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FSO Polonez 125 PN 1.5 Test

31.07.2011 14:27    |   Bericht erstellt von just3042

Testfahrzeug FSO Polonez 125 PN 1.5
Leistung 75 PS / 55 Kw
Hubraum 1470
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 30000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 7/1981
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von just3042 4.0 von 5
weitere Tests zu FSO Polonez 125 PN anzeigen Gesamtwertung FSO Polonez 125 PN 4.0 von 5
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Einleitung

Ich habe meinen Polonez im Juni 2010 in Lublin, Polen gekauft und 750 km nach Berlin überführt. Seit Juni 2011 fahre ich nun regelmäßiger und seit Juli besitzt er eine H-Zulassung. Ich habe in diesem Auto mittlerweile ca. 2500 km zurückgelegt.

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Karosserie

4.0 von 5

Der Polonez bietet vorn sehr viel Beinfreiheit, während im Fond nur zwei Menschen bequem Platz finden. Dennoch kann man auch zu dritt hinten sitzen, da er als Fünfsitzer zugelassen ist. Der Kofferraum ist ziemlich groß, lediglich das sehr schräge Fließheck schränkt das Platzangebot etwas ein. Auch die bei diesem Baujahr noch nicht umklappbare Rücksitzbank ist nicht unbedingt von Vorteil, wenn man sperrige Ladung zu transportieren hat. Da dieses Auto jedoch mittlerweile ein Klassiker ist, den man nicht als Alltagsauto benutzt, sind diese Nachteile eher nebensächlich.

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Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + sehr robust
  • - nicht umklappbare Rücksitzbank

Antrieb

3.5 von 5

Der Polonez kommt mit einem 1,5-l-Vierzylinder-Reihenmotor daher. Bei dieser Ausführung liefert er 75 PS. Es ist erstaunlich, wie gut das Vierganggetriebe und die angetriebene starre Hinterachse diese Kraft auf die Straße bringen. Im Stadtverkehr kann der Polonez zügig im Verkehrsfluss mitschwimmen, trotz der recht niedrigen Leistung. An der Ampel kommt er gut weg wegen eines relativ kurz übersetzten ersten Ganges. Die anderen Gänge sind so lang übersetzt, dass der Fehlende fünfte Gang nur auf der Autobahn wirklich negativ auffällt. Die Kupplung ist sehr Feinfühlig, auch wenn sie erst relativ spät kommt und das Pedal ziemlich viel Kraft erfordert. Sämtliche Gänge des Getriebes sind synchronisiert und lassen sich sauber und geräuschlos schalten. Auch das Herunterschalten geht problemlos vonstatten.

Der Motor verfügt über einen in Polen gefertigten Weber-Lizenzvergaser, der leider nicht sonderlich präzise ist. Das Standgas variiert leider bei warmem Motor zwischen 500 und 1500 Umdrehungen. Manchmal geht der Motor an der Ampel auch einfach aus. Das ist jedoch das einzige Manko dieses Motors, der ansonsten sehr laufruhig und geräuscharm arbeitet. Speziell im oberen Drehzahlbereich bietet er dann auch exzellenten Durchzug, sodass das Beschleunigen und überholen auf Landstraßen und Autobahnen problemlos möglich ist. Der Verbrauch ist für Motorbauweise (OHV, mit Vergaser) und Alter des Fahrzeugs durchaus angemessen, er liegt je nach Fahrweise zwischen 8 und 10 Liter auf 100 km. Der mit 45 Litern aber nur relativ kleine Tank schränkt die Reichweite dennoch ein, nach 450 km muss man dann doch an die Tanksäule.

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Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + gute Kraftübertragung
  • + sehr präzises Getriebe
  • + vergleichsweise kräftiger und sparsamer Motor
  • - unpräziser Vergaser

