Ford Fiesta Mk7 (JA8) 1.25 Test #136230
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Ford Fiesta Mk7 (JA8) 1.25 Test

02.07.2014 11:38    |   Bericht erstellt von VincentVEGA_

Testfahrzeug Ford Fiesta Mk7 (JA8) 1.25
Leistung 82 PS / 60 Kw
Hubraum 1242
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 25000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 3/2009
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von VincentVEGA_ 3.5 von 5
weitere Tests zu Ford Fiesta Mk7 (JA8) anzeigen Gesamtwertung Ford Fiesta Mk7 (JA8) 3.5 von 5
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Einleitung

Nachdem ich im März den Golf III ausrangiert habe, war der praktische und günstige Hyundai i20 als Nachfolger gesetzt, doch dann landete ich beim Fiesta.

Grund für den Umstieg waren dürftige Sicherheitsausstattung des 18 Jahre alten VW und die Tatsache, dass ich vier Türen wollte.

Der Ford überzeugte mit Design und Fahrdynamik, außerdem sind die Wartungskosten bei Ford geringer als bei Hyundai.

 

Nun fahre ich diesen 5 Jahre alten Fiesta, welchen ich mit nur 20 000 Kilometern auf der Uhr übernommen habe.

Bei einem Budget von 6500 Euro und den Vorgaben

 

- 82 PS-Motor

 

- Vier Türen

 

- maximal 50 000 Kilometer

 

kann natürlich nicht gerade ein Topmodell herauskommen.

Das Fahrzeug hat die relativ übersichtliche Trend-Ausstattung, als Extras gibt es das Cool&Sound-Paket I mit einfacher manueller Klimaanlage, dem einfachen CD-Radio und als zweites Extra Nebelscheinwerfer. Das war's - mehr braucht man aber auch nicht.

Galerie

Karosserie

3.0 von 5

Platzangebot vorne ist für mich (1,90m) groß, Erst ab zwei Meter meckern die Beifahrer. Für einen Kleinwagen eine gute Leistung.

 

Hinten sitzt man natürlich nicht mehr so gut, aber auch längere Fahrten kann man da aushalten. Gegenüber Honda Jazz oder Opel Agila und auch den Hyundai i20, den ich eigentlich wollte, sieht der Fiesta allerdings blass aus.

Der Kofferraum ist auf kleinwagenüblichem Niveau, die relativ enge Öffnung ist etwas hinderlich, das ist dem Design geschuldet.

Ich habe schon einen Umzug mit dem Fiesta gemacht und muss sagen, ich war überrascht wie viel man mit Tetris-Kunst da reinquetschen kann.

 

Die Übersichtlichkeit nach hinten ist grausam, die Heckscheibe ist zu klein, die C-Säulen viel zu dick, Parkpieper sind für Stadtparker eine lohnende Investition.

Vorne muss ich das leider auch empfehlen, denn man sieht die Haube überhaupt nicht und kann nur raten, wo das Auto anfängt und aufhört.

 

Der Qualitätseindruck ist zwiespältig. Die Materialien wirken teils sehr billig, viele Kunststoffe sind haptisch unterirdisch und zerkratzen schnell. Die Rückseite der Rückbank ist nicht verkleidet, nur nacktes Blech, das erwarte ich bei Dacia, nicht aber bei Ford.

Die Verarbeitung ist auf den ersten Blick gut, im Detail aber viel zu nachlässig.

Hier merkt man doch den Abstand zu VW. Man muss aber auch sagen, dass ich einen der ersten Fiesta MK7 fahre und man da naturgemäß mehr Nachlässigkeiten hat als später produzierte Fahrzeuge.

Kinderkrankheiten wie der "Wadengrill", eine fehlende Isolierung am Wärmetauscher, die das rechte Bein beim Anlehen an die Verkleidung brutzelt, sind ärgerlich, können aber nachträglich abgestellt werden.

 

Ein dauerhafter Kritikpunkt ist der schlechte Lack, nach nur 200 Autobahnkilometern sieht die Motorhaube schon aus wie sandgestrahlt. Hochgewirbelte Steinchen verunstalten die Türen, die sofort Grünspan und Rost ansetzen.

Defäkaliert sich Geflügel auf den Lack, so blättert er ab, wie nach einer Woche Urlaub mangels Entfernung des Kotes geschehen.

Galerie
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Gutes Platzangebot vorne
  • + Hinten auch langstreckentauglich für Personen bis 1,80m
  • + Brauchbarer Kofferraum
  • + Reparaturfreundliche Konstruktion
  • - Katastrophale Übersichtlichkeit
  • - Verarbeitung im Detail überzeugt nicht
  • - Kratzempfindliches Hartplastik im Innenraum
  • - Enttäuschend schlechte Lackqualität

Antrieb

3.0 von 5

Entweder ist das Auto zu schwer, oder der Motor zu schwach.

