Kia ProCeed (CD) 1.6 T-GDI GT DCT7 Test #241846
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Kia ProCeed (CD) 1.6 T-GDI GT DCT7 Test

21.03.2022 21:31    |   Bericht erstellt von JohnFuel

Testfahrzeug Kia ProCeed (CD) 1.6 T-GDI GT DCT7
Leistung 204 PS / 150 Kw
Hubraum 1591
Aufbauart Kombi
Kilometerstand 7000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 7/2021
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von JohnFuel 3.0 von 5
weitere Tests zu Kia ProCeed (CD) anzeigen Gesamtwertung Kia ProCeed (CD) 4.0 von 5
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Einleitung

Beschrieben wird ein Kia ProCeed GT mit Doppelkupplungsgetriebe und Erstzulassung 2021. Das Fahrzeug wird sowohl für Stadtfahrten als auch für regelmäßige Pendelfahrten (30 km mit hohem Autobahnanteil) und lange Urlaubsfahrten genutzt. Fahrweise ist überwiegend (>90%) moderat und zurückhaltend. Als Fahrmodus wird fast ausschließlich (~99%) "Sport" gewählt.

Galerie

Karosserie

2.0 von 5

Über die schlechte Sicht nach hinten möchte ich keine vielen Worte verlieren. Es ist offensichtlich, dass man sich das elegante Design mit der hohen Gürtellinie und dem sanft abfallenden Seitenfensterbogen mit einer schlechten Sicht erkauft. Kritik daran finde ich albern und unprofessionell. Wer gut nach hinten gucken will, kauft sich einen Backsteinvolvo aus den 90ern mit drei Quadratmeter großen senkrechten Seitenscheiben und Heckscheibe. Wer geil aussehen will, kauft sich einen ProCeed GT und weiß, dass er die schlechte Sicht in Kauf nehmen will.

Das ist, als würde man bei einem McLaren kritisieren, dass man nicht seine zwei Kindersitze unterbringt, oder an einem Doppeldecker der Öffentlichen kritisieren, dass er bei sportlicher Fahrweise nicht so gut in der Kurve liegt.

 

Die Materialanmutung und -haptik im Innenraum ist durchwachsen. An manchen Stellen in Ordnung, an manchen Stellen schwach. Schaltwippen, innere Türöffner und Zierelemente am Armaturenbrett und an den Türgriffen bestehen aus silber lackiertem Kunststoff, der somit nach Aluminium aussehen soll. Die Oberfläche ist durchaus angenehm. Die Schaltwippen schmeicheln regelrecht der Hand und hier fühlt sich das Material wertig an. Das gilt für die inneren Türöffner im Grunde auch, jedoch schwächt hier die geometriebedingte Elastizität etwas den Eindruck, da sie nicht sehr steif sind. Die inneren Türöffner lassen sich leicht durch nur wenig Druck etwas in die Mulde hineinbiegen. Bei Premiumfahrzeugen sind die inneren Türöffner aus Metall oder deutlich steifer.

Bei dem Lenkrad bin ich nicht sicher, ob es Leder oder Kunstleder ist. Wenn es Kunstleder ist, dann sehr gutes (am Fahrstufenwählhebel das gleiche). An dieser entscheidenden Stelle ist die Haptik gut. Schlecht dagegen ist das Kunstleder, aus dem die Auflagefläche der Armlehne in der Tür ist. Man bekommt fast eine Gänsehaut, wenn man da mit den Fingern rüberstreicht. Schlecht ist auch der harte Kunststoff der Oberkante der Türverkleidung. Zum Glück berührt man diese Fläche höchstens mit dem Ellbogen bei geöffnetem Fenster im Sommer. Dieser Kunststoff kommt auch an anderen Stellen zum Einsatz, beispielsweise als Rahmen der Mittelkonsole oder oben auf dem Armaturenbrett.

An einigen Stellen ist Klavierlack, unter anderem am Rahmen des Mitteltunnels, auf dem sich der Fahrstufenwählhebel und die Cupholder befinden, also auf Höhe und entlang der Gurtschlösser. Das ist nun AUSGERECHNET DIE STELLE, an der IMMER der Reißverschluss einer Jacke irgendwo langrutscht, sofern man die Jacke offen trägt. Wer darauf steht, dass sein Fahrzeug immer tiptop ist (so wie ich), der muss also ständig und extremst penibel darauf achten, dass er nichts zerkratzt. Und obwohl ich quasi mein ganzes Leben darauf ausrichte, den Klavierlack am Mitteltunnel NICHT zu zerkratzen, habe ich bereits leichte Kratzer darin. Da muss man wirklich krisenfest sein.

