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BMW 3er F34 320d xDrive Automatik Test

31.07.2016 16:15    |   Bericht erstellt von jwoody

Testfahrzeug BMW 3er F34 GT 320d xDrive
Leistung 190 PS / 140 Kw
Hubraum 1995
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 15000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 4/2016
Nutzungssituation Dienstwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von jwoody 4.0 von 5
weitere Tests zu BMW 3er F34 GT anzeigen Gesamtwertung BMW 3er F34 GT 4.5 von 5
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Einleitung

Seit April 2016 fahre ich einen BMW 320d GT xDrive mit 8-Gang-Automatikgetriebe und adaptiven Dämpfern. Direktes Vorgängerfahrzeug war ein X4 30d, davor bin ich zwei Audi A6 Avant 2.0 TDI (Baureihe C6 und C7) gefahren. Beide Audi A6 waren mit stufenlosem Multitronic-Getriebe ausgerüstet, die im C7 anders als im C6 sehr harmonisch agiert, allerdings keinerlei sportliche Ambitionen hegt, was mir aber egal ist. Hier ein erster Bericht.

 

DESIGN

Gerade in der Seitenlinie wirkt der Wagen in der Realität nicht so plump und hochbeinig wie auf fast allen (auch offiziellen) Bildern. In der Sport-Line-Ausstattung mit abgedunkelten Fondscheiben ist der 3er GT (hier: mineralgrau-metallic – je nach Lichteinfall wirkt die Farbe etwas unterschiedlich) sportlich-elegant mit gestreckter Seitenlinie und mit nicht zu aggressiver „Haifisch“-Front. Nur die Rückansicht ist etwas einfallslos. Die rahmenlosen Fenster, die zur ruhigen Linienführung beitragen, machen sich nicht durch Geräusche bemerkbar. Im Gegenteil: die Innengeräusche sind bei niedrigen Geschwindigkeiten geringer als in so manchem 5er. Die roten Zierleisten der Sport Line-Ausstattung wirken bei näherem Hinsehen nicht so wertig wie auf den ersten Blick, und wie es um die Langzeitqualitäten der glänzenden schwarzen Blenden (Serienausstattung) bestellt ist, muss die Erfahrung zeigen: Sie sehen nicht billig aus, ziehen allerdings Staub magisch an. Die serienmäßigen Stoffsitzbezüge machen eigentlich einen guten Eindruck, aber nach nur 3000 km haben die Seitenwangen der Sportsitze erste Gebrauchsspuren. Die Leder-Stoff-Kombination „Breeze“ würde vermutlich mehr Eindruck machen und besser zum Charakter des Fahrzeuges passen. Die Verarbeitung ist deutlich besser als beim BMW X3/X4 aus US-Produktion, ohne das Audi-Niveau zu erreichen.

 

SITZE & INNENRAUM

Im normalen 3er-BMW nervt mich (1,86 m, 50 Jahre) die extrem niedrige Sitzposition, und es bleibt hinter mir kein sinnvoller Platz für Beine. Die ca. 6 cm höhere Sitzposition im 3er GT ist sehr angenehm (und nicht höher als in einem VW Golf). Die Sitze könnten sich sogar noch einige cm höher verstellen lassen. Sportsitze (Serie bei Sport-Line und M Sport, immer mit elektrischer Lehnenweitenverstellung) sind ein Muss, unverständlicherweise kostet die elektrische Lendenwirbelstütze Aufpreis. Die Sitzfläche fällt etwas zu schmal aus. Die Kopfstützen lassen sich vorn sehr hoch und hinten ausreichend hoch einstellen. Seltsam: der Sitz muss so weit möglich nach hinten gekippt werden, damit die Oberschenkel sinnig aufliegen. Auch nervig: die grobrastige Lehnenneigungverstellung und die fast schon gefährliche manuelle Sitzhöhenverstellung – ein Fehlgriff, und der Sitz rauscht in die tiefste Position. Insgesamt sind die vergleichbaren Audi-Sportsitze merklich bequemer und preiswerter (da serienmäßig mit Lordosenstütze), aber von den viel zu weichen Seriensitzen ohne vernünftigen Seitenhalt sollte man sowohl bei BMW als auch bei Audi die Finger lassen, wenn man oft weite Strecken fährt. Wie bei sehr vielen neuen Fahrzeugen gibt es weder vorne noch hinten eine Gurthöhenverstellung – unverständlich!

Hinten gibt es dank 11 cm mehr Radstand als beim normalen 3er außer in der Breite merklich mehr Platz als im 5er BMW. Der hintere Mittelplatz ist auf Kurz- und Mittelstrecken zumutbar. Warum bei der wirklich großzügigen Beinfreiheit im Fond die Sitzflächentiefe so knapp bemessen wurde, ist bei einer Reiselimousine unverständlich. Achtung: das große, schöne Panoramaglasdach kostet hinten merklich Kopffreiheit – ich habe es nicht bestellt. Unbedingt vor Kauf testen!