Ich habe zwar die 82-PS-Version, aber glaube stets, den 60er erwischt zu haben.

Manchmal ertappe ich mich auch beim prüfenden Blick auf die Handbremse, ob ich sie nicht doch vergessen habe.

Macht es sich der Motor schwer, so muss schnell Drehzahl her! Die mageren 114 NM (gegenüber den 110 des 60-PS-Motors kein wirklicher Mehrwert) entfalten sich erst bei Drehzahlen über 3000 UPM. Dann merkt man auch erst, dass überhaupt etwas zieht und die Maschine wacht auf.

Auf der Autobahn spürt man dann auch die 82 PS und kommt sogar einigermaßen flott vorwärts.

 

Der Verbrauch lässt sich auch bei schleichender Eierfahrt mit Stadtanteil nicht unter 6 Liter drücken. Auf der Autobahn bei Vollgas habe ich hingegen 14 Liter verbraucht! Da ist der 42-Liter-Tank schnell mal leer, wobei der Aktionsradius für einen Kleinwagen mit ca. 500 KM akzeptabel ist.

Landstraßenfahrt bei 70-90 Km/H mit wenigen kurzen Ortsdurchfahrten bringt einen Minimalwert von 5,4 Litern.

Ein Sparwunder kann man angesichts der nötigen Drehzahlen und der veralteten Konstruktion allerdings nicht verlangen.

Dafür läuft der Motor schön ruhig und ist sehr zuverlässig. Probleme mit der Yamaha-Entwicklung sind im WWW kaum zu finden.

Ich fahre fast nur Stadt und Autobahn, schwimme meist nur mit, Schnellfahren geht mit dem eh nicht. Resultat: Annehmbare 6,5 Liter.

 

Das Getriebe wird oft gelobt, manchmal kritisiert, bei einem flutscht der Schalthebel wie das warme Messer durch die Butter, der andere findet in seinem Fiesta einen ätzenden Hakel-Rührteig á la Renault Twingo vor.

Schuld sind in der Regel die Seilzüge der Schaltung, die müssen, wenn es Beschwerden gibt, neu eingestellt werden. Kostet nicht die Welt, ist schnell gemacht und der Unterschied ist deutlich spürbar.

 

Der einzige wirklich störende und heutzutage peinliche Mangel am Getriebe ist der Rückwärtsgang. Der kracht gerne beim Einlegen oder geht auch gerne nur halb rein, wer das nicht bemerkt, dem knirschen beim Lösen der Kupplung selbst die Zähne, so fies ist das Geräusch.

 

Das Problem kann jedoch vermieden werden, in dem man die Kupplung vorsichtig ohne Gas löst und den Schalthebel festhält, dann flutscht er rein. Mit Gewalt reinballern geht natürlich auch, aber das reingleiten lassen dürfte langfristig besser sein. Dem Krachen beugt es vor, vor dem Einlegen nicht im Leerlauf zu rollen und ggf. auch ein paar Sekunden im Stillstand zu warten.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Klassenüblicher Verbrauch
  • + ruhiger Motorlauf
  • - Enttäuschender Durchzug
  • - Gefühlt 20 PS weniger Leistung im unteren Drehzahlbereich
  • - Rückwärtsgang muss mit großer Vorsicht eingelegt werden

Fahrdynamik

4.0 von 5

Fahrwerke sind seit den späten 90er die Domäne von Ford.

Der gute Ruf kommt nicht von ungefähr, auch der Fiesta liegt an der Spitze seiner Klasse.

Während schnelle Kurven Spaß bereiten, rüttelt der Kleinwagen auch auf schlechten Straßen die Insassen nicht durch - gut gemacht!

Ich habe einen französischen Import ohne ESP und ASR, das ist mir aber lange nicht aufgefallen, weil das Fahrwerk so gut ist. Das Durchdrehen der Räder muss man mit dem lauen Motörchen schon aktiv provozieren.

 

Zur Beschleunigung nun keine Worte mehr... siehe Antriebskapitel.

 

Die elektronische, geschwindigkeitsabhängige Servolenkung EPAS könnte mehr Fahrbahnkontakt vermitteln, da wünsche ich mir mehr Rückmeldung, allerdings im Stadtverkehr wie auf der Autobahn kann ich damit zielgenau und sicher steuern. Auf Glatteis stell ich es mir etwas schwieriger vor.

 

Die Bremsen packen gut zu, Fading kann ich nicht feststellen. Auch hier verdient der Fiesta Lob.

