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Ford Focus Mk4 2.0 EcoBlue Turnier Test

11.01.2020 16:07    |   Bericht erstellt von goenny

Testfahrzeug Ford Focus Mk4 2.0 EcoBlue Turnier
Leistung 150 PS / 110 Kw
Hubraum 1997
Aufbauart Kombi
Kilometerstand 18500 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 10/2018
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von goenny 3.5 von 5
weitere Tests zu Ford Focus Mk4 anzeigen Gesamtwertung Ford Focus Mk4 4.0 von 5
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Einleitung

Der Focus ersetzt meinen alten Golf V Variant 2.0 TDI. Daher vergleiche ich die beiden Fahrzeuge miteinander. Die Erwartung ist, durch den Altersabstand von zwei Fahrzeuggenerationen eine deutliche Verbesserung zu sehen.

 

Der Bericht hat mit einem erster Eindruck begonnen, den ich mit der Zeit anpasst habe. Begonnen hat es damit, dass ich den Wagen mit dem 1.5l Benziner vier Tage als Mietwagen gefahren bin. Ich war begeistert und habe mich in das Auto verliebt. Da der Kraftstoffverbrauch des hochgezüchteten 1,5l Turbomotors nicht akzeptabel war, habe ich mich beim Kauf für den Diesel entschieden. Der Motor läuft leiser, hat einen angenehmeren Klang als der Dreizylinder und verbraucht erheblich weniger.

 

Mit der Zeit musste ich aber feststellen, dass zumindest bei den frühen Baujahren viele Dinge nicht ausgereift sind und in regelmäßigen Abständen nicht funktionieren. Leider scheint es für die Werkstätten unmöglich zu sein, diese sporadischen Fehlern zu beseitigen.

Galerie

Karosserie

4.0 von 5

Das Platzangebot ist für die Fahrzeugklasse gut. Der Kofferraum hat eine große Grundfläche. Lediglich die Höhe lässt mit 72cm etwas zu wünschen übrig. In der zweiten Generation vom Focus war der Kofferraum 10cm höher. Bei der Heckklappe hat der Entwickler leider nicht nachgedacht. Da der Kofferaum nur knapp über 2m lang ist, muss man oft die Heckklappe offen lassen. Leider sind die Blinker in der Heckklappe verbaut und so nicht mehr sichtbar. Die geteilten Rückleuchten, bei denen ein Teil am Fahrzeug und der andere Teil an der Heckklappe verbaut ist, haben noch weitere Nachteile. So kosten die zweigeteilten Rücklichter fast das doppelte von einer ungeteilten Ausführung. Weiterhin müssen die Kabel in die Heckklappe flexibel ausgeführt werden und können nach der Zeit brechen, was zu teuren Reparaturen führt. Ein weiterer Punkt ist, dass der Heckscheibenwischer durch eine Bohrung in der Scheibe geführt ist. Diese Bohrung ist erheblich teurer als eine einfache Stanzung im Blech.

 

In den Details des Fahrzeugs gibt es allerdings Licht und Schatten. So können die Rücklehnen mit einem Hebel aus dem Kofferraum umgelegt werden, wenn der Mechanismus nicht gerade den Geist aufgegeben hat. Leider rasten sie beim wieder aufstellen dann etwas schwer bis gar nicht wieder ein.

 

Die Motorhaube ist nicht mit Gasdruckfedern gehalten und muss wie früher mit einem Stab arretiert werden. Immerhin kann man sie inzwischen aus dem Innenraum entriegeln und muss nicht mehr hinter dem Fordemblem mit dem Schlüssel rumfummeln, wie bei unserem MK2.

 

Die Sicht nach hinten ist bescheiden. Vor allem, wenn das getönte "Privacy Glas" verbaut ist. Dann ist die Rückfahrkamera ein tolles Detail. Leider ist die Bildqualität etwas bescheiden. Da kann man für €20 auf Amazon bessere Kameras kaufen. Bei schlechtem Wetter wird die Sicht durch Wasser und Schmutz behindert, dass man aussteigen muss und die Linse mit einem Taschentuch reinigen muss. Hätte man da nicht einfach eine Düse von der Scheibenreinigung verbauen können? Aber die Reinigungsdüsen fehlen ja schon bei den Frontscheinwerfern.