 

Am Innengriff der Fahrertür ist bei mir beim Öffnen der Tür, d.h. beim schwungvollen Drücken gegen die Tür, ein fast unmerkliches, minimales Klacken zu spüren. Es ist mehr ein Gefühl, zu hören ist es nicht wirklich. Hier scheint irgendwo unter der Türverkleidung an der festen Verankerung von Türblech und Griff eine Verbindung minimal Spiel zu haben. Schlimm ist es nicht. Und sicherlich auch eher ein Einzelfall. Bei anderen Fahrzeugen dieses Modells ist das eventuell bombenfest. Es zeigt aber nur exemplarisch, dass für den Preis selbstverständlich kein Premiumfahrzeug zu erwarten ist.

 

Nach ca. 5.000 km ist die intelligente Kofferraumklappensteuerung kaputtgegangen. Das Fahrzeug blinkt und piepst noch (und wiederholt das pausenlos, wenn man dahinter stehenbleibt), aber der Kofferraum öffnet sich nicht. Nach ca. 5.000 km und einem Fahrzeugalter von ca. einem halben Jahr nicht besonders rühmlich.

 

Im Kofferraum selbst befinden sich unterhalb des Bodens mehrere Staufächer, die durch ein großes Kunststoffteil mit mehreren Ausbuchten gebildet werden. Dieses Kunststoffteil als ganzes Stück mit allen Staufächern kann man herausnehmen (darunter befindet sich das Reifenkit). Das Kunststoffteil weist auf der Unterseite mehrere Stege auf, die einerseits sicherlich der Steifigkeit und andererseits der richtigen Positionierung dienen. Diese Stege wiederum sind mit länglichen Filzstreifen umklebt, um ein Klappern zu vermeiden. Diese Filzstreifen sind ca. 2 cm breit und relativ lang; so lang wie der Steg halt ist. Gut gedacht, schlecht gemacht: Die Filzstreifen wurden um die unteren Kanten der Stege herumgeklebt, so dass sie um 180° geknickt sind. 1 cm der Breite klebt somit auf der einen Seite, und 1 cm der Breite auf der gegenüberliegenden Seite des Steges. Leider haben die Filzstreifen eine relativ hohe Rückstellkraft, und die Klebekraft reicht nicht aus, so dass sich die meisten der Filzstreifen nach ca. 5.000 km bzw. ca. einem halben Jahr Fahrzeugalter (oder schon früher, habe vorher nicht danach geschaut) auf einer Seite schon wieder lösen, da sie die 180°-Knickung nicht aushalten. Noch ist das Fahrzeug ruhig, aber wenn es irgendwann anfängt zu klappern, dann weiß ich dass ich zuerst im Kofferraum nachschaue. Schade, dass Kia da eine Dämmung eingebaut hat, die dazu prädestiniert ist, über kurz oder lang abzugehen.

 

Bei der offiziellen Angabe der Kofferraumliter von fast 600 sollte man übrigens bedenken, dass Kia die Staufächer unter dem Kofferraumboden mitzählt. Dennoch finde ich den Kofferraum als Familie (Eltern + 2 Kinder) ausreichend.

 

Ab einer Geschwindigkeit von 130 km/h beginnt ein leichtes Antriebsstrang-/Karosseriedröhnen, das ab 140 km/h störend laut ist und sich mit steigender Geschwindigkeit noch verschlimmert. Hierbei spürt man die Preislücke zu Premiumfahrzeugen besonders. Ich vermute, dass für die Unterdrückung / Dämmung von Vibrationen und Geräuschen des Fahrzeugs als Gesamtsystem bei hohen Belastungen respektive hohen Geschwindigkeiten aufgrund der Komplexität der Thematik relativ viel Entwicklungsarbeit erforderlich ist. Diese Investitionen werden im Premiumsegment eben getätigt, und bei einem preiswerten Fahrzeug wie dem ProCeed nicht.

(Für die Oberschlauen, die sich gemerkt haben, dass ich in der Einleitung erwähnt habe, immer im Sportmodus unterwegs zu sein: Nein, es liegt nicht am Klappenauspuff. Das Dröhnen ist unabhängig davon vorhanden.)