 

Das Revier des Autos sind Stadt und besonders die Landstraße, auf der Autobahn ist der Geradeauslauf bis 120 traumhaft, doch bei sehr hohen Geschwindigkeiten um die 160 Km/H kann ich den Fiesta kaum auf der Bahn halten, er hoppelt und springt zur Seite... Allerdings ist er dafür auch nicht gemacht, wer oft schnell Autobahn fährt, kauft wohl eher einen Focus TDCI.

Dennoch verstehe ich nicht, warum der Wagen so mies liegt, vielleicht sind es die schlechten Fahrbahnzustände im Osten der Republik.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Gute Straßenlage
  • + Agiles Handling
  • + Guter Federungskomfort
  • + Sichere Bremsen
  • + Zielgenaue Lenkung
  • - Langsame Beschleunigung
  • - Bei über 150 KmH holprig auf der Autobahn

Komfort

4.0 von 5

Die Federung ist sportlich-straff und dennoch kommt der Fahrkomfort nicht zu kurz, wie im letzten Kapitel beschrieben.

 

Die vorderen Sitze sind bequem, auf Langstrecken über zwei Stunden falle ich aber irgendwie ins Hohlkreuz, jedenfalls ist da was am Rücken unangenehm.

Korpulente Beifahrer maulen, die Sitze seien zu eng, mir aber bieten sie ausreichenden Seitenhalt.

Der große Verstellbereich von Sitz und Lenkrad ist toll, hier findet jeder seine Position.

 

Die Rückbank hinten ist leider nicht mehr so bequem, aber auch hier lässt es sich aushalten. Für Kleinwagenverhältnisse sehe ich keinen Grund zur schlecchten Bewertung.

 

Die Innengeräusche sind angenehm niedrig, erst auf der Autobahn wirds dröhnig, das liegt an der kurzen Übersetzung, die den Motor hoch drehen lässt.

 

Die Bedienung ist bis auf den irritierenden Fernlichtschalter absolut idiotensicher. Ich verstehe nicht, warum da so viel Kritik aufgekommen ist. Nicht alles, was nicht dem Polo-Norm entspricht, ist gleich schlecht.

 

Die Klimaanlage kühlt gut, die Heizung heizt gut, einziges Manko: Die Klima zieht dem ohnehin schon zu schwachem Motor sehr viel Leistung weg, bleibt daher meist aus.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Hervorragende Fahrwerksabstimmung
  • + Ordentliche Sitze
  • + Überwiegend angenehmes Geräuschniveau
  • + Einfache Bedienung
  • + Gute Wirkung der Klimatisierung
  • - Komischer Fernlichtschalter
  • - Klimaanlage zieht dem Motor die Leistung weg

Emotion

4.0 von 5

Beim Design hat Ford einen Volltreffer geleistet, ich finde es klasse und auch sonst geht der Daumen hoch.

Bei den Damen, wo der Fiesta traditionell gut ankommt, finden ihn 9 von 10 absolut gelungen, bei den Herren bekommt das Design immerhin bei 7 von 10 ein Lob.

Dem Image des Fiesta hat dieses Design-Fest gut getan.

 

Die Ausrichtung ist sportlich, die wirkliche Realisierung scheitert aber am Motor. Der gehört auf eine Siesta, aber nicht in den Fiesta.

Mit dem 1.6 TI-VCT ist der kleine Ford aber das, was er sein soll.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Tolles Design
  • + Solides Image

Gesamtfazit zum Test

  • + Design
  • + Fahrwerk
  • + Kosten
  • + Zuverlässigkeit (laut TÜV-Statistik)
  • - miserable Übersichtlichkeit
  • - Rostschutz könnte besser sein
  • - Rückwärtsgang
  • - schlechte Detailverarbeitung
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Hauptgrund für den Umstieg war die gute Sicherheitsausstattung.

Außerdem sprechen noch

 

- das überaus gelungene Design

- das gute Fahrwerk

- die niedrigen Unterhaltskosten

und bezahlbare Preise für den Fiesta.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wer wirklich einen Fiesta will, der sollte sich einen stärkeren Motor nehmen, wenn es nicht gerade ein Brötchenhol-Auto oder Zweitwagen sein soll.

Kostenbewusste Fahrer mit leichtem Gasfuß kommen aber im 1.25 auch auf ihre Kosten.

 

Das Design hat leider in schlechter Übersichtlichkeit seine Kehrseite, außerdem hat Ford bei der Korrosionsvorsorge wieder mal gespart.

Bislang ist der Rost nur kosmetisch, es ist aber trotzdem nicht schön.

 

In der Praxis nerven am Meisten der Rückwärtsgang, für den man mit der Zeit aber ein gutes Gefühl bekommt und der schlechte Lack.

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
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