BMW 5er F10 535i Test #64769
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BMW 5er F10 535i Test

22.05.2012 21:10    |   Bericht erstellt von 3Xodus

Testfahrzeug BMW 5er F10 535i
Leistung 306 PS / 225 Kw
Hubraum 2979
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 156 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 6/2011
Nutzungssituation Mietwagen/Leihfahrzeug
Testdauer ein Wochenende
Gesamtnote von 3Xodus 4.5 von 5
weitere Tests zu BMW 5er F10 anzeigen Gesamtwertung BMW 5er F10 4.5 von 5
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Einleitung

Der Wagen ist ein ehemaliger Mietwagen, mit dem ich im Sommer 2011 unterwegs war. Ich habe ihn mit dem quasi taufrischen Kilometerstand von 156 km übernommen und bin über 3 Tage verteilt insgesamt 933 km gefahren. Der Listenpreis (Deutschland) betrug schlanke 83.170 €. Zum Zeitpunkt des Tests waren mir 530d und 535d der Baureihe F10/F11 bereits bekannt und auch der Motor war kein Unbekannter mehr.

 

Der 535i wurde zu 90 % auf der Autobahn und zu 10 % auf der Landstraße bewegt. Dabei war die Fahrweise zur Hälfte sportlich, andererseits aber auch gediegen und damit wohl eher dem Charakter des Fahrzeugs entsprechend.

Karosserie

3.5 von 5

Mit 4,90 m markiert der 5er der Modellreihe F10 einen neuen Höhepunkt der 5er-Reihe. Die Breite wächst auf das ausladende Maß von 1,86 m an und erschwert damit Parkmanöver. Nicht zuletzt deshalb sind Extras wie PDC, Rückfahrkamera oder sogar der Einparkassistent beinahe obligatorisch. In der Tat sollte PDC rundum bestellt werden, da Front als auch Heck allenfalls abschätzbar sind. Im Zweifelsfall ist PDC wesentlich günstiger und praktischer als ein zu regulierender Schaden.

 

Dafür ist das Platzangebot mehr als üppig - nichts anderes ist bei den Außenmaßen zu erwarten. So überzeugt die Innenbreite, die stets einen souveränen Respektabstand zum Sitznachbarn bewahrt. Objektiv bietet der 5er genügend Platz. Dennoch fühlt man sich aufgrund des hoch aufbauenden Cockpits sowie durch die breite Mittelkonsole räumlich etwas eingeschränkt. So fällt es dem Fahrer allerdings auch leichter, mit dem Fahrzeug zu verschmelzen.

 

Der Kofferraum entspricht dem klassenüblichen Maß, mehrere Koffer schluckt er mit Leichtigkeit. Die Nutzbarkeit fällt limousinenbedingt nur befriedigend aus. Höhere Variablität in Form von umklappbaren Fondsitzen oder einer Durchladevorrichtung gibt es gegen Aufpreis. Bereits ab Werk gibt es jedoch auf der linken Seite ein Netz für kleinere Dinge im etwas verschachtelten Kofferabteil. Schade ist, dass die Kofferraumklappenbügel unnötig Platz rauben - Audi zeigt, wie das besser geht.

 

In Bezug auf Materialauswahl und Verarbeitung gilt das wiederum nicht mehr: Der 5er wirkt solide und edel, durch und durch dem hohen Premiumanspruch angemessen.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + sehr feine Materialanmutung
  • + hohe Passgenauigkeit
  • - umklappbare Rückbank nur gegen Aufpreis
  • - eingeschränktes Raumgefühl
  • - relativ hohe Ladekante
  • - magere Übersichtlichkeit

Antrieb

4.5 von 5

An 306 PS gibt es nichts zu rütteln: Damit läuft der 535i stürmisch in den elektronischen Begrenzer bei 250 km/h. Dies erfordert jedoch auch die richtige Gangwahl, da das an und für sich tadellose 8-Gang-Sportautomatikgetriebe relativ lang gestuft ist. So wird für die Höchstgeschwindigkeit bereits der 6. Gang nahegelegt, der 7. Gang fungiert als passender Overdrive. Der 8. Gang ist hingegen so lang übersetzt, dass der 535i trotz manierlicher 400 Nm, die zwischen 1200 und 5000 U/min anliegen, es nicht einmal mehr in die Nähe des Geschwindigkeitsbegrenzers schafft. Das ist zwar sehr angenehm für gemütliche Autobahnfahrten, lässt das Potenzial des 8-Gang-Getriebes jedoch ungenutzt. Ein 535i mit nur einem Overdrive, wie es z.B. der 530d optimal zeigt, würde eindeutig souveräner wirken. Schade.

 

Denn am Getriebe selbst gibt es im Grunde keine Kritik. Es zählt zu den besten Automatikgetrieben heutiger Tage. Als Sportautomatik mit dem noch etwas geschwungeneren Wahlhebel punktet das Getriebe zudem mit der manuellen Schaltfunktion via Lenkradpaddels und knackig schnellem Gangwechsel. Das macht zumindest in der Theorie wahre Freude.