Galerie
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Eines der schönsten Autodesigns der gegenwärtigen Zeit
  • - Sehr laut ab 150 km/h

Antrieb

3.0 von 5

Der Motor tut was er soll und verhält sich entsprechend der typischen Drehmomentkurve eines aufgeladenen Motors. Der Verbrauch liegt bei mindestens knapp unter 6 L/100km auf Autobahn und ca. 7 L/100km in der Stadt bei sparsamster Fahrweise. Nach oben hin offen, je nach Fahrweise.

 

Das Doppelkupplungsgetriebe muss man differenziert betrachten. Die Mechanik, d.h. die Schaltvorgänge sind bezgl. Geschwindigkeit, Geräuschentwicklung und Rucke gut. Das Getiebe schaltet ruhig und flüssig. Die Logik hinter der elektronischen Schaltentscheidung ist jedoch mangelhaft.

I.d.R. hängt der Schaltzeitpunkt bei Automatik- und Doppelkupplungsgetrieben ja von verschiedenen Faktoren ab; neben der Drehzahl auch z.B. vom anliegenden Drehmoment und von der Fahrpedalstellung (wahrscheinlich noch von mehr Faktoren).

Das Getriebe schaltet auch meistens, wie man es gewöhnt ist, bei plötzlich stärker durchgedrücktem Fahrpedal runter. Aber nicht immer. Bisweilen drückt man bei moderater Fahrweise das Fahrpedal plötzlich stärker, aber das Getriebe schaltet einfach nicht. Diese fehlende Reaktion fühlt sich hemmend und irrational an. Man ist mit relativ niedriger Drehzahl gediegen unterwegs, sieht eine Ampel, die man noch bekommen möchte, drückt das Fahrpedal deutlich durch, und ohne jeglichen Gangwechsel wird der Motor einfach ein bisschen lauter, beschleunigt aber aufgrund des fehlenden Drehmoments nur geringfügig mehr. Besonders komisch ist es manchmal im Normalmodus, wenn man mit weit durchgedrücktem Fahrpedal anfährt (Kavalierstart an der Ampel). Der Auspuff dröhnt, das Fahrzeug versucht in Sachen Beschleunigung sein Bestes, schaltet aber gnadenlos jedesmal bei ca. 1.800 Umdrehungen einen Gang höher, bevor überhaupt der Turbolader wirksam werden kann. Das fühlt sich bescheuert und kaputt an. Manchmal scheint es, dass die Gangwechsel REIN DREHZAHLABHÄNGIG sind (im Normalmodus bei ca. 1.800 und im Sportmodus bei ca. 2.500). Beim Kickdown schaltet das Getriebe natürlich, aber halt in den kleinstmöglichen Gang. Das führt i.d.R. dazu, dass der Motor urplötzlich und sehr kurz hektisch bei Maximaldrehzahl rumzittert, das Fahrzeug die Traktion verliert, kurz darauf wieder ein Gang hochgeschaltet wird und sich der Fahrer in der Öffentlichkeit blamiert.

Es gibt einfach Automatikfahrzeuge, da schaltet das Getriebe immer so passend, dass man über die Gangwechsel gar nicht mehr bewusst nachdenkt, weil sie so stimmig sind. Und es gibt Fahrzeuge, da gibt es bisweilen so eine Dissonanz zwischen der inneren Erwartungshaltung des Fahrers und den tatsächlichen Schaltzeitpunkten, was dann jedemal unangenehm auffällt, wenn ein sich förmlich aufdrängender Gangwechsel ausbleibt oder das Getriebe unerwartet schaltet. Dieses unerwartete Schalten geschieht meist im Sportmodus, wenn man bei niedrigen Autobahngeschwindigkeiten friedlich rollt weil es vorne etwas voller wird oder eine Baustelle kommt, entspannt und eins mit der Natur und der Straße, und der Motor unvermittelt aufheulend runterschaltet, weil er die 2.500 U/min unterschritten hat. Übrigens: Wenn man im Normalmodus (in Bezug auf Sport) im Automatikmodus (in bezug auf Getriebe) mit den Schaltwippen manuell schaltet, dann schaltet das Fahrzeug nach einigen Sekunden wieder zurück in den Automatikmodus. Wenn man im Sportmodus im Automatikmodus mit den Schaltwippen manuell schaltet, dann bleibt das Fahrzeug im manuellen Modus. Es schaltet ERST wieder in den Automatikmodus, wenn man so langsam geworden ist, dass der erste Gang eingelegt wird (also quasi Stillstand). Die einzige Möglichkeit, ohne Stillstand wieder in den Automatikmodus zu kommen, ist es, den Fahrstufenwählhebel einmal nach links in den manuellen Modus zu kippen und wieder zurück nach rechts in den Automatikmodus zu kippen.

