Audi A5 B9 Sportback 2.0 TDI quattro Test #189982
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Audi A5 B9 Sportback 2.0 TDI quattro Test

05.07.2017 23:09    |   Bericht erstellt von TheRealThing

Testfahrzeug Audi A5 F5 Sportback 2.0 TDI quattro
Leistung 190 PS / 140 Kw
Hubraum 1968
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 2200 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 1/2017
Nutzungssituation Probefahrt
Testdauer ein Wochenende
Gesamtnote von TheRealThing 4.0 von 5
weitere Tests zu Audi A5 F5 Sportback anzeigen Gesamtwertung Audi A5 F5 Sportback 4.0 von 5
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Einleitung

Ich bekam den A5 SB für einen Tag lang zum Testen, da ich an einem A5 Coupé (TFSI Quattro) interessiert war.

 

Der Händler hatte nur den 190 PS TDI Quattro, immerhin mit adaptivem Fahrwerk, montiert waren 18" Winterreifen.

Karosserie

4.0 von 5

Der Wagen hatte das S-Line Interieur mit Alcantarasitzen.

 

Außen wie innen strahlt der A5 eine top-Verarbeitung aus, die rahmenlosen Türen schließen präzise und satt, Wohlfühlatmosphähre macht sich schnell breit. Das ist für Mittelklasse schon alles auf einem sehr hohen Niveau.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + tolles Cockpit, sehr gute Anmutung
  • + schickes Design
  • + im Detail wurde wenig dem Zufall überlassen
  • - trotz Dämpferregelung mit Tieferlegung steht der Wagen etwas hoch
  • - für mich (1,85) ist die Sitzposition etwas zu hoch

Antrieb

4.5 von 5

Der Antrieb legt spontan los, obwohl der Wagen erst wenige Kilometer runter hatte.

 

Von außen hört man ein dezentes Nageln und der Diesel ist nicht zu leugnen, innen klingt er nicht unsympathisch, bis man ihn eben ausdreht, aber dafür sind R4-Diesel auch nicht gemacht.

 

Im Großen und Ganzen bilden Motor und S-Tronic eine gelungene Kombination und man kommt flott vom Fleck, die S-Tronic schaltet unauffällig und ohne Ruckler, auch nicht unter Last, das ist sehr überzeugend. Für mich ein klarer Vorteil gegenüber Wandlerautomaten, die gerade in den unteren Gängen immer noch störende Zugkraftunterbrechungen aufweisen oder auch einfach zu viel im Teillastbetrieb hin- und herschalten und so den Komfort schmälern (die viel gelobte ZF 8-Gang konnte mich bisher nur beim 3l Diesel und RS6 überzeugen).

 

Auch der manuelle Modus überzeugt durch und durch und kommt Schalter-Fans sehr gelegen, auf Landstraßen bereitet das eine Menge Fahrspaß. Der Yacht-ähnliche Schalthebel weist genügend Weg auf und präzise Endanschläge, um den manuellen Modus nicht zur reinen Gag-Veranstaltung zu machen, Schaltpausen inklusive.

 

Millisekunden-Jäger auf der NOS wird das nicht schmecken, aber hier geht es um die Simulation analogen Schaltverhaltens für eine aussterbende Autofahrerart, die gefällt mir eben.

 

190 PS bleiben 190 PS, ab ca. 160 wird es spürbar zäher, aber bis dahin ist man gut motorisiert unterwegs. Grundsätzlich würde ich eher zum 252 PS TFSI tendieren (ein Benziner ist einfach spritziger), aber der Druck untenraus überrascht hier schon. Würde mir am Ende vermutlich genügen, es geht ja auch um das Gefül, vorwärts zu kommen und das passt schon gut.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + sehr gute Laufkultur für einen Diesel
  • + guter Durchzug, macht Spaß
  • + Verbrauch geht für einen 1,6 Tonner mit Automatik i.O.
  • + Die S-Tronic ist klasse, harmoniert perfekt mit dem Diesel
  • - Vibrationen beim Ausdrehen, es ist eben ein R4-Diesel, kann man nix machen
  • - Geräusch von außen, als Cabrio eher meiden;-)

Fahrdynamik

4.0 von 5

Es ist ein Audi: sprühende Emotionalität ist nicht seine Sache, so muss man ihm den Fahrspaß schon etwas entlocken.

 

Aber der A5 ist ein echter Kurvenräuber und schwingt sich lässig die Serpentinen rauf, trotz schlechter Balance (56:44 % Gewichtsverteilung) lenkt er lange neutral ein. Nur Einrollen ohne Last mag er nicht so, also immer schön auf Zug bleiben.

 

Der schwerere Vorderbau mit Motor mehr oder weniger vor der Vorderachse kann seine bauartbedingten Nachteile nicht gänzlich leugnen die Front will nach außen drängen, das clevere Fahrwerkssetup versucht dies zu unterbinden. Was im Alltag auch meistens genügt.

 

Der Sportback hatte die normale Lenkung, mittels Drive Select kann der Einfluss der Servotronic gesteuert werden, auf Stellung "Dynamik" war die Lenkung genau richtig, auf "Comfort" passte das Lenkgefühl weniger, zu leichtängig. Einflüsse in der Lenkung sind im Grunde nicht spürbar, Audi stimmt die Lenkungen immer etwas "taub" ab, es ist eben ein Kompromiss aus unterdrückten Lenkungseinflüssen und Feedback.

