Mercedes C-Klasse W204 320 CDI 4MATIC Test #224556
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Mercedes C-Klasse W204 320 CDI 4MATIC Test

01.03.2020 07:39    |   Bericht erstellt von ZiKla

Testfahrzeug Mercedes C-Klasse W204 320 CDI 4MATIC
Leistung 224 PS / 165 Kw
Hubraum 2987
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 149000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 2/2008
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 5 Jahre
Gesamtnote von ZiKla 4.0 von 5
weitere Tests zu Mercedes C-Klasse W204 anzeigen Gesamtwertung Mercedes C-Klasse W204 4.0 von 5
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Einleitung

Da motortalk mir nach der Anmeldung eines nette E-Mail gesendet hat mit dem Vorschlag, einen Autotest zu schreiben, mache ich dies hiermit gerne.

 

Wie kam es zum Kauf gerade dieses Modells?

Als ich bei meinem favorisierten Mercedeshändler vorstellig wurde, stach es mir gleich ins Auge, das hässliche Entlein.

Ein "Rentnermobil" wie es im Buche steht: in einem Mix aus grau-anthrazit-gold-Tönen lackiert (MB nennt das cubanit-silber. Man sieht so gut wie keinen Dreck darauf), innen hellgrau, Elegance-Ausstattung.

Aber mit Power, Allrad und fast allen Extras.

 

Der eigentliche Besteller war vor Übernahme verstorben (aus Altersgründen...), also versuchte man sich an der Veräußerung der altbacken gestylten Limousine im Autohaus.

Der Rabatt war gut, die Probefahrt mit einem ähnlich gut ausgestatteten 220 CDI schon ok, also kaufte ich den Wagen ungefahren (er war ja ganz neu und man wollte ihn nicht über eine Probefahrt zum Gebrauchtwagen machen. Einen C V6 hatte man nicht vor Ort).

 

"Pflicht" waren eigentlich nur 6- oder 8-Zylinder, Automatik, Leder und ein Stern auf der Haube. Letzteres war über die "Elegance" Linie gewährleistet, der Rest ebenso. Und dazu Multikontursitze, Panorama-Glasschiebedach, Navi Comand, u.s.w.

Dampf hatte der V6 Diesel damals wie ein V8 (den es, z.B. als "C 500", leider ohnehin nicht gab), also passte auch das Antriebsthema.

 

Witzigerweise fehlt der automatisch abblendende Innenspiegel. Das hatte Großvaddern bei der Bestellung leider nicht auf dem Schirm. Mercedes verhält sich ja bis heute bei den Extras wie in den 70ern: Lenkrad und Sitze sind drin, der Rest kostet Aufpreis.

 

Wie fährt er?

Der W204 ist, neben dem W212, der letzte "schiffige" Mercedes. Die Lenkung ist etwas indirekt, man manövriert eine lange Haube um die Kurve, fast wie bei einer Segelyacht. Muss man mögen. Ausgiebige Probefahrt, wie immer, angeraten. Auch auf der Autobahn, wo die unaufgeregte Lenkung ihre Vorteile ausspielt.

 

Das Fahrwerk des 4matic (beim W204 über alle Ausstattungslinien gleich) ist vergleichsweise straff geraten.

Beim W204 wollte man im Test gegen Audi und BMW wohl nicht wieder deswegen Punkte einbüßen.

Fehler!

Aber was soll´s, das Fahrwerk ist sicher, der Wagen läuft auch bei 250 Km/h (eingetragene Vmax) stoisch geradeaus und der Komfort ist immer noch höher als bei allen mir bekannten Wettbewerbern mit Stahlfahrwerk und richtigem Motor.

Habe die 225/45/17 Standardräder montiert, für SR und WR. Funktioniert bestens.

 

Die Bremsen sind über jeden Zweifel erhaben, wenn auch der Druckpunkt mercedestypisch etwas indifferent ist.

 

Motor und Getriebe sind das, was Mercedes kann. V6 mit Wandlerautomatik. So muss ein Mittelklasseauto angetrieben werden. Flüsterleise, immer genug Kraft, vernünftige Schaltvorgänge und sehr hohe Langlebigkeit.

 

Der Allrad arbeitet unmerklich. Im Winter kommt man mit dem Wagen fast überall hin, wo es in Europa legal ist zu fahren. Im Sommer findet sogar (wenn gewünscht) so etwas wie Dynamik statt dank der "hecklastigen" Auslegung des AWD. Aber eigentlich mag der C das nicht.

Das Metier des C 320 CDI ist die Autobahn. Lange, schnelle Etappen. Das kann er. Kurvenhatz ist nicht sein Ding. Geht auch nur mit manuellen Schalteingriffen. Wer hektisch rasen will, sollte GTI fahren.

 

Erwähnt werden muss, dass das 7-G Getriebe von MB in kaltem Zustand beim Abbremsen gerne mal den ersten Gang "reinprügelt" wie eine Hausfrau. Das ist leider normal. BMW kann das besser, aber die MB-Getriebe halten üblicherweise deutlich länger.

