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Mercedes C-Klasse W204 280 Test

14.04.2012 20:07    |    Bericht erstellt von H-ManZX

Testfahrzeug Mercedes C-Klasse W204 300
Leistung 231 PS / 170 Kw
Hubraum 2996
Aufbauart Limousine
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 2/2009
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 5 Jahre
Gesamtnote von H-ManZX 4.0 von 5
weitere Tests zu Mercedes C-Klasse W204 anzeigen Gesamtwertung Mercedes C-Klasse W204 4.0 von 5
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Einleitung

Letztes Jahr kaufte ich mir den C280 als zweijährigen Jungen Stern. Ich fahre den Wagen eigentlich täglich im Alltag.

 

Soviel vorweg, es ist das beste Fahrzeug, dass ich je besessen habe. Der säuselnde Sechszylinder versüßt mir jeden Morgen den Arbeitsweg. Ich will aber trotz Begeisterung versuchen, einen objektiven und hilfreichen Test zu schreiben.

 

Update: Inzwischen habe ich das Fahrzeug verkauft. Ich würde im Nachhinein noch immer sagen, dass es das beste Auto war, das ich bis dahin hatte. Es ist die Art von Auto, dem man eine Laufleistung von 300.000+ km zutrauen würde. Dennoch wollte ich auch mal wieder etwas anderes fahren.

Galerie

Karosserie

4.0 von 5

Bei mir ist Design eigentlich das wichtigste Merkmal beim Autokauf. Der Rest muss natürlich auch stimmen, aber ein Auto, dass ich nicht schön finde, kommt gar nicht erst in Betracht. Das Design des W204 hat es mir seit dessen Erscheinen angetan. Endlich wieder ein Mercedes, der aussieht, wie ein Mercedes (dieses Kriterium ist bei mir in der Zeit der späten 80er geprägt worden, besonders durch den W124).

 

Apropos, meiner ist ja ein Avantgarde und hat eigentlich den großen Stern im Kühlergrill. Nach einer Weile hatte ich dann doch das Bedürfnis, dass meiner aussehen soll, wie ein "richtiger Mercedes" und ich habe auf den traditionellen Grill samt Haubenstern umgerüstet. Das ist ja für kleines Geld und in 10min schnell erledigt. Das ist das schöne am W204, dass man mit Original-Teilen zwei recht verschiedene Gesichter fahren kann. Hab Fotos von beiden Versionen hochgeladen. Edit: Jetzt hat er aktuell wieder den Avantgarde-Grill. Finde beide Versionen so schön, dass die Entscheidung schwer fällt und manchmal sprunghaft in die eine oder andere Richtung ausgeht.

 

An der Verabeitung der Karosserie kann ich nichts meckern. Alles ist schön und gleichmäßig zusammengebaut, die Türen fallen ordentlich ins Schloss. Schon die Türgriffe außen vermitteln eine schönes stabiles Gefühl. Beim Fahren merkt man, dass die Karosserie sehr stabil ist, fast wie aus einem Stück gefräst.

 

Das Platzangebot muss man denke ich im Rahmen der Klasse sehen. Da es mein erstes Auto in der Mittelklasse ist, fehlt mir der richtige Vergleich. Vorne passt alles wunderbar (bin 1,88m groß), alles lässt sich passend einstellen und es gibt noch Luft überm Kopf. Hinten kann ich ehrlich gesagt nichtmal einen Vorteil gegenüber meinem früheren Audi A3 erkennen. Hinter mir geht es schon eng zu. Aber ich sitze ja nicht hinten...

 

Den Kofferraum empfinde ich schon als schön groß, auch wenn es kein Kombi ist. Entscheidend war für mich beim Kauf, dass er die (aufpreispflichtige) umlegbare Rückenlehne hatte. Damit kann ich auch in diesem Auto ein Moutainbike oder Ski im Auto transportieren. Ohne das wäre ein Stufenheck, das ich optisch ansprechender finde, ein No-Go.

