Mercedes E-Klasse W211 280 CDI Test #222753
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Mercedes E-Klasse W211 280 CDI Test

27.12.2019 20:22    |   Bericht erstellt von Zahnbuerstenlecker

Testfahrzeug Mercedes E280 T CDI Avantgarde
Leistung 177 PS / 130 Kw
Hubraum 3222
Aufbauart Kombi
Kilometerstand 305000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 10/2004
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von Zahnbuerstenlecker 4.5 von 5
weitere Tests zu Mercedes E-Klasse W211 anzeigen Gesamtwertung Mercedes E-Klasse W211 4.0 von 5
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Einleitung

Ich fahre dieses schöne Gefährt zum Zeitpunkt dieses Berichts seit über einem Monat und knapp 2.800km

 

Als eingefleischter VW-Fan, -Fahrer und -Mitarbeiter habe ich mir dieses Fahrzeug gegönnt, da ich Mercedes auch schon immer toll fand.

 

Mercedes-Benz E280 T CDI Avantgarde

Tealitblau / Nappaleder schwarz

 

Weitere Infos in meinem Profil ;)

Galerie

Karosserie

5.0 von 5

Das E-Klasse T-Modell ist nicht nur der Lademeister seiner Klasse. In der Kommandozentrale sitzt man sehr angenehm. Die Beinfreiheit ist hervorragend, der Mitteltunnel angenehm schmal.

So entsteht ein geradezu fürstliches Raumgefühl.

 

Auch hinten sitzt es sich relativ geräumig, jedoch ist die Beinfreiheit für Personen über 1,85m nicht mehr ganz so üppig. Dank der ergonomisch ausgeformten Vordersitze generiert die E-Klasse aber etwas mehr Kniefreiheit.

 

Der Kofferraum ist in seiner Klasse absolut ungeschlagen. Der Lademeister schlechthin! Knapp 2m Ladefläche, 100% eben. Die Breite des Laderaums ist nochmal spürbar breiter als bei meinem vorherigen VW Passat 3C, dessen Laderaum auch schon gefühlt eine eigene Galaxie war.

 

Dank relativ großen Fensterflächen und einem relativ klassischem Kombiheck (ja, der 210er hat ein noch steileres Heck), ist das T-Modell vergleichsweise übersichtlich. Dank des Sterns vorne sieht man genau, wo die Fahrzeugfront endet. Auch lässt sich mit dem Stern genau der Fahrbahnrand anpeilen.

Aber durch die stattlichen Abmessungen, ist das Parktronic-System meiner Meinung nach unverzichtbar.

 

Der Qualitätseindruck im Innenraum ist ebenfalls sehr gut. Die Nappaledersitze fühlen sich nach über 300.000km nicht durchgesessen und das Mercedes-Nappaleder hat die Eigenschaft sich im Laufe der Zeit langsam abzureiben anstatt einfach stumpf aufzureißen.

Das Vogelaugenahorn-Dekor im Avantgarde ist sehr edel und dezent. Es zieht sich von Armaturenbrett in einem Schwung über vordere und hintere Türtafeln - stets mit einer kleinen Chromleiste verziert.

So sieht Liebe zum Detail aus.

Billiges Hartplastik sucht man im 211er vergebens: Alles ist mit Stoff überzogen oder aufgeschäumt.

 

Durch diese Eigenschaften kommt der vergleichsweise hohe Preis zustande.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Tolles Platzangebot vorn
  • + Erstklassiger Laderaum
  • + Hochwertiger Innenraum

Antrieb

4.0 von 5

Verbaut ist bei meinem S211 der 280 CDI mit 130kW und 177PS, also der Reihensechszylinder OM648.

 

Der 280 CDI, der ja nur einen über Software leistungsreduzierten 320 CDI darstellt, ist ein sehr kräftiges und gelassenes Triebwerk.

 

Trotz "nur" 177PS spielt der Motor gefühlt mit der schweren E-Klasse- Ein Tribut des großen Hubraums von 3,2 Litern und dem daraus resultierenden wuchtigen Drehmoment von 424Nm.