Das serienmäßige Leder-Lenkrad der Sport Line-Ausstattung fühlt sich wie Kunststoff an. Bei einem Fahrzeug in der Preisklasse um 50.000 € sollte ein wertig wirkendes Lederlenkrad drin sein, der erste Eindruck ist hier entscheidend. Hier sollte man sich das M Sport-Lenkrad gönnen. Audi kann das besser.

 

KOFFERRAUM & ABLAGEN

Der Kofferraum ist groß, nicht zu flach und gut nutzbar, und die seitlichen LED-Lichtbänder sorgen für perfekte Ausleuchtung. Die zweiteilige feste Gepäckraumabdeckung (kein Rollo) passt unter den Laderaumboden. Das dort befindliche Ablagefach ist nicht sehr groß, aber in meiner Ausstattungsvariante ist hinter der seitlichen linken Klappe in der Kofferraumseitenwand viel Platz, der locker für ein Paar Arbeitsschuhe reicht. Leider gibt es auch gegen Aufpreis kein Trennnetz zum Innenraum, was für die Sicherheit bei dachhoher Beladung eigentlich unerlässlich ist. Dank des geräumigen Fonds klappen die Rücksitzlehnen auch bei weit zurückgeschobenen Vordersitzen mit aufgestellten Kopfstützen nach vorn, die Griffe für die Fernentriegelung der Rücksitzlehnen (serienmäßig 40:20:40 geteilt) sind sehr gut angeordnet. Wer hier mehr Wert auf Variabilität und Lademöglichkeiten sowie auf das Fehlen einer Innenstufe an der Heckklappe legt, muss zum 2er Tourer greifen. Die Ablagen in den Türen und die Ablage unter der Mittelarmlehne sind sehr klein. Zumindest beim 3er GT wäre daher eine elektronische Parkbremse sinnvoll und der Klasse angemessen, beim normaler 3er kann es ja aus „folkloristischen“ Gründen bei der Handbremse bleiben. Das Handschuhfach ist nur durchschnittlich groß.

 

FAHREN

Das Fahrzeug lässt sich trotz seiner Größe sehr leichtfüßig und präzise bewegen und ist mit den adaptiven Dämpfern komfortabel und doch nie schaukelig oder gar schwammig. Die Übersichtlichkeit nach hinten ist durchschnittlich, die gute Rückfahrkamera mit recht starker Fish-Eye-Charakteristik ist empfehlenswert. Der Wendekreis ist allerdings relativ groß. Die Fahrgeräusche sind beim Gleiten niedrig, der Motor ist im Teillastbereich sehr leise und hebt nur beim stärkeren Beschleunigen seine Stimme, klingt dann aber blechern und BMW-unlike (mit der aktuellen Diesel-Diskussion wird auch der 320i interessant). Ab ca. 130 km/h steigt das Innengeräuschniveau aber merklich – kein Vergleich zum perfekt gedämpften Audi A6 C7. Insgesamt ziehe ich den 320 d GT trotz nur 4 Zylindern dem sonoren, aber lauten, da schlecht gedämmten X4 mit 3-Liter-Diesel-Sechzylinder (Vorgängerfahrzeug) eindeutig vor: mit 190 PS ist man absolut ausreichend motorisiert, und der Verbrauch liegt nach 3000 km um 6 L/100 km – auch in Anbetracht des Verzichts auf extremen Kurzstreckenverkehr für ein gerade zugelassenes Fahrzeug akzeptabel. Dieselfahrzeuge erreichen Ihren Leistungszenit und das Verbrauchminimum oft erst nach 30-40.000 km.

Für mich zählt beim Fahren das entspannte Reisen, bei freier Bahn gerne auch schneller, im dichten Verkehr souverän im Verkehr mitschwimmend. Der 3er GT ist meiner Meinung nach das einzig sinnige, bezahlbare Langstreckenfahrzeug von BMW: der normale 3er ist im Innenraum viel zu eng, der 5er ist im Fond enger und kommt im Platzangebot nicht an einen Audi A6 heran, der 5er GT ist sicher toll, aber arg teuer und wirkt klobig.

 

NAVI & ENTERTAINMENT

Das große, aber auch teure Navigationssystem Professional macht immer wieder Freude: im Großen und Ganzen einfach über den iDrive-Controller mit Zusatztasten zu steuern, gute, wenn auch etwas überladene Grafik, sehr gute und zuverlässige Echtzeit-Daten über das Connected Drive. Wird die Darstellung der gesamten Route ausgewählt, sind die Ränder sehr breit gewählt – das geht unnötigerweise auf Kosten der Übersicht und Genauigkeit. Gut wäre es zudem, wenn man z.B. durch mehrfaches Drücken der NAV-Taste am iDrive-Controller zwischen Kartendarstellung, den Verkehrsmeldung und den Zusatzmenüpunkten umschalten könnte, die Auswahl der Verkehrsmeldungen über das Menü dauert etwas und lenkt unnötig ab. Es ist aber möglich, den Aufruf der Verkehrshinweise als Direktwahltaste (1-8) zu speichern. Die mp3-Playerfunktion für die Festplatte ist nicht so logisch und einsichtig zu bedienen wie die anderen Menüpunkte. Insgesamt halte ich das iDrive-System für das derzeit beste Bedienkonzept am Markt, nur die Bedienführung und der Anzeigeumfang des zentralen Monitors zwischen analogem Drehzahl- und Geschwindigkeitsmesser ist bei Audi besser.

