Opel Astra G 1.6 Test

05.09.2011 19:30    |    Bericht erstellt von roy Lueftner

Testfahrzeug Opel Astra G 1.6
Leistung 84 PS / 62 Kw
Hubraum 1598
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 125000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 9/2002
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 3 Jahre
Gesamtnote von roy Lueftner 3.5 von 5
weitere Tests zu Opel Astra G anzeigen Gesamtwertung Opel Astra G 3.5 von 5
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Einleitung

Auf der Suche nach dem ersten eigenen Auto steht ganz unscheinbar ein silberner Astra G beim Autohändler und passt genau ins Budget. Die Elegance-Ausstattung lässt sowieso keine Wünsche offen und optisch sieht der Wagen fast neuwertig aus.

 

Und so fahr ich den Wagen nun seit knapp 4 Jahren privat in allen Lebenslagen. Stadtverkehr, Überland, Autobahn, Bergstrecke, Sonne, Regen, Schnee. Auch wenn ich im ersten Jahr einiges investieren musste (Auspuff, Federn, Zahnriemen, Bremsen, Service, diverse Kleinigkeiten), er hat mich noch nie im Stich gelassen und ich würde ihn nur ungern wieder hergeben.

 

Vielleicht denken sich manche, dass meine Bewertungen ziemlich hoch sind. Ich weiß, dass es kein Rolls Royce ist, sondern nur ein kleiner, 9 Jahre alter Astra und relativiere daher bewusst. Jemand, der einen Luxusschlitten will, wird sich dieses Auto ohnehin nicht ansehen.

 

Update: Mittlerweile fahr ich ihn seit 4 Jahren. Die ersten drei Jahre gab es jedes halbe Jahr ein neues Geräusch, waren aber immer Verschleißteile (Radlager und Flexrohr haben sich noch dazugesellt). Sonstige technische Defekte Fehlanzeige, die Elektronik macht keine Mucken, der Wagen ist noch nie liegen geblieben und seit einem Jahr bin ich reparaturfrei. Der Astra fährt einfach :)

Galerie
Nach dem Kauf Nach dem Kauf

Karosserie

3.5 von 5

Besonders gefällt mir die Raumökonomie. Bei den Außenmaßen bieten heutige Kompakte wohl nicht mehr so viel Platz. Auch hinten lässt es sich passabel sitzen.

Kofferraumgröße hängt immer von der individuellen Benutzung ab, lässt sich aber dank großer Öffnung leicht beladen und ist für einen Kompakten sehr geräumig. Manch einer könnte sich an der hohen Ladekante stören.

 

Klar, es klappert und vibriert an manchen Stellen was, aber insgesamt ein sauberer Gesamteindruck, der mit ein paar Chromdetails (ab Werk) aufgewertet wird. Eigentlich bin ich kein Fan von Holzapplikationen, bei dem Wagen ist sie halt dabei und stört mich nicht.

Von billigen und kratzempfindlichen Oberflächen kann ich jetzt nicht berichten. Alles was nach Kratzer aussieht hat sich meist als Dreck entpuppt und konnte einfach weggewischt werden.

Die Sitze sehen nach 125.000km (davon 35.000 von mir gefahren) immer noch nicht durchgewetzt oder verschlissen aus, der Innenraum ist in einem tadellosen Zustand und sieht gesäubert aus wie neu. Nur das Lederlenkrad ist an der oberen Hälfte schon speckig.

Alle Schalter und Knöpfe sind übersichtlich und gut zu erreichen (und zum Glück sind es nicht so viele wie in den aktuellen Opels...)

Fensterflächen sind großzügig und noch nicht solche "Designerschlitze" wie heutzutage. Das einzige, worauf man beim Rangieren denken muss, ist das unsichtbare Bürzel am Heck, wenn man zuvor Steilheck gefahren ist.

Galerie
Bild #204126914
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Raumökonomie
  • + Haptik
  • + Übersicht
  • - manchmal Vibrationen aus der Mittelkonsole

Antrieb

3.5 von 5

Der Z16SE ist sicher keine Ausgeburt an Temperament, hängt aber gut am Gas, lässt sich mit etwas Geschick sogar unter 6l fahren, dreht auch schön hoch und klingt angenehm nach Motor (nicht nach Küchenmaschine mit 3 Zylindern).