Audi aus dieser Zeit können diesbzgl. mit der unsäglichen Multitronic gar nichts.

Wer zwischen diesen 3 Autos schwankt, muss sich dieses Thema unbedingt genau ansehen.

 

Komfort:

die Windgeräusche sind für einen Mercedes etwas hoch, aber im Vergleich zu den beiden 3er BMWs der letzten und vorletzten Serie niedrig. Bis 160 Km/h ist alles ok. Danach merkt man, dass der Kleine keine E-Klasse ist.

 

Das Fahrverhalten liegt fast auf E-Klasseniveau. Es fehlt höchstens etwas "Sattheit" und "Geschmeidigkeit". Für die Mittelklasse aber fährt der W204 sehr erwachsen.

 

Der Platz im Innenraum ist, würde ich sagen, klassenüblich.

Man sitzt vorne sehr, sehr gut.

Auch ein einfacher C 200 CDI mit Standardsitzen ist ein bequemes Auto. Sport- oder Multikontursitze verbessern dies noch.

 

Es gab damals noch richtige Nullausstatter. Als Kaufinteressent muss man also sehr genau prüfen, ob ein angebotener Wagen das gewünschte Minimum an Extras zeigt.

 

Es gibt als Option eine geteilt umlegbare Rückbank für die Limousine. Zum Skifahren fein.

Der Kofferraum ist ähnlich dem des BMW 3er. Nichts für Leute, die mit 4 Hartschalenkoffern in den Urlaub fahren.

Wir sind mit dem Wagen zu 4. mit 2 Kleinkindern bestens klar gekommen. Skier ggf. in die Dachbox.

 

Die Verarbeitung / Haptik des Innenraumes ist zwar besser als beim unsäglichen W203, aber immer noch unter dem sonst üblichen MB-Niveau. Sogar der stets billig gemachte 3er BMW ist da edler. Ein Audi A4 aus dieser Zeit ist innen 2 Klassen besser.

Nach der Modellpflege ist der W204 auf klassenüblichem Niveau.

Natürlich klappert nichts im VorMopf und alles funktioniert.

 

Auch in Bezug auf die Ergonomie der Bedieneinheiten gibt es nichts zu kritisieren. Es ist nur die Optik, die arg billig geraten ist für ein Premium-Auto aus diesem Baujahr.

 

Allerdings hat MB mit den Multikontursitzen beim Sitzkomfort die Nase vorn. In dieser Klasse gab es damals nichts Besseres. Sitzen auf S-Klasse-Niveau. Ohne Übertreibung.

Wer mit der billig-rustikalen Optik des VorMopf leben kann, bekommt trotzdem ein ergonomisch gut bedienbares, komfortables Auto. Da aber der Look des Interieurs oft kritisiert worden ist, möchte ich diesen Punkt nicht unerwähnt lassen.

Ich fühle mich in dem Auto wohl. Wir sind zusammengewachsen.

 

Infotainment:

Das Navi war damals klasse. Heute habe ich, glaube ich, ein Karten-Update von 2015 und es funktioniert, wirkt aber bei einem technischen Stand von 2007 natürlich heute altbacken.

Die Telefonkopplung über Bluetooth klappt nach wie vor perfekt. Auch mit den neuesten Geräten. Zuverlässiger als bei vielen neuen Autos. Die Klangqualität der Freisprecheinrichtung ist auch heute noch wettbewerbsfähig.

 

Klang: das optionale harman kardon Soundsystem ist in Bezug auf den Klang immer noch mehr als up-to-date.

Musik über Smartphone nur über die AUX-Buchse im Handschuhfach. Ist ja ein Vormopf. Gewöhnt man sich vielleicht dran. Mir ist das nicht so wichtig.

Als ich nach x Jahren mal wieder den CD-Wechsler bediente, fragten meine Kinder (Grundschüler) mich, was das sei. War lustig.

 

Nun zu den Kosten:

LP: 75.000 Eur. KP 60.000 Eur. Geht i.O. für das Gebotene.

Restwert heute ca. 9.000 Eur. Besten Dank an VW.

 

Service:

jährlich / 20.000 Km. Im Schnitt 450 Eur. 8L 10W40 Öl!

Erster Austausch Bremsscheiben bei ca. 125.000 Km wegen Standschäden. Vorausschauend gefahrenes Langstreckenauto.

 

Entgegen der MB-Empfehlung sollte man den Automaten spülen.

Ich spüle alle Wandlerautomaten alle 80.000 Km. Ca. 300 Eur.

 

Der Wagen blieb nie liegen.

Rundum sieht er aus wie 3 Jahre alt. Lackqualität und Sitze sind ganz weit vorne. Das Auto wurde zwar ordentlich, aber sicherlich nicht penibel gepflegt.

 

Außer der Reihe wurden in den 12 Jahren bislang ausgetauscht:

- 2 x Türschloß vorne (2 x 150-200 Eur ca., war im Rahmen einer Inspektion)

- 1 x Injektor (ca. 400 Eur damals, heute günstiger)

- 1 x alle Motorlagerböcke (Befestigungen des Motors), da weich geworden. Ist halt ein schwerer V6 Diesel. Steht nun wieder mal an. Ca. 200 Eur oder man lebt mit etwas mehr Vibration.