 

Nun das Thema Qualitätseindruck im Innenraum. Da gibt es ja viele Meinungen bei diesem Modell. Ich würde da erstmal in zwei Kategorien unterscheiden:

 

1. Die Verabeitung im eigentlichen Sinne ist meines Erachtens tadellos und über jeden Zweifel erhaben. Alles sitzt bombenfest, es gibt keine wabbelnden Verkleidungen, schlecht eingepassten Teile oder undefiniert wackelnde Knöpfe. Alle Teile sind sorgfältig zusammengefügt. Es gibt auch nicht solche Dinge, wie eine Mittelarmlehne, die aufgrund von Montagetoleranzen etwas näher an einem Sitz als am anderen sitzt (hatte ich im A3) oder dergleiche Späße.

 

2. Die verwendeten Materialien sind das, wo sich viele bei den VorMopf-Modellen beschweren. Ich kann damit gut leben, allerdings ist das auch viel der Tatsache geschuldet, dass ich eine Volllederausstattung in beige habe. Da sind z.B. die Türverkleidungen nicht einfach nur eine platte Fläche, sonderen durch eine eine schöne Steppnaht im Leder etwas aufgefrischt. Dazu sind auch die Armlehnen nicht nur ein schwarzes Gummiteil, sondern ebenfalls mit Leder bezogen, samt Steppnaht. Außerdem sind die Türen auch zweifarbig. Schwarzes Vogelaugenahorn statt der standardmäßigen Alublenden tun ihr übriges. Bleibt das Armaturenbrett. Da wurde ja viel über die Materialauswahl gemeckert. Ich kann das teilweise nachvollziehen. Es sieht schon etwas gummihaft aus, aber das Meckern auf hohem Niveau. Es handelt sich ja nicht gerade um Hartplastik, sondern auch um eine mehrschichtig aufgebaute Struktur. Eben nur nicht der traditionelle Kunstlederlook. Mein Audi A3 hatte ziemlich genau die gleiche Oberfläche, dort hat aber keiner gemeckert, da Audi ja angeblich die Maßstäbe in dieser Hinsicht setzt. Ich freue mich über Knöpfe aus ehrlichem Hartplastik, denn diese sehen wenigstens auch nach Jahren noch wie neu aus, anders als bei solchen mit Softlack. Dennoch gibt es auch was zu Meckern: Das Gummirollo in der Mittelkonsole ist eine Oberkatastrophe, das verkratzt glaube ich schon, wenn eine Fliege drauf landet. Der Rahmen drumrum hat leider den besagten Softlack mit entsprechender Anfälligkeit. Und die Mittelarmlehne dürfte gerne mit Stoff bzw. Leder bezogen sein, statt nur eine gummierte Oberfläche zu haben. Irgendwie konzentrieren für mich die größten Ärgernisse hinsichtlich der Materialauswahl in dem Bereich Mittelarmlehne.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + -
  • - -

Antrieb

3.5 von 5

Der 3.0L V6 dieses Autos ist ein Gedicht meiner Meinung nach. Ich bin allerdings auch keinen anderen Motor im W204 gefahren, insbesondere keinen 350er.

 

Der Motor läuft seidenweich und hat ein interessantes Klangverhalten. Bis knapp unter 3000 U/min läuft er sehr leise und grummelt allenfalls ein bißchen im Auspuff. Ab ca. 3000 U/min wird er dann kernig. Best of both worlds!

 

Die Motorleistung ist einem Bereich, wo man eigentlich in keiner Verkehrssituation untermotorisiert ist. Zum Spaß könnte ich mir natürlich auch gut einen C63 vorstellen. Mit dem C280/C300 kann man auf jeden Fall gut auf der Linken Spur der Autobahn mitfahren, das war mir immer wichtig. Ich fragte mich immer, wenn ich Tests anderer Leute las, bei welchem Vergleichsmaßstab man da klicken soll. Es gibt ja welche, die bei 'nem C180 oder 200CDI "Motorleistung: stark" anklicken. In Anbetracht der Existenz eines C63, wenn man innerhalb der Baureihe bleibt, oder gar von Supersportwagen, wenn man alle Autos beachtet, ist das ja eigentlich nicht nachvollziehbar. Vielleicht muss man es daher einfach im Verhältnis zu den eigenen Ansprüchen sehen, damit nicht alle "schwach" ankreuzen müssen ;). So hab ich es jetzt gemacht.