 

Der Klappenauspuff ist recht gut. Leider werden darüber oft sinnlose und bescheuerte Diskussionen geführt, auch hier im Forum, bei denen erbittert über die "Echtheit" oder die "Qualität" des Klangs gestritten wird. Die Vertreter der "klingt-künstlich-und-ist-Mist"-Fraktion führen immer die Diskrepanz zum Klang eines echten Sportwagens ins Felde. Das ist saudämlich. Bei dem Motor handelt es sich um einen modernen kleinen Vierzylinder mit moderner Einspritzanlage mit einem Common-Rail. Der klingt natürlicherweise nach nichts. Kein Hubraum, keine Unmenge an Zylindern, kein Vergaser, alles maximal abgeschirmt durch Katalysator und Partikelfilter... Der Klappenauspuff hat nichts weiter als ein paar kleine heiße luftige Stoßwellen, aus denen er was zaubern soll. Und das macht er ganz gut. Wenn man einen Rundgang ums Fahrzeug bei laufendem Motor macht, ist es schon ein bisschen albern. Vorne hört man das leise Tickern eines Kleinwagenmotors, und hinten hört man das tiefere Schnurren, dass Hubraum imitieren soll. Aber: es gibt definitiv schlechtere Sportauspuffanlagen. Ich war mal auf der Autobahn mit einem Opel unterwegs (allerdings mit Zubehörauspuff, nicht mit Originalsportauspuff), der hat mir so penetrant und hässlich die Ohren zugedröhnt, dass ich am liebsten an der Raststätte gehalten und das ganze Rohr eigenhändig abgerissen hätte. Es war nicht zum aushalten.

Wenn man also die Bewertungsrelationen richtig setzt, dann ist der Klappenauspuff schon sehr gut. Er erzeugt übrigens nicht wirklich ein "Bollern", wie es an anderer Stelle hier im Forum schon beschrieben worden ist, eher ein relativ homogenes, gleichmäßiges Brummen. Seine schönste Klangfarbe hat er eher bei mittleren bis höheren Drehzahlen, nicht unbedingt bei niedrigen Drehzahlen. Besonders spaßig ist es, wenn er beim Verzögern und runterschalten kurz aufheult. Und auch auf Dauer nervt er nicht, selbst nicht bei höheren Geschwindigkeiten (das mag aber auch eventuell daran liegen, dass auch die Abrollgeräusche und Karosserievibrationen bei höheren Geschwindigkeiten ziemlich störend sind und ihn überlagern). Gegen einen echten Sportwagen verliert der Klappenauspuff im Soundvergleich natürlich. Aber wozu so ein dummer Vergleich? Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass jene Foristen, die immer auf diesem Vergleich herumreiten, irgendwie nur auf verkappte Weise damit prahlen wollen, was für Klangerfahrungen sie mit hochmotorisierten Edelfahrzeugen gesammelt haben.

Galerie
Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Recht guter Durchzug mit spaßigem Sound
  • - Mensch und Maschine haben nicht immer die gleiche Vorstellung vom passenden Schaltzeitpunkt

Fahrdynamik

3.5 von 5

 

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Fährt sich für seine Fahrzeugklasse recht sportlich
  • - Frontantrieb halt...

Komfort

3.0 von 5

Der Komfort muss differenziert betrachtet werden:

Ausstattungsseitig bietet das Fahrzeug - gemessen an seinem Preis - sehr viel Komfort: Keyless Entry, Keyless Go, automatisch einklappende Spiegel, recht gute Sprachsteuerung, Lenkradheizung etc.

Beim Fahrkomfort sieht es anders aus. Auf die Abstimmung des Fahrwerks möchte ich hier nicht eingehen. Es ist eher sportlich abgestimmt und dementsprechend hart. Das Problem sind eher die Abrollgeräusche und das bei Punkt 3 Karosserie angesprochene Dröhnen. Die Abrollgeräusche sind schon bei niedrigeren Geschwindigkeiten deutlicher zu hören als bei Premium-Fahrzeugen, aber noch nicht erheblich störend.

Insgesamt wird das Fahrzeug (Abrollgeräusche plus Antriebs-/Karosseriedröhnen, ist irgendwann schwer auseinanderzuhalten) spätestens ab 150 km/h so laut, dass es sehr nervt. Ich persönlich bin i.d.R. nur mit bis ca. 120 km/h unterwegs, da stört mich das nicht so sehr. Wer aber häufiger schnell fährt, der muss - um es mit Professor Bienleins Worten zu sagen - ein "klein wenig harthörig" sein (sprich: total taub). Ansonsten wird er das Fahrzeug nach ein paar Touren entnervt verscherbeln und sich etwas besser gedämmtes kaufen. Oder er ist noch nie in einem gut gedämmten Fahrzeug mit geringerer Vibrationsentwicklung gefahren und weiß gar nicht, dass es besser geht.

