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BMW 1er F20 (Fünftürer) 114i Test

15.04.2016 00:42    |   Bericht erstellt von iiSS

Testfahrzeug BMW 1er F20 (Fünftürer) 114i
Leistung 102 PS / 75 Kw
Hubraum 1598
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 62500 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 6/2013
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von iiSS 3.5 von 5
weitere Tests zu BMW 1er F20 (Fünftürer) anzeigen Gesamtwertung BMW 1er F20 (Fünftürer) 4.0 von 5
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Einleitung

Nachfolgend ein Nachruf zu meinem nun verkauften 114i. Da hier noch kein Bericht zu finden war, möchte ich potenziellen Käufern den Schrecken vorm kleinsten Motor nehmen und das an sich doch tolle Fahrzeug in gutes Licht rücken.

Karosserie

4.0 von 5

Das Platzangebot ist kaum von dem im 3er BMW der F-Serie zu unterscheiden. Subjektiv gibt's bei ähnlicher Sitzeinstellung auch im 5er oder 7er kaum mehr nutzbare Freiheit. Auch hinten sitzt es sich für Personen bis 1,80m noch auf längeren Strecken sehr komfortabel. Hier gleich zu erwähnen, wie schön die ausklappbare Mittelarmlehne im Fond ist - die es mit dem M-Paket übrigens dann so nichtmehr gibt (was an der Teilbarkeit der Rücksitze liegen kann - nicht sicher). Der Koferraum (Gepäckraumnetz wirklich empfohlen!) reicht absolut und entspricht dem, was man vom Fahrzeug erwarten kann.

 

Der Qualitätseindruck wurde Stammtischhaft oft etwas gerügt. Wer die Freiheit zur Konfiguration hat, der macht mit dem M-Paket einen qualitativen Sprung in Richtung Luxus. Ebenso das Fahrer/Farbinformationdisplay/Erweiterte Instrumente im Armaturenbrett sollten dabei sein, das lässt den Tacho viel hochwertiger wirken. Der I-Drive Button wackelt gerne etwas. Sonst kann ich das Niederreden nicht wirklich nachvollziehen. Audi-Niveau ist noch nicht erreicht. Aber der F20 spielt vorne mit.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Platzangebot

Antrieb

3.0 von 5

Ein 114i muss natürlich wohl überlegt sein. Der 116 ist kaum teurer und auch ein 118i ist wegen der Fülle am Markt jedenfalls als Gebrauchtwagen nicht weit davon entfernt. Dazu kommt gegebenenfalls, dass 114i als Stadtwagen oft noch höherer Materialbelastung ausgesetzt ist, als größere (auf der Autobahn bewegte) Modelle. Ich bin sehr viel Autobahn gefahren, habe allerdings keinen Bleifuß. Wie zu erwarten ist, leistet der 114i keine Wunder. Dennoch geht es gerade im Verkehr bis 130 km/h durch die TwinScroll-Turboaufladung subjektiv flott voran. Auch wenn man sich beim Ampelrennen vermutlich schämt, wird man auf keinen Fall zum Hindernis im Verkehr.

 

Die Elastizität und Drehfreude lassen allerdings wirklich etwas zu wünschen übrig. Der Motor wirkt gedrosselt und über 4000 U/m leidet er unter der Gaspedal-Qual. Ich fahre gerne untertourig und das honoriert der Motor mit kultivierterem Lauf. Nahe des roten Bereiches (nein, immernoch kein Sprunghafter Leistungsanstieg wie man das als Sauger-Kenner noch so im Kopf haben mag) schreit der Motor beinahe nach erlösung. Das muss man ihm aber auch selten antun - da das volle Drehmoment bei rd. 1100 U/m anliegt, ist ein Ausdrehen der Gänge ohnehin sinnlos.

 

Im Sportmodus ruft er dann doch über die Pneus am Asphalt.

 

Das Getriebe ist 1a. Besser rührt sich's nicht.

 

Der Verbrauch ist in Ordnung - Gut bei gleichmäßiger Fahrt. Bei Lastspitzen ist die Varianz größer. Wer gerne flotter fährt, ist mit dem 116i oder gar 118i kaum weniger sparsam unterwegs.

Die Reichweite korrespndiert.

Auf Langstrecke und bei sehr ruhiger Fahrt durchaus ohne Freunschaftsverhältnis zum Tankstellenpächter zu bewegen.

https://www.spritmonitor.de/de/detailansicht/657768.html

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Verbrauch
  • - Elastizität

Fahrdynamik

3.5 von 5

Das Handling hat sich trotz des kleinsten Motors und korrespondierend keiner Sportausstattung wie Fahrwerk/Bremsen etc. als sehr gut herausgestellt.

