 212) und eben nicht so geschmeidig und seidig wie der M 272 im W 211 (E 280). Einzig die mechanische Laufruhe erscheint mir beim M 276 im oberen Drehzahlbereich noch etwas besser als beim M 272.

 

Das Getriebe funktioniert genauso geschmeidig wie der Motor: Im Regelfall unmerklich und fast immer ist der richtige Gang eingestellt. Auch manuelle Eingriffe gelingen sehr sanft und rasch. Was bei meinem Fahrzeug fehlt, ist ein manueller Modus. Wenn man beispielsweise mit 30 aus einem Kreisverkehr herausbeschleunigt, wäre es schön, der vierte oder dritte Gang könnte festgehalten werden. In diesen Fällen schaltet das Getriebe aber zurück und bringt den Motor in Drehzahl statt in´s Drehmoment. Nach einiger Zeit hat man es jedoch erspürt, mit welchem Druck auf das Gas der Gang stehen bleibt und dann die Wandlerüberbrückungskupplung greift.

 

Nun das Thema Verbrauch. Die Spanne ist groß. Bei einer Fahrt nach Sachsen (460 km, mit einem Schnitt von 110 km/h) lag der Durchschnitt bei 9,0 Liter, eine gemütliche Fahrt von Augsburg zum Ammersee und zurück ergaben 8,0 Liter. Aber das sind Ausnahmen. Der Schnitt nach ca. 7.000 km liegt jetzt bei genau 10,0 Liter. Im Vergleich hierzu verlangte der C 280 (W 204) nach rund 55.000 km 9,3 Liter. Also ein Unterschied von fast einem Liter. Das liegt wohl am höheren Gewicht. Ob dieser Verbrauch viel ist oder nicht.... ganz ehrlich: Es ist angemessen und deshalb denke ich nicht darüber nach. Möchte ich weniger verbrauchen, dann müsste ich Diesel oder einen moderneren Benziner fahren.

 

Unter der Überschrift "Antrieb" muss noch das leidige Thema Kettenradverschleiß erwähnt werden. Weiches Material eines Zulieferers sorgte für Motorschäden und/oder teure Reparaturen. Bitte unbedingt die einschlägigen Foren durchforsten. Bei Interesse an einem E 280 (und anderen Mercedes mit dem M 272 Motor) unbedingt die Motornummer recherchieren und klären, ob beim Motor noch das weiche Kettenrad verbaut ist. Wenn dem so ist: Finger weg.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + agiler, souveräner und laufruhiger Antrieb
  • - fehlen eines manuellen Modus zum Festhalten des Ganges

Fahrdynamik

4.0 von 5

Passend zum eleganten Auftritt des Fahrzeugs ist auch das Fahrverhalten. Das Auto möchte nicht um die Kurven gehetzt werden. In schnell gefahrenen Kurven fühlt sich das Auto zwar fest und weitgehend neutral an, aber immer begleitet vom Gefühl des schweren Wagens. Richtungswechsel werden nicht "gierig" sondern "artig" erledigt. Auch hier möchte ich den Vergleich zur C-Klasse (W 204) bemühen: Während sich die C-Klasse wendig, präzise und kurvenwillig wie ein BMW 3er fährt, liegt die E-Klasse satt auf der Straße und meistert vielmehr lange Autobahnetappen mit entspannter Gelassenheit. Untadelig vernichten die Bremsen jedes Tempo.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Souveränes Autobahnverhalten
  • - nur durchschnittliche Wendigkeit und Präzision

Komfort

4.0 von 5

Hier schlägt die Sternstunde des Benz: Straff-weiche Federung, sänftengleich gleitend und leise bei jedem Tempo. So fühlt sich nicht nur das Fahrwerk an, sondern auch die Sitze. Insbesondere die vorderen Sitze sind nicht einfach Sitze, es sind richtige Sessel, sie bieten trotzdem guten Halt und durch die vielfältigen Verstellmöglichkeiten ist immer die ideale Sitzposition zu finden. Auch die hinten mitfahrenden Passagiere können komfortabel mitreisen, solange sie nicht über 1,85 groß sind. Darüber wird es etwas beengter. Weil ich sogut wie nie hinten sitze, ist mir das nur aufgefallen, weil meine Söhne 1,90 groß sind:-)