 

Da ich nicht genau weiß, wo ich eine Bewertung des Infotainments einordnen soll, platziere ich sie hier bei Komfort. (Das Infotainment nimmt inzwischen einen solch großen Stellenwert ein, dass es eine eigene Kategorie in diesem Bewertungsmuster haben sollte!) Unter dem Kapitel Infotainment subsumiere ich übrigens auch der Einfachheit halber im folgenden alle Fahrerassistenzsysteme (FAS).

Kurzfassung: Die FAS funktionieren im Großen und Ganzen sehr gut, der Reifegrad der Personalisierung des Systems ist schauderhaft schlecht und die Menüstruktur hat eine leichte Schwäche.

Langfassung: Alle FAS funktionieren recht robust und zuverlässig. Der Totwinkelwarner, Spurverlassenswarner und der Kollisionswarner (letzterer wird natürlich selten gefordert) versagten bisher nie, der Totwinkelwarner gibt in seltenen Fällen mal Fehlalarm. Die Verkehrszeichenerkennung ist recht zuverlässig. Ein gewisser geringer Anteil an Falschanzeigen ist, wetterbedingt oder lichteinfallbedingt, normal. Die Häufigkeit der Falschanzeigen ist absolut im Rahmen. Hierbei kann es keine Gewährleistung geben. der Lenkassistent ist sehr gut. Das Fahrzeug folgt absolut harmonisch und sanft exakt der Kurve und trifft jedes mal exzellent den Krümmungsradius. Zum Vergleich: Der Opel Insignia B, auf dem ich ein solches System ebenfalls getestet habe, ist eher ein Polygon gefahren. Immer wieder an die äußere Leitlinie heran, dann ein leicht ruckiges einlenken, wieder an die äußere Leitlinie heran, dann ein leicht ruckiges einlenken, etc. etc. Und auf der Autobahn hat der Insignia kaum eine einzige längergestreckte Kurve vollständig geschafft. Meistens tritt er irgendwann über, ohne es zu merken. Der ProCeed GT dagegen hält dauerhaft durch. Manchmal staune ich sogar, wie er die Fahrbahnmarkierungen bei diesigem, dunklen, schlechten Wetter erkennt, wenn ich mir schon konzentriert die Augen reiben muss, um zu erkennen, ob ich schon auf einem Acker bin oder noch auf der Straße. Ein Jammer, dass das Fahrzeug nach 45 Sekunden freihändigem Fahren einen Alarm startet. Denn von der Potenz des Systems her könnte man sicherlich für sehr lange Zeit das Fahrzeug die Querführung übernehmen lassen, sofern keine Baustellen in die Quere kommen. Hier ist man dem automatisierten Fahren Stufe 3 schon recht nah. Ist natürlich rechtlich noch tabu bei diesem Fahrzeug. Die Kraftstoffverbrauchsanzeige zeigt übrigens konsequent einen Verbrauch an, der ziemlich genau einen halben Liter über dem tatsächlichen Verbrauch liegt. Bei den bisher gefahrenen 5.000 km habe ich ohne Ausnahme bei jeder Tankfüllung den km-Zähler und die Verbrauchsanzeige resettet und anhand der eingefüllten Liter und der Laufleistung mit der Tankfüllung den Verbrauch errechnet. Bei ausnahmslos jeder Rechnung lag ich mit dem tatsächlichen Verbrauch 0,4 - 0,6 Liter unter dem angezeigten Verbrauch.