 

Der Qualitätseindruck ist nicht schlecht, wobei ich von der Einfachheit der Konstruktion beeindruckt bin. Hier sind die zusätzlichen Kosteneinsparrunden gegenüber dem MK2 (C1-Plattform) deutlich zu sehen. Dinge die man eigentlich nicht entfernen muss sind genietet und nicht geschraubt. Die Innenverkleidung ist fast nur geklipst und es sind kaum Schrauben verwendet worden.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Viel Platz auf der Rückbank
  • + Hohe Kosteneinsparungspotentiale umgesetzt
  • - Die Höhe des Kofferaums ist etwas gering.
  • - Sicht nach hinten ist bescheiden
  • - Rückfahrkamera verschmutzt schnell
  • - Heckklappe kann bei großer Gegenständen nicht offen gelassen werden

Antrieb

3.5 von 5

Der Motor ist generell gut ausgelegt. Er ist leise und lässt sich relativ sparsam fahren. Dabei wird der angezeigte Verbrauch etwa 0,5 l/100km niedriger angezeigt, als er wirklich ist. Somit wirkt der Wagen sehr viel sparsamer, als er in der Realität wirklich ist. Enttäuschend sind die Fahrleistungen, die sich mit den 150PS erreichen lassen. Der Wagen ist nicht langsam, aber sonderlich agil ist er auch nicht.

 

Der Tank mit ist mit nur 47l Inhalt natürlich ein Witz, was letztendlich eine Reichweite von nur bis zu 900km zulässt. Zum Vergleich ist mein Golf III Variant bis zu 1400km mit einer Tankfüllung weit gekommen.

 

Der niedrige Verbrauch wird durch ein lang ausgelegtes Getriebe erreicht, was häufiges Schalten erfordert. Die Abstufung der Gänge ist leider zu weit und es ist bei manchen Geschwindigkeiten schwer den richtigen Gang zu finden. Hier wäre ein 7. Gang hilfreich gewesen. Das Getriebe lässt sich leicht schalten, wobei mir der Widerstand beim Einlegen des Gangs etwas zu hoch ist. Hier bin ich weniger Kraftaufwand bei VW gewöhnt.

 

Der AddBlue-Verbrauch ist stark vom Fahrprofil abhängig. Bei schneller Autobahnfahrt wird nur ein Bruchteil der vorher angezeigten Reichweite erreicht. Die Tankgröße der AddBlue-Tanks ist auch recht klein. Dabei hätte ein fast doppelt so großer Tank ins Fahrzeug gepasst. Da wurde wahrscheinlich ein Zugeständnis an das Gleichteilekonzept zur Limusine gemacht.

 

Der Luftwiderstand des Fahrzeugs ist relativ hoch. So sind mit 150PS gerade mal 208km/h erreichbar. Diese Zahl aus dem Handbuch halte ich auch für übertrieben, da ich die Geschwindigkeit noch nie erreicht habe. Irgendwann muss ich das mal auf einer freien ebenen Autobahn ohne Rückenwind ausprobieren. Mein aktuelles Gefühl geht von einer noch geringeren Höchstgeschwindigkeit aus.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Lang ausgelegtes Getriebe
  • + unter 3000U/min leiser Motor
  • - Winziger Tank -> geringe Reichweite.
  • - Hohes Fahrzeuggewicht
  • - zu grob abgestuftetes Getriebe

Fahrdynamik

3.0 von 5

Das Fahrwerk des Fahrzeugs ist grundsätzlich gut ausgelegt. Man fährt weitgehend entkoppelt von der Straße und nur wenige Bodenwellen schlagen unangenehm durch.

 

Durch die komfortable Fahrwerksauslegung kommt es aber leider auch zu einem etwas unpräzisen Fahrverhalten. Irgendwie hat man nie das Gefühl das Auto voll unter Kontrolle zu haben. Dazu liefert die viel zu leichtgänge Servolenkung auch einen Beitrag, die alle Rückmeldungen von der Straße weitgehend rausfiltert. Im Sportmodus wird die Lenkung zwar schwergängiger, aber der Sportmodus deaktiviert sich bei jedem Fahrzeugstart und Start/Stop wird deaktiviert.