 

Die Bedienung ist einfach, intuitiv und logisch. Allerdings können manche Bedienlösungen nicht mehr ganz mit moderneren Autos mithalten. Wenn man zwei Jahre C-Klasse (W 204) gefahren ist und den Dreheinsteller auf der Mittelkonsole kennen gelernt hat, dann vermisst man ihn beim direkten Umsteigen in die E-Klasse. So muss man eben doch mit gewisser Aufmerksamkeit die Tasten für bestimmte Funktionen auf dem Armaturenbrett suchen, statt sie mit dem Drehknopf bequem anwählen.

 

Besonders die Eingaben in´s Navi sind dadurch etwas umständlich. Das Navi selbst (Command) führt trotz seines Alters von jetzt 11 Jahren präzise, unaufgeregt und zuverlässig.

 

Überrascht bin ich zudem über die Audio-Anlage. Mit 6-fach CD-Wechsler und den installierten serienmäßigen Lautsprechern lässt sich ein gutes Klangerlebnis realisieren. An den Genuß einer HK-Anlage kommt es aber nicht ran. Trotzdem: Kräftige Bässe, klare Höhen und fast ein bissle Raumklang machen das Musikhören zum Genuss. Hier bietet die E-Klasse eine deutliche bessere Qualität als die C-Klasse (W 204 Bj. 2008).

 

Gut aber nicht sehr gut arbeitet die Klimaanlage. Es dauert zumeist ein paar Augenblicke, bis die volle Kühlleistung aus den Luftdüsen bläst. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob bei meinem Auto evt. etwas Kühlmittel fehlt. Jedenfalls setzte die Kühlwirkung der C-Klasse schneller ein.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + sehr bequeme Vordersitze, genügend Komfort hinten, sehr leise
  • - nicht mehr ganz zeitgemäße Bedienung

Emotion

4.5 von 5

Wie schon oben beschrieben, fuhr ich eine ganze Reihe von E-Klassen und C-Klassen. Gewiss liefen die 8 Zylinder wie vom anderen Stern. Aber am meisten Zufriedenheit produzierte bislang ausgerechnet der C 280 (W 202). Sehr sanftes, samtpfodig laufendes 6-Zylinder Auto. Nach dem Wechsel auf den "wie ein BMW" sportlichen C 280 (W 204), vermisste ich immer wieder das "Feine", die "Samtpfodigkeit", das "Säuseln" des Motors usw. Bis ich mir den E 280 (W 211) kaufte. Mit jeder Fahrt genieße ich jetzt den schönen Innenraum, die Wellness-Sitze, den feinen und soveränen Motor und den insgesamt sehr entspannenden Komfort. So muss ein Mercedes sein. Einfach ein sehr gutes Gefühl.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + zeitlos klassisches Design, in sich absolut stimmiges Auto

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Wer einen klassischen Mercedes fahren möchte, ist mit dem E 280 im W 211 genau richtig. Er vereint alle Tugenden, die zu einem Mercedes gehören: Komfort, Eleganz, Zeitlosigkeit, schnell und sicher von A nach B. Dabei kann das Auto auch ganz schön schnell sein - das aber unaufgeregt. Auch wenn ich dem Auto nur im Komfort-Kapitel fünf Sterne vergab, würde ich dem "Gesamtpaket" volle 5 Sterne geben, weil es einfach absolut stimmig ist.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Sportlich ambitionerte Fahrer sollte sich woanders umschauen. Entweder bei bei BMW oder bei der C-Klasse (W 204)

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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