 

Sie ist auch noch direkt genug, ich würde beim A5 eher auf die Dynamiklenkung mit variabler Übersetzung verzichten. Im A6 habe ich sie, aber auch nur, um eine schlecht geratene Lenkung wenigstens halbwegs erträglich zu machen. Im A6 ist sie noch synthetischer, mit der DL eben so in Ordnung.

 

Variable Übersetzungen sind ein zweischneidiges Schwert, sie bieten unbestreitbar viele Vorteile, aber für sportliche Fahrer werden Kurvenfahrten ein ewiges Rätsel bleiben. Im Grunde genügt eine lineare Lenkung mit ausreichend direkter Übersetzung und guter Rückmeldung, aber die Hersteller brauchen ja noch ein paar Optionen mehr auf der Bestelliste;)

 

Der Geradeauslauf ist perfekt, ebenso wie der Quattro. Ich fuhr bisher noch keinen BMW xDrive mit ähnlichen Eigenschaften, der fällt in vielerlei Hinsicht ab.

 

Der Wagen stand übrigens auf Winterreifen, dafür finde ich das Fahrverhalten schon recht erstaunlich, mit UHP Reifen dürfte das ganze noch mal spürbar dynamischer und direkter werden.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + die erste gute Audi-Lenkung seit langem
  • + für die Größe und Gewicht, sehr agiles Fahrverhalten
  • + der A5 Quattro ist ein Kurvenräuber, weiter Grenzbereich
  • + neutrales Fahrverhalten
  • - Zugang zum Fahrspaß ist etwas verhalten, Audi eben
  • - Das Übergewicht vorne ist schon hier und da spürbar

Komfort

4.0 von 5

Ich fuhr die Dämpferreglung fast nur auf Dynamik, mit 18" alltagstauglich und schön direkt, mit 19" könnten Querfugen hier und da unangenehm werden, das muss man testen. Dies wurde auch auf "Comfort" oder "Auto" nicht besser, die Grundabstimmung bleibt straff, die Druckstufe der Dämpfer schien sich nicht groß zu ändern

 

Das MMI ist wie immer gewöhnungsbedürftig, darauf reite ich aber nicht lange herum. Im Wesentlichen erfüllt es die Anforderungen, die ich so brauche, ob dies nun hier einen Klick mehr braucht als bei BMW, Jaguar oder sonstwo, ist mir egal. Hauptsache kein Touch oder kein Klappdisplay mehr wie im A6, mehr will ich gar nicht.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Die Dämpferregelung ist gut abgestimmt, wenig Aufbaubewegungen
  • - der A5 steht zu hoch
  • - etwas viel Seitenneigung

Emotion

3.5 von 5

Image? Was ist das? Ich kaufe Autos nach anderen Kriterieren. Mich stören schon die Blicke auf meinen A6 mit LED-Kirmesbaum und angetäuschtem Laserschwert, ich muss nicht auffallen.

 

Design: also mal ganz ehrlich, der B8 A5 war um Längen stimmiger! Der SB geht gerade noch, beim Coupé stimmt es hinten wie vorne nicht. Mir gefällt es nur bedingt. Ich würde lieber einen B8 mit aktuellem Innenleben kaufen, das ist meine Meinung.

 

Die Grundauslegung ist sportlich, aber ein durch und durch emotionales Auto fährt anders, Audi ist auf dem Weg zum Fahrerauto, aber das Ziel ist noch nicht erreicht.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + grundsätzlich ein agiles und sportlich zu fahrendes Auto, das sich mit 1,6 T behände um die Kurven fahren lässt
  • - Fahrerfeedback ist noch im Simulationsmodus
  • - das Design ist unfertig, hier muss Audi beim Facelift nachlegen. Der Sportback ist gefälliger als das Coupé

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Erstklassiger Qualitätseindruck, Verarbeitung und Materialien sind auf sehr hohem Niveau

 

Geringes Geräuschniveau, Außen-, Wind- und Abrollgeräusche sind sehr gut gedämmt.

 

Der 190 PS TDI Motor, Getriebe und Quattro ergeben eine tolle Einheit, das fährt sich einfach stimmig, neutrales Fahrverhalten, leichte Hecklastigkeit unter Last.

 

Die Dämpferregelung gefällt mir sehr gut, prima Feedback von der Straße. Die adaptiven Fahrwerke aus München sind mir meistens zu schwammig, zu wenig akzenturiert.

 

Meine persönlichen Meinung: die besseren adaptiven Fahrwerke baut derzeit Audi (außer vielelicht das überteuerte adaptive Drive, gibt es aber nur ab 5er aufwärts).

 

Ausgezeichneter Geradeauslauf, die Lenkung ist ein spürbarer Fortschritt zum B8 Facelift (nicht zur Hydraulik im VFL).

 

Fahrspaß ist auf jeden Fall gegeben, wenn er auch etwas entlockt werden muss. Ich beschreibe es mal so: Audi macht formal alles richtig, aber formell ist eben manchmal auch etwas langweilig. Hier fehlt etwas Pep. Stichwort: Fahrerauto.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Das tiefergelegte Fahrwerk mit Dämpferregelung ist optisch mit 4 cm Radhausabstand viel zu hoch.

 

Die Sitzposition ist für Leute ab 1,80 bzw. Sitzriesen zu hoch, man ist dadurch weniger gut integriert. Die Sitze/Bodenplatte muss tiefer sein. Im BMW 4er sitzt man besser integriert.

 

Entertainment kam mir etwas umständlich vor, das ist letztendlich Gewöhnugnssache, hier gibt es weitaus schlimmere Systeme.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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