 

Als Erstbereifung ist der Wagen mit Conti EcoContact5 Reifen in der Größe 205/60 R16 ausgestattet. Leider sind die Reifen etwas laut und ziemlich rutschig auf nasser Straße. Das verschlechtert die Fahrdynamik vor allem bei Nässe.

 

Durch das lang ausgelegte Getriebe und das hohe Fahrzeuggewicht wirkt das Fahrzeug trotz der 370Nm maximales Drehmoment relativ träge.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + gute Bremswirkung
  • + angenehm entspanntes Fahrverhalten
  • - etwas weich ausgelegtes Fahrwerk
  • - zu leichtgängige Servolenkung mit zu wenig Rückmeldung
  • - die Erstbereifung könnte besser sein

Komfort

4.0 von 5

Das Fahrwerk ist relativ weich ausgelegt und schluckt problemlos die meisten Bodenwellen. Die Sportsitze vorn sind etwas hart gepolstert und haben eine auf langen Strecken etwas unangenehme Kante in der Mitte der Sitzfläche. Der Seitenhalt der Sitze ist für einen "Sportsitz" sehr gering.

 

Die Bedienung ist teilintiutiv. Sobald man mal verstanden hat, wie es geht, ist es ok. Allerdings habe ich bisher noch nicht verstanden nach welchen Gesichtspunkten die Schalter und Taster angeordnet wurden.

 

An einigen Stellen musste ich ein paar mal hinsehen, um glauben zu können, was Ford alles weggelassen hat. So gibt es kein gekühltes Handschuhfach und das Radio kann weder DVDs noch CDs abspielen. Die blaue Ambientebeleuchtung sieht zwar süß aus, aber man frag sich, warum der Fußraum beleuchtet wird und der Schaltknüppel unbeleuchtet bleibt. Die Dachreling ist geschlossen, was bedeutet man kann nichts mit einem Seil an der Reling festzurren. Wofür gibt es dann eine Dachreling?

 

Ein polarisierendes Detail ist die heizbare Frontscheibe. Die Heizung wirkt recht schnell und hilft die Scheibe schnell von einem (dünnen) Eisfilm zu befreien. Dafür ist die Blendwirkung der Heizdrähte bei Nacht erheblich und die Sicht ist generell schlechter. Dafür kommt beim Austausch eine nette Summe für die Scheibe zusammen. Leider kann man die Heizung nicht über die FordPassApp bedienen, was im Winter extrem hilfreich wäre.

 

Die Klimatisierung ist OK, wobei die Lüftung nicht ganz zugfrei ist. Es wird etwas besser, wenn man den Automatikmodus deaktiviert und die Klimaanlage manuell bedient.

 

Die FordPassApp könnte ein tolles Feature sein, mit dem sich Ford von Mitbewerbern absetzen könnte. Leider wurde nur ein Teil der möglichen Funktionen implementiert. Die Bedienung wird durch eine etwas lieblose Programmierung noch erschwert. So muss man schon bei der Einrichtung sehr viel Geduld haben, um die App mit dem Fahrzeug zu koppeln. Dann kann man sich z.B. den Standort des Fahrzeugs anzeigen lassen. Beim Parken sollte man sich trotzdem den realen Standort merken, weil meine größte bemerkte Abweichung vom wirklichen Standort über 250km betragen hat. Die zurückgelegte Fahrtstrecke kann man sich nur manchmal anzeigen lassen. Man kann sich den Tankinhalt anzeigen lassen, den AddBlue-Füllstand bekommen nur gewerbliche Kunden angezeigt. Man kann das Fahrzeug Ver- und Entriegeln, aber die Fenster lassen sich nicht bewegen. Eigentlich soll sich das Fahrziel im Navie auch mit der App einstellen lassen. Das ist mir aber noch nie gelungen.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + entspanntes unt komfortables Fahrverhalten
  • + sehr leise
  • + Vordersitze auch auf langen Strecken gut
  • - kein gekühltes Handschuhfach
  • - die FordPassApp bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten zurück
  • - Dachreling ohne Öffnungen zum Verzurren

Emotion

3.5 von 5

Das Auto ist im großen und ganzen funktional und das Design stört nicht im Alltagsbetrieb. Trotzdem fragt man sich bei manche Knicken im Bleck, was das soll. Eventuell hat sich hier ein Designer ausgetobt, um seine Existenz zu rechtfertigen. Das gilt vor allem für die Rückleuchten, wo farbige Muster zu sehen sind. Naja, stört zumindest nicht.

