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Alfa Romeo Spider 115 2.0 Test

28.02.2014 00:33    |   Bericht erstellt von Supernano

Testfahrzeug Alfa Romeo Spider 115 2.0
Leistung 120 PS / 88 Kw
Hubraum 1962
Aufbauart Cabrio/Roadster
Kilometerstand 80000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 6/1990
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von Supernano 3.0 von 5
weitere Tests zu Alfa Romeo Spider 115 anzeigen Gesamtwertung Alfa Romeo Spider 115 3.5 von 5
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Einleitung

Ich besitze diesen Wagen seit fast 3 Jahren und habe nun ca. 20000km damit zurück gelegt. Der Wagen wurde im Alltag gefahren, aber fast ausschließlich bei schönem Wetter. Im Winter war das Auto in trockener Garage eingelagert. Zur Optik: Meines Erachtens gehört der Serie 4 Alfa Spider zu den schönsten der 115er Serie. Ich bin ein Fan von Rückleuchtenbändern, muß ich jedoch gestehen. Der Wagen hat eine absolut klassische Form, die auch Spiders der 60er Jahre (z.B. von Ferrari) zitiert. Die lackierten Kunststoffstoßstangen passen sehr harmonisch zusammen, das typische Alfa-Logo findet dennoch seinen Platz, die verchrochten A-Säulen/Scheibenrahmen sind wunderschön.

 

Der Innenraum ist qualitativ leider nicht hochwertig verarbeitet. Probleme machen die Alcantaraeinsätze der Sitzfläche genauso wie die Lederwangen, die Risse kriegen (meiner hat Echtledersitze). Trotz Restauration mit Flüssigleder und Einfärben vom Sattler, sind diese bereits bei diesem geringen KM-Stand verschlissen.

Die Kunststoffteile der Konsole, der Cockpitunterverkleidung und v.a. der Türseitenteile sind von schlechter Passung, hier muß man leider immer wieder nachbessern.

Das Tachometer ist bekannt für Aussetzer von Drezahlmesser/Tacho wie auch falscher Geschwindigkeitsangabe (sogar über 10% zu niedrig). Ich hab meine vom Spezi reparieren lassen. Das Tacho geht nun genau, setzt jedoch weiter immer wieder aus, v.a. bei Hitze - wenn auch seltener. Das Tacho ist generell eine Fehlkonstruktion, die auf Grund Hitzeeinwirkung mangels Abluft Schäden in der Elektronik verursacht. Ersatz gibt es nicht mehr neu!

Kleiner Teile wie Laschen, Schnallen vom Verdeck können immer wieder "ermüden" und müssen (für kleines Geld) ersetzt werden.

Die Kontakte für elektrische Fensterheber und Spiegel müssen nach jeder Sommerpause gereingt und mit Kontaktspray behandelt werden auf Grund von Wackelkontakten oder Ausfall.

Die Fensterheber müssen genau justiert oder immer wieder mal nachjustiert werden, damit sie zügig hochfahren; Seilzugrisse sind auch keine Seltenheit (hatte ich aber noch nicht).

Die Rücklichter fallen immer wieder aus, weil ein Lämpchen viel zu früh durchbrennt.

Der Antriebsstrang neigt zu Vibrationen, trotz teurem Auswuchten der Kardanwelle und Tausch der Kreuzgelenke nur teilweise Besserung - sei wohl eine Spiderkrankheit laut meiner Alfa-Werkstatt.

Fahrverhalten: Mein Wagen liegt mit Standardfahrwerk und Pirellis sehr gut auf der Straße. Man hört z.T. aber von verschlissenen Hinterachsen, Fangbändern und Differntialen, die es kritisch machen können. Der Wagen ist ein Gleiter, wer etwas sportliches sucht, wird bitter enttäuscht (dann unbedingt zum MX-5 NA greifen - Gokart-Feeling!). Im Übrigen ist das Fahrwerk jedoch, sofern in Schuss, sehr gutmütig und taugt für max. "flotte" Gangart gut. Auch ein Autobahnstück mit 190km/h auf trockener Straße ist durchaus drin - bei Nässe vorischt!