Nun komme ich zur Personalisierung des Infotainments. Mein Grundproblem, das bis heute andauert: Meine Einstellungen werden PERMANENT wieder über den Haufen geworfen. Wir haben beide Fahrerprofile eingerichtet, eines für mich und eines für meine Frau. Das System vergisst entweder Eingaben oder ändert sie. Insgesamt dreimal bis heute ist die gespeicherte Adresse meines Büros einfach verschwunden und ich musste sie dreimal neu eingeben. Ca. vier- bis fünfmal war meine Reifendruckanzeige plötzlich wieder auf psi eingestellt und ich musste sie jedesmal wieder auf bar stellen. NOCH öfter ist es passiert, dass meine Navikarteneinstellung einfach wieder auf 3D Fahrtrichtung oben statt auf 2D Norden oben umgestellt worden ist. Und ich habe schon gar nicht mehr mitgezählt, wie oft ich auf dem Bildschirmschoner plötzlich wieder eine digitale Uhrzeit statt einer analogen Uhr gesehen habe. Ich habe schon vor einiger Zeit das Infotainment auf die aktuellste Version geupdatet. Ich habe inzwischen ein neues Smartphone gekauft (aus anderen Gründen) und darauf die aktuellste Version von KIA Connect installiert. Es ist softwaretechnisch also alles tiptop. (Absurde Anekdote bzgl. meines neuen Handys: Handy gekauft, eingerichtet, Kia Connect runtergeladen und installiert und mit meinem Account angemeldet. Was sehe ich? In MEINEM Account ist als Profilbild plötzlich das Bild meiner Frau hinterlegt! Wie kommt das überhaupt dahin? Das Bild ist nicht als Datei auf meinem neuen Handy. Meine Frau war auf dem Handy nie eingeloggt. Erste und bis dato einzige Anmeldung erfolgte mit meinen Anmeldedaten. WARUM ZUR HÖLLE IST DANN PLÖTZLICH MEIN ACCOUNT MIT DEM PROFILBILD MEINER FRAU HINTERLEGT?? Also Bild wieder vom Laptop aufs Handy schieben, in der App hochladen und dann ein paar Tage warten, bis es das System im Fahrzeug nach zig Anmeldungen mit meinem Profil endlich schafft, das in der App hinterlegte Bild zu finden!)

Irgendwann hegte ich den Verdacht, dass es daran liegt, wenn man den Fahrstufenwählhebel schon von P auf eine andere Stufe stellt, obwohl das Profil noch nicht zu Ende geladen ist. Denn wenn man mit einer anderen Stufe als P versucht, das Profil zu wechseln, gibt es eine Warnmeldung und es wird unterbunden. Daher dachte ich, es werden eventuell Einstellungen beider Profile vermischt, wenn ein anderes Profil als bei der letzten Fahrt geladen wird und dieser Ladevorgang durch Bewegen des Wählhebels gestört wird. Daher achten wir seitdem darauf, erst nach dem Ladevorgang loszufahren. Das hat jedoch auch nichts gebracht (außerdem hat meine Frau beispielsweise auch den Reifendruck als bar anzeigen lassen und nicht als psi, von daher passte diese Theorie eh nicht richtig).

Ein weiteres Problem: Nach dem Systemupdate des Infotainments war der Warnton des Radarwarners plötzlich sehr leise. So leise, dass man ihn zwar im Stadtverkehr gerade noch so hört (sofern keine Musik läuft), auf der Autobahn aber keine Chance mehr hat. Skurrilerweise ist aber die Einstellung für die Lautstärke des Warntons verschwunden! Ich bin gar nicht mehr sicher, ob es im Fahrzeug die Möglichkeit gab, aber ich weiß definitiv, dass es diese Option in der Smartphone-App gab. Jedoch existiert diese Option in der App nun nicht mehr. Ich habe also einen Radarwarner, den ich nur mit viel Glück höre!

Update: Heute hat das System beide Profilbilder (von meiner Frau und mir) verbummelt und an beiden Stellen ist ein Standardbild aus dem System gerückt. Diesmal scheint es mir wirklich so, dass es daran lag, dass das Profil nicht fertig laden konnte. Ist in der Praxis aber nicht immer leicht. Ich war in der Waschhalle, bereit wieder herauszufahren, und dann fängt das System nach dem Starten an, mir ewig die kleine Ladeanimation zu zeigen. Das ist auch so ein Punkt: Mal lädt das System das Profil innerhalb von vier Sekunden, mal dauert es eine halbe Minute. Es ist keine Systematik erkennbar. Jedenfalls kann ich ja nicht zwei Minuten die Waschhalle blockieren, wenn hinter mir Leute warten. Die denken, ich guck da erst mal einen Film oder ess noch gemütlich ein Brötchen im Auto. Die ahnen ja nicht, dass mein Infotainment scheiße programmiert ist. Bevor also jemand ausgestiegen ist und mir die Leviten gelesen hat, dass er hier nicht bis morgen warten möchte, habe ich die Fahrstufe R eingelegt und bin rausgefahren. Als ich dann gesehen habe, dass beide Profilfotos weg sind, hätte ich den ProCeed am liebsten mit Karacho gegen die Wand gefahren und mir ein anderes Auto gekauft. Denn: Wenn ich die alten Profilbilder laden möchte, sagt mir das System: "In der App ist kein Profilfoto hinterlegt" oder so ähnlich. Was natürlich Bullshit ist. Ich gehe in die App, schaue nach, und hoppla, das ist mein Foto gespeichert wie immer. Also lade ich das Foto neu hoch, und werde es morgen ausprobieren, was sich das Fahrzeug dann für eine Ausrede einfallen lässt.