 

Der Innenraum ist übersäht von Kunstleder. Das ist nicht wirklich schön, ist aber zumindest abwaschbar. Dafür ist an vielen Stellen der ein oder andere Euro zu viel eingespart worden, so dass die Funktion nicht mehr gewährleistet ist. Eine umklappbare Rückbank hat in meinem Fiesta von 1988 gut funktioniert. Warum geht das bei einem Auto von 2018 nicht mehr?

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Funktionales Fahrzeug
  • - Manchmal ist der Designer übers Ziel hinausgeschossen
  • - Im Innenraum wurde die Funktionalität weit vor einen hochwertigen Eindruck gestellt.
  • - Die vielen Probleme, die nicht behoben werden können führen zu Hass

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Das Fahrzeug bietet viel Platz und lässt sich entspannt und komfortabel bewegen. Darüber hinaus ist der Wagen sehr leise und der Verbrauch angenehm.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Die Auslegung des Fahrzeugs ist nicht geeignet, um etwas dynamischer unterwegs zu sein. Hier muss man wohl dann zu dem ST tendieren.

 

Nach einiger Zeit bekommt man das Gefühl die Entwickler des Fahrzeugs hätten die Lust verloren und kurz vor dem Ziel aufgehört. Die Assistenten sind prinzipiell gut und sind auch oft fehlerfrei verfügbar. In der restlichen Zeit zeigt die Schildererkennung 30km/h auf der Autobahn an, der Notbremsassisten macht bei 150km/h auf der Autobahn ohne erkennbaren Grund eine Vollbremsung, der Schlüssel wird nach dem Einsteigen nicht mehr erkannt, der Motor startet nicht nach dem Start/Stopp-Betrieb oder die Rückfahrkamera zeigt keine Leitlinien an. Der Handbremsassitent zieht beim Anhalten meist die Bremse an, manchmal aber auch nicht und deshalb muss man immer kontrollieren. Da braucht man so einen Assistentan auch nicht. Eventuell denkt er dasselbe und deaktiviert sich von Zeit zu Zeit selbständig.

 

Wenn man sich die ganzen Fehler und unausgereiften Dinge ansieht bekommt man den Eindruck es handelt sich um eine billige Chinakopie von einem richtigen Auto.

 

Ein Übriges tun die Werkstätten. Ich habe den Wagen mit 4 Jahren Garantie gekauft und dachte so die Kinderkrankheiten der neuen Baureihe behoben zu bekommen. Leider ist meine Werkstatt extrem lustlos und schickt mich z.B. mit einem ausgefallenen ABS-Modul wieder nach hause, weil die Diagnosesoftware keine klare Fehlerdiagnose zulässt. Der Meister hat mir mal erklärt, dass Ford die Garantiereparaturen schlecht bezahlt und die Werkstatt daher mit Garantiereparaturen ein Minus macht.

 

Der Test einer weiter entfernten Werkstatt hat sich leider als noch größeres Desaster herausgestellt. Von meiner langen Fehlerliste konnte kein Fehler reproduziert werden. Daher wurden mir €70 für die erfolglose Fehlerdignose in Rechnung gestellt. Beim Abholen konnte ich dann auch noch zwei Fehler spontan vorführen, aber da war es dann schon 16:00 Uhr und damit zu spät noch etwas zu machen. Der Meister wollte das Auto auch nicht länger dort behalten, da er sich sicher war, dass die Fehler am nächsten Tag wieder nicht reproduzierbar wären. Nach dem Werkstattaufenthalt ließ sich leider die Motorhaube nicht mehr entriegeln. Dafür könnten die Türen nicht mehr verschlossen werden. Aber irgendwas ist ja immer. Und da sind die €35 pro zusätzlichem Fehler gut angelegtes Geld.

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
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