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BMW 6er F13 (Coupe) 650i xDrive Test

24.08.2019 15:36    |   Bericht erstellt von DrHephaistos

Testfahrzeug BMW 6er F13 (Coupe) 650i xDrive
Leistung 450 PS / 331 Kw
Hubraum 4395
Aufbauart Sportwagen/Coupe
Kilometerstand 22000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 5/2016
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von DrHephaistos 4.0 von 5
weitere Tests zu BMW 6er F13 (Coupe) anzeigen Gesamtwertung BMW 6er F13 (Coupe) 3.5 von 5
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Einleitung

Ich bin ein ausgesprochener Freund des leistungsstarken Coupés. Ob mit 2 oder 4 Türen spielt eine untergeordnete Rolle. Feinsinnige Praktikabilitätsbetrachtungen sind mit fremd: Ich will mit meinen Wagen weder Möbelstücke noch Zementsäcke, auch keine Grossfamilie oder Tiere transportieren. Meine Ansprüche sind folgende:

 

  • Ein Wagen muss meinem ästhetischen Empfinden entsprechen.
  • Er muss komfortabel bis luxuriös ausgestattet sein.
  • Er muss über ausreichende Performance verfügen.
  • Zeitgemässe Assistenz-/Sicherheitssysteme die in der Lage sind, Aufmerksamkeitsdefizite zu kompensieren.
  • Auch im Fond müssen 2 Personen bequem reisen können. Keine Alibirückbank. (Der Anspruch wurde in diesem Fall aufgegeben.)
  • Der Kofferraum muss lediglich das Reisegepäck zweier Personen aufnehmen.
  • Vor allen Dingen: Er muss Spass machen, Emotionen auslösen.

 

Meiner Bewertung liegen ausschliesslich diese Kriterien zu Grunde. Naturgemäss fliessen in die Beurteilung auch Erfahrungen ein, die ich mit dem Wagen machte, den ich vor dem BMW fuhr: Einem Mercedes CLS 500 4Matic. Und damit rücken Fahrstabilität und Assistenzsysteme des BMW in den Fokus.

 

Da es keine eigene Bewertungskategorie für Assistenzsysteme gibt, will ich gleich hier darauf eingehen:

 

  • Der 'Verkehrszeichenassistent' - Ein Armutszeugnis par excellence. Den hätte BMW besser weglassen sollen. Zeiteinschränkungen von Tempolimits werden nicht erkannt. Nur auf der rechten Strassenseite beschilderte Tempolimits werden oft nicht erkannt. Ist ein Schild auch nur geringfügig durch wenige Blättchen des benachbarten Baums verdeckt, wird es nicht erkannt. Die Aufhebung von Streckenlimits wird häufig nicht erkannt. Kurz und gut: Auf den 'Verkehrszeichenassistent' ist kein Verlass.
  • Die 'Spurwechselwarnung' - Während der linke Totwinkelwarner zuverlässig funktioniert, gehorcht der rechte eigenen Gesetzen. Denen ich noch nicht auf die Spur gekommen bin...
  • Der 'Fernlichtassistent', in Verbindung mit 'Adaptiver LED Scheinwerfer' - Geht nervös und grobschlächtig zu Werke. Anstatt entgegenkommende oder voraus fahrende Fahrzeuge präzise aus dem Lichtkegel herauszunehmen und zu verfolgen, oder Teile der LED-Arrays zu dimmen, hat es den Anschein, als würde das Fernlicht jedes Scheinwerfers in Gänze an- oder ausgeschaltet.

 

Generell kann mich die Assistenzlandschaft meines Wagens inkl. 'Driving Assistant Plus' nicht überzeugen. Dass im Bauzeitraum dieses BMW Modells wesentlich Besseres möglich gewesen wäre, habe ich ja selbst erlebt.

 

Zu guter Letzt, 3 Links auf Video Reviews des auch von mir gefahrenen Facelift-Modells:

  1. BMW 650i coupe X Drive - acceleration, sound, drive and detailed review
  2. 2016 BMW 6-Series 650i xDrive Coupe - Exterior and Interior Walkaround - 2016 New York Auto Show
  3. BMW 650i im ADAC Test (ohne xDrive)

Karosserie

3.5 von 5
  • Die Alibirückbank darf diesem Wagen nicht zum Nachteil gereichen. Der Käufer entscheidet sich ja bewusst für dieses Auto.
  • Zweifelsohne: Der Wagen ist ein echter Schönling...
  • ...dessen schnittig elegante Anmutung die Leermasse von immerhin 1'930 kg geschickt verschleiert.
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Trotz tiefer Dachlinie ausreichend Kopffreiheit.
  • + Sehr gelungenes, klassisches Design.
  • - Hörbare Vibrationen des unbelasteten Beifahrersitzes.
  • - Kurz vorm Anschlag losquietschende Fahrertüre

Antrieb

4.5 von 5
Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + geschmeidige, dennoch bemerkenswerte Schubentfaltung
  • + 8-Gang Steptronic Sport Getriebe
  • - Bei niegrigen Drehzahlen etwas zu träge.
  • - Der 70L-Tank. 80 Liter Fassungsvermögen wären angebracht.