 

Der Durchzug ist aus meiner Sicht schon sehr ordentlich. Durch den fehlenden Turbo-Bums fühlt es sich etwas vergleichbar mit meinem ehemaligen 140 PS 2.0 TDI im A3 an, aber das täuscht ungemein. Wenn man auf den Tacho schaut, sieht man, dass sich dieser sehr viel schneller bewegt. Die Charakterisik ist eben die eines Saugbenziners, weniger spektakulär aber dafür gleichmäßiger. Ich mag das. Und es sind so oder so 231 PS.

 

Bei meinem Exemplar musste das Thermostat bereits einmal getauscht werden. Das war neben den Stoßdämpfern vorn die einzige Reparatur soweit. Update: Mittlerweile wurde auch noch eine Dichtung eines Elektrosteckers am Getriebe undicht. Kleine Ursache, große Wirkung. Es hat sich etwas Getriebeöl auf dem Auspuff versammelt und für schöne blaue Wolken gesorgt. Die Reparatur war leider nicht billig, da vor allem das ganze Getriebeöl raus und neu musste. Update2: Seit Beginn hat der Motor in bestimmten Warmstart-Situationen hin und wieder ein sehr unschönes Klopfen beim Starten von sich gegeben. Der Tausch der Kettenspanner hat nicht geholfen und nachdem eine Ton-Aufnahme nach Stuttgart geschickt wurde, wurden zu weite Kurbelwellenlager als Ursache benannt. Für die Reparatur musste der Motor raus und die Lager mussten eingeschickt werden. Vom Werk wurden dann passende Lager zurückgeschickt. Danach war dann für weitere 60tkm alles in Ordnung. Dieses Problem scheint bei den M272 in einer gewissen Häufigkeit aufzutreten. Man findet in amerikanischen Foren sehr viel dazu (dort ist der M272 der Brot-und-Butter-Motor der betroffenen Modellreihen), hier bei MT komischerweise gar nichts. Offenbar wurden bei den betroffenen Motoren schon ab Werk unpassende Lager eingebaut.

 

Bei den Fahrleistungen ist mir wichtig, dass bei entsprechenden Verhältnissen eine Reisegeschwindigkeit von 200 km/h drinnen ist, dass man dann nicht bei Steigungen zurückfällt oder ewig braucht, um diese Geschindigkeit zu erreichen. All das kann dieser Motor. Die Beschleunigung ist bis ca. 220 km/h deutlich spürbar. Darüber braucht man dann auch etwas Anlauf, kann aber problemlos die 250 auf dem Tacho sehen.

 

Die 7G-Tronic tut ihren Dienst insgesamt ziemlich angenehm. Die Schaltvorgänge sind in aller Regel sehr weich und auch schnell. Einen Verbrauchsunterschied zwischen den beiden Schaltprogrammen C und S konnte ich nicht feststellen. Im Alltag fahre ich meistens auf C. Das Auto fährt dann immer im zweiten Gang an und es entfällt somit der wegen des kurzen ersten Ganges sonst am meisten spürbare Gangwechsel vom ersten in den zweiten Gang. Auf meinem Arbeitsweg verwehren mir den anderen Verkehrsteilnehmer sowieso fast immer einen Fahrstil, der von der Stellung S profitieren könnte. Ansonsten macht S schon einen Ticken mehr Spaß, es schaltet gefühlt etwas schneller und auch beim Abbremsen eher runter. Insgesamt lässt mich diese Wandlerautomatik das DSG, das ich früher hatte, nicht vermissen. Nur beim Abrufen von Leistung hat sich das DSG nicht so viel Zeit gelassen. Da verharrt die 7G-Tronic manchmal einen Tick zu lange in ihrem Gang bei sehr niedrigen Drehzahlen. Ist sicherlich systembedingt, beim DSG war ja der nächstniedrigere Gang immer schon eingelegt und konnte dann mit einem kleinen Tip am Gaspedal abgerufen werden. Es könnte auch sein, dass mein Getriebe, das ja adaptiv ist, sich aufgrund der sehr gemächlichen Fahrweise im Alltag noch etwas mehr in diese Richtung verstellt hat. Auch hier ist ein Unterschied zwischen C und S spürbar.

 

Schön sind die niedrigen Drehzahlen, wenn man im 7. Gang fährt. Bei 160km/h dreht er ca. 3200 U/min, bei 200 km/h sind es ca. 4000 U/min. Ein schönes Gefühl, sich bei diesen Geschwindigkeiten fernab des roten Bereichs zu bewegen.