Hier wird die Erwartungshaltung deutlich übertroffen.

 

Die Beschleunigung beschreibe ich beim Antrieb - ich denke, darauf muss man nicht weiter herumhacken. Wenn es um Dynamik geht, ist im Sportmodus sogar etwas sportliche Freunde angebracht.

 

Die Lenkung und das Fahr/Kurvenverhalten ist vorzüglich. Ich glaube kaum, dass man dieses Feedback irgendwie besser gestalten könnte. Das Fahrzeug wirkt leicht und man fühlt sich jederzeit mit der Straße verbunden. Ohne Sport/adaptivem Fahrwerk eine gute Mischung aus Komfort und Sport. Mit den 16-Zoll Felgen genau richtig - bei 18/19-Zöllern könnte das Fahrwerk zu lasten des Komforts etwas härteres Feedback geben. Das bleibt jedoch subjektives Empfinden.

 

Die Bremsen haben mich fast "Punktgenau" ab ca. 58 TKM kurt vor Verkauf etwas überrascht. Ein potenzieller Erwerber wies mich auf den Zustand der Bremsscheiben (!) hin. Die Klötze waren vollkommen in Ordnung und die Wartungsanzeige verlautbarte 60/70 tkm v/h bis zur nächsten Wartung. In Absprache mit einem Dekra-Prüfingenieur hatte die Bremse keine übermäßig/"fehlerhaft" starken Beanspruchungsspuren, was mich für mein Fahrprofil sehr gewundert hätte.

Das Problem: Bei kalten/nassen Bremsen musste man einiges auf's Eisen drücken, besonders bei (1) längerer Fahrt ohne Bremsen bei Regen und (2) bei Fahrtantritt. Das alles Trat im Winter auf, was dann ggf. auch durch Salz an den Bremsen verursacht wurde. Dennoch gebe ich dem Käufer bis heute Recht - die Bremsscheiben waren für 60 tkm und fast ausschließlich Langstreckenbetrieb relativ stark geschlissen.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • - Bremsverschleiß

Komfort

4.0 von 5

Wie bei Fahrdynamik beschrieben ist das Fahrwerk ein guter Mix, bei weniger Federwirkung der Reifen tendenziell etwas sportlicher.

 

Die Standardbestuhlung ist in Ordnung. Auch auf längeren Strecken bequem. Hier Punkten bei mir die M-Sitze im Vergleich auf negative Weiße nicht - denn besonders viel komfortabler sitzt man dort nicht. Ebendies gilt für das hintere Ende des Saales.

 

Im Stadtverkehr ist der Wagen sehr ruhig. Auf der Autobahn in Richtung der Höchstgeschwindigkeit von gut 190 km/h schreit der Wagen etwas gequält - dort ist das Fahrzeug aber einfach nicht mehr zuhause.

 

Die Bedienung ist intuitiv und einfach.

Klimatisierung ebenso.

Die Klimaanlage (A/C) ist angenehm kalt, die Heizung wird schnell warm (was bei der Hitze im Motorraum kaum verwunderlich ist) .

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Standardsitze
  • - Geräuschkulisse >140km/h

Emotion

4.5 von 5

Design ist in Mineralgrau fantastisch - selbst ohne Sportausstattung eine markante Seitenlinie, mit Xenon und LED-Heckleuchten sportlich-modern und hochwertig.

So wird das Fahrzeug seinem sportlichen "Freude am Fahren"-Image gerecht.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Seitenlinie
  • + sonstige Konturen

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr bis 100 Euro
Verbrauch auf 100 km 5,5-6,0 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 100-300 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr bis 200 Euro

Gesamtfazit zum Test

  • + Verbrauch
  • + Design
  • + Image
  • + Wertigkeit
  • + Haptik
  • - Elastizität
  • - Bremse
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Würde ich ihn wieder kaufen?

Ich weiß es nicht - es hatte seine Gründe, dass ich gewechselt habe. Die lagen aber nicht beim Fahrzeug selbst!

 

Würde ich ihn empfehlen, wenn er individuell passt?

Auf jeden Fall!

 

Wem ich das Fahrzeug empfehlen kann?

Fahranfängern die ein solides, modernes und hübsches Auto haben wollen und weniger Wert auf große Beschleunigung legen. Unterhalt ist damit auch für junge Fahrer tragbar.

Stadtfahrern und Leuten, die periodenweise längere Strecken fahren und insgesamt eher ein Benziner-Fahrprofil haben - und auf der Schwelle zwischen Benziner und Diesel stehen.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wer einen Bleißfuß hat, wird schnell unzufrieden sein. Probefahren! Wer sich hier von Anfang an unsicher ist, wird aber vermutlich immer damit kämpfen.

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
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