Aus den 84PS und 138Nm lässt sich in Kombination mit den nur 1200kg doch noch einiges herauskitzeln, und auch wenn die paar PS mehr vom 16V toll wären - die Maschine macht trotzdem Spaß und keine Probleme.

Der Ölverbrauch ist konstant bei 0,3l pro 1000km und damit im typischen Bereich für diesen Motor. Er qualmt nicht und läuft wie ein Uhrwerk, von daher soll mir das bisschen Verbrauch recht sein.

 

Mein Reichweitenrekord liegt bei 760km mit einer einzigen Tankfüllung, ziemlich vollbeladenes Auto mit Betrieb der Klimaanlage und Route über Felbertauerntunnel (5,9l/100km).

Mein Verbrauchsrekord hingegen liegt bei 5,3l/100km auf Autobahnstrecke, ebenfalls mit Klimaanlage und etwas Gepäck.

Typischerweise liegt der Verbrauch aber bei 6,5l/100km im Sommer.

 

Das Getriebe lässt sich zwar leicht schalten, manche Gänge hakeln aber ein wenig, vor allem im kalten Zustand. Vermutlich würde ein Getriebeölwechsel hier Abhilfe schaffen. Getriebe ist bei diesem Modell aber anscheinend generell keine Stärke.

Ein länger übersetzter 5. Gang wäre schön gewesen, es hätte Verbrauch, Verschleiß und Lautstärke reduziert und das Auto für mich noch eine Spur erwachsener gemacht. Da ich nur selten auf der deutschen Autobahn fahre (und dort auch längst nicht überall ohne Tempolimit zu fahren ist) fällt das aber nicht so stark ins Gewicht.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + sparsam
  • + robust und unproblematisch
  • + drehfreudig
  • + gute Beschleunigung
  • - kurz übersetzter 5. Gang

Fahrdynamik

4.0 von 5

Der Astra braucht sich bezüglich Fahrwerk sicher nicht verstecken. Er ist wendig, spritzig, die Lenkung nicht zu leichtgängig und er lässt sich nicht durch wilde Manöver provozieren. An der Ampel schnell davonziehen ist auch mit den nur 84PS überhaupt kein Problem und macht Spaß, nur bergauf kann ihm die Puste gleich mal ausgehen und Beladung spürt man auch. An heißen Sommertagen zu dritt im Auto eine Bergstrecke hinauf ist durchaus ein Härtetest, aber dann dreht man halt mal den 2. Gang etwas mehr aus.

Im Alltag komme ich mir besser motorisiert vor als der Durchschnitt mit seinen Downsizing-Motörchen.

 

Die Bremsen lassen sich 1A dosieren, da bin ich von ein paar bisher gefahrenen neueren VAG-Modellen anderes gewohnt (giftig).

 

ABS ist an Bord, ESP nicht. Ich habe es noch nicht vermisst. Der Grenzbereich kündigt sich früh genug an, bevor man rausschiebt. In einer Notsituation ist das natürlich kein Argument, aber ich sag nur, es lässt sich bis jetzt auch ohne gut leben und ohne die künstlichen Eingriffe fühlt sich das Auto ehrlicher an.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + praktisch, wendig, ehrlich

Komfort

4.0 von 5

Der Astra ist auch hier so, wie sonst überall: Unauffällig. Es wird definitiv Unbequemeres geben und dass ein Kompakter nicht den Komfort einer Limousine mit 2t Leergewicht haben wird, ist auch klar.

Man sitzt vorne und hinten sehr gut, die Rückenlehne stützt ordentlich. In der Stadt und Überland ist der Wagen herrlich ruhig, Autobahn ist etwas lauter, leider wegen der kurzen Übersetzung.

Die Klimaautomatik ist top und kommt mit einem Minimum an Bedienelementen aus. Ganz selten, dass ich den Automatikmodus manuell übersteuern will.

