• Online: 6.523

Ford Ranger 2AW 2.5 Test

10.07.2011 19:21    |   Bericht erstellt von CapriRanger

Testfahrzeug Ford Ranger 2 2.5 TDCi
Leistung 143 PS / 105 Kw
Hubraum 2499
Aufbauart SUV/Geländewagen/Pickup
Kilometerstand 28000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 12/2009
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von CapriRanger 4.5 von 5
weitere Tests zu Ford Ranger 2 anzeigen Gesamtwertung Ford Ranger 2 3.5 von 5
Hat Dir dieser Testbericht geholfen?
2 fanden das hilfreich
Hilfreich Nicht hilfreich

Einleitung

Wir haben uns den Ranger Ende 2009, als Familienauto, neu gekauft. Ein normaler PKW oder großer Kombi hätte nicht das Platzangebot und den Spaßfaktor gehabt, also haben wir uns schnell auf einen Pickup geeinigt.

 

Da das Modell erst im November erschien, hatten wir unseren Anfang Dezember erhalten. Um die Mängel des Vorgängers (im Crashtest) zu beheben ist der aktuelle Ranger bei gleicher Technik aufgrund der Verstärkungen 100kg schwerer geworden. Damit sinkt die Zuladung auf nur noch 1100kg und der Drittelmix (Allrad) steigt auf 9.2 L/100.

 

Die ersten 3000 km haben wir nur im Allrad-Modus zurückgelegt, um im Winter keine bösen Überraschungen mit dem neuen Fahrzeugtyp zu erleben. Im Allradbetrieb stimmt der angegebene Verbrauch von gut 9 Liter haargenau. Auch die oft beschriebenen Nachteile, wie z.B. "Wendekreis wie ein Flugzeugträger" treffen teilweise zu. Dafür war es aber auch möglich mit den Sommer-/Ganzjahresreifen problemlos selbst in höchstem Schnee zu fahren ... lediglich auf Eis muss man vorsichtig sein, da er aufgrund seines hohen Gewichts und Schwerpunkts zum Schieben neigt.

Mit leerer Ladefläche wird einem mit der Zeit das hart klingende ABS der Hinterräder sehr vertraut. Abhilfe schaffen hier gut gefettete Blattfedern und ca. 75 bis 100kg Sand auf der Ladefläche vor der Hinterachse.

 

Richtig gut wird der Ranger im Heckantrieb Modus. Die DIN-Angaben von 7.1 L/100km außerorts schafft er damit spielend und sogar in der Stadt! Wenn man nicht an jeder Ampel den Cowboy raushängen lässt und loszischt, dann sinkt der innerstädtische Verbrauch sogar unter die 7 Liter Grenze, während unser Ford Fusion 1.4 80PS bei gleicher Fahrweise und gleichen Strecken kaum unter 8 Liter zu fahren ist.

Bei abgeschaltetem Allrad ist der Ranger extrem wendig und er ist besonders nach hinten sehr übersichtlich und wendig. Nach vorne neigt man dazu immer mindestens 0.5m zuviel Abstand zu lassen.

 

Über die ODBII Schnittstelle, die sich leicht zugänglich rechts unter dem Lenkrad befindet, läßt sich ein Scangauge anschließen. Damit kann man dann nicht nur den Verbrauch ermitteln, sondern auch alle anderen Fahrzeugdaten. Ist der Scangauge einmal über GPS justiert, dann hat man auch einen genauen Tacho. Bei 180 km/h auf dem Ranger-Tacho fährt man gerade mal 165 km/h in echt. Die Endgeschwindigkeit liegt mit knapp 175 km/h deutlich über den Angaben von Ford. Auf den zweiten Blick wird es klar. Der 2x4 Ranger ist auch mit dem 2.5 Liter Motor mit 170 km/h angegeben, während der 4x4 mit 158 km/h angegeben wird - nur wer läßt Allrad schon auf der Autobahn drin, wenn die Halbautomatik sowieso bei ca. 110 km/h die Vorderräder vom Getriebe abkuppelt und damit zwei Verteilergetriebe und eine Welle umsonst mitlaufen?