 

Der Verbrauch geht angesichts des Hubraums und der Leistung völlig in Ordnung. Ich fahre täglich 15km pro Strecke. Davon der größte Teil Landstraße im Schneckentempo (60-80 km/h) und ein bißchen Stadt, ohne richtigen Stadtverkehr. Dabei verbrauche ich gut 10L/100km. Als Vergleich für das gleiche Fahrprofil hatte ich meinen E320T (S210), der dann ca. 12,5 L/100km verbraucht hat und der A3 TDI ca. 7L/100km.

 

Auf Langstrecken fahre ich wenn es geht meistens Tempomat 160-180km/h und mal zwischendurch schneller, wenn es sich anbietet. Dabei komme ich dann auf einen Verbrauch von ziemlich genau 10L/100km. Das ist meistens die A9, wo die hohen Geschwindigkeiten wegen Beschränkungen oder Verkehr nicht durchgehend möglich sind. Sonst wäre der Verbrauch wohl etwas höher, das ist mir bewusst. Aber ich bin immer zügig unterwegs. Vergleich bei gleicher Strecke und Fahrweise: E320T ca. gleich, Audi A3 2.0 TDI ca. 8,5L/100km.

 

Wenn man auf der Autobahn langsamer fährt, kommt man in den Bereich unterhalb von 8,5L/100km. Das ist mir aber bisher nur einmal (in Italien) passiert.

 

Einen Wert für richtigen Stadtverkehr kann ich noch nicht anbieten. Darunter verstehe ich auch nicht das Fahren in irgendeiner Kreisstadt mit 20.000 Einwohnern, wo man an 2 von 3 Ampeln mal anhalten muss, sondern eher den Verkehr in Städten mit 250.000 Einwohner oder mehr, wo man mal für 10km 40 Minuten braucht. Da ich nicht mehr in einer solchen Stadt wohne, hab ich da zu wenig Erfahrung mit dem C280, würde aber mal auf gute 12L/100km tippen.

 

Auch wenn ich nach dem Lesen von anderen Testberichten das Gefühl habe, dass der C280 nicht wesentlich mehr verbraucht, als die C180, 200 und 250, so dürfte der Verbrauch natürlich immer gern etwas niedriger sein. Dazu verlangt der V6 etwas mehr Kosten bei der Wartung (z.B.: mehr Öl, mehr Zündkerzen, 2 Luftfilter) die zudem auch noch jährlich ausgeführt werden will.

 

Reichweite ist mit 66L-Tank akzeptabel.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + -
  • - -

Fahrdynamik

4.0 von 5

Das Fahrverhalten ist erfreulich agil, insbesondere im Vergleich zu dem, was man bei Mercedes gewohnt ist. Kurvenräubern macht mit diesem Auto einigermaßen Spaß und man hat meistens das Gefühl, mit einem kleineren Auto unterwegs zu sein. Meiner hat jedoch die aufpreispflichtige Parameterlenkung. Allerdings fehlt an diesem Punkt auch das sehr gelassene Mercedes-Gefühl alter Tage, ein Schiff über die Straßen zu segeln. Manchmal vermisse ich das sogar. Man wollte wohl, wie bei vielen anderne Punkten (Stichwort: Kühlergrill) wohl den Audi- und BMW-Fahrern mit etwas mehr Sportlichkeit entgegenkommen. Ich finde das Ergebnis ganz gelungen, nur eben auch austauschbarer.

 

Der Heckantrieb mit seinem fehlenden Einfluss auf die Lenkung gefällt mir wunderbar und vermittelt etwas mehr Dynamik beim Fahren engerer Kurven. Generell kommt man auf trockenen Straßen auch weniger oft an die Grenzen der Haftung, als beim Frontantrieb. Im Winter ist es natürlich etwas anders. Ich hatte mehrere Situationen, in denen ich fast nicht weggekommen wäre bei Schnee. Das hatte ich mit Frontantrieb nie, aber auch nicht mit dem heckgetriebenen E320T, den ich zuvor fuhr. Vielleicht hat der W204 einfach zu wenig Gewicht auf der Hinterachse oder ich habe suboptimale Winterreifen. Das kann dann im Winter schonmal leicht nerven. Wenn er einmal fährt, gibt es dann keine Probleme mehr.