Es gibt kein nerviges Gepiepse von irgendwelche Assistenzsystemen die mir vorschreiben, wie ich am besten zu fahren habe oder dass ich mich anschnallen vergessen habe. Man ist einfach noch selber verantwortlich und dank der erwähnten guten Rundumsicht braucht man auch keinen Totwinkelwarner oder Parkpiepser.

Ebenso muss man Opel loben für ihre ausgezeichneten Soundsysteme - der Klang ab Werk (vor allem Bass) ist ganz tadellos. Nichts für die Hardcore-Fraktion, aber überdurchschnittlich für die Klasse.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + alles was man braucht, nicht mehr, nicht weniger
  • + bequeme Sitze
  • + alles gut zu erreichen und selbsterklärend
  • + super Soundsystem
  • - ab 120km/h recht laut

Emotion

3.5 von 5

Der Wagen ist eigentlich unfassbar bieder, sowohl innen als auch außen. Andererseits sieht man einem gepflegten Astra auch heute noch nicht sein Alter an und ein Schrägheck mit großer Kofferraumklappe in der Kompaktklasse ist selten, es lässt ihn auch etwas schnittiger im Profil aussehen.

Die Technik ist fortschrittlich, aber noch nicht zu kompliziert für diverse Basteleien (wer's mag) und kann in jeder Werkstatt gewartet werden.

Wer ihn pflegt hat sicher kein hässliches Auto.

 

Der Astra ist im Prinzip ein Underdog. Man nimmt ihn im Alltag nicht wahr, man findet ihn weder herausragend schön noch hässlich.

Erst wenn man selber mal einen hatte, weiß man seine Qualitäten und seine Unkompliziertheit zu schätzen.

Galerie
Rückleuchten und Auspuffblende
Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + sehr individualisierbar
  • + viele Austattungen, komfortabel oder sportlich
  • - Emotionen ruft er keine hervor

Unterhaltskosten

Verbrauch auf 100 km 6,0-6,5 Liter

Gesamtfazit zum Opel Astra G 1.6 Test

Aus diesen Gründen kann ich den Opel Astra G 1.6 empfehlen:

Er ist günstig, er ist sparsam, er ist zuverlässig (Montagsautos gibt es immer, und ganz ehrlich: auch der G ist nicht mehr der jüngste), Rost in der Regel kein Thema, gut ausgestattet, sicher, geräumig, idiotensicher zu bedienen, gutmütig zu fahren und er lässt sich nach jedem Geschmack individualisieren.

Gepflegte Exemplare sehen auch heute noch modern aus.

Aus diesen Gründen kann ich den Opel Astra G 1.6 nicht empfehlen:

Wer auf (technischen) Schnickschnack und Prestige steht, ist mit dem G schlecht beraten. Auch wenn es das Coupe oder Cabrio ist - Opel bleibt Opel.

Mehr Fahrspaß versprechen natürlich die größeren Motoren.

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 5

07.01.2012 15:25    |    IanHammer

Super review! Ich hab auch so einen (Z16SE) und von A-Z kann ich nur sagen: So isses!


01.03.2012 02:40    |    VectraLover

Der G war auch mein 1. Auto... Was den Z16SE angeht (den ich auch hatte):

Manche Leute die bei mir Mitfuhren, glaubten nicht dass der Wagen "nur" 84 PS hat.

Dank dem kurz übersetzten Getriebe, ist er wirklich sehr Spritzig.

Hat immer Spass gemacht. Leider nach Totalschaden verkauft.


02.04.2012 19:47    |    VincentVEGA_

Toller Bericht!

 

Der Astra G ist ein unsagbar biederes Fahrgerät. Aber auch genau darin liegt sein Reiz. Die Opel zwischen 1998 und 2008 sind grundehrliche Autos. Bei Astra G, Corsa C und Vectra C steht nun mal der Nutzwert im Vordergrund und nicht wie heute das Design. Der Insignia bietet innen nicht mehr Platz als der Astra G! Ich selbst fahre seit Langem einen 1996er Golf, den ich damals gut und günstig geschossen habe, aber ich kenne alle drei von mir gelobten Opel-Modelle und muss sagen, dass das mit die besten Autos sind, die Opel je gebaut hat. Der Astra ist geräumig, sparsam, zuverlässig und, ganz wichtig mit Blick auf den Vorgänger, absolut rostresistent (was man von VW Golf, auch dem Vierer, nicht uneingeschränkt behaupten kann).

