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BMW 3er E90 318i Test

15.03.2015 03:43    |   Bericht erstellt von michael101202

Testfahrzeug BMW 3er E90 318i
Leistung 143 PS / 105 Kw
Hubraum 1995
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 66500 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 2/2008
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von michael101202 4.0 von 5
weitere Tests zu BMW 3er E90 anzeigen Gesamtwertung BMW 3er E90 4.0 von 5
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Einleitung

Manche im BMW-Forum bezeichnen den BMW 318i (E90, 143 PS, N43) als Wanderdüne... Leute, geht's noch?!

 

Von meinen drei zuletzt gefahrenen Fahrzeugen (BMW 320d, E90, Bj, 2005 mit 163PS; Audi A4 Avant, 2.0 Tdi, Bj. 2012 mit 143PS und zurzeit BMW 318i, E90, Bj 2008 mit 143PS) macht mir der Letztgenannte am meisten Spaß. Auch wenn er sich laut Datenblatt dem 320d (225km/h vs. 210km/h Spitze; 8,3 sek. vs. 9,1 sek. 0-100km/h) geschlagen geben muss (Audi: 208km/h, 9,4sek.) Woran das liegt? An der Charakteristik des Fahrzeugs, das ideal zu meinem Fahrprofil passt: 65%Land / 30%Stadt / 5%Autobahn.

 

Die Diesel aus dem 320d und A4 2.0Tdi sind beides super Motoren und wirken dank des hohen Drehmoments im Alltag souverän. Allerdings hat der 318i das spürbar flexiblere Drehzahlband. Wer den Sauger munter drehen lässt und vor dem Überholen runterschaltet, ist auf der Landstraße durchaus sportlich unterwegs. Leistungsmäßig dünn wird es beim 318i bei höherem Tempo auf der Autobahn - würde ich jeden Tag Autobahn fahren, wäre der kleine Benziner sicher nicht die erste Wahl, auch wenn er die Tachonadel mit ein bisschen Anlauf auf 220 drücken kann.

 

Im Alltag (Stadt und Landstraße) überzeugt der 318i durch seine Laufruhe. Er ist kultivierter als die kernigeren 320d und A4 2.0Tdi und klingt ein bisschen besser, auch wenn er sich in diesem Punkt natürlich nicht mit dem Reihensechser von BMW messen kann. Mein 318i ist trotz Efficient Dynamics ziemlich durstig und dürfte einem 320i oder 325i nicht viel nachstehen. Mit 5,9 Litern wird der Durchschnittsverbrauch von BMW angegeben, das ist in der Praxis nicht zu erreichen. Mit 225er Winterbereifung und gemischter Fahrweise (30%Stadt / 65%Land / 5%Autobahn, mal flotter, mal ruhiger) liege ich laut Bordcomputer bei 8,7 Litern auf 100km, de facto dürften es gute 9 Liter sein. Bei den Unterhaltskosten (Steuern, Versicherung, Kraftstoff, Werkstatt...) liegt der 318i trotz des höheren Verbrauch bei 13.000 km pro Jahr etwas günstiger als der 320d.

 

Wie von BMW gewohnt, sind Handling, Schaltung und Lenkung auch beim 318i erste Sahne. Der Heckantrieb ist grandios und ein echter Pluspunkt für BMW. Das M-Paket mit 15mm Tieferlegung lässt den Wagen in Kombination mit den harten Runflat-Reifen zwar ziemlich verbindlich bis hart federn, sorgt aber zugleich für eine erstklassige Querdynamik mit ordentlich Spaßfaktor. Empfehlenswert sind Sportsitze. Dank aufblasbarer Seitenwangen und tiefer Sitzpostion kommt ein sportliches Fahrgefühl bei gutem Seitenhalt auf.