- Vorwiderstand Gebläse Innenraum (70-100 Eur, je nach Hersteller).

- 1 x Stern, in Waschanlage abgebrochen, 20 Eur.

 

Das war´s in 12 Jahren.

 

Trotz der folgenden Schwachstellen ist der W204 m.E. eines der attraktivsten Gebrauchtautos zur Zeit und auch für die nächsten Jahre. Solider ist nur noch ein Prius und der fährt wie ein Prius...

 

Schwachstellen:

- Hinterachsträger rostet ab und zu durch, habe ich gelesen. Meiner ist fast wie neu. Muss beim Service geprüft werden.

- Vorwiderstand Lüftergebläse Innenraum "stirbt" bei MB aus diesen Baujahren gerne. Meiner hielt 11 Jahre. Das Austauschteil vom autodoc hielt 2 Monate. Das Original MB-Teil scheint nun länger zu halten.

- Die o.e. Standschäden an der Bremse zeigen sich auch gerne mal bei sehr schonend gefahrenen Cs. Lieber ab und an mal "deftig in die Autobahnabfahrt hinein bremsen". Ist bei allen Autos so, aber beim W204 noch auffälliger.

- Hinten sind die Sitze schon sehr eng. Ein Fahrer >190 cm und dahinter sitzt nur noch ein Kleinkind.

Wie bei A4 und 3er auch.

- Türschlösser vorne (beide jetzt nach 12 Jahren getauscht, ZV schließt dann nicht mehr ab aber Türen bleiben beim Fahren zu...).

Kostet ca. 150-200 Eur pro Seite in der versierten freien Werkstatt.

 

Fazit:

Unaufgeregtes, solides Alltagsauto.

Klare Gebraucht-Kaufempfehlung für diesen Underdog!

 

Dieses Auto würde ich, auch trotz der altväterlichen Optik, jederzeit wieder kaufen.

Was erst nach ein paar Jahren auffällt: man ist mit einem solchen Auto immer "gut angezogen".

Die modischen Autos werden immer kurzlebiger. Die Audis und BMW mit ihren bösen Blicken sind für mich keine Option.

Mit einer Mercedes-Limousine kann man sich hingegen überall sehen lassen.

 

Ich fuhr bereits vieles aber die Langzeitqualität des W204 ist schon außergewöhnlich.

Auto Bild hat einen im Test mit über 400.000 Km.

Das schenkt Vertrauen. Bis zur Entscheidung, diesen Bericht zu schreiben, habe ich viele Jahre lang gar nicht mehr über das Auto nachgedacht. Es ist halt da, ich fahre es seit 2 Jahren nach einiger Standzeit wieder täglich und es fällt nicht auf. Wie die Frau nach 40 Jahren Ehe vermutlich...

 

Die großen Diesel sind bei guter Pflege gut für locker 500.000 Km.

Hoffe die Lektüre hat Euch Spaß gemacht. Wer mehr wissen möchte, schreibt mir gerne eine Nachricht.

 

ZK

Karosserie

3.0 von 5

 

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Multikontursitze und Langzeitqualität sind top.
  • - Die Optik und Haptik des Innenraumes sind billig.

Antrieb

4.5 von 5

 

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Der V6 Diesel ist eine Wucht.
  • - Das 7-G Automatikgetriebe ist kalt ruckelig.

Fahrdynamik

4.5 von 5

 

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Es ist eben ein mercedes mit großer Maschine. Fährt bestens.
  • - Kein Rennwagen. Wer es "sportlich" will, muss Audi S-Line fahren und leiden...

Komfort

4.0 von 5

 

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + 3-Zonen Klimaautomatik. Wie bei MB üblich: klassenbeste Klimatisierung.
  • - Hinten eng. Wie beim Wettbewerb. Ist eben doch keine S-Klasse.

Emotion

3.5 von 5

 

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Kein schönes Auto. Aber zeitlos. MB Image bei nicht-AMG Autos im Vergleich zu Audi oder BMW einwandfrei.
  • - Das Design ist altbacken.

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 300-400 Euro
Verbrauch auf 100 km 6,5-7,0 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 300-500 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr bis 200 Euro
Außerplanmäßige Reparaturkosten Sonstiges - Wie im Text beschrieben. (1000 €)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Komfortabel, sehr langlebig, zuverlässig.

Zur Zeit sehr günstig zu haben.

Preiswerter Gebrauchtwagen.

Service ist sehr günstig.

Es gibt einige attraktive Motorisierungen.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Altbackenes Design.

Wachsende Anzahl getunter Autos und solche aus unseriösem Vorbesitz, wie leider bei der ABM-Mittelklasse ab einem gewissen Alter üblich.

Gebrauchte Mercedes zu kaufen ist Vertrauenssache. Während man aber Audi A4 und BMW 3er aus 2008 heute eigentlich gar nicht mehr anfassen würde, finden sich beim W204 noch die typischen Rentnerfahrzeuge.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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