 

Aus dem anfänglich nur wegen Platzbedarf gekauften Fahrzeug ist jetzt ein Wegbegleiter geworden, von dem man sich nicht mehr trennen möchte. Es bricht auch regelmäßig bei uns ein Streit aus, wer denn nun den Ranger fahren darf. Wer einmal so ein solides Auto gefahren hat, der fühlt sich in jedem "normalen" Auto unwohl und unsicher.

Galerie

Karosserie

4.5 von 5

Der Ranger darf durch knapp 80cm hohes Wasser fahren, besitzt aber so gut wie keine Rostvorsorge. Wer sich einen Ranger kauft, der muss möglichst direkt am Anfang in einen guten Rostschutz investieren.

Galerie
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + robuster Leiterrahmen
  • + Ladefläche kann schnell abgeschraubt und bei Bedarf durch eine Wohnkabine ersetzt werden
  • + dicke Blechstärken
  • + meine Tochter ist schon über die Motorhaube gelaufen ohne diese zu beschädigen
  • + noch weitestgehend Metall und Kunstoff nur an der Frontschürze und den Radläufen
  • - kaum Rostschutz

Antrieb

4.5 von 5

Selbst der kleine 2.5 TDCI bietet bereits enorm viel Kraft in jeder Fahrsituation.

 

Wer es gewohnt ist mit Bleifuß anzufahren, der wird sich schnell umstellen müssen. Der 1. Gang ist dafür ausgelegt 6t zu bewegen. Es reicht ein kurzes Anfahren im ersten, um dann im 2. Gang voll durchzuziehen - der erste Gang "dreht ins Leere".

 

Der Motor ist so kräftig, dass man auf der Autobahn schnell den 6. Gang vermisst. Endgeschwindigkeit knappe 175 km/h (lt. GPS) bei ca. 3500 U/min ist bereits 300 U/min über dem Leistungsmaximum des Motors. Überhaupt ist das Getriebe die technische Schwachstelle. Es ist so hakelig wie die Getriebe der 80er/90er Jahre und im Winter gehen nach dem Kaltstart die Gänge schwer rein.

Galerie
Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + zieht ab 1200 U/min kräftig durch
  • + sehr sparsam bis ca. 2500 U/min
  • - Verbrauch mit Seriensoftware >110 km/h = 8 bis 11 L/100km (es gibt aber einfache Abhilfe)
  • - nur 5.Gang Getriebe und das noch etwas hakelig

Fahrdynamik

4.5 von 5

Sportliches Fahrverhalten auf dem Nürburgring, wird allerdings von den nicht besonders standfesten Bremsen getrübt. Um die Bremsen nicht zu überfordern muss man schon lange vor den Kurven vom Gas.

 

Toller geradeauslauf auf der Autobahn und eine klassengerechte robuste Kugelumlauflenkung statt einer labrigen Zahnstangenlenkung aus einem PKW, die im Gelände schnell ausleiert.

 

Die Bridgestone Dueller (Serienbereifung) sind als 245/70SR16 montiert und bieten in jeder Situation Grip - 100% überzeugend sind sie aber nicht. Man sollte sich später überlegen, wie man seinen Ranger einsetzt, und einen auf den Verwendungszweck optimierten Reifen kaufen.

Galerie
Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + fährt sich wie ein PKW
  • + sogar mit Allrad noch erträglich zu fahren
  • - mäßige Bremsen

Komfort

5.0 von 5

Bevor VW den Amarok auf den Markt brachte, war diese Version des Rangers unter den Pickups als Wohnzimmer bekannt. Der Amarok hat eine viel geringere Zuladung und daher weichere Federn. Man muss also dem Ranger im leeren Zustand ein paar Sandsäcke auf die Ladefläche legen, um auch in diesem Punkt dem Neuling unter den Pickups weiterhin die Stirn zu bieten.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + luxuriöser Innenraum, wie in einem PKW
  • + bequem, ergonomisch und für normale bis große Personen optimal
  • + höhenverstellbares Lenkrad
  • + sehr gutes Licht trotz H4 - übertrifft viele Xenon PKWs
  • - Bordcomputer fehlt (Scangauge angeschlossen)
  • - Kein Tempomat
  • - höhenverstellbarer Sitz fehlt

Emotion

4.5 von 5

In dem Punkt gehen alle Meinungen immer auseinander.