 

Der Wendekreis bietet keinen Grund zur Klage und ist aufgrund des Heckantriebs wohl auch etwas kleiner, als bei frontangetriebenen Konkurrenten.

 

Die Bremsen beißen schon ordentlich zu, allerdings muss man dazu auch ordentlich drauftreten. Wenn man es nicht tut, wirken sie manchmal etwas schwach. Die Bremsen verfügen über eine Trockenbremsfunktion bei Regen. Das funktioniert aber eher schlecht als recht, es gibt dennoch mal diese Schrecksekunde, wenn die Bremsen bei Nässe im ersten Moment nicht zupacken. Außerdem halten sie nicht besonders lange, andererseits aber auch nicht außergewöhnlich kurz.

 

Update: Die verrosteten Bremsleitungen unter der fahrerseitigen Unterbodenverkleidung hatte mein Exemplar leider auch. Eines Tages tropfte Bremsflüssigkeit aus der Verkleidung heraus. Die Leitungen wurden auf Kulanz ersetzt.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + -
  • - -

Komfort

4.5 von 5

Die Sitze vorne sind mercedestypisch bequem. Wenn man sich reinsetzt, hat man zwar kein besonderes Gefühl der Geborgenheit, wie bei den Sportsitzen anderer Autos, man steigt aber nach stundenlanger Fahrt trotzdem entspannt aus. Der Seitenhalt ist nicht so besonders toll, dafür kann man sich aber schön darauf rumlümmeln. Die Sitzflächen und Lehnen sind ziemlich klein. Bei mir mit meinen Standardmaßen geht es aber gerade noch so.

 

Nicht so toll ist die Sitzheizung, die man im Winter auf der höchsten Stufe laufen lassen muss, damit es durch das Leder auch richtig warm wird. Ich kenne das von anderen Autos eigentlich so, dass es einem in der höchsten Stufe in Mark und Knochen warm wird.

 

Meiner hat außerdem noch Memorysitze vorn. Das brauche ich eigentlich nicht. Das schönste Feature davon ist die nur so mögliche automatische Absenkung des Beifahrerspiegels beim Rückwärtsfahren. Und ein paar Knöpfe mehr finde ich auch immer cool.

 

Zu den Sitzen hinten kann ich nicht viel sagen. Da saß ich zwar auch schonmal ein paar stunden, aber da fehlt mir allgemein der Vergleich auch zu anderen Autos.

 

Was sehr schön ist, ist die niedrige Geräuschkulisse des Autos. Es scheint sehr gut gedämmt zu sein, daher gibt vergleichweise leise Windgeräusche bei höheren Geschwindigkeiten. Vom Motor hört man normalerweise nur etwas, wenn man das will. Was schon etwas nervt ist die Entkoppelung des Fahrwerks von der Karosserie. Man hört sehr deutlich die Abrollgeräusche, mehr als nach meinem Dafürhalten sein müsste. Insbesondere bei 225er-Reifen ist es so (bei mir: Conti SportContact3). Außerdem kann man ganz gut die Vorderachse arbeiten hören. Anfangs waren noch mangelhafte Stoßdämpfer verbaut, die deutlich hörbar polterten. Diese wurden von Mercedes anstandslos auf Kulanz getauscht. Es handelt sich um einen bekannten Konstruktionsfehler, der aber nur den Komfort betrifft, technisch haben den Stoßdämpfer ihren Dienst noch ordentlich versehen. Seitdem ist es ganz gut, aber immer noch ein bißchen lauter als bei anderen Autos (Achsteile sind alle in Ordnung).

 

Was Klappern, Knistern und Knirschen im Innenraum angeht, kann ich nicht klagen. Sicherlich gibt es das hin und wieder, aber ich hatte bisher kein Auto, bei dem dies so wenig vorkam. Den Gedanken, dass es ein klapperfreies Auto gäbe, hab ich mir inzwischen abgeschminkt. Nach meinem eigenen A3-Neuwagen und diversen Mercedes-Neuwagen in der Familie hat sich diese Erkenntnis eingestellt. Bei meinem Auto treten diese Geräusche allerdings nur bei wirklich schlechten Straßenverhältnissen, also grobes Kopfsteinpflaster o.ä., auf.