Nun zu der oben erwähnten leichten Schwäche der Menüstruktur: Es gibt eine Art Home-Bildschirm. Dieser besteht aus drei Bildschirmen, zwischen denen man per seitlicher Touch-Wischbewegung wechseln kann. Der Erste ist eine Art Bildschirmschoner. Er ist insgesamt fast vollständig dunkel, man sieht nur Datum und Uhrzeit, bei laufendem Tonmedium klein in der Ecke die Fortschrittsanzeige der Musikdatei und man sieht - nur halb auf dem schwarzen Untergrund durchschimmernd - die angedeutete Navigationskarte in der 3D-Egoperspektive (allerdings ohne jegliche Straßennamen und Zusatzinformtaionen, nur die Straßentrajektorien). Der zweite und dritte bestehen aus Icons, die zu verschiedenen anderen Menüs führen. ALLERDINGS: Auf dem zweiten Bildschirm sind 12 Icons (in zwei 6er-Reihen), und auf dem dritten Bildschirm sind 2 (!!) Icons. Warum, beim Allmächtigen, warum?? Die Icons sind riesig, man hätte locker auf dem zweiten Bildschirm alle 14 untergebracht, wenn man sie minimal verkleinert hätte, und hätte sie trotzdem noch mit dem dicksten Wurstfinger zielgenau treffen können. Manch einem mag das völlig wumpe sein, aber mich stört das irgendwie massiv. Das ist so ein Mißverhältnis, so ein diffuses Gefühl von einer hingewerkelten Beta-Version ("Hoppla, wir haben 2 wichtige Links vergessen, hmm, wir haben die ersten 12 schon so schön gleichmäßig verteilt, na, das passen wir später noch an, wir klatschen da erstmal noch einen Erweiterungsbildschirm ran und dort kommen dann die 2 letzten Links hin, sieht zwar etwas seltsam und verloren aus, aber wir sind ja erst in der Beta").

Und es geht noch weiter: Der erste Bildschirm erscheint automatisch, wenn man das Fahrzeug startet. Ansonsten hat er kaum eine Funktion. Bei manchen Interaktionsereignissen, wenn man in diesen dreigeteilten Home-Bildschirm kommt (zum Beispiel wenn ich auf dem Volume-Knopf per Druck das Audio mute... WIESO EIGENTLICH WECHSELT DAS INFOTAINMENT DANN AUF DEN HOME-BILDSCHIRM?), erscheint aber dann der ZWEITE Bildschirm dieses Home-Menüs. Warum nicht der erste? Ich lande bei den 12 Verknüpfungen. Wer um alles in der Welt wischt dann nach links, um zu dem Pesudobildschirmschoner zu kommen? Denn einen richtigen Bildschirmschoner gibt es auch. Über "Bildschirm Aus" kann man auf dem Touchscreen auf einen Bildschirmschoner gelangen, auf dem dann nur Datum und Uhrzeit angezeigt werden (das ist aber ein anderer Bildschirm als er oben beschriebene).

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Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Gute geformte Sitze und eine Ausstattung zum Verwöhnen
  • - Sehr laut ab 150 km/h

Emotion

4.5 von 5

Das ganze Fahrzeug ist klar auf Emotionen ausgelegt. Die mathematisch perfekte Rundung des Seitenfensterbogens, das Rautengitter des Kühlergrills mit dezentem roten Einsatz, der dem ganze Fahrzeug eine raubtierhafte Optik gibt, die Sportsitze, das abgeflachte Lenkrad...

Und was soll man sagen: Es funktioniert.

Insgesamt ist das Fahrzeug ein emotionales Kunstwerk, auf das man sich allerdings einlassen muss. Man darf sich nicht an dem künstlichen (wenn auch gut gemachten) Sound stören, man darf sich nicht an den Schließgeräuschen der Türen stören (die eher an einen Fiat als an einen Mercedes erinnern), man darf sich nicht an der Naht auf dem Armaturenbrett stören (die das Plastik nach Leder aussehen lassen soll), und man darf sich insbesondere nicht an der Geräuschentwicklung bei höheren Geschwindigkeiten stören, bei der dann das Gefühl von Wertigkeit vollends verschwunden ist.