 

Mercedes brachte den Motor auf den Markt, um einen großen Diesel mit Rußpartikelfilter in Serie zu bringen.

Und genau diesen bemerkt man im direkten Vergleich mit einem ungefilterten 320 CDI. Der ungefilterte Motor dreht im mittleren Drehzahlbereich williger hoch, logischerweise bedingt durch den geringeren Abgasgegendruck.

Hier könnte man über eine "Modifikation" des 280 CDI nachdenken, was den Turbolader durch geringeren Gegendruck entlastet, die Abgastemperatur senkt, das Öl vor Kraftstoffeintrag durch fehlende Regenerationen schützt und man als merkbares Ergebnis einen geringeren Verbrauch erzielt.

Aber um sowas soll es hier nicht gehen.

 

Die 5G-Tronic (intern 722.626) schaltet im kalten Zustand etwas träge, bedingt durch kaltes Öl, aber sobald das Getriebeöl wärmer wird, schaltet es unbemerkt und butterweich. Der Charakter des Getriebes passt sehr gut zum Motor, aber auf der Autobahn wäre ein sechster Gang zur Senkung des Drehzahlniveaus schön, aber keineswegs notwendig.

 

Ich fahre die E-Klasse im Schnitt aktuell mit 8,7 Litern.

Mein Arbeitsweg beträgt 29km, die Berufsschule ist wenige Kilometer weiter in der Stadt entfernt.

Genau das ist der Knackpunkt: Der 211er mag kein Stop&Go.

Im reinen Stadtverkehr klettert der Verbrauch auch mal über die Zehn-Liter-Marke.

Dazu sollte man erwähnen, dass ich im Weserbergland wohne.

Auch im Kaltlauf gönnt sich der dicke Diesel, wenn man nicht gerade mit Tempomat dahingleitet, ein paar Liter mehr.

 

Ein Vergleich:

Der Verbrauch sinkt in der Warmlaufphase eine Ecke langsamer als bei einem Passat Variant 2.0 TDI mit 170PS-

 

Die Reichweite ist durch den großen 80 Liter Tank angenehm groß.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + bärenstarker Motor, trotz relativ wenig Leistung
  • + Angenehm schaltendes Getriebe
  • - Verbrauch im Kaltlauf und Stadtverkehr relativ hoch

Fahrdynamik

4.0 von 5

In diesem Kapitel möchte ich noch einmal hervorheben, dass ich das E-Klasse T-Modell mit seinem Segment vergleiche.

Es wäre ja unfair einen vergleichsweise agilen Kombi als träge zu bezeichnen, wenn ein Sportwagen ein Maximum an Agilität besitzt.

 

Das Auto ist lang, sehr lang. Dank des Hinterradantriebs erzielt man einen angenehmen Wendekreis, da sich die Vorderräder durch die fehlenden Antriebswellen kippen lassen. Auf engen Parkplätzen sehr angenehm: Einmal ausgeholt und dank der sehr leichtgängigen Parameterlenkung elegant in die Parklücke gelenkt.

 

Da wären wir beim nächsten Punkt: Lenkung.

Meine E-Klasse hat die Parameterlenkung verbaut, welche eine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung darstellt.

Im Stand besonders leichtgängig, bei zunehmender Geschwindigkeit schwergängiger.

Ohne diese Lenkung hätte ich das Auto nicht gekauft oder sie zumindest später nachgerüstet, weil es einfach ein verdammt geiles Gefühl ist, solch ein Dickschiff buchstäblich mit einem Finger durch die Stadt und über Parkplätze zu lenken.

Diese Lenkung lässt den doch sehr großen Kombi deutlich agiler wirken.

Bei meinem Exemplar wird die Lenkung jedoch ab dem zweiten Drittel minimal schwergängiger. Vielleicht sollten die Servoleitungen und die Pumpe einmal gespült werden oder es liegt am Fahrwerk (dazu später mehr).

 

Die Parameterlenkung mit dem Ausstattungscode "213" ist serienmäßig bei allen Sechszylindern (ausgenommen E240) und Achtzylindern.

 

 

Die verbaute Bremse ist ein Hammer!