Fahrdynamik

3.0 von 5

Der Wendekreis des Polonez ist für einen PKW mit seinem Radstand eindeutig zu groß, manchmal muss man beim Wenden ander Kreuzung zurückstoßen. Die Beschleunigung hingegen ist für die Fahrzeugklasse und die die Masse des Fahrzeugs angemessen. Er ist zwar kein Sprintmeister, aber er kommt zügig los an der Ampel und muss sich nicht hinter heutigen Mittelklasse-Fahrzeugen verstecken. Die Bremsen sind eindeutig das Beste an diesem Fahrzeug. Sie sind ihrer Zeit weit vorraus: Der Polonez verfügt über zwei Bremskreise mit Bremskraftverstärker und besitzt an allen vier Rädern Scheibenbremsen mit Alu-Bremssätteln. Man muss das Pedal zwar ziemlich beherzt treten, aber dann kommen die 1,2 Tonnen Fahrzeugmasse auch sofort sicher zum stehen. Das Fahrwerk ist sehr auf Komfort und gelassenes Dahingleiten ausgelegt. Man spürt keinen Unterschied zwischen Kopfsteinpflaster und Asphalt, und Schlaglöcher erahnt man nur, das geht allerdings ziemlich auf Kosten der Kurvenlage. Der Polonez ist alles andere als sportlich. Kurven sollte man auf keinen Fall zu schnell nehmen, die Karosserie neigt sich sehr stark. Auch ist die Lenkung bei großeren Einschlägen bei höheren Geschwindigkeiten sehr schwergängig aufgrund der fehlenden Servounterstützung. Im Stand lässt sich die Lenkung jedoch ohne zu großen Kraftauffand betätigen, und bei normalen Fahrgeschwindigkeiten spürt man nahezu keinen Unterschied zu Fahrzeugen mit Servolenkung. Nachteilig ist allerdings das recht große Spiel der Lenkung. Von einen wirklich wendigen Fahrzeug kann man beim Polonez auch nicht sprechen. Der große Wendekreis, die große Masse und die fehlende Servounterstützung machen das Rangieren zu einer ziemlich zeitaufwendigen Angelegenheit. Auch das Parallelparken erfordert viel Geschick und große Parklücken. Generell fühlt sich das Auto auf Landstraßen bei ca. 80 km/h am wohlsten, es ist kein wirkliches Stadtfahrzeug.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + sehr gute Bremsen
  • - relativ großes Lenkungsspiel

Komfort

4.5 von 5

Der Polonez ist in allem sehr komfortabel. Die vorderen Sitze sind verschiebbar und die Rücklehne lässt sich einstellen. Ebenfalls einstellbar ist die Lenkradhöhe. Die Sitzpolster sind sowohl vorn wie auch hinten sehr weich und bequem, auch lange Strecken rufen weder Verspannungen noch Ermüdungserscheinungen hervor. Hinten hat der Polonez bauartbedingt keine Gurte, sodass Fondpassagiere nicht der Anschnallpflicht unterliegen. Allerdings sollte man aufgrund dessen Kinder nicht hinten fahren lassen. Die Geräuschdämmung im Innenraum ist für das Bauajahr erstaunlich. auch bei Geschwindigkeiten bis 120 km/h kann man sich in der Fahrgastzelle in Zimmerlautstärke unterhalten. Allerdings würde ein fünfter Gang den Geräuschpegel noch weiter verbessern.

Die Handhabung im Cockpit ist sehr intuitiv. links an der Lenksäule befinden sich ein Hebel für die Betätigung der Blinker und ein weiterer für Fernlicht und Lichthupe. Rechts gibt es einen Hebel für die zwei-Geschwindigkeits-Scheibenwischer. Intervallschaltung ist über einen Schalter in der Mittelkonsole zuschaltbar in beiden Geschwindigkeiten. Heckscheibenwischer, Nebelschlußleuchte und Warnblinkalnage werden ebenfalls in der Mittelkonsole geschaltet. Der Schalter für die Heckscheibenheizung befindet sich links von Tacho im Armaturenbrett, direkt über dem Schalter für die Scheinwerfer. Die Nebelscheinwerfer hingegen schaltet man rechts vom Tacho, direkt unter dem Schalter für die Lüftung. Diese beiden Schalter sind als einzige Unlogisch angeordnet. Die Heckscheibenheizung passt eigentlich eher unter die Lüftung und die Nebelscheinwerfer sollten lieber in der Nähe der Scheinwerfer geschaltet werden. Die Heizung ist sehr effektiv, allerdings gelingt es kaum, wirklich kalte Luft durch die Lüftung ins Auto zu holen. Es kommt immer ein wenig Heißlft mit hindurch.

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Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + sehr bequeme Sitze
  • + gute Lärmdämmung
  • - Komfort des Fahrwerks geht auf Kosten des Kurvenverhaltens

Emotion

4.5 von 5

Für Kenner ist der Polonez eine seltene Perle automobiler Ästhetik, für nicht-Kenner ist er ein noch nie gesehener Exot, der sofort Sympathie erzeugt. Zu einem Polonez wird niemand sagen: "Was ist das denn für eine hässliche Schrottkiste." Er war die erste Fließhecklimousine östlich des eisernen Vorhangs und vereinte gleich mehrere Innovationen in sich. Wie beispielsweise die für verbesserten Fußgängerschutz ausgelegten Gummilippen und Stoßstangen oder die Scheibenbremsen mit Alu-Bremssätteln an allen vier Rädern. In Polen ist er zwar nicht für Zuverlässigkeit, dafür aber für Sicherheit bekannt. Auch erlangt er dort mittlerweile den Kultstatus, den Trabant und Wartburg in Ostdeutschland längst haben. Allerdings gibt es immernoch Polen, die nicht verstehen, wie man sich als Deutscher so ein Auto kaufen kann, wenn man auch einen BMW oder VW haben könnte.

