Renault Clio I 1.2 Test

09.07.2011 01:16    |    Bericht erstellt von PureVernunft

Testfahrzeug Renault Clio I 1.2
Leistung 54 PS / 40 Kw
Hubraum 1171
Aufbauart Kleinwagen
Kilometerstand 136000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 9/1995
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von PureVernunft 2.5 von 5
weitere Tests zu Renault Clio I anzeigen Gesamtwertung Renault Clio I 2.5 von 5
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Einleitung

Lieber Leser,

dies ist ein Testbericht zu meinem ersten Auto, einem dunkelblauen Renault Clio, den ich letztes Jahr für 800€ gekauft habe. Leider war dem Fahrzeug bei mir kein langes Leben vergönnt. Neulich stellte die Werkstatt beim Reifenwechsel fest, dass beide Federn an der Vorderachse gebrochen waren und ein Stoßdämpfer getauscht werden musste. Diese Tatsachen stellten leider den Todesstoß für mein erstes Auto dar.

Galerie
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Karosserie

2.5 von 5

Der Clio ist ein gradlinig gestalteter Kleinwagen im Stil der späten Achtziger bis frühen Neunziger. Typisch für diese Zeit ist das Gesicht ohne Kühlergrill sowie die getönten Rückleuchten, die als einziges Element einen gewissen sportiven Flair vermitteln. Insgesamt erinnert das nüchterne Design an eine Mischung aus Peugeot 205 und 106. Die daraus resultierenden großen Fensterflächen sowie die geringe Bauhöhe des Fahrzeugs sind spätestens beim Einparken von großem Vorteil. Eine Einparkhilfe ist schlichtweg überflüssig.

An der Seitenlinie fallen zwei Sicken auf. Die obere verläuft von der Unterkante der - in klassischer Renault-Manier - nach vorn öffnenden Motorhaube und geht nahtlos in die Fensterunterkante über. Die untere Sicke verläuft knapp unterhalb des Türgriffs und setzt den optischen Schwerpunkt.

Nehmen wir hinter dem klobig anmutenden Airbag-Volant platz, fällt zu allererst auf, dass es in jeglicher Hinsicht schräg steht. Ähnlich eines LKW oder Busses ist es geneigt und steht zu dem nicht mittig vor dem Fahrer, der in einem plüschig-weichem Sessel Platz nimmt, der allerdings nach gut 110.000km schon durchgesessen ist und Rückenschmerzen verursacht. Sehr groß oder breit gebaute Personen dürften hinter dem Lenkrad sowieso keinen Platz finden. Im Fond wird es sowieso eng, aber das ist bei einem Fahrzeug dieses Formats auch nicht anders zu erwarten.

Der Blick wandert über die Armaturenlandschaft. Viel gibt es bei meinem Clio nicht zu sehen. Die einzigen Anzeigen meines Sondermodells "Oasis" sind Tacho und Tank. Darunter reiht sich eine Batterie von Leuchten, die jegliche Probleme anzeigen.

Lassen wir den Blick weiter über das zerklüftete Cockpit aus billigstem mausgrauen Hartplastik schweifen, so fällt auf, dass das Armaturenbrett eine einzige Ablagefläche ist. Links vom Lenkrad, in der Mitte über den Lüftungsdüsen und sogar über dem deckellosen Handschuhfach erstrecken sich Ablagen, die Kleinkram jeglicher Art in Hülle und Fülle aufnehmen.

Wenn es ans Einladen geht, spielt der kleine Renault jedoch großes Kino! Der Kofferraum ist merklich größer als beim Konkurrenzmodell Opel Corsa B. Bei umgelegten Rücksitzen ließen sich sogar Einkäufe in einem bekannten schwedischen Möbelhaus sowie ein Umzug bewerkstelligen.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + sehr übersichtliche Karosserie
  • + passt in jede Parklücke
  • + für Kleinwagenverhältnisse großer Kofferraum
  • + Ablageflächen ohne Ende
  • - vorne zu klein für große Personen
  • - wenig Platz im Fond

Antrieb

1.5 von 5

Ein Kleinwagen mit 1,2 Liter-Motor und 54PS ist kein Rennwagen, das sollte jedem klar sein. In der Stadt ist seine Leistung aber völlig ausreichend. Hier spielt der Motor auch den Vorteil aus, dass bereits bei geringer Drehzahl ein vergleichsweise hohes Drehmoment anliegt. Dadurch lässt er sich im hohen Gang bewegen, was auch zur Charakteristik des drehunwilligen Motors passt. Tritt man ihn, so entwickelt er in erster Linie Lärm und dreht nur widerwillig hoch. So werden Überholmanöver zur Geduldsprobe.