 

Doch die Praxis bringt eine gewisse Ernüchterung. Der 535i ist keine Sportlimousine - er ist ein standesgemäßes Oberklasse-Fahrzeug mit einer vorzüglichen Automatik. Das Wechselspiel der Gänge überlässt man schnell wieder dem taktvollen Automaten, der sich auch mit Schaltkomfort bestens auskennt.

 

Der im 535i implantierte N55 mit einem einzelnzen Twin-Scroll-Lader überzeugt auch in anderen Modellreihen. Die Drehfreude und der herrliche Reihensechszylinder-Sound lassen die sprichwörtliche Freude am Fahren jederzeit spüren. Im 5er jedoch ist der Reihensechser stark unterdämpft und mimt damit eher den Charakter eines gelassenen Cruisers. Das kann er auch, denn der Turbo spricht zügig an, reagiert nicht allergisch auf niedrige Drehzahlen und präsentiert eine manierliche Elastizität. Ein Motor wie aus dem Bilderbuch. Nur leider hat er mit mindestens 1775 kg auch nicht gerade wenig zu schleppen.

 

Das zeigt sich auch im Verbrauch. Trotz homogener Benzin-Direkteinspritzung, Doppel-VANOS und Valvetronic beträgt er in der Regel zwischen 9,5 und 12,5 Liter - je nach Leistungsforderung des Fahrers. Schnellere Fahrten auf der Autobahn goutiert der Langstreckengleiter mit einem Verbrauch von über 20 Litern - in diesem Fall wäre der 535d eventuell dann doch angebrachter. Mein Testverbrauch lag über die gesamte Distanz bei 11,2 Litern - durchaus angemessen für eine ausgewachsene Limousine mit über 300 PS.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + sahniger Reihensechszylinder
  • + angemessener Verbrauch
  • + erstklassiges Automatikgetriebe
  • - halbherzige Sportlichkeit

Fahrdynamik

5.0 von 5

Ein Serien-5er müsste in der Bewertung mit gewissen Abstrichen rechnen. Denn...

 

...die Integral-Aktivlenkung, bei der die Hinterräder beim Wenden um 2,5 ° in entgegengesetzter Richtung einschlagen, reduziert den Wendekreis auf ein angemessenes Maß. Die damit suggerierte Agilität steht einem deutlich leichteren 3er ohne dieses Extra kaum nach.

 

...die Option 'Dynamische Dämpfer Control' passt sich jedem Fahrwerkswunsch des Fahrers optimal an. So kann der 5er sowohl sportlich straff als auch kommod gefedert daher kommen. An Ausgewogenheit ist die Stufe "Normal" jedoch nicht zu übertreffen.

 

...die Option 'Dynamic Drive' unterdrückt Wanken in Kurvenfahrt. Damit erweckt der 5er stets den Eindruck, immer alle vier Räder souverän auf der Straße zu führen.

 

Doch auch ohne diese kostspieligen Extras kann sich der 5er als Fahrdynamiker seiner Klasse behaupten. Das Fahrwerk erweckt stets einen sicheren Eindruck. Der 5er untersteuert sanft und lässt sich mit der rückmeldungsstarken Servotronic zielgenau dirigieren. Die Lenkung spricht angemessen direkt an: Nicht zu hastig und übermotiviert, jedoch dem dynamischen Anspruch entsprechend. Damit macht der 5er trotz seines hohen Leergewichts eine beinahe athletische Figur. Mehr sollte man nicht von einer Reiselimousine erwarten oder gar verlangen.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + ungeahnte Agilität
  • + direktes, souveränes Fahrverhalten
  • - Optimierung der Fahrdynamik extrem teuer

Komfort

4.5 von 5

Das Kapitel 'Komfort' beherrscht der 5er sogar noch besser als das vorangegangene. Das bereits angesprochene adaptive Fahrwerk weist passende Dämpferkennlinien auf. Der sportive Fahrer wird die Stellung "Comfort" jedoch schnell als zu schwammig einstufen. Die Stufe "Sport" und "Sport+" bereiten da schon weitaus mehr Fahrfreude.

 

Die Sitze sind vorzüglich. Die im Testwagen verbauten Komfortsitze passen sich dank zahlreicher Verstellmöglichkeiten dem Fahrer perfekt an und überzeugen mit einem hohen Langstreckenkomfort. Doch bereits die Seriensitze sind absolut tauglich und stellen keinen Verzicht an falscher Stelle dar. Wünscht man sich jedoch elektrisch verstellbare Ledersitze in seinen 5er, dann bietet sich die Komfortsitze allemal an. Im Fond kann diese Option zwar nur für den 5er GT bestellt werden, aber auch dort ist der Sitzkomfort im normalen 5er ausgesprochen gemütlich.