Bis zur Modellpflege im Sommer 2006 verbaute Mercedes die sogenannte SBC-Bremse ("Sensotronic-Brake-Control").

Das Bremssystem besitzt keinen Bremskraftverstärker. Das System baut immer einen maximalen Bremsdruck auf, der auf Wunsch sofort abrufbar ist.

Für das Signal für die Verzögerung sorgen die Sensoren, auf die man quasi drauftritt.

Sie bemerken ,wie schnell man das Pedal betätigt, wie stark man das Pedal betätigt und wie schnell man vom Gaspedal auf das Bremspedal wechselt. Daraus berechnet die SBC-Bremse den optimalen Bremsdruck.

Der Bremse ist es auch möglich bei Bremsmanövern in der Kurve jedes einzelne Rad zu bremsen, was zu einem sehr sicheren Bremsgefühl führt.

Außerdem beherrscht die SBC eine Hold-Funktion und eine Trockenbremsfunktion. Sobald über den Regensensor Wasser erkannt wird, legt die SBC die Bremsbeläge leicht an, sodass die Bremsscheibe stets trocken ist.

Einfach nur Hammer, oder?

Bei diesen Features nehme ich die höheren Wartungskosten in Kauf.

 

Das Pedalgefühl ist gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich eine Zeit dran gewöhnt hat, ist es eine sehr sichere und gut zu dosierende Bremse

 

Zum Fahrverhalten lässt sich sagen, dass die E-Klasse eher ein Cruiser ist.

Der dicke Kombi fährt sich extrem ausgeglichen und erreicht auf 16 Zoll quasi das Gefühl eines Luftfahrwerks.

Auf der genannten Reifenkombination wankt der Benz aber merklich bei schnellen Lenkbewegungen, was auch in der Kurve nicht so sportlich, aber alles andere als unsicher wirkt.

Mag aber sicher auch an meinem teils überholungsbedürftigen Fahrwerk liegen.

 

Auf 17 Zoll oder gar 18 Zoll sieht das Ganze jedoch wieder anders aus. Dank 15mm Tieferlegung kann man die ein oder andere Kurve mal sportlicher nehmen. Aber es wird trotzdem kein Sportwagen - Wollte ich auch gar nicht haben.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Sehr angenehme Parameterlenkung
  • + kräftiger Sechszylinder
  • + Sehr angenehmes, entspanntes Fahrverhalten
  • + Dank Hinterradantrieb recht agil und handlich
  • - Schwammiges Fahrgefühl auf 16 Zoll (verschlissenes Fahrwerk?)

Komfort

4.5 von 5

Kommen wir zur Paradedisziplin der E-Klasse. Dem Komfort.

 

Auf das Fahrwerk bin ich ja zuvor schon etwas eingegangen.

Nochmal in Kurzform: Auf 16 Zoll erreicht der 211er fast schon Qualitäten einer Luftfederung, in Kurven jedoch recht schwammig.

Auf 18 Zoll nach wie vor sehr komfortabel, in Kurven deutlich direkter. Auf kurzen Bodenwellen merkt man die größeren Räder bauartbedingt natürlich etwas.

 

Insgesamt bügelt der 211 fast alle Unebenheiten angenehm glatt, sodass man sich komfortabel aufgehoben fühlt, aber noch ein gutes Feedback von der Fahrbahn erhält. Lange Bodenwellen werden konsequent komplett wegretuschiert mit angenehmem Nachfedern der Karosserie.

Kurze Schläge kommen in die Fahrgastzelle, jedoch nie unangenehm.

Die Airmatic würde insgesamt und gerade bei sowas selbstverständlich noch eine ganze Ecke besser agieren, aber unbedingt notwendig ist sie meines Erachtens nicht.

 

Bei den Sitzen gibt es absolut nichts auszusetzen. Sie sind absolut langstreckentauglich, nicht zu weich, nicht zu hart und insgesamt natürlich komfortbetont. Daher kann man zum Glück ohne Akrobatikeinlagen in das Auto einsteigen und es auch wieder so verlassen.

Hinten habe ich noch nicht lange genug gesessen, um mir ein solch präzises Urteil erlauben zu können. Sie sind aber auf alle Fälle deutlich besser als bei der C-Klasse der Baureihe W205, dessen Oberschenkelauflage eher ein Witz ist.