Motor: Der Sound ist mit dem KAT und Einspritzung schlichtweg eine große Enttäuschung. Der schöne Alfamotor, mit seinen Wurzeln aus den 50er Jahren ist hier vollkommen geknebelt, dreht nur mühsam hoch und klingt mehr gequält. Auch eine handgefertigte Schalddämpferanlage incl. Mittel- und Endtopf hilft da nicht so viel weiter. Abhilfe schaffen hier leider nur illegale Leerrohre statt Kat oder statt des Endschalldämpfers. Der Klang der alten Tag ist definitiv Vergangenheit. Beim Kauf achten, dass die sehr teure Ventilspielkontrolle nicht zu lange her ist - Spezialwerkzeug und zeitlich aufwändig!

Verdeck: habe ich neu gemacht und mit Tausch der Türdichtungen und Dreiecksfensterdichtungen absolut regendicht, auch auf längerer Fahrt - jedoch nicht waschanlagenfest. Es muss jedoch alles penibel genau justiert sein. Da muß man schon mal ordentlich bei Sattler in die Tasche greifen.

Verbrauch: zwischen 8-10L/100km - meines Erachtens sehr moderat.

Fazit: Ich hatte mir das Auto gekauft, weil es Erinnerungen weckte an die junge Erwachsenenzeit in den 90er Jahren, die erste Cabrio-Probefahrt (in genau so einem Modell) usw. Ich will die Erfahrung nun nicht missen, aber ich muss sagen, hätte ich nicht Unmengen in die Restauration investiert, die ich derzeit bei Verkauf nicht wieder rein bekomme, würde ich ihn verkaufen. Er macht mir sehr viel Freude, aber es gibt genug Störpunkte, die diese trüben. Insgesamt ist es jedoch ein zuverlässiges Auto, da hat mich mancher Porsche öfter in Stich gelassen, was Totalausfall/Abschleppdienst betrifft. Umgekehrt hatte ich mit keinem Auto so viele "kleine" Probleme, die einen viel Zeit oder eben Geld (oder beides) kosten, um sie zu beheben. So wundert es nicht, dass auf dem Gebrauchtmarkt die meisten Autos im Reparaturstau sind oder Bastelbuden von Hobbyschrauben sind. Letztlich musste ich bei meinem auch sämtliche Wartungsstaus für teures Geld beseitigen. Aber das Design des Autos und auch das Offenfahrgefühl, die Dreiecksfenster, die Türgriffe (übrigens die gleichen wie beim Ferrari Mondial), sind einfach berauschend und entschädigen für Vieles! Ich glaube, das Auto hat als letzte Serie der 115er Spider doch das Zeug zum Klassiker - die Preise werden auf jeden Fall noch ein paar Tausend Euro anziehen, wie sie es die letzten 10 Jahre bereits getan haben. Wer einen sucht, sollte jedenfalls jetzt zuschlagen - sie steigen bereits an Wert.

Galerie

Karosserie

2.5 von 5

 

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Design, Cabriogefühl
  • - Viele kleinere und auch teurere Defekte, schlechte Verarbeitung

Antrieb

3.0 von 5

 

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Beschleunigung, v-max
  • - Vibrationen, nicht drehfreudig

Fahrdynamik

4.0 von 5

 

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + erstaunlich gute Kurvenlage und Stabilität bei v-max
  • - Heck versetzt auf Bodenwellen, träger Motor

Komfort

3.0 von 5

 

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + relativ komfortabel
  • - Windgeräusche, Sitzkomfort

Emotion

3.5 von 5

 

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Pininfarina at its best!
  • - er suggeriert optisch Sportlichkeit, die sich so nicht bestätigt

Unterhaltskosten

Verbrauch auf 100 km 8,5-9,0 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 500-700 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr 500-1500 Euro
Außerplanmäßige Reparaturkosten Sonstiges - Kupplung, Kardanwelle, Kreuzgelenke,Tacho, Elektrik, Sattler und und und (6000 €)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

siehe Mängelauflistung

Gesamtwertung: 3.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.0 von 5 möglichen Sternen
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