 

Bevor ich mich für den 318i entschieden habe, bin ich den 325i (N25, 2,5 Liter-Reihensechszylinder, 218PS, Bj. 2005) probegefahren. Ein kräftiger Motor mit starkem Sound. Aber auch deutlich teurer in Anschaffung und Unterhalt. Der N43-Motor aus dem 318i hat in punkto Zuverlässigkeit (Zündspulen) bekanntlich nicht den besten Ruf. Pluspunkt für seinen Saugmotor: Partikelfilter und Turbo können keinen Ärger machen - im Gegensatz zu den Dieseln hat der 318i beides nicht. Die Sorge vor kostspieligem Ärger mit dem Turbo war übrigens auch ein Grund, warum ich vom Kauf eines gebrauchten VW Golf 1.4 TSI GT (170 PS) abgesehen und mich für den guten alten Sauger im 318i entschieden habe. Bislang ohne Reue.

Karosserie

4.0 von 5

 

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Hochwertige Verarbeitungsqualität
  • - Platzangebot nur ausreichend

Antrieb

3.5 von 5

 

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Drehfreudiger, kultivierter Motor.
  • - Verbrauch bestenfalls Durchschnitt - trotz Efficient Dynamics.

Fahrdynamik

5.0 von 5

 

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Heckantrieb = Freude am Fahren. Erstklassige Querdynamik.
  • - Kleiner Motor ohne Turbo braucht hohe Drehzahlen.

Komfort

4.5 von 5

 

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Intuitives Bedienkonzept
  • - Runflat-Reifen unkomfortabel

Emotion

4.5 von 5

 

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Zeitloses Design
  • - Heckpartie unspektakulär

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Sportlichste Limousine in der Mittelklasse

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Durchschnittliches Platzangebot

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 1

31.03.2015 14:30    |    Tl-01a

Ich kann irgendwie nicht verstehen wie die Motorleistung und Beschleunigung als hoch eingestuft wurden.

Macht irgendwie keinen sinn bei 140PS und einem so hohen Gewicht.


28.04.2015 04:14    |    michael101202

Doch, macht in der Stadt und auf der Landstraße durchaus Sinn. Ist aber natürlich immer eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Wenn Du täglich einen 335i fährst, dürfte Dir der 318i vorkommen, als hättest Du den Rückwärtsgang eingelegt, ist doch klar. Fakt ist aber: Zwischen 3500 und 6000 Umdrehungen fährt Dir mit dem 143-PS-Motor im 318i so schnell keiner davon. Auch ein 318i hat Heckantrieb, eine unschlagbare Querdynamik und dürfte flotter sein als die allermeisten übrigen Verkehrsteilnehmer. Ist halt auch ein BMW.

 

Eins ist aber auch klar: der 318i-Motor braucht Drehzahlen, nur das macht ihn sportlich. Ihm fehlt die Drehmoment-Souveränität des 320d bei 1800-3500 Touren. Wenn's richtig nach vorne gehen soll, ist Runterschalten beim 318i Pflicht. Genau das ist auch der Unterschied und macht im Vergleich zum 320d (die 163 PS-Version habe ich vorher gefahren) Spaß. Ist halt eine Frage der Charakteristik. Im Vergleich zum 320d (geht bis ca. 4500 Touren) ist der 318i (bis ca. 6000 Touren) obenrum zackiger.

 

Die Beschleunigung beim 318i mit 143 PS ist absolut ok. Tägliche Situation auf der Landstraße: 90km/h, lahmer A4 TDi vor Dir, Blinker links, 3. Gang rein, Vollgas und in Nullkommanix auf 130. Kann der 320d nicht besser - im Diesel musst Du nur nicht in den 3., sondern in den 4. oder 5. runterschalten. Der 320 Diesel regelt das mit Drehmoment statt Drehzahl und wirkt deshalb souveräner und weniger aufgeregt (=weniger sportlich).

 

Einig sind wir uns aber auch: Auf der Autobahn (ab ca. 160km/h) hat der 318i gegen den 320d-Motor keine Schnitte.


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