Fahrdynamik

3.5 von 5
  • Die serienmässige, geschwindigkeitsadaptive, viel zu empfindliche 'Servotronic' Lenkung und das serienmässige 'M-Sportfahrwerk' gehen trotz 'Dynamische Dämpfer Control' (Sonderausstattung meines Wagens) eine unheilige Allianz ein. Sie führt bei Geschwindigkeiten > 220 km/h zur Instabilität der Vorderachse, deren Ausmass mich beim ersten Erleben regelrecht erschreckte.
  • Im kurvigen Verlauf einer ehemaligen Bergrennstrecke - und nicht nur dort - kann auch der Allradantrieb die Nachteile des Fahrwerks nicht völlig ausgleichen: Das Heck versetzt zu häufig.
  • Die Lenkung weist eine generelle Tendenz zum Übersteuern auf.

 

Ein Luftfahrwerk wäre diesem Wagen angemessen und hätte eine wesentlich bessere Fahrdynamik zur Folge. Das gabs aber nicht einmal als Sonderausstattung.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • - Die Lenkung reagiert zu empfindlich auch auf kleinste Fahrbahnunebenheiten.
  • - Trotz Allradantrieb: Zu häufiges, meist geringes Versetzen des Hecks.
  • - Das serienmässige M-Sportfahrwerk

Komfort

3.5 von 5
  • Die Alibirückbank darf diesem Wagen nicht zum Nachteil gereichen. Der Käufer entscheidet sich ja bewusst für dieses Auto.
  • Das iDrive zwingt mir häufig zu viele Bedienschritte auf.
  • Warum sind die Schaltelemente zur Sitzverstellung nicht gut sicht- und erreichbar in die Türen eingebaut?
  • Warum befindet sich der Taster zur Heckdeckelöffnung nicht auch in der Fahrertüre, sondern im Fussraum?
Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • - Der Fahrersitz könnte eine bessere Polsterung vertragen.

Emotion

4.5 von 5
  • Das BMW 650i xDrive Coupé gehört leider nicht zu den Fahrzeugen, in die ich in jeder Situation gestresst ein- und am Ziel tiefenentspannt aussteigen kann.
  • Das wird immer dann verhindert, wenn sich die Mängel der Fahrdynamik bemerkbar machen. Z.B. während schneller Autobahnfahrten.
Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Trotz Allem macht mir dieser Wagen sehr grosse Freude.

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Wer wie ich kompromissbereit ist und über die beschriebenen Defizite hinwegsehen kann, oder sie mangels Vergleichsmöglichkeit gar nicht als solche wahrnimmt, handelt sich ein sehr schönes und leistungsstarkes Coupé der Oberklasse (KBA)/Luxusklasse (EG) ein.

Empfehlenswert insbesondere dann, wenn man sein Herz an die peu à peu aussterbende Gattung der V8-Dinosaurier verloren hat.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wer von ökonomischer Vernunft und Nutzwertbetrachtungen geleitet ist, sollte sich vom 650i xDrive Coupé tunlichst fernhalten: Es ist die Antithese.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 0

02.10.2019 15:16    |    hd311

Hm

Die Zeiten als ich einen 535i oder 635i gefahren habe, sind schon länger her.

Auch damals war ich wohl noch auf "Ästhetik oder Design" gepolt, das hat sich inzwischen gelegt

bzw. erkennt der abgeklärte Mensch, dass eine Maschine nie schön sein kann, sondern diversen Kriterien entspricht, die das eine oder andere Individium als solches empfindet.

Wichtig war mir aber auch damals eher die technischen Daten. Durch das Fehlen der diversen fahrdynamischen Helferchen, war das fahrerische Können wichtig, um gewisse "Rundenzeiten" zu erreichen.

 

Allerdings gebe ich auch zu, das eine Verkehrzeichenerkennung (die es damals nur in unserem Forderungssheet der Softwareentwicklung gab) mir schon ab und zu Punkte erspart hätte ...

Einen BMW aus dem Jahr 2018, den ich vor kurzem gefahren bin, hatte das und da hat es relativ gut funktioniert. Bzw. war ich auch eventuell nicht so "dynamisch" unterwegs wie früher, da mir inzwischen die deutschen Strassen oder der Verkehr etwas unbekannter sind, und dadurch auch verhaltener gefahren wird. Nichts destotrotz gibt es immer noch die Linksfahrer, die sinnlos den Verkehr aufhalten ...!


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