In die DDR wurde der Polonez nie exportiert, weshalb er für viele DDR-Bürger ein Traumauto war. Dies verschafft dem Polonez speziell in der Ostauto-Szene ein exzellentes Image. Viele sagen: "Damals wärst du mit diesem Auto der König gewesen." Auch für Autoliebhaber, die nicht zur Ostauto-Szene gehören ist der Polonez immer sehr interessant. Wer gern Daumen gezeigt bekommt, für den ist der Polonez genau der richtige Oldtimer.

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Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + aufgrund seines absoluten Exotenstatus absoluter Sympathieträger
  • + sehr seltenes Fahrzeug, grundsätzlich Hingucker auf Treffen
  • + modernstes Auto des Ostblocks zu Beginn der '80er Jahre
  • - in seinem Herkunftsland Polen leider als sehr unzuverlässig verschrien

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 100-200 Euro
Verbrauch auf 100 km 8,5-9,0 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 100-300 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr 200-500 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 12623
Haftpflicht bis 200 Euro (100%)
Teilkasko 50-100 Euro
Außerplanmäßige Reparaturkosten Motor/Kraftstoffversorgung/Abgasanlage - Vergaser (200 €)

Gesamtfazit zum Test

  • + hoher Sicherheitsstandard
  • + Kultfaktor!!!
  • + gutes Design
  • + Seltenheit
  • + technisch seiner Zeit vorraus (für Ost-Verhältnisse)
  • + guter Fahrkomfort
  • + Sympathieträger
  • + hervorragende Bremsen!
  • - teuer im Unterhalt
  • - schwierige Ersatzteilsituation
  • - schneller Verschleiß
  • - fehlende Servolenkung, großer Wendekreis
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Dieses Fahrzeug ist ein Meilenstein der osteuropäischen Automobilbaugeschichte. Er vereinigt alt Hergebrachtes mit absoluten Innovationen. Er ist groß, komfortabel, sparsam und schön. Ein Polonez ist ein absoluter Hingucker, weil er extrem selten ist in Deutschland und aufgrund seines einzigartigen Erscheinungsbildes selten mit anderen Fahrzeugen verwechselt wird. Für Freunde von eher unbekannten Klassikern mit Kultpotential sehr zu empfehlen. Auch ist in den nächsten Jahren ein immenser Wertzuwachs zu erwarten, da der Wagen in Polen gerade erst den Kultstatus erlangt, von vielen aber immernoch ungeliebt auf den Schrott gebracht wird. Bald wird er auch in Polen selten und damit teuer sein.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Für Leute, die ein gunstiges Alltagsauto suchen, ist der Polonez nichts. Er ist zwar extrem günstig in der Anschaffung, aktuell liegt ein Wagen mit 80.000 km, EZ 1980 und wenig Rost bei ca. 500 €, aber man sollte recht hohe Wartungskosten veranschlagen. Auch ist es ohne Polnischkenntnisse nahezu unmöglich, Ersatzteile für den Motor zu bekommen. Weiterhin sollte man auch die Finger Lassen von Baujahren zwischen 1985 und 1993, denn in dieser Zeit hatte FSO massive Qualitätsprobleme. Die Autos aus dieser Zeit sind meistens auch schon vor Jahren weggerostet. Wer sich für einen Polonez entscheidet, muss sich im klaren sein, dass er viel Pflege und Zuneigung erwartet. Auch sollte er unbedingt in einer Garage aufbewahrt werden, da man sonst massive Rostprobleme zu erwarten hat. Man muss sich auf dieses Auto einlassen und muss auch eine Leidenschaft dafür haben. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man lieber die Finger von diesem Auto lassen.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 0

03.07.2018 18:00    |    Lanios

Hallo kannst du mir vieleicht helfen mit meinen FSO Polonez 1.5 SLE

 

Ich brauche Ein Datenblatt für den Tüv mir fehlt aber die ECE-R15-Kennzeichnung im Motorraum

Ich habe schon das ehemalige Werk in Polen angeschrieben aber keine Antwort erhalten

weist du wo ich diese bekommen kann?

Danke für die Hilfe.


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