Herunterschalten bringt übrigens nur einen bedingten Vorteil, da der Motor bei höherer Drehzahl schlichtweg kaum mehr Leistung hergibt. Die Schaltung glänzt zwar durch ausreichend präzise Führung, allerdings sind die Schaltwege recht lang.

Wenn der Clio aber genug Anlauf hatte und auf Touren gekommen ist, dann ist er so schnell auch nicht mehr zu stoppen. Eine Höchstgeschwindigkeit von mit GPS gemessenen 175km/h liegt durchaus im Rahmen des Möglichen, 190 sind bergab mit Rückenwind, viel Anlauf und Heimweh auch möglich, allerdings nicht empfehlenswert.

 

Für die bescheidene Motorleistung ist der Benzinverbrauch aber eindeutig zu hoch. Im Stadtverkehr genehmigt sich der Clio knapp 9 Liter. Auf der Landstraße lässt er sich zwar auf 6,5 Liter drücken, aber mit jedem Studenkilometer mehr steigt der Verbrauch.

Aus dem Motor meines Clio lief zudem das Öl in Strömen hinaus. Alle 500-600 Kilometer musste ich einen Liter nachkippen.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + relativ viel Drehmoment bei geringen Drehzahlen
  • + hohe Endgeschwindigkeit
  • - wenig drehfreudiger Motor
  • - zu hoher Verbrauch
  • - zähe Beschleunigung
  • - Ölverbrauch/-verlust

Fahrdynamik

2.5 von 5

Obwohl die Lenkung keinerlei Servounterstützung bietet, stellt sie niemanden vor größere Schwierigkeiten. Selbst schmächtige Damen können den Clio problemlos in Parklücken quetschen. Leider ist die Lenkung ziemlich indirekt ausgelegt, obwohl sie viel Rückmeldung bietet. Dies erzeugt ein diffuses Lenkgefühl.

Das Fahrverhalten im Ganzen verdient das Prädikat "narrensicher". Im Grenzbereich schiebt der Clio brav über die Vorderräder. Auch im Winter kann ihn nichts aus der Ruhe bringen.

Beim Bremsen ist allerdings etwas Feingefühl gefragt, da das Fahrzeug nicht über ABS verfügt.

Bei nächtlichen Reisen bekommt der Spruch "Wie Sie sehen, sehen Sie nichts" eine neue Bedeutung. Die Beleuchtung des Clio ist sehr mangelhaft. Das Fernlicht erreichte ungefähr das Niveau des Abblendlichts meines aktuellen BMW E36. Nur mit Abblendlicht über eine Landstraße zu fahren bedarf im Clio schon einigen Muts.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + narrensicheres Fahrverhalten
  • + ideale Ausmaße als Stadtfahrzeug
  • - schwammige Lenkung ohne Servo
  • - träge Beschleunigung
  • - mangelnde Beleuchtung

Komfort

3.0 von 5

Das Thema Komfort ist in der Regel an eine gewisse Komfortausstattung geknüpft. Nicht so beim Clio, denn eine Komfortausstattung existiert nicht. Keine Servolenkung, keine Zentralverriegelung und Fenster zum Kurbeln. Da stellt sich die Frage, welche Sonderausstattung dieser Clio denn überhaupt hat, der ja als Sondermodell namens "Oasis" angepriesen wurde. Er hatte eine Lenkradfernbedienung für's Radio, die allerdings mit dem nachgerüsteten Radio nicht kooperierte.

Aus diesem minimalistischen Konzept resultiert glücklicherweise eine Bedienung, wie sie einfacher nicht sein könnte. Knöpfe für Warnblinker, Nebelschlussleuchte sowie Heckscheibenheizung und drei Drehregeler für die sehr wirkungsvolle Heizung, das war's! Mehr Bedienelemente gibt's nicht.

