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Alfa Romeo Giulietta 3 (940) 1.4 TB MultiAir Test

20.09.2014 16:55    |   Bericht erstellt von turitar

Testfahrzeug Alfa Romeo Giulietta 3 (940) 1.4 TB MultiAir
Leistung 170 PS / 125 Kw
Hubraum 1368
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 25000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 7/2011
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 3 Jahre
Gesamtnote von turitar 4.0 von 5
weitere Tests zu Alfa Romeo Giulietta 3 (940) anzeigen Gesamtwertung Alfa Romeo Giulietta 3 (940) 4.0 von 5
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Einleitung

Zum besseren Verständnis möchte ich anfügen, dass ich ein sogenannter "Alfisti" bin und es sich bei dem aktuellen bereits um den 5. Alfa handelt.

 

Das Auto wurde in der Farbe "blu profondo" und dem Sportpaket1 erworben. Leider gibt es die Farbe und die Ausstattungsvariante nicht mehr. Das Sportpaket1 beinhaltet heute weniger Details. Die Farbe passt zu der Form und den Felgen (Turbinenrad 17 Zoll) wunderbar

 

Das "Julchen" wird überwiegend im Stadtbereich gefahren 80/20%.

 

Zu den Unterhaltskosten:

Einen Ölwechsel pro Jahr mache ich auf freiwlliger Basis bei der Alfaniederlassung. 3,5 L und Olfilter = 170,- € (bei dem MultiAir Motor sollte nur das spezielle Motoröl verwendet werden).

 

Die Kosten der ersten Inspektion nach 2 Jahren (oder 30 000 Km) beliefen sich auf 360,- € (inkl. Ölwechsel).

 

Der TÜV nach 3 Jahren war kein Problem, wie nicht anders zu erwarten. Bis zur Rückgabe unseres Fahrzeugs im Sommer 2015 traten keine Probleme auf!

Galerie

Karosserie

3.5 von 5

Das Platzangebot ist sehr gut. Bei weit nach hinten geschobenen Sitzen ist das Platzverhältnis für Erwachsene hinten unzureichend, das in der Fahrzeugklasse aber wohl typisch ist. Für Kinder ist aber ausreichend Platz. Der Kofferraum ist mit 350 Liter ausreichend geräumig. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet und auf dem Niveau der hart umkämpften Kompaktwagenklasse. Die Materialien sind gut und lassen keine Wünsche offen, obwohl häufig die harte Kunststoffoberfläche bemängelt wird.

 

Durch die individuelle Gestaltung des Armaturenbretts, ohne eine überdimensionierte Mittelkonsole, vermittelt sie im Innenraum eine gewisse Leichtigkeit.

 

Dringend zu empfehlen sind die Abstandswarner nach hinten, da die Übersichtlichkeit dorthin miserabel ist.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + gute Platzverhältnisse vorne, hintenn ausreichende, sehr gute Verarbeitung,
  • - schlechte Übersicht nach hinten (Abstandswarner hinten sind PFLICHT)

Antrieb

4.0 von 5

Der Motor besitzt eine sogenannte MultiAir Ventilsteuerung. Das heißt, der Motor besitzt nur eine obenliegende Nockenwelle für die Auslaßventile, da die Einlaßventile elektrohydraulisch gesteuert werden (MultiAir System).

 

N-Modus (Normal):

Im N-Modus dauert es beim Beschleunigen in der Stadt etwas (ein kleines Turboloch), ehe der Motor hochdreht. Fahrer die überwiegend im Stadtverkehr zu Hause sind, empfehle ich die 105 bzw. 120PS Version, da bei diesen Motoren die Turbolader kleiner sind und daher schneller ansprechen.

 

D-Modus (Dynamic):

Auf der Bundesstrasse/Autobahn im D-Modus dreht der Motor willig hoch und hängt sehr schön am Gas. In diesem Modus setzt bei der 170PS - Version auch die Overboost Funktion ein. die die Leistung von 230Nm auf 250Nm ansteigen läßt. Gleichzeitig verändert das elektronische Differenzial Q2 die Untersteuerneigung und den Schlupf an der Antriebsachse. Zusätzlich erhöht sich die Bremsleistung, da sich die Bremse an allen Rädern an die Bremsscheibe annähert.