 

Im Benz geht es sowohl bei niedrigen, als auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr leise zu, was das ausgesprochen komfortable, gediegene, fürstliche, herrschaftliche (man nenne es, wie man will) Fahrgefühl noch einmal unterstreicht.

 

Die Bedienung ist insgesamt ziemlich intuitiv, wenn man sich in die Befehle am Multifunktionslenkrad und des Kombiinstruments reingefuchst hat.

Gleiches gilt für das Comand NTG1. Man muss sich an die grundlegenden Befehle gewöhnen.

So intuitiv und blind zu bedienen wie ein VW Golf oder Passat ist der W211 aber nicht ganz.

Aber wie gesagt: Alles Gewöhnungssache.

 

Zur Klimaanlage kann ich mir mangels Sommer kein Urteil erlauben, die Heizleistung ist auch bei niedrigen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, dank elektrischem Zuheizer, schon nach 2-3km voll da.

Insgesamt wird es in der E-Klasse sehr angenehm warm. So angenehm, dass man wider Erwarten die Temperatur manchmal herunterregeln muss.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + komfortables Fahrwerk
  • + äußerst langstreckentaugliche Sitze
  • + leise im Innenraum
  • + gute Heizleistung im Winter

Emotion

4.5 von 5

Ein absolut subjektives Kapitel.

Der W211 gehört gerade als T-Modell, genau wie der Passat B6 Variant zu meinen absoluten Traumautos.

Dementsprechend finde ich die E-Klasse sehr schön. Gefälliges dynamisches Design mit der Linienführung und dem Stil eines klassischen, eleganten Daimler-Benz

Ein Auto, welches es einfach nicht braucht, asozial und böse zu schauen. Der W211 besitzt die nötige und Mercedes-Typische Ausstrahlung, die einem die linke Spur meist freiräumt und auch tatsächlich Blicke fängt. Ein sehr elegantes, ruhiges, zeitloses aber auch präsent-dominantes Fahrzeug - Genau mein Ding.

 

Ich unterstreiche mein Empfinden einfach mit einem Zitat aus dem Prospekt:

"Sehen Sie die harmonischen Übergänge und die fließenden Linien? Oder fällt Ihnen zuerst die Präzision auf, mit der jedes Detail verarbeitet ist?"

 

Der Aufgabe, den Fahrer und seine Familie, Freunde oder auch seinen halben Haushalt sehr komfortabel und entspannt von A nach B zu bringen, wird der W211 absolut gerecht.

 

Das Image litt lange unter den Elektronikproblemen der ersten Jahre und unter dem "Skandal" der SBC-Bremse, hochgepusht von der Presse.

Die Zeit ist zum Glück vorbei und der 211er gilt als sehr haltbarer, moderner und trotzdem klassischer Mercedes. Mit dem W212 der letzte seiner Art.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + sehr gefälliges, elegantes, zeitloses und klassisches Design
  • + echter Mercedes
  • - durch Presse gepushte Elektronikprobleme

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Jemand, der einen (echten!) großen Kombi sucht und sehr komfortabel, zügig und vor allem sicher von A nach B reisen möchte ist bei dem E-Klasse T-Modell der Baureihe 211 an der genau richtigen Adresse.

 

Die etwas höheren Unterhaltskosten, die in dieser Fahrzeugklasse üblich sind, sind es wert, dieses Auto zu fahren.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Ich zähle hier einmal ein paar Schattenseiten des 211ers auf.

 

-Gerade die Querlenker und Traggelenke an der Vorderachse sind sehr verschleißfreudig.

-Die Bremsleitungen hinten rosten gerne

-Elektronik spinnt ab und an (bei mir ist es die Funkfernbedienung -

Kabelbruch?

-relativ hohe Unterhaltskosten (Steuern 509 Euro, SBC Bremse mit

intensiverem Wartungsumfang, Luftfederung Hinterachse beim T-Modell, Airmatic kann sehr hohe Kosten verursachen)

Gesamtwertung: 4.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.5 von 5 möglichen Sternen
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