 

Der Geräuscheindruck ist insgesamt sehr komfortabel, nicht zuletzt dank zahlreicher Dämmmaßnahmen und dickwandiger Türverkleidungen. Bei höherem Tempo trüben jedoch stärkere Windgeräusche das ansonsten positive Bild. Das können manche Wettbewerber einfach besser.

 

Die Bedienung wirft wenig Fragen auf. Das iDrive ist mittlerweile sehr intuitiv und bietet allerhand Möglichkeiten der Fahrzeuginformation. Interessante Features wie das Head-up-Display, günstig im empfehlenswerten Innovationspaket zu bekommen, erleichtern das Fahren ungemein und sorgen für ein hohes Maß an Sicherheit, da der Blick zum Tacho in der Regel entfällt.

Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + ausgezeichneter Sitzkomfort
  • + ausgewogener Fahrkomfort
  • + intuitive Bedienbarkeit
  • + interessante Komfortfeatures
  • - auffällige Windgeräusche

Emotion

4.5 von 5

Auch hier gibt es eigentlich keinen Grund, die Bewertung abzuschwächen.

 

Zwar ist Design immer noch Geschmackssache und damit sehr subjektiv, jedoch hat der 5er der Baureihe F10/F11 durch sein gefälliges, nicht mehr so verspieltes Design bereits Designpreise abgeräumt. Der 5er gefällt und überzeugt - und insbesondere mit dem optionalen M Sportpaket kommt die BMW-typische Sportlichkeit deutlicher in den Blickwinkel. Sportlich, aber nicht zu aufgesetzt.

 

Doch diese Sportlichkeit wird von anderen BMW dennoch eindrücklicher umgesetzt - sowohl im Fahrvergnügen als auch im Klang. Der N55 posaunt im 335i und speziell im 135i deutlich inbrünstiger und anmachender. Der Funke will im 535i nicht so recht überspringen. Aber dass der 535i gesitteter und dezenter klingt, ist allemal von Verständnis geprägt. Es ist hierbei lediglich das Problem, dass er das sportive Versprechen nicht durch und durch umsetzen kann.

 

Das sportliche Image von BMW und der international gute Ruf der bayrischen Premiummarke liegen jedoch auf der Hand.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + wohlgefälliges Exterieur
  • + gediegenes, edles Interieur
  • + Premiumimage
  • - verschenktes Soundpotenzial

Gesamtfazit zum Test

  • + souveräner Charakter
  • + gefällige Optik
  • + ausgesprochen hoher Komfort
  • + interessante Komfort- und Technik-Optionen
  • - teuer in Anschaffung und Unterhalt
  • - etwas zu gedämpfter Sound
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Empfehlenswert für den dynamischen Fahrer mit gut gefüllter Brieftasche. Für einen 535i mit allen Extras, die ihn erst so richtig gut werden lassen, ruft BMW rund 80.000 € auf. Der 535i ist die Alternative, wenn der Diesel im 530d oder 535d nicht zusagt. Nachdem 523i und 528i nunmehr nur noch Vierzylinder sind, bleibt dem Genießer des herrlichen Reihensechsers im 5er so also nur noch der 535i oder dessen Hybrid-Variante. Ansonsten passt der kräftige und ebenso sparsame Selbstzünder eigentlich besser zum 5er.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Es sind eigentlich nur Nuancen, die stören oder Raum für Verbesserungen offen halten. Der 5er ist generell nicht zu empfehlen, wenn es ein Fahrzeug mit möglichst wenig Technik werden soll - der F10 ist voll davon. Das erhöht im zunehmenden Alter natürlich die Zahl der möglichen Fehlerquellen. Wenn der Kofferraum öfter genutzt wird, bietet sich der formschicke, praktischere touring an. Der 535i ist weder Fisch noch Fleisch: Der 535d wirkt deutlich souveräner und gelassener, der 550i zieht prächtiger durch. Der Motor macht in 1er und 3er wesentlich mehr Freude. Für häufige Langstrecke eignet sich der 530d oder der souveräne 535d außerdem besser. Es bleibt beim 535i der Genuss des hervorragenden Triebwerks auf der Habensseite.

Gesamtwertung: 4.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.5 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 2

24.08.2012 23:31    |    scooter17

530i ist auch ein 6er !

28.08.2012 00:46    |    3Xodus

Der 530i als Zwischennotlösung bleibt auch noch im Programm - aber das ist wohl mehr eine Art Alibi-Lösung von BMW. Trotz einer gewissen Mehrleistung gegenüber dem alten 528i (272 statt 258 PS), wird er vom neuen Vierzylinder-528i (245 PS) in den wichtigen Disziplinen Fahrleistungen und Verbrauch (lt. Werk) komplett abgeledert. Eben so, dass sich nur ein Bruchteil überhaupt für den 530i interessieren wird - und BMW fühlt sich bestätigt, den nicht aufgeladenen R6 aus dem Programm zu nehmen. Zum Downsizing-Verbrauchstest in der AMS vor einiger Zeit konnte kein 530i aufgetrieben werden. Zumindest in der Liste steht er also...

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