 

Im Allgemeinen wird der Ranger wegen seines markanten Designs für einen Amerikaner gehalten. Tatsächlich bekommt man aber einen europatauglichen Asiaten im "Ami-Gewand".

 

Auf der Straße kommen einem die anderen Autos schnell wie Winzlinge vor. Da man den Ranger noch 4cm höherschrauben kann, kann man die Vogelperspektive noch verstärken. Solange man nicht gerade einem Hummer begegnet, werden im Fahrer ausschließlich positive Emotionen geweckt.

 

Wem der Ranger zu zierlich ist, der hat schnell und günstig 265/70er Reifen auf 7J16 Felge, 7cm Spurverbreiterung und eine Höherlegung angebracht.

 

Das Image ist in Deutschland bei einigen angeknackst, weil hier alle glauben einen Spritfresser vor sich zu haben. Bei meinem Durchschnittsverbrauch von 6.5 Litern (bei winterlichen Temperaturen) und 7.5 Liter im Sommer kann man aber durchaus nicht meckern, vor allem wenn man sich die Verbräuche der winzigen SUVs wie Kuga, Duster, X3, Tiguan, etc. ansieht.

Galerie
Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + rechhaltiges Zubehörprogramm für jeden nur denklichen Einsatzzweck
  • + sparsame (fernöstliche) Technik in amerikanischem Gewand
  • - nur vier vordefinierte Ausstattungsvarianten, kein Individualpaket möglich

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 500-600 Euro
Verbrauch auf 100 km 7,0-7,5 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 500-700 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 51381

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Die Preisspanne zwischen 22.000 Euro und 40.000 Euro klingt gewaltig, umfasst aber auch drei verschiedene Kabinentypen und vier Ausstattungsvarianten.

 

Zu empfehlen ist der Ranger für jeden, der ein robustes Alltagsfahrzeug sucht und keinen Wert auf anfällige elektronische Spielereien legt.

Wer allerdings Seitenairbags und andere heutzutage üblichen Sicherheits-(Basis)-Ausstattungen möchte, der muss mindestens den Limited kaufen, der als Doppelkabiner mit Hardtop und Anhängerkupplung dann 39.000 Euro kostet. Man bekommt aber auch einen Gegenwert, der allerdings durch die häufigen Modellwechsel relativ schnell sinkt - also man sollte das Auto direkt auf zwei Jahre auslegen oder "ewig" fahren, bis die nächsten Umweltauflagen die aktuelle Technik wiedermal aus dem Verkehr ziehen.

 

Umwelt ist auch ein weiterer Punkt. Sogar ohne Russpartikelfilter bekommt der Ranger die grüne Plakette (auch bei PKW Umschlüsselung bleibt der 2.5 TDCI Euro4/grün, was anderen Pickups meist nicht gelingt). Wer aber nach 2018/19 noch mit ihm in die Umweltzonen möchte, der muss nachrüsten (z.B. aktives Russpartikelfilter von Pirelli und anderer Kat und/oder Software).

 

Die Robuste Technik ist unverwüstlich, aber nicht wartungsfrei.

 

Kaum ein anderer Pickup bietet diese Zuladung kombiniert mit der hohen Zuverlässigkeit, dem geringen Verbrauch und einem Riesigen Zubehörprogramm vom Sportfahrwerk bis zum Schneeschieber.

Gesamtwertung: 4.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.5 von 5 möglichen Sternen
Hat Dir dieser Testbericht geholfen?
2 fanden das hilfreich
Hilfreich Nicht hilfreich

Kommentare: 1

11.03.2012 11:02    |    Tschoui

Sehr schöner Bericht, danke.

Du schreibst "Verbrauch mit Seriensoftware >110 km/h = 8 bis 11 L/100km (es gibt aber einfache Abhilfe)" wie sieht diese "einfache Abhilfe" aus?

Stichwort Chiptuning?

 

Gruß

Lars


Testbericht schreiben!
Fahrzeug Tests