 

A-Modus (Allweather):

In diesem Modus ist das Ansprechverhalten der einzelnen Komponenten weicher und komfortabler. Dieser Fahrmodus eignet sich besonders bei winterlichen Strassenverhältnissen bzw. bei starkem Regen.

 

Getriebe:

Das Getriebe läßt sich wunderbar schalten, einziger Schwachpunkt ist das Hakeln des ersten Gangs. Das kann z.B. an Ampeln etwas nerven. Wenn man es weiß: sei´s drum.

 

Verbrauch:

Der Verbrauch über die gesamten gefahrenen Kilometer beträgt, nach Anzeige im Bordcomputer, 7,6 Liter.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Motor kann mit niedriger Drehzahl gefahren werden,
  • - einlegen des ersten Gangs hakelt manchmal

Fahrdynamik

4.5 von 5

Der Wendekreis liegt im Mittelfeld der vergleichbaren Fahrzeuge. Im N-Modus ist das Fahren mit dem "Julchen" locker zu bewerkstelligen und angenehm.

 

N-Modus (Normal):

Dieser Modus ist im Stadtgebiet bzw. in Ortschaften zu empfehlen, da die Lenkung ausreichend leichtgängig ist und der Modus ein komfortables und entspanntes Fahren ermöglicht.

 

D-Modus (Dynamik):

Der D-Modus schärft noch einmal kräftig nach und verleiht ihr ein ausgezeichnetes, direktes Handling und ein sehr präzises Einlenkverhalten. Wie schon unter der Rubrik "Antrieb" erwähnt, gewinnt die Bremse noch einmal zusätzlich an "Biß" und in der 170 PS-Version setzt die Overboost Funktion ein. Die sich in diesem Modus verhärtende Lenkung bedarf einer gewissen Aufmerksamkeit. Aber gerade dieses, manchmal leicht nervöse, macht unendlich Spass.

 

A-Modus (Allweather):

Dieser Modus dürfte besonders im Winter oder schwerem Regen sehr angenehm sein, da hier u.a. die Bremse und die Gasannahme sehr zurückhaltent reagiert.

 

Das Fahrverhalten ist in allen 3 Modi hervorragend.

 

Die DNA- Funktion möchte ich nicht mehr missen, da sie das Fahren emotionalisiert.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + hervorragendes Lenkverhalten, gute Beschleunigung,
  • - Lenkung im D-Modus für den Einen oder Anderen eventuell zu schwer und eventuell zu nervös

Komfort

4.5 von 5

Die Rückenlehne des Fahrersitzes "knarzt" manchmal. Dies wurde schon von Einigen bemängelt. Obwohl die Federung sportlich und straff abgestimmt wurde, ist sie ausreichend komfortabel und "schluckt" Bodenwellen sehr gut. In manchen Tests wird/wurde die komplizierte Bedienbarkeit gerügt, dies kann ich nicht nachvollziehen. Hatte von Anfang an mit dem Auto keine Probleme.

 

Die zwei Zonenklimaanlage springt zügig an und heizt gut. Eine zwei Zonenklimaanlage halte ich für ein Fahrzeug in dieser Größenordnung aber für übertrieben.

 

Das Cockpit hebt sich in seiner klassischen Gestaltung angenehm von den teils klobigen und ideenlosen Einheitsbrei ab. Besonders die Gestaltung der Anzeigen für Geschwindigkeit und Drehzahl bestechen durch ihre markante Ausführung.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Sitze aus dem Spotrtpaket 1 (Ausgabe 2011), zwei Zionenklimaanlage

Emotion

5.0 von 5

Das Design hat sofort gefallen, da es sich aus dem Einheitsbrei der Kompaktklasse wohltuend abhebt. Es folgt bei Alfa, Gott sei Dank, die Alltagstauglichkeit der Form und nicht umgekehrt. Dies führt natürlich zu einigen Nachteilen, z.B. der Beladung des Kofferraums. Das muß man akzeptieren oder man läßt es. Alltagstauglich ist die "Jule" dennoch.