 

Die Bedienung des Autos gibt mir keine Rätsel auf. Allerdings muss ich sagen, dass ich davor schon viel Mercedes gefahren bin und ich daher mit Dingen wie Fußfeststellbremse, Tempomat ober- und nicht unterhalb des Blinkhebels und Scheibenwischerbedienung am Blinkhebel gut zurecht komme. Die Fußfeststellbremse sorgt auf jeden Fall für eine ordentliche freie Mittelkonsole zwischen den Sitzen, wenn es schon keine elektromechanische Bremse ist. Einen alten Handbremshebel vermisse ich jedenfalls nicht. Vielmehr wünschte ich mir, dass auch schon dieses Modell den jetzt wieder in Mode gekommenen Wählhebel am Lenkrad hätte, um noch mehr Platz in der Mitte zu schaffen. Gerade der fehlende Scheibenwischerhebel rechts am Lenkrad macht dieses Setup ja gut möglich.

 

Die Bedienung des Audio 20 über den zentralen Controler funktioniert aus meiner Sicht gut. Da ich aber kein Comand habe, benutze ich den Controler hauptsächlich, um bei CDs einen Titel vorzuspringen oder die Radiosender zu wechseln. Schön finde ich, dass es noch Hard-Keys für gespeicherte Sender gibt.

 

Die Klimatisierung tut Ihren Dienst für mich völlig ausreichend. Steht im Winter auf 22° und im Sommer auf 21°C und fertig. Ich bin allerdings nicht besonders sensibel für sowas, ich hab auch bei keinem Auto vorher unter Zug oder sowas gelitten. Ich will nur im Winter nicht frieren und im Sommer nicht schwitzen. Und das funktioniert. Schön ist, dass das Gebläse auch in den mittleren Stufen noch fast unhörbar ist. Nicht so gut gelöst ist die Trockenblasfunktion der Klimaanlage. Die Idee ist gut: Ein Lüfter bläst Luft durch den Kondensator, damit dieser austrocknet. Das verhindert diesen Bakteriensumpf, den man bei anderen Autos nach ein paar Jahren nicht gereinigter Klimanlage ja vom Geruch her kennt. Das funktioniert auch ganz gut. Dumm ist, dass diese Luft in den Innenraum geblasen wird. Bei bestimmten Witterungsverhältnissen, meistens in der Übergangszeit, sind dann nämlich kurz nach Abstellen des Autos erstmal die Scheiben schön von innen beschlagen. Gut gemeint, aber nicht so sehr gut gemacht! Besser wäre es gewesen, die freuchte Luft dann direkt nach draußen zu leiten.

 

Ich habe auch den Regensensor, der im Großen und Ganzen gut funktioniert. Manchmal spielt er aber verrückt und läuft bei ganz wenig Regen dann auf höchster Stufe. Ich könnte mir vorstellen, dass das an irgendeinem Schmierfilm auf der Scheibe liegt, habe Scheibe und Gummis noch nie explizit daraufhin gereinigt. Aus Bockigkeit weigere ich mich aber, bei so einem automatischen Feature manuell einzugreifen und warte ab. Der Spuk ist dann auch immer schnell vorbei. Das ganze kommt auch nur sehr selten vor und auch nur, wenn es vorher länger nicht geregnet hatte. Schön finde ich, dass der Regensensor nicht automatisch beim Einschalten der Zündung einen Testlauf über die trockene Scheibe macht, wie mein alter E320 es tat. So kann man den Regensensor theoretisch dauerhaft anlassen, weil er erst bei Regen wieder anspringt. Einen Unterschied zwischen den zwei Sensibilitätsstufen, die er hat, kann ich nicht merken.

 

Schön finde ich die Bedienung der Anhängerkupplung hinter der Kofferraumverkleidung, bei der die Hände sauber bleiben.

Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + -
  • - -

Emotion

4.5 von 5

Tja, was soll man zu dem subjektiven Thema Emotionen schon sagen. Ich finde das Design super und besser als die Konkurrenz.

 

Das Image ist noch schwieriger zu beurteilen. Grundsätzlich ist es bei bestimmten Personengruppen sehr gut, bei anderen besonders schlecht. Bei manchen ist es schlecht, nur weil es bei anderen gut ist. Die Frage ist, ob man auf sowas Wert legt? Ich höre auch öfters "Rentnerkarre" - so what?