Nachteilig wirkt sich der Minimalismus lediglich in anderen Bereichen aus. An der Polsterung der Sitze wurde gespart, Seitenhalt ist sowieso ein Fremdwort in Frankreich.

An der Motordämmung ist ebenfalls gespart worden. Besonders auf der Autobahn fällt auf, dass der Clio ordentlich lärmt. Ein Gespräch mit dem Beifahrer ist zwar immer noch problemlos möglich, aber ein nervender Lärmpegel ist konstant vorhanden.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + idiotensichere Bedienung
  • + starke Heizung
  • - zu weiche Sitze ohne Seitenhalt
  • - hoher Innengeräuschpegel

Emotion

3.0 von 5

Optisch gefällt mir der Clio. Zwar ist er kein Kunstwerk, aber er ist eindeutig schöner als andere Kleinwagen dieser Zeit, z.B. Peugeot 205, VW Polo, Opel Corsa A.

Zwar hat das Fahrzeug eindeutige Schwächen, aber es verströmt allgemein einen französisch legeren Charme. Die klapprig-billige Verarbeitung trägt ebenso ihren Teil dazu bei wie französische Schrulligkeiten wie die Hupe im Blinkerhebel oder die weichen Sessel ohne jeglichen Seitenhalt. Auch dass der Heckscheibenwischer ein ausgelassenes Eigenleben führe, zählt in diese Kategorie.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + französisch-legerer Charme

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr bis 100 Euro
Verbrauch auf 100 km 8,0-8,5 Liter
Inspektionskosten pro Jahr bis 100 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr 500-1500 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 78462
Haftpflicht 1.000-2.000 Euro (100%)
Außerplanmäßige Reparaturkosten Sonstiges - Kupplung, Auspuff, Ölverlust (400 €)

Gesamtfazit zum Renault Clio I 1.2 Test

  • + alltagstauglich
  • - mangelnde Zuverlässigkeit
Aus diesen Gründen kann ich den Renault Clio I 1.2 empfehlen:

Der Clio ist ein günstig zu erwerbendes Gefährt, das durch seine kompakten Abmessungen perfekt für die City ist. Für Personen bis 1,80 Meter ist das Platzangebot vorn auch durchaus ausreichend.

Günstige Reparaturkosten relativieren die häufig auftretenden Defekte wenigstens zum Teil.

Ich möchte nicht, dass durch meinen Test der Eindruck entsteht, ich würde den Clio nicht mögen. Ich hatte sehr viel Spaß mit und in dem Auto. Er hat mir als Umzugswagen, Reisefahrzeug und Wohnmobil gedient. All diese Erfahrungen möchte ich nicht missen!

Aus diesen Gründen kann ich den Renault Clio I 1.2 nicht empfehlen:

Extrem nervtötend und teuer ist die mangelnde Zuverlässigkeit des Clio. Damit, dass Zahnriemen, Motoröl und Bremsflüssigkeit gewechselt werden müssen, habe ich ja gerechnet. Wenige Wochen später aber griff die Kupplung nicht mehr, musste gewechselt werden.

Dann war etwa zwei Monate Ruhe, bis der Motor mehr und mehr Öl verlor. Nach Ansicht meiner Werkstatt machte es wirtschaftlich keinen Sinn, diesen Defekt zu reparieren. Also kippte ich mehr und mehr Öl nach, zum Schluss lag der Ölverbrauch bei etwa einem Liter auf 500 Kilometer.

Danach fiel auf der Rückreise aus Paris der Auspuff ab. Dank ADAC musste ich nur einen geringen Teil der Kosten tragen, dafür dass der Auspuff in einer französischen Hinterhofwerkstatt mit einem Draht festgebunden wurde.

Kurz drauf wurden neue Bremsscheiben und -klötze vorne fällig.

An Heiligabend viel der Auspuff um Punkt null Uhr erneut ab. Der Draht hatte sich gelöst. Diesmal leistete der ADAC ganze Arbeit und schweißte den Auspuff. Ganz dicht hielt er zwar nicht, aber wenigstens hielt er so den Rest des Autolebens bei mir.