Über das Image dieser Marke zu schreiben, hieße Eulen nach Athen tragen. Es gibt in der Limousinen- und Kompaktklase wenig Hersteller mit dem Image und den sportlichen Erfolgen von Alfa-Romeo. Der Motorklang ist angenehm, könnte für den "wahren Alfisti" aber ruhig etwas agressiver und alfatypischer sein, dies schließt das Auspuffgeräusch mit ein. Dieses "Manko" wurde bei der 1.8 Version schon behoben und es ist davon auszugehen, dass dies wohl auch bei den zukünftigen Motorgenerationen berücksichtigt wird.

Wenn, wie beim 1.8 Litermotor, auch beim 1.4 Litermotor der Block zukünftig als Leichmetallblock konzipiert wird, steigert dies noch einmal das sportliche Image der Marke.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + das Design hat mir sofort gefallen, ist kein Allerweltsauto, hebt sich vom Einheitsbrei ab
  • - würde mit einem Leichtmetallmotorblock alfatypischer klingen

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr bis 100 Euro
Verbrauch auf 100 km 7,5-8,0 Liter
Versicherungsregion (PLZ) 13595
Haftpflicht 400-500 Euro (30%)
Teilkasko 200-300 Euro

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Das "Julchen" ist für alle die richtige Wahl, die sich ein sportliches, individuelles Auto wünschen und die Freude am emotionalen, sportlichen Fahren haben, aber eine Limousine benötigen. Den oft gehörten Vorwurf, es wäre ja gar kein richtiger Alfa, da der Motorblock von Fiat kommt, kann ich nicht nachvollziehen. Ein Alfa muss sich wie ein Alfa fahren und dies tut das "Julchen" ohne Zweifel. In der Zukunft wird ja nun auch dieses Motor "Manko" behoben.

 

Was nun die immer wieder und oft angemahnte Zuverlässigkeit betrifft folgender Hinweis:

Da die Zulieferer größtenteils die selben sind, mit denen die deutschen oder japanischen etc. Hersteller zusammenarbeiten, ist das Risiko ein Desastro zu erleben nicht höher oder niedriger als bei einem deutschen oder japanischen Anbieter. Das liegt u.a. daran, dass es nun einmal nur eine begrenzte Anzahl von Zulieferern weltweit gibt. Die Zuverlässigkeit hängt nun einmal auch vom vernünftigen Einfahren eines Autos ab.

 

Kleiner Hinweis für Interessenten von gebrauchten Alfas:

Bei gebrauchten Alfas ist grundsätzlich darauf zu achten, dass sie regelmäßig gewartet wurden und kein Wartungsstau entstanden ist. Da Fahrzeuge dieser Marke oft günstig angeboten werden, kommen sie leider immer wieder in Hände, die das sportliche Potential der Autos ohne den nötigen Sachverstand ausreizen (Warmfahren etc.) noch der Wartung die nötige Aufmerksamkeit widmen. Grundsätzlich ist auf den ordnungsgemäßen Wechsel/die Erneuerung des Zahnriemens zu achten.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Autofahrer denen es prinzipell um die Alltagstauglichkeit geht, bei denen der Benzinverbrauch eine hohe Meßlatte ist und die mit sportlichen Genen im Auto nichts anfangen können lautet mein Tipp: Hände weg, kauft einen ..... oder was es sonst noch auf den Strassen so gibt und erfreut Euch daran.

 

Grundsätzlich: Bei dem Kauf eines Alfas, egal ob gebraucht oder neu, ist in die Überlegung ob man sich ein Auto dieses Herstellers aneignet zu berücksichtigen, dass die Unterhalts- bzw. Werkstattkosten über dem Niveau der gängigen Automarken liegen bzw. die Wartungsintervalle bei dem ein oder anderem Modell relativ kurz sind. So sind z.B. bei der Giulietta die Intervalle von 30 000 KM bzw. alle 2 Jahre, auf ein Jahr verkürzt worden, weil ein jährlicher Ölwechsel bei den MultiAir Motoren verbindlich ist (es wird das Öl gewechselt, also keine "richtige" Inspektion). Für mich ist das keine große Mühe, da ich dies grundsätzlich schon immer getan habe (in der Einleitung ausgeführt).

Die Kosten sind auch einer der Hauptgründe, dass Alfas oft verhunzt, miserabel gewartet bzw. versifft angeboten werden, habe das schon in der Anmerkung über den Gebrauchtwagenkauf hinterlegt.

Merke: Nicht der Alfa ist das Zuverlässigkeitsproblem, sondern oft der Halter dieser Marke!

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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