 

Ich mag die Autos von Mercedes einfach schon immer gerne.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + -
  • - -

Unterhaltskosten

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Weil man ein solide gebautes Auto mit für heutige Verhältnisse einigermaßen zeitlosem Design bekommt. Die Qualität scheint, soweit ich mir schon ein Urteil erlauben kann, wieder zu stimmen.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wenn man auf das beste Preis-/Leistungsverhältnis aus ist, ist man bei der C-Klasse falsch. Man bekommt woanders für's Geld mehr Platz, Ausstattung und/oder Motorleistung.

 

Aufgrund der doch nicht unerheblichen Reparaturhistorie fühle ich mich darin bestätigt, solch ein Fahrzeug nur mit Garantie zu kaufen. Insgesamt dürfte die Junge-Sterne-Garantie und dann die MB100 hier Reparaturen bezahlt haben (immer problemlos), die mich sonst nahezu einen fünfstelligen Betrag gekostet hätten.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 8

Sat May 12 11:21:34 CEST 2012    |    Davidas1

Eine unglaublich objektive Beurteilung bezüglich dieses Fahrzeuges. Deckt sich in allen Punkten mit meinem C 300. Weiterhin gute Fahrt.


Fri May 25 15:48:23 CEST 2012    |    Adam P

...aber die Farbe... :confused:


Fri May 25 16:33:11 CEST 2012    |    H-ManZX

..die Farbe ist Carneorot und kommt auf den meisten Bildern nicht richtig rüber, so einen Lilastich hat sie natürlich nicht. Das eine Bild von der Seite auf dem Parkplatz gibt sie relativ korrekt wieder. Ich finde die Farbe cool, denn ich konnte mich mit dem silber-grau-schwarzen Einerlei noch nie anfreunden ;)


Sat May 26 17:48:02 CEST 2012    |    Mobi Dick

Mir gefällt die Farbe und die Bilder sind sehr schön gemacht!:cool:

 

Meinen C200 cdi habe ich ungesehen und ungefahren gekauft. Das Problem mit den Stoßdämpfern hatte ich auch. Ich empfinde meine 136 PS als überaus ausreichend und war von der Durchzugskraft dieses Motors überrascht. Natürlich hätte ich im Vergleich zum C63 den Motor mir schwach bewerten müssen! Ich habe aber als Vergleich Fahrzeuge mit ähnlicher PS-Zahl angenommen. Und da ist der 200er Diesel echt spritzig und vor allem sparsam ( mit warmen Motor 4,6- 6,5 L/100 km). Obwohl meiner jetzt knapp 52.000 km runter hat, habe ich immer noch das Gefühl einen Neuwagen zu betreten!:rolleyes:

 

Das mit der Mittelkonsole ist bei mir auch (Abdeckung und Rollo gibt es für ca 50,- € neu (mache ich aber ev. erst später). Übrigens empfinde ich die 205er /16 Winterreifen als angenehmer und besser mit dem Fahrwerk harmonierend! Die Idee mit dem Grill (+Stern) zum Wechseln finde ich klasse! Was hast du für Grill + stehenden Stern bezahlt?:confused:


Tue May 29 19:25:59 CEST 2012    |    H-ManZX

Den Grill hab ich für 20€ von eBay. Den Stern dann regulär beim Freundlichen gekauft, glaube für 27€. Den wollte ich unbedingt neu und in dieser schönen Schachtel haben (ich weiß, Marketingopfer ;) ).


Wed May 30 10:42:06 CEST 2012    |    Coolschnut

Schöner Bericht,tolle Bilder.Bin mal gespannt wenn dein Benz 7 Jahre alt ist und der Rost eventuell wieder nagt wie bei der älteren C-Klasse ob du dann immer noch so zufrieden bist.Ich fahre selbst Benz aber aus Gründen von ROST kommt mir so ein PREMIUMFAHRZEUG nicht mehr ins Haus.

Weiterhin gute Fahrt


Tue Jun 12 17:36:10 CEST 2012    |    slktorti

Coole Farbe, toller Bericht.

Andere PREMIUMFAHRZEUGE rosten nicht; LOL.


Thu Jul 05 17:47:59 CEST 2012    |    Commander15806

Die Farbe ist ja Wahnsinn. Wollte ich auch immer haben, aber jedesmal kam es anders. Klasse Bericht !!!


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