Gesamtwertung: 2.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 2.5 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 4

09.07.2011 10:33    |    Berti V. Berti V.

Hallo pure Vernunft,

 

danke für den schönen Testbericht. Meine heutige Frau, hatte damals einen Renault 11...ein sehr emotionales Auto. Viele Jahre später durfte ich zufällig mal einen Leihwagen, eben auch ein Clio, fahren.

Ich war sofort an das damalige Flair erinnert, das war schon verblüffend, da ca. 15 Jahre zwischen den beiden Baujahren gelegen hatten. Aber emotional war es immer noch das gleiche, schöne, französische Gefühl.

 

Gruß Berti


20.07.2011 21:09    |    Peter Clio Peter Clio

Du bewertest einen Kleinwagen und keine S-Klasse...ist Dir das bewusst?

 

Oder kam er Dir beim kauf größer vor.....:D


04.08.2011 10:22    |    elixir23 elixir23

Hi,

 

also erstmal: gut geschrieben!

 

Aber die meisten der von dir aufgezählten Mängel sind Verschleissteile. Das arme, kleine, französische Billigauto ( ;-) ) kann doch nichts dafür, wenn du dich beim Kauf über den Tisch ziehen lässt. Das mit dem Auspuff, den Bremsen usw. hätte ein, fachkundiger Helfer oder ein kurzer Besuch in deiner Werkstatt, beim Kauf direkt ans Tageslicht gebracht. Zumal 800,- für dieses Modell schon SEHR teuer ist und man da ein Fahrzeug in gutem Zustand hätte erwarten können.

 

Da du den Clio ja eigentlich magst (und falls du noch kein anderes Fahrzeug gekauft hast) empfehle ich dir einen Neustart mit einem Clio Baccara (unbedingt einen mit Handschaltung nehmen!!) Das ist ein Sondermodell vom ersten Clio mit sparsamem 1,8l Motor (88PS bei Handschaltung, Verbrauch liegt UNTER deinem!) welcher dir auch mehr Freude beim Überholen bereitet. Doch das Beste ist, das ist die Luxusausführung! Von Ledersitzen über E-Fenster bis hin zu Klima und Zentralverriegelung per Infrarot - dieses Modell versprüht einen Hauch von Oberklasse im kleinen Plastikauto.

 

http://www.autoscout24.de/Details.aspx?id=vjidjohylfcm


05.09.2011 03:45    |    PureVernunft PureVernunft

Hallo Elixier,

 

ja, der Clio kann nix dafür, dass ich beim Kauf übern Tisch gezogen worden bin. Dennoch musste ich das Auto so bewerten wie ich es erlebt habe und die mangelnde Zuverlässigkeit, die zum Großteil auch auf nicht existente Wartung zurückzuführen ist, gehört nun mal zum Auto dazu. Ein fachkundiger Helfer wäre sicherlich nützlich gewesen, aber ich wollte nun mal den Clio haben und hab mich auf die TÜV-Plakette verlassen. Gott weiß, bei welcher Hinterhofklitsche der TÜV gekauft wurde!

 

Der Baccara hat was! Von außen ein langweiliger Clio, aber kaum steigen die Fahrgäste ein, nehmen sie auf Ledersesseln Platz, Fenster öffnen sich per Knopfdruck, klimatisiert ist's auch und ein (für Kleinwagenverhältnisse) fetter 1,8-Liter unter der Haube!

Aber ABS und Airbags sollte das Auto schon haben und da wird's ja beim Clio schwierig. Außerdem ist der 1,8er wahrscheinlich teuer in der Versicherung. Jetzt fahre ich einen BMW E36 316i Compact mit unter 8 Litern im Schnitt (Landstraße 6, Autobahn 130 knapp über 6, Autobahn 150-160 8, Stadt 8, Berlin 10). Der kommt mich im Verbrauch, den Verschleißreparaturen und den Unterhaltskosten nicht teuerer als der Clio.

Zum Clio hatte ich emotional eine engere Bindung, aber ich sehe es nicht ein, weshalb ich für einen Kleinwagen "Premiumaufschlag" bezahlen soll, wenn ich für das gleiche Geld einen größeren und bequemeren BMW in vernünftigem Zustand bekommen kann.


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