Die aufpreispflichtigen Hifi-Lautsprecher klingen nicht besonders füllig, die Standardlautsprecher mag man sich nicht vorstellen. Wer auf richtig guten Klang Wert legt, muss zum Harman-Kardon-System greifen.

 

BEDIENUNG

Die Bedienung ist im Wesentlichen einfach und selbsterklärend. Wie man allerdings auf die Idee kommen konnte, den Taster für die serienmäßige elektrische Heckklappe tief im Fahrerfußraum zu verstecken, bleibt absolut unverständlich. Im X3/X4 ist der Taster in der Fahrerarmlehne bei den Fensterhebern angeordnet, und da gehört er auch hin. Die serienmäßig motorisch betriebene Heckklappe öffnet und schließt zügig und geräuscharm, bei X4 war das Geräusch sehr laut und die Klappe krachte richtig ins Schloss. Der Fahrerlebnisschalter hat keine Memory-Funktion und bleibt beim Ausschalten der Zündung nicht im empfehlenswerten Eco-Pro-Modus: nur hier kann man die Segelfunktion aktivieren, und hier schaltet die sehr gute Acht-Gang-Automatik nochmals feinfühliger. Wer einmal wie ich im X4 adaptives LED-Licht genießen durfte, wird das aufpreispflichtige Xenon-Licht nur durchschnittlich bewerten. Kurvenlicht und Fernlichtassistent funktionieren einwandfrei, reagieren aber in manchen Situationen hektisch. LED-Scheinwerfer gehören mit der Modellpflege ab Sommer 2016 zur Serienausstattung, für 790 € Aufpreis gibt es dann das empfehlenswerte adaptive LED-Licht. Das ansonsten sehr gute Head up-Display lässt sich bei hochgestellten Sitzen für meine Geschmack nicht hoch genug einstellen. Anders als bei VW, Audi, Skoda, Mercedes und vielen anderen Modellen gibt es bei BMW ohne Head up-Display keine digitale Geschwindigkeitsanzeige in großen Ziffern – ein echtes Manko.

 

FAZIT

Sehr guter Reisewagen mit leichtfüßigem Handling und einigen kleineren Kritikpunkten. Beim Geräuschkomfort ist allerdings deutlich Luft nach oben.

 

NACHTRAG NACH 7 MONATEN

Die Gesamtfahrleistung liegt bei ca. 15000 km. Der Durchschnittsverbrauch ist bisher nicht weiter gesunken und liegt bei ca. 6,2 L, was nicht rekordverdächtig ist. Dazu tragt die Spreizung der Automatik bei, die nicht weit genug ist. Auf englischen Autobahnen bei knapp 120 km/h dreht der Motor ca. 1800/min, der Voränger Audi A6 mit multitronic aber nur 1100/min. Die Winterreifen (ohne Runflat!) auf 17 Zoll-Räder verhalten sich komfortabler und tendenziell auch leiser als die serienmäßigen Sommerreifen (18 Zoll).

Galerie

Karosserie

3.5 von 5

 

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + angenehm hohe Sitzposition vorn
  • + viel Platz im Fond
  • - Verarbeitung gut, aber nicht auf Audi-Niveau

Antrieb

4.0 von 5

 

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + perfekt schaltende Achtgang-Automatik
  • - Verbrauch nur durchschnittlich (ca. 6 L/100 km)

Fahrdynamik

4.0 von 5

 

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + leichtfüßiges Handling
  • - großer Wendekreis

Komfort

4.0 von 5

 

Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + komfortables, sicheres und leichtfüßiges Fahrverhalten
  • - ab ca. 130 km/h deutlich steigendes Geräuschniveau

Emotion

4.0 von 5

 

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Fahrzeug wirkt in der Realität deutlich eleganter als auf Abblidungen, ...
  • - ... polarisiert aber

Gesamtfazit zum Test

  • + angenehme hohe Sitzpisition vorn
  • + viel Platz und Komfort im Fond
  • + Fahrverhalten sicher, leichtfüßig und komfortabel
  • + als 320d mehr als ausreichend motorisiert
  • - Geräuschkomfort verbesserungsfähig
  • - Praxisverbrauch nur durchschnittlich (ca. 6,2 L/100 km)
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Sehr guter und geräumiger Reisewagen mit leichtfüßigem Handling und einigen kleineren Kritikpunkten.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Beim Geräuschkomfort ist allerdings deutlich Luft nach oben.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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