 

Wenn man das alles akzeptiert, dann kann man sich mit ein klein bisschen Naivität fühlen, als sei man in einem Maserati Quattroporte unterwegs.

Und das ist schon eine Menge wert! Für den Preis eines VW Golf weht ein kleiner mondäner Hauch von Jetset-Luxus durch die heimische Garage. Gleichzeitig kann man trotzdem Kinder und Urlaubsgepäck in dem schicken Schlitten unterbringen. Mir fällt derzeit kein anderes Fahrzeug ein, das diesen Spagat aus Low Budget, Style und Nutzen bietet.

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Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Schöner als mancher Jaguar oder Maserati
  • - Einmal die Tür zugeschlagen, und der schöne Schein von Jaguar oder Maserati verpufft

Gesamtfazit zum Test

  • + Sex-Appeal
  • + gute bis sehr gute Fahrerassistenzsysteme
  • + angemesse, halbwegs sportliche Motorleistung
  • + moderater Verbrauch
  • + schön ausbalancierter Klappenauspuff ohne viel Nervpotential
  • + teilweise gute Haptik im Innenraum (Lenkrad, Schaltwippen, Automatikwählhebel)
  • + Sex-Appeal
  • + stimmiges Gesamtpaket
  • + 7 Jahre Garantie (!)
  • - starke Karosserieresonanzen bei höheren Geschwindigkeiten
  • - Doppelkupplungsgetriebe mit unsportlich schwerfälligem Antritt
  • - Doppelkupplungsgetriebe mit geringer Schaltintelligenz
  • - beschissene Infotainmentprogrammierung
  • - teilweise schlechte Haptik im Innenraum (Armauflage, Hartplastik)
  • - schlechte Detaillösungen (Umfilzung Kofferraumschale)
  • - Mittelklasse-Qualität (Fakematerialien, Knacken im Türgriff, Heckklappe nach 3 Monaten kaputt etc.)
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Das berühmte Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei diesem Fahrzeug gut. Wer auf Style steht und kein Urlaubsgepäckmessi ist, wird mit dem Fahrzeug jeden Tag Freude haben. Noch sieht man das Fahrzeug sehr selten auf der Straße. Man ist nicht nur ein ästhetisches Highlight im öffentlichen Straßenverkehr, man ist auch eine Rarität! Einen Panamera sieht man derzeit häufiger als einen ProCeed GT.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Es wäre dumm, anzunehmen, dass zu dem deutlich teureren Shooting Break CLA keine Qualitätslücke klaffen würde. Den CLA im speziellen bin ich noch nicht gefahren, aber andere Mercedes-Fahrzeuge, und die Laufruhe bei höheren Geschwindigkeiten bewegt sich in einer ganz anderen Dimension. Auch gibt es weniger Fakematerialien im Mercedes.

 

Auch ist das Fahrzeug naturgemäß nicht für beliebig große Menschen gedacht, aber das liegt nicht an schlechter Entwicklungs- oder Produktionsarbeit, sondern am Fahrzeugkonzept. Wer mit seinem Haupthaar ans Dach stößt, muss halt auf den vier Zentimeter höheren Ceed umsteigen.

Für leicht reizbare IT-Perfektionisten ist das Fahrzeug auch ungeeignet. Die würden irgendwann das integrierte Infotainment mit den bloßen Händen rausreißen und bei 130 km/h aus dem Fenser werfen.

Für Schnellfahrer gilt ebenso: Finger weg vom ProCeed, oder setzt euch auf der Autobahn einen Baustellengehörschutz auf.

Gesamtwertung: 3.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 1

09.06.2022 09:27    |    Carportparker

So muss ein Testbericht sein. Informativ, emotional und auch kleinste Details erwähnt (Filszstreifen...). So was lese ich gerne und deshalb gab es den Daumen hoch.

Das Fahrzeugmodell ist mir auch schon im Verkehr aufgefallen - aber er ist tatsächlich selten.

Allzeit gute Fahrt und ruhig Blut mit dem Infotainment System....

13.10.2022 19:48    |    JohnFuel

War lange nicht online, aber danke für das Lob, Carportparker ^^

Übrigens: Nach dem ersten vorschriftsmäßigen Service ist mir eine Weile später bei der Grundreinigung des Kofferraums aufgefallen, dass die Filzstreifen fehlen. Ich muss die Werkstatt nochmal ansprechen, ob die die komplett entfernt haben, ohne mich zu fragen...

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