Dazu kommen auf dem Gebrauchtmarkt deutlich niedrigere Preise als das Wolfsburger Konkurrenzmodell.

 

Ich selbst habe mal einen Astra für ein Wochenende geliehen, ich kann deinen Bericht voll und ganz bestätigen. Komfortables, aber dennoch agiles Fahrverhalten, flotter Motor (1.6 16 V mit 100 PS statt 84), der vernünftige 8 Liter brauchte. Das muss ein heutiger Astra erst einmal nachmachen, denn ich fuhr recht sportlich und gab wenn es ging auch mal etwas mehr Gas, habe aber nicht wie ein Irrer den Freizeitschumi gespielt. Die bequemen Sitze und die tadellose Bedienung waren zusammen mit der ordentlichen Selection-Ausstattung eine Wohltat.

 

Wie eigentlich alle Opel aus der Kadett/Astra-Linie sieht der Wagen zeitlos gut aus. Die H und J, die ich wirklich hinreißend schön finde, sind zwar mutiger und moderner gestaltet, der G sieht daneben aber dennoch nicht veraltet aus und wirkt im Vergleich zum ähnlich braven Vorgänger deutlich moderner.

 

Mein nächster Wagen wird definitiv ein Corsa C oder Astra G. Preis und Zustand werden entscheiden. Auf das Image ("Jeder Popel fährt einen Opel..") pfeife ich mal ganz gepflegt. Die armen Sch.... , die auf solche Opel schimpfen, werden leider nie erfahren, wie es ist, ein ehrliches und solides Auto zum kleinen Preis zu fahren. Schade.


12.04.2012 15:57    |    roy Lueftner

Danke für die Kommentare :)

 

Ja, die Nachfolger sind schon wirklich ziemliche Brocken geworden. Nicht unschön, aber wirken einfach so schwerfällig... hab den J gleich zum Marktstart (da hatte ich meinen G noch gar nicht) mal testgefahren: Null Platz hinten, und der Motor kam mir zwar kräftig vor, aber das ganze Fahrzeug so massiv. 1,6 Tonnen für einen "Kompakten"... da ist Opel momentan an der Spitze glaub ich.

Und was das Image angeht: Zwar lese ich ständig, dass es mit Opel bergab geht (zumindest in Deutschland?), aber in Österreich ist die Marke auf jeden Fall noch sehr gut vertreten. Da fahren auch noch viele, viele Gs rum. Wird doch nicht ohne Grund sein!


15.04.2012 00:45    |    Hutchison123

Schöner Testbericht!

 

Ich hatte als zweites Auto von 2007 bis 2010 auch einen silbernen Astra G als Fünftürer.

Meiner war Bj. 99 mit allem Pipapo wie Leder, Sportsitzen, Klima, Sitzheizung, 4 x EFH usw.

Hab den Wagen von 66000 bis 107000 km bewegt und war stets zufrieden.

 

Verbrauch von 5 (Autobahn, gemütlich) bis 7,5 L/100 km (Kurzstrecke), also sehr günstig zu fahren.

Auch das Platzangebot war für die geringe Aussenlänge überragend, besonders der Kofferaum war durch die große Klappe sehr gut nutzbar.

 

Leider hat sich dann bei 107000 km der Motor (X16XEL) verabschiedet (Loch im Block) und der Wagen ist einem BMW E46 gewichen und dieser mittlerweile einem Mercedes 190E ;-)

 

War auf jeden Fall eine schöne Zeit!

 

PS:

Das einzige Problem beim Astra G - Der Antrieb ist auf der falschen Achse :D

 

PS2:

Der Astra G mag zwar irgendwo langweilig wirken aber gerade das ist doch schön.

Kein Firlefanz sondern einfach zeitlos elegant.

Seien wir doch mal ehrlich...der ewige (und meist beliebtere) Konkurrent, Golf IV, ist sicherlich nicht schöner.


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