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Fiat Abarth 500 595 Test

24.05.2020 12:22    |   Bericht erstellt von tompeter69

Testfahrzeug Fiat Abarth 500 595
Leistung 145 PS / 107 Kw
Hubraum 1368
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 5500 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 1/2020
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von tompeter69 3.5 von 5
weitere Tests zu Fiat Abarth 500 anzeigen Gesamtwertung Fiat Abarth 500 4.0 von 5
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Einleitung

Ich habe den kleinen Giftzwerg im Januar 2020 gekauft.

145 PS, 7" Radio mit Navi als einziges Extra über Serienausstattung.

Bislang 5.500 km gefahren u d nach wie vor sehr angetan von dem kleinen Brüllwürfel.

Komme vom Fiat 500TA 105, auch ein sehr schönes Auto mit einem faszinierenden Motor, aber ich wollte schon lange einen "richtigen" Abarth fahren.

 

Mehr Fahrspaß ist in der Fahrzeugklasse nicht möglich. Schon der Sound der Auspuffanlage, der Vortrieb verbunden mit der kleinen und leichten Karosserie, die Anmutung des Innenraums mit vielen kleinen sportlichen Attitüden ( Ladedruckanzeige, abgeflachtes Lenkrad mit 12 -Uhr- Markierung, die unterschiedlichen Fahrmodi, die auch das Tacho-Layout verändern...herrlich.

Und herrlich alltagstauglich, im Alltag locker mit 6,5 Litern zu fahren, durchzugsstark ( mit dem kleinen IHI-Lader)

Gut, wenn es pressiert läuft auch mehr Sprit durch die Kammern, ich liege jetzt mit gelegentlichen Sprinteinlagen und ab und an Vollgas auf der BAB bei 7,4 Litern Gesamtverbrauch seit Abholung beim Händler im Januar.

 

Wer Fahrspaß zum überschaubaren Tarif sucht, der ist hier goldrichtig: günstige Versicherung auf dem Niveau des "normalen" 500ers, akzeptabler Verbrauch, nur die Steuer langt mit 154 Euro tief in die Geldbörse ( beim TA waren es 26 Euro/ Jahr).

Galerie

Karosserie

3.0 von 5

Für "Italiener" ist das Platzangebot vorne ausreichend. Schön wäre ein in der Weite verstellbares Lenkrad. Ohne dies sitzen gewisse Staturen etwas "froschig". Die Sportsitze sind nichts für ausladende Hinterteile, bieten dafür abseits der Rennstrecke ausreichend Seitenhalt. Hinten ist mehr Platz als man vermutet. Habe dort im baugleichen 500er meiner Frau auch schon über einige hundert Kilometer gesessen, Geht, ist aber halt keine Lounge.

 

Das hintere Handschuhfach ( Kofferraum) ist bescheiden klein und wegen der schräg stehenden Rückenlehne auch ungünstig zu beladen, wenn höhere Gegenstände transportiert werden sollen.

 

Die Übersichtlichkeit ist bei der Limo gut, beim Cabrio wegen der kleinen Heckscheibe suboptimal.

Kuriosum: Bin wirklich schon viele Autos gefahren, aber den Abarth gerade zwischen zwei andere Autos zu stellen...gelingt nicht immer. Ob es an dem rundlichen Verlauf der Seitenlinie liegt...keine Ahnung.

 

Qualitativ bin ich sehr angetan ( wie auch schon vom TA 105 und dem Cabrio meiner Frau). Kein Klappern, alles wirkt solide und langlebig

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Platzangebot vorne
  • + Qualitätseindruck
  • - Kofferraum

Antrieb

4.0 von 5

Der Abarth lebt von und mit seinem Motor.

Was der T-Jet mit seinen 145 PS an Fahrleitungen ermöglicht, ist enorm.

Auch subjektiv geht es durch die Hinterlegung des rückwärtigen Auspuff-Orchesters mehr als gut voran. Ob auch dem Drehzahlkeller oder bis in höhere Drehzahlbereiche, der Motor beherrscht sowohl das niedertourige Bummeln als auch die Attacke. Dabei ist er akustisch auf der BAB ab 130km/h stets präsent. Muss man mögen, ich liebe es. Auch, wie er nach dem Kaltstart brabbelt, aus niedrigen Drehzahlen losröchelt. Eine echte Verbrennungsmaschine, der man gerne bei der Arbeit zuhört. Mechanisch dabei absolut ruhiger Lauf, sehr haltbar dazu, ein Quelle der Freude.

 

in den obersten Drehzahlbereichen etwas zugeschnürt, da gehen die großen Abarth mit dem Garret- Turbo besser, aber diese Bereiche brauche ich nicht zum wirklich zügigen Vorankommen. Das Getriebe schaltet sich gut, ein wenig bessere Rastung sowie ein 6. Gang zur Drehzahl-Reduzierung würden es perfekt machen. Schön ist auch die Positionierung

des Schalthebels direkt neben dem Lenkrad.

 

Beim Verbrauch hat der Kleine zwei Seiten:

 

Im normalen Alltag durchaus mit 6,2- 6,5 Litern fahrbar, gönnt er sich bei Ausnutzung des vorhanden Potentials gerne mal ein Schlückchen.

 

Top-Verbrauch waren bei meinem bislang 8,9 Liter ( Autobahn voll, Tacho 228km/h über mehrere Kilometer, dann wieder 130km/h und ein wenig Landstraße im "Ruhemodus", insgesamt 105km Strecke.

 

Wer also auf der Autobahn gerne auf Anschlag fährt, der sollte bei nur 35 Litern Tankinhalt die Restkilometer im Auge behalten.

Ansonsten komme ich persönlich mit dem kleinen Fass gut zurecht.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Sounderlebnis
  • + Emotion
  • + Alltagstauglichkeit
  • - kleiner Tank

Fahrdynamik

3.5 von 5

Der Abarth ist der Iveco unter den Kleinwagen und verfügt über den Wendekreis des großen Bären, was aber nur im Parkhaus stört. Im Normalmodus ist die Lenkung leichtgängig, im Sportmodus recht straff.

Im Fahr- und Kurvenverhalten gehen der kurze Radstand und die relative Kopflastigkeit eine suboptimale Symbiose ein. der Abarth untersteuert deutlich bei sehr hohen Kurventempi wenn das TCC deaktiviert ist. Gut, dass die Bremsen sehr anständig ankern und frei von Fading sind. Bei scharfen Notbremsungen wird die Hinterachse relativ stark entlastet, was jedoch gut kontrollierbar bleibt.

 

Ist aber alles vergessen, wenn die 145 PS an der Vorderachse zerren und den kleinen Italiener in Richtung Horizont zerren :))

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Fahrleistungen
  • - Verbrauch bei Volllast

Komfort

3.0 von 5

Von nix kommt nix. Kurzer Radstand, wenig Gewicht, der Tod einer jeden guten Fahrwerksabstimmung...

Unter Betrachtung dieser Voraussetzungen ist aber ein bruchbares Set-Up entstanden: straff, aber "restkomfortabel", sicher im Alltag, nicht rennstreckentauglich. Direkt, aber nicht nervig.

 

Die Sitze sind recht klein und können für Hünen und Übergewichtige ein Ausschluss-Kriterium für einen möglichen Kauf sein. Mir passen sie bei zierlichen 1,73m perfekt. Hinten stören sich Mitreisende auf langen Strecken an der recht steil stehenden Lehne, Fußraum hingegen ist ausreichend vorhanden.

 

Klar, der ABARTH ist laut. Soll er ja auch. Ist ein Automobil um Fortbewegung dynamisch zu erleben. Für die anderen gibt es den Golf Sportsvan.

Nur die Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten könnten geringer sein, gerade im Bereich um die A-Säule. Im Vergleich zum normalen 500er fällt auf, dass auch der Spoiler hinten eine Lärmquelle ist.

 

Die Bedienung des ABARTH ist ebenso wie beim Fiat 500 leicht und einprägsam, alle Schalter liegen vorbildlich zur Hand. Nur im 5. Gange verdeckt der Schaltknüppel einen Drehknopf der Heizung und der Touchscreen des 7" Radios könnte weniger träge reagieren. Tachoeinheit mit den Digitalanzeigen wunderbar ablesbar und gut strukturiert.

Kupplung und Schaltung leichtgängig, Kupplung mit exaktem Druckpunkt, ebenso wie die Bremse.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + schön laut :)
  • - Windgeräusche ab 130km/h

Emotion

5.0 von 5

Trotz seiner Lautäußerungen regiert die Umwelt in hohem Maße positiv auf den krawalligen Bruder des ordinären 500er Fiat.

Optisch ist er einfach der "Männer-500er", sowohl außen als auch innen.

Viele kleine liebevolle Details mach ihn einmalig am Automarkt ( Armaturenbrett, Instrumente, Lenkrad, die "halbstarke" Bespoilerung rundum, die echte zweiflutige Auspuffanlage, die Abwesenheit von Soundprozessoren... Hier ist noch realer Motorsound am Start.

 

"Süß mit einem Hauch von Testosteron", das Auto für alle Junggebliebenen.

Auffällig sind beim Abarth die vielen "Herrenfahrer", also Gentleman ab 50+, die sich dieses Automobil zulegen und sich sofort wieder wie 25 fühlen. Denn diese verbinden den Namen ABARTH mit den großen Rennerfolgen vergangener Tage, von deren Aura auch das aktuelle Modell eine Menge zu transportieren vermag:

 

Klein, ehrlich, stark,laut, rotzig, nicht perfekt, aber perfekt für die "Erlebniswelt" des aktiven Autofahrens, von der wir uns leider immer weiter entfernen.

 

Der größte Fehler ist eine unbedachte Probefahrt mit ihm oder einer seiner größeren Brüder Turismo, Pista oder Competizione.

 

Wenn der Skorpion erst einmal zugestochen hat...dann wird es schwer ihn zu vergessen...

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Emotion, Emotion, Emotion
  • - -------

Gesamtfazit zum Test

  • + Spaß
  • + Emotion
  • + Handlichkeit
  • + Parken
  • + Unterhaltskosten
  • + Image
  • + Sound
  • + Ausstattung
  • - Kofferraum
  • - Platzangebot hinten
  • - Händler- Neupreise
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Den ABARTH empfehle ich jedem, der im Herzen jung ist/ geblieben ist und der wirklichen, ehrlichen Fahrspaß mit einem hohen Überraschungseffekt für Mitfahrende und andere Verkehrsteilnehmer sucht.

 

Wer einen günstigen, neidfrei zu bewegenden "Sportwagen" mit "Grinse-Garantie" sucht, liegt beim ABARTH richtig, selbst schon bei der kleinsten Variante mit "nur" 145PS. Bin die anderen auch gefahren, aber der kleine Lader hat mir am besten gefallen ( Druck im Drehzahlkeller)

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Einen ABARTH zu kaufen macht rein unter rationalen Gesichtspunkten keinen Sinn.

Er ist klein, laut ( wenn man das als Nachteil sieht :)) ), bietet wenig Platz für Großgewachsene und ist nichts für Familien, die immer den kompletten Hausstand mitschleppen wollen.

Man muss es aushalten, wenn fremde Menschen einen und das Auto anstarren, die Gutmenschen den Kopf schütteln, wenn man röhrend vorbeizieht, aber auch diejenigen akzeptieren können, die plötzlich um das Auto herumstehen, Fotos machen, Fragen stellen.

 

Wer vom Sportsvan träumt der liegt